Der ontologische Gottesbeweis von René Descartes


Hausarbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der ontologische Gottesbeweis
2.1 Einordnung und Bedeutung des ontologischen Gottesbeweises in den „Meditation über die Grundlagen der Philosophie“
2.2 Der ontologische Gottesbeweis
2.2.1 Die Notwendigkeit eines Gottesbeweises: Die Absätze eins bis vier
2.2.2 Die Hinführung zum ontologischen Gottesbeweis: Die Absätze 5 bis 21
2.2.3 Der ontologische Gottesbeweis: Die Absätze 22 – 38

3. Kritik des ontologischen Gottesbeweises

4. Kurze Darstellung des cartesischen Gottesbeweises

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den 1641 erschienenen „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ stellt René Descartes seine Überlegungen zur Metaphysik dar. In sechs Kapiteln, Meditationen genannt, erläutert der Philosoph, welches Wissen wir als gesichert anerkennen können und liefert so eine Möglichkeit zur Überwindung des Skeptizismus.

Einen besonderen Stellenwert in Descartes’ Methoden haben dabei die Gottesbeweise in den Meditation drei und fünf. Vor allem ersterer liefert in dem Werk eine wichtige Grundlage für die nachfolgenden Argumentationen und Erkenntnisse des Philosophen. Aufgrund der Bedeutung des Gottesbeweis wird sich die folgende Arbeit mit diesen Überlegungen Descartes’ auseinandersetzen. Das Ziel ist es, eine ausführliche und konkrete Darstellung des Inhalts der Dritten Meditation zu geben sowie parallel dazu die Argumentation des Philosophen aufzuzeigen. Daher widmet sich ein Großteil der Arbeit diesem Schwerpunkt. Als sinnvoller Zusatz wird zunächst der Stellenwert des Gottesbeweises für die Argumentationsmethode Descartes’ in den „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ dargestellt.

Damit Descartes’ Argumentationen und Ergebnisse richtig bewertet werden können, wird sich ein Kapitel zusätzlich der Kritik und Beurteilung des Gottesbeweises widmen. Darin werden eigene Gedanken, aber auch die anderer Autoren genannt, sodass einerseits eine sorgfältige Bewertung geliefert wird und andererseits die Wirkungsgeschichte des Gottesbeweises angedeutet werden kann.

Als Ergänzung und Abschluss wird zudem der zweite Gottesbeweis aus der Fünften Meditation kurz dargestellt, um ein Gesamtbild von Descartes’ Überlegungen über die Existenz Gottes zu liefern.

Beschäftigt man sich mit der Sekundärliteratur zu Descartes’ „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ so muss man feststellen, dass einige Autoren die Dritte Meditation als den ontologischen Gottesbeweis und die Fünfte Meditation als cartesischen Gottesbeweis bezeichnen. Andere Autoren hingegen nutzen die Bezeichnungen entgegengesetzt, wieder andere vermischen sie sogar. Um Missverständnissen vorzubeugen sei hier erklärt, dass die vorliegende Arbeit der Mehrheit der Autoren folgt und für die Dritte Meditation „Der ontologische Gottesbeweis“ und für die Fünfte Meditation „Der cartesische Gottesbeweis“ als Bezeichnungen verwendet.

2. Der ontologische Gottesbeweis

2.1 Einordnung und Bedeutung des ontologischen Gottesbeweises in den „Meditation über die Grundlagen der Philosophie“

René Descartes stellt, wie bereits in der Einleitung erwähnt, seinen ersten Gottesbeweis in der Dritten Meditation der „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie dar. Um einen Überblick über dieses Werk und die Bedeutung der Dritten Meditation zu gewährleisten, werden nun die anderen Meditationen kurz zusammengefasst.

In der ersten Meditation stellt Descartes seine Gründe dar, warum an allem zu zweifeln sei. Sinn dieser Methode ist es, eine vorurteilsfreie Grundlage für weitere Überlegungen zu schaffen und dass die daraus gewonnen Erkenntnisse als wahr angesehen werden können.

In der Zweiten Meditation führt Descartes den Dualismus von denkenden Wesen und ausgedehnten Körpern – res cogitans und res extensa – ein. In seinen Überlegungen kommt Descartes dabei zu der gesicherten Erkenntnis, dass er existieren muss, da er denkt und zweifelt.

In der Dritten Meditation beweist der Philosoph die Existenz Gottes und gibt somit eine zweite gesicherte Erkenntnis und die Möglichkeit, weitere Dinge als wahr zu begründen.

In der Vierten Meditation „wird bewiesen, dass alles, was wir klar und deutlich einsehen, wahr ist.“[1] Zudem erläutert Descartes die Gründe von Irrtümern in Bezug auf Urteile über wahr und falsch.

In der Fünften Meditation belegt der Philosoph wiederum die Existenz Gottes. Ferner gibt Descartes eine „Erklärung der körperlichen Natur.“[2]

Abschließend unterscheidet der Philosoph in der sechsten Meditation das bildliche Vorstellen vom Verstehen und beweist, dass Geist und Körper verschieden sind, aber dennoch eine Einheit bilden. Indem Descartes zudem die Mittel zur Überwindung des Irrtums nennt und dazu die Gründe aus denen man auf eine materielle Welt schließen kann, gibt der Philosoph schließlich den Beweis, dass körperliche Dinge existieren.

Möchte man nun die Bedeutung der Dritten Meditation beurteilen, so muss man das Ziel, das Descartes mit seinen „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ erreichen möchte, beschreiben. Dies ist am besten mit den eigenen Worten des Philosophen möglich:

„...nämlich, dass es in der Tat eine Welt gibt, dass die Menschen Körper haben und dergleichen, [...]. Einzig und allein das zu beweisen, habe ich mir in den Meditation zum Ziele gesetzt.“[3]

Ebenfalls wollte Descartes aufzeigen, dass die Gründe, welche die Existenz von Körpern beweisen, weniger klar sind, als diejenigen, durch die man den eigenen Geist und die Existenz Gottes erkennen kann. Fazit: Der Philosoph sucht nach gesicherten Erkenntnissen um den Skeptizismus zu überwinden.

Betrachtet man die Meditationen unter diesem Gesichtspunkt, so wird die Funktion des ontologischen Gottesbeweises eindeutig. Nachdem nach der Ersten Meditation zunächst nichts gewiss scheint und alles anzweifelbar ist, gibt es nach der Zweiten Meditation zumindest eine gesicherte Erkenntnis: Die Existenz des eigenen Ichs. Indem Descartes nun den Gottesbeweis einfügt, gibt er die Grundlage für die Überwindung des Skeptizismus, denn die Dritte Meditation bildet das Fundament für jedes weitere gesicherte Wissen. Da der Philosoph die Existenz eines vollkommenen, nicht der Täuschung fähigen Gottes belegt, ist das aus der Zweiten Meditation stammende stärkste Motiv des Zweifels an sicheren Erkenntnissen, jemand könnte ihn in seiner Wahrnehmung täuschen, überwunden. Somit schafft der Gottesbeweis überhaupt erst die Möglichkeit, dass weitere gesicherte Erkenntnisse erlangt werden können.

Darauf aufbauend liefert Descartes in den folgenden Meditationen weiteres sicheres Wissen. So zum Beispiel die Unterscheidung von Körper und Geist und das Existieren der realen körperlichen Welt. Gerade letzteres ist für die Überwindung des Skeptizismus ein entscheidender Gedanke. Indem Descartes hier also diese bis in die heutige Gegenwart präsente philosophische Richtung widerlegt, wird er zum Begründer des neuzeitlichen Rationalismus. Dass Descartes’ Thesen und Ergebnisse immer wieder angezweifelt und kritisiert wurden, reduziert die Bedeutung seiner Erkenntnisse keineswegs.

