Portfolio über das deutsche Schulsystem. Funktionen von Schule, Schulsystem im Vergleich und soziale Ungleichheiten


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Arbeitsaufträge

1. Einleitung

2. Thema zu: Vorlesung vom 1. November 2010 (Teil 1)

3. Thema zu: Vorlesung vom 22. November 2010 (Teil 1)

4. Thema zu: Vorlesung vom 24. Februar 2011 (Teil 2)

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Arbeitