In der Moderne leben viele Menschen in Staaten, die durch Gewaltenteilung und ein Recht auf Widerstand gekennzeichnet sind. Allerdings wissen nur wenige ihrer Bürger, dass die philosophischen Grundlagen dafür durch den englischen Denker John Locke gelegt wurden. In seinem 1689 erschienenen Werk „Zweite Abhandlung über die Regierung“ stellt er seine Theorien dar und liefert damit die Grundlagen des Liberalismus.
Die folgende Arbeit wird die Begründung des Widerstandsrechtes der Bürger gegen den Staat bei John Locke erläutern. Dafür werden zunächst die grundlegenden Informationen über Lockes Schrift gegeben. Danach wird ausführlich der vorstaatliche Zustand, unterteilt in Naturzustand und Kriegszustand, dargestellt. Darauf aufbauend widmet sich ein Abschnitt dem Staat. Dabei werden die Grundlagen des legitimen Staates, dessen Aufbau und das Verhältnis der Gewalten untereinander sowie das Verhältnis Bürger – Staat dargelegt.
Abschließend wird die Begründung des Rechts auf Widerstandes bei John Locke erörtert. Dabei wird unter anderem darauf eingegangen, aus welchen Gründen ein Staat versagt und wie Locke den Unterschied zwischen Widerstand und Rebellion definiert. Eine abschließende Diskussion über die Bedeutung der Thesen Lockes rundet die Arbeit zur Vollständigkeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagenwissen über die „Zweite Abhandlung über die Regierung“
3. Der vorstaatliche Zustand
3.1 Der Naturzustand
3.2 Der Kriegszustand
4. Der legitime Staat
4.1 Die Grundlagen des legitimen Staates
4.2 Der Aufbau des legitimen Staates
4.3 Das Verhältnis Bürger – Staat
5. Begründung des Rechts auf Widerstand bei John Locke
6. Diskussion über die Bedeutung der dargelegten Thesen John Lockes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Begründung des Widerstandsrechts bei John Locke. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Recht aus seinem Verständnis des Naturzustands, der Bildung eines legitimen Staates und dem Verhältnis zwischen Bürger und Staat ableitet, um den Liberalismus und die Ablehnung absolutistischer Herrschaft zu begründen.
- Politische Philosophie von John Locke
- Konstruktion des Natur- und Kriegszustands
- Legitimität des Staatsaufbaus und Gewaltenteilung
- Bedingungen und Grenzen des Widerstandsrechts
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Kriegszustand
Wie bereits beschrieben, sieht John Locke Natur- und Kriegszustand nicht als identisch an. Letzterer tritt immer dann ein, wenn ein Individuum gegen die Naturgesetze verstößt und jemand Anderem schadet. Da unabhängige Richter und eine ausführende Gewalt fehlen, muss jeder Mensch Selbstjustiz üben. Ob dies im gerechten Maße geschieht oder überhaupt gelingt, ist nicht garantiert. Daher ist der Kriegszustand von einem Idealzustand weit entfernt.
Während sich bei Hobbes alle Menschen permanent im Kriegszustand befinden, besteht dieser bei Locke lediglich dann, wenn Gewalt tatsächlich angewandt wird und nur zwischen den betroffenen Individuen.
Im dritten Kapitel der „Zweiten Abhandlung über die Regierung“ differenziert Locke diese grundlegende These des Kriegszustandes. So schreibt der Philosoph unter anderem, dass die angegriffene Person solange das Recht hat, den Schuldigen „zu vernichten, bis dieser die Hand zum Frieden bietet.“ Der Kriegszustand kann nach Locke, im Gegensatz zu Hobbes, also auch wieder beendet werden. Grundsätzlich gilt aber, dass ein begonnener Kriegszustand zunächst bestehen bleibt, selbst wenn zwischenzeitlich keine Auseinandersetzungen stattfinden. Er ist erst beendet, wenn eine beteiligte Partei vernichtet oder ein Friedensabkommen abgeschlossen wird.
Weiterhin gilt, dass sich Menschen dem Geschädigten bei der Bestrafung des Angreifers anschließen können. Sie versetzen sich gegenüber dem Schuldigen zwar auch in einen Kriegszustand, können aber so möglicherweise zu einem sichereren Zustand beitragen. Einige Menschen könnten sich aber auch, zum Beispiel aus familiären Gründen, dazu motiviert fühlen, dem Angreifer beizustehen. Auch diese befinden sich dann mit der Gegenpartei im Kriegszustand. Dieser kann somit unter Umständen viele Individuen und eine große Zeitspanne betreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Widerstandsrechts ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung über die politische Philosophie John Lockes.