Da diese wenigstens zum Teil erst auf Grundlage der Dritten Meditation möglich waren, ist die Bedeutung des Gottesbeweises trotz wiederholter Kritik enorm und besitzt für Descartes’ Methode zum Erlangen gesicherten Wissens einen hohen Stellenwert.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass der ontologische Gottesbeweis, indem er die Möglichkeit liefert, dass weitere gesicherte Erkenntnisse neben der des eigenen Ichs existieren können, eine zentrale Argumentation von Descartes’ „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ darstellt und für die Überwindung des Skeptizismus ein wichtiges Fundament liefert.

2.2 Der ontologische Gottesbeweis

In der Dritten Meditation „Über das Dasein Gottes“ aus den „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ legt René Descartes in 39 Absätzen seine Argumentation über die Existenz Gottes dar. Dabei erläutert Descartes in den Absätzen eins bis vier die Notwendigkeit eines Gottesbeweises. Die darauf folgenden Absätze fünf bis einundzwanzig stellen dann die Hinführung zum eigentlichen Gottesbeweis dar, der von Descartes abschließend in den Absätzen zweiundzwanzig bis achtunddreißig referiert wird.

Der Absatz neununddreißig ist ein gedanklicher Abschluss der Dritten Meditation und inhaltlich für den Gottesbeweis unrelevant. Der Abschnitt enthält auch keine anderweitigen Erkenntnisse und kündigt lediglich die Vierte Meditation an. Ein eigenes Kapitel ist dem Absatz in dieser Arbeit daher nicht gewidmet.

Diese Gliederung der Dritten Meditation ist für einen vorteilhaften Überblick und ein besseres Verständnis sinnvoll. Dennoch muss bedacht werden, dass keiner dieser Teile für sich allein steht. Vielmehr bauen die Argumentationen aufeinander auf und beziehen sich auf die Ergebnisse der vorhergehenden Überlegungen.

Der ontologische Gottesbeweis wird anschließend in Kapitel 3 bewertet, kürzere Anmerkungen jedoch werden bereits hier im Text integriert.

2.2.1 Die Notwendigkeit eines Gottesbeweises: Die Absätze eins bis vier

Die Dritte Meditation mit Descartes’ Untersuchung über gesicherte Erkenntnisse schließt direkt an die Ergebnisse der Zweiten Meditation an, die im vorhergehenden Kapitel erläutert wurden. Der Ausgangspunkt ist also die Feststellung des Philosophen, dass er ein denkendes Wesen ist, so der erste Absatz der Dritten Meditation. Im zweiten Absatz setzt er zudem die Prämisse, dass alles wahr ist, was man eindeutig und klar einsehen kann. Auf dieser Behauptung baut sich die nachfolgende Argumentation nicht nur der Dritten Meditation, sondern auch im gesamten Werk auf. Eine kritische Diskussion dieser wichtigen Prämisse wird im dritten Kapitel präsentiert.

Auf Grundlage der soeben genannten Feststellungen erläutert Descartes, dass in ihm Vorstellungen von mit den Sinnen wahrnehmbaren Dingen sind. Diese entstehen aufgrund von realen Gegenständen und sind diesen ähnlich oder sogar gleich. Bisher hielt Descartes diese Erkenntnis für wahr und gesichert. Aufgrund des Zweifelsarguments, das er in der Zweiten Meditation entwickelt hat, muss er jedoch auch dies anzweifeln. Daher stellt sich die grundlegende Frage, ob es die anscheinend realen Dinge wirklich gibt. Und weiterführend, ob ein Urteil darüber entweder nur aus Zufall richtig oder eben ein Irrtum und falsch ist.

