2004 gründete der Diplom-Sportlehrer Stefan Herre den Blog „politically incorrect“ (PI) . Was als kleine Webseite mit wenigen Besuchern begann, entwickelte sich schnell zu einer großen Webpräsenz mit mehreren zehntausend Besuchern pro Tag.
Inhalte der Seite sind nach eigenen Angaben „News gegen den Mainstream“, welche die gängigen Medien angeblich unter den Tisch kehren. Die Beiträge richten sich „gegen die Islamisierung Europas“, aber sind zugleich „proamerikanisch“, „proisraelisch“ und „für Grundgesetz und Menschenrechte“.
PI hat sich innerhalb von neun Jahren zum größten deutschen Weblog mit offen antiislamischen Inhalten entwickelt.
Dessen Erfolg gründet sich m.E. auch in der fast uneingeschränkten Kommentarfunktion. Teilweise werden Artikel mehrere hunderte Mal kommentiert, und das innerhalb von 48 Stunden, bis die Kommentarfunktion geschlossen wird. Zwar verbietet die Policy „Kommentare, die sich mit unsachlichem, übertrieben polemischem, verleumderischem, ehrverletzendem oder beleidigendem Verbal-Vandalismus gegen Menschen wenden und dabei geeignet sind, ein Klima allgemeiner Beschimpfung und Verunglimpfung herbeizuführen“, doch die Kontrolle scheint eher lax zu sein, denn fallen folgende Kommentare zu einem Artikel über eine geplante Gedenktafel für die in Dresden ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini nicht eben darunter?
wayfaring stranger (01. Jul 2010 02:00) Hätte Marwa El-Sherbini sich nicht als feindlich gesinnte Terror-Tunte verkleidet, würde sie heute sicher noch leben. Jede/r muss selbst wissen, was ihm/ ihr wichtig ist.
Beeltejeuce (30. Jun 2010 21:56) In einem unbeobachteten Moment Schweineblut draufschütten
Unverhohlen negativ bis hin zu hasserfüllt wettern die Leser gegen Moslem und linke Gutmenschen.
2011 berichteten Medien, dass der Verfassungsschutz PI auf den Verdacht der Volksverhetzung überprüfe. Anlass war das grausame Attentat des Norwegers Anders Breivik im Juli 2011, der Norwegen nach eigenen Angaben vor dem Islam und Kulturmarxismus verteidigen wollte.
Noch im Dezember desselben Jahres wurde eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz von der Bundesregierung abgelehnt.
In meinem Essay möchte ich analysieren, welches Islambild auf dieser Webseite vermittelt wird. Hierfür wende ich mit insbesondere der Leitlinie „Gegen die Islamisierung Europas“ zu, wie sie auf der Webseite festgehalten ist. Absatz für Absatz möchte ich analysieren, welche Argumente PI gegen eine angebliche Islamisierung Europas hervorbringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Analyse des Islambildes auf Politically Incorrect
2.1 Untersuchung der Leitlinie „Gegen die Islamisierung Europas“
2.2 Argumentationsmuster gegen den Islam
2.3 Die Rolle der Scharia in der Argumentation
3. Islamkritik als Instrument der Selbstversicherung
4. Mechanismen der Feindbildkonstruktion
5. Fazit und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Der Essay analysiert die mediale Vermittlung des Islambildes auf dem politischen Blog "Politically Incorrect" und untersucht, mit welchen Argumenten und rhetorischen Strategien die Seite ein Narrativ der "Islamisierung" konstruiert.
- Analyse der PI-Leitlinien und ihrer Wirkung auf das Publikum.
- Untersuchung der rhetorischen Instrumentalisierung von Begriffen wie Scharia und Menschenrechten.
- Darstellung der Mechanismen der Feindbildkonstruktion und der Funktion von Islamkritik als Identitätsstiftung.
- Reflektion über die Rolle von Angst und kollektiver moralischer Empörung in politischen Blogs.
- Diskussion über Möglichkeiten des Umgangs mit rechtspopulistischer Rhetorik in digitalen Medien.