2. Grundlagenwissen über die „Zweite Abhandlung über die Regierung“: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext und die Entstehungsgeschichte von Lockes Werk sowie seine kritische Auseinandersetzung mit Zeitgenossen wie Hobbes.
3. Der vorstaatliche Zustand: Hier werden der friedliche Naturzustand und der von diesem abgrenzbare Kriegszustand als Ausgangspunkte der politischen Theorie analysiert.
4. Der legitime Staat: Das Kapitel erläutert die Voraussetzungen für einen legitimen Staat, die Notwendigkeit der Gewaltenteilung sowie die Rechte und Pflichten der Bürger.
5. Begründung des Rechts auf Widerstand bei John Locke: Dieser zentrale Teil untersucht, unter welchen Bedingungen (Tyrannei, Usurpation, Eroberung) ein Widerstandsrecht besteht und wie es sich von unrechtmäßiger Rebellion unterscheidet.
6. Diskussion über die Bedeutung der dargelegten Thesen John Lockes: Abschließend wird der Einfluss von Lockes Thesen auf die moderne politische Philosophie und deren anhaltende, wenn auch teils kritisch betrachtete Relevanz diskutiert.
Schlüsselwörter
John Locke, politische Philosophie, Widerstandsrecht, Naturzustand, Kriegszustand, legitimer Staat, Gewaltenteilung, Liberalismus, Gesellschaftsvertrag, Bürgerrechte, Tyrannei, Volkssouveränität, Legislative, Exekutive, Rechtsphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politische Philosophie von John Locke, insbesondere die theoretische Herleitung des Rechts der Bürger auf Widerstand gegen eine ungerechte staatliche Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das Konzept des vorstaatlichen Naturzustands, die Gründung eines legitimen Staates durch einen Gesellschaftsvertrag sowie die Bedingungen, unter denen die Staatsgewalt ihre Legitimität verliert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das von John Locke begründete Widerstandsrecht umfassend zu erläutern und in den Kontext seiner gesamten Staatstheorie einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine textanalytische und ideengeschichtliche Methode an, um Lockes "Zweite Abhandlung über die Regierung" zu interpretieren und mit anderen Staatstheorien der Zeit zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Natur- und Kriegszustands, die Struktur des legitimen Staates inklusive der Gewaltenteilung sowie die detaillierte Herleitung der Voraussetzungen für ein Recht auf Widerstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Naturzustand, Widerstandsrecht, Liberalismus, Gewaltenteilung und Gesellschaftsvertrag charakterisieren.
Warum unterscheidet Locke zwischen Naturzustand und Kriegszustand?
Im Gegensatz zu Hobbes sieht Locke den Naturzustand nicht als permanenten Kriegszustand an, sondern als eine grundsätzlich friedliche Sphäre, in der Menschen ihre natürlichen Rechte besitzen, die erst durch Gewaltverletzungen in einen Kriegszustand überführt werden kann.
Welche Rolle spielt die christlich-theologische Begründung bei Locke?
Locke nutzt theistische Argumente, um die Gleichheit und Freiheit aller Menschen zu begründen. Der Autor der Arbeit merkt kritisch an, dass dies in einer zunehmend säkularen oder nicht-christlichen Gesellschaft als Schwäche in der Argumentationsüberzeugungskraft wahrgenommen werden kann.
Warum spielt die Gewaltenteilung eine so große Rolle?
Die Gewaltenteilung ist für Locke ein notwendiges Kriterium für die Legitimität des Staates, da sie verhindert, dass einzelne Instanzen (wie der Monarch) die Macht missbrauchen und gegen das Wohl des Volkes agieren.
Was unterscheidet Widerstand von Rebellion?
Nach Locke ist Widerstand das gerechtfertigte Auflehnen gegen eine illegitime, tyrannische Regierung, während Rebellion das unrechtmäßige Auflehnen gegen eine legitime, rechtmäßig handelnde Staatsmacht bezeichnet.
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- Sebastian Silkatz (Author), 2009, Das Recht auf Widerstand bei John Locke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230995