Descartes äußert hier, dass ein wahres Urteil nicht aufgrund der „Überzeugungskraft seiner Einsicht“[4] bewirkt wurde. Eine Erklärung dafür gibt er nicht. So bleiben vorerst Zweifel an dieser Behauptung, denn es ist nicht verständlich, warum ein wahres Urteil, das auf einer Einsicht beruht, nicht gesichert sein soll und nur einen Zufall darstellt. Bei genauer Lektüre seines Werkes ist jedoch festzustellen, dass Descartes sich hier auf seine anfänglich behauptete Prämisse bezieht, dass nur eine gesicherte Einsicht zu einer wahren Aussage führt. Dass das Urteil über die Vorstellungen bisher keine wahre Erkenntnis ist, erläutert der Philosoph in den folgenden Absätzen. Zunächst, ohne Kenntnis der weiteren Argumentation, ist die Äußerung Descartes’ jedoch nicht plausibel.

Ausgehend von zunächst gesichert scheinenden Vorstellungen, wie zum Beispiel aus der Mathematik und der Geometrie, erkennt Descartes, dass er auch diese anzweifeln muss. Dies geschieht mit direktem Bezug zur Zweiten Meditation, dessen Argumentation der Philosoph aufgreift: Es kann sein, dass es einen Gott oder einen bösen Geist gibt, der ihn in allem täuscht. Dies gilt auch für die soeben genannten scheinbar sicheren Erkenntnisse. Allerdings ist dieses Argument nur dann stark, wenn es tatsächlich einen Gott gibt. Zudem muss überprüft werden, ob dieser ihn dann auch täuschen kann oder täuschen möchte. Als Schlussfolgerung daraus ergibt sich, dass es unzweifelhaft notwendig ist, die Existenz Gottes zu erörtern.

2.2.2 Die Hinführung zum ontologischen Gottesbeweis: Die Absätze 5 bis 21

Nachdem Descartes in den Absätzen eins bis vier die Notwendigkeit eines Gottesbeweises dargelegt hat, beginnt er mit dem fünften Absatz die Hinführung zur Argumentation über die Existenz Gottes.

Dafür teilt der Philosoph seine Gedanken in drei Klassen ein:

Zunächst gibt es die Vorstellungen. Diese schließen alle Bilder der Dinge, die man sich macht, ein. Da „Vorstellung“ auch mit „Idee“ benannt werden kann, werden die folgenden Lehren Descartes’ auch als „Ideentheorie“ bezeichnet.

Des Weiteren gibt es Objekte des Bewusstseins. Diese sind Akte des Wollens, Bejahens, Fürchtens und Ähnliches. Diese sind in nochmals unterteilt in Willen bzw. Gemütsbewegungen sowie Urteile.

Darauf aufbauend analysiert Descartes im sechsten Absatz, welche dieser Gedankenklassen wahr sind und welche falsch sein können. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Vorstellungen als Gedanke nicht falsch sein können:

Ich stelle mir etwas bildlich vor. Also: Ich stelle mir etwas bildlich vor.

Dieses Argument ist also immer wahr. Dies gilt, obwohl es zugegebener Maßen zwar gültig und schlüssig, aber dennoch kein gutes Argument ist.

Ebenso verhält es sich mit dem Willen:

[...]


[1] Descartes (1993), 13

[2] Ebd., 14

[3] Descartes (1993), 14

[4] Descartes (1993), 31

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der ontologische Gottesbeweis von René Descartes
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die theoretische Philosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V230985
ISBN (eBook)
9783656473763
ISBN (Buch)
9783656474111
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gottesbeweis, rené, descartes, ontologisch, Meditation, Meditationen, grundlagen, einordnung, bedeutung, notwendigkeit, gott, beweis, hinführung, kritik, cartesisch, skeptizismus, ratonalismus, cartesianismus, theoretisch, philosophie, einführung
Arbeit zitieren
Sebastian Silkatz (Autor), 2009, Der ontologische Gottesbeweis von René Descartes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230985

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