Auszug aus dem Buch
Die Instrumentalisierung von Begriffen
„Mit den Moscheen und ihren Predigern sind auch massive Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsehen und Ehrenmorde zu uns gekommen. Frauen, Juden und “Ungläubige” werden nicht nur verbal diskriminiert, sondern auch tätlich angegriffen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an den Überfall auf die Düsseldorfer Synagoge im Jahre 2000. Politisch korrekt rief der damalige Kanzler Schröder sofort überall den Aufstand der Anständigen aus – nicht wissend, dass die beiden Gewalttäter Moslems waren, die der Hass auf Israel und auf die Juden zu ihrem mörderischen Anschlag trieb.“
In diesem Absatz wird das Argument der „Menschenrechte“ ins Feld geführt. Es soll hier nicht bestritten werden, dass Zwangsehen und Ehrenmorde furchtbare Verbrechen sind, die mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden müssen – was auch geschieht. Doch dieser pauschalisierende Satz erweckt den Eindruck, dass Zwangsehen und Ehrenmorde zur Tagesordnung aller Muslime gehören.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Einführung in die Historie und Ausrichtung des Blogs "Politically Incorrect" sowie Darlegung der Zielsetzung der vorliegenden Analyse.
2. Analyse des Islambildes auf Politically Incorrect: Detaillierte Untersuchung der rhetorischen Argumentation gegen den Islam und die spezifische Deutung der Scharia durch den Blog.
3. Islamkritik als Instrument der Selbstversicherung: Analyse der psychologischen Funktion islamkritischer Aussagen, die dem Publikum zur Identitätsstärkung und Abgrenzung dienen.
4. Mechanismen der Feindbildkonstruktion: Erläuterung, wie der Blog durch die Konstruktion eines kollektiven Feindbildes Vorurteile schürt und Angst instrumentalisiert.
5. Fazit und Handlungsempfehlungen: Zusammenfassende Einschätzung der Gefahr durch den Blog und Plädoyer für Bildung und interkulturellen Dialog statt Verbotsforderungen.
Schlüsselwörter
Politically Incorrect, Islamisierung, Islambild, Islamkritik, Scharia, Feindbild, Radikalisierung, Menschenrechte, Polemik, Medienanalyse, Populismus, Identität, Vorurteile, Diskurs, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das spezifische Islambild, das auf dem politischen Blog "Politically Incorrect" vermittelt wird, und analysiert die dabei verwendeten rhetorischen Strategien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Analyse der Weblog-Leitlinien, die Instrumentalisierung gesellschaftlich hochsensibler Themen wie Menschenrechte sowie die psychologische Wirkung auf die Leserschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, durch die der Blog ein negatives, generalisierendes Bild des Islams erzeugt und damit Ängste in der Bevölkerung schürt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine absatzweise Analyse der Blog-Beiträge und stützt ihre Argumentation auf kulturwissenschaftliche und politikwissenschaftliche Konzepte, unter anderem von Tzvetan Todorov.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Dekonstruktion der Argumente des Blogs, insbesondere in Bezug auf die Darstellung der Scharia und die pauschale Verknüpfung von Muslimen mit Kriminalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Islamisierung, Medienanalyse, Feindbildkonstruktion, Populismus und interkultureller Dialog beschreiben.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Kommentarfunktion auf dem Blog?
Die Kommentarfunktion wird als wesentlicher Erfolgsfaktor für den Blog gesehen, da sie als Resonanzraum für ungefilterte, teils hasserfüllte Polemik dient und ein Klima der moralischen Empörung fördert.
Warum hält die Autorin ein Verbot des Blogs derzeit für nicht zielführend?
Die Autorin argumentiert, dass ein Verbot Islamophobe in ihrer Opferrolle bestärken und instrumentalisieren könnte, weshalb sie auf langfristige Aufklärung und Bildungsarbeit setzt.
Wie verhält sich das Islambild auf dem Blog laut Analyse zu anderen Religionen?
Die Analyse zeigt, dass der Blog den Islam nicht bloß als Religion darstellt, sondern als Bedrohung und politisches System, während der "Westen" und dessen Werte als moralisch überlegen konstruiert werden.
Welches Fazit zieht der Text bezüglich der Bedrohung durch Populismus?
Der Text kommt zu dem Schluss, dass der Blog ein manichäisches Gut-Böse-Weltbild zeichnet, das Ängste vor einer globalisierten Welt ausbeutet, und fordert zu kritischerem Denken auf, um die Zivilisation gegen Barbarei zu verteidigen.
- Quote paper
- Jana Richter (Author), 2013, „Gegen die Islamisierung Europas“. Das Islambild des politischen Blogs „Politically Incorrect“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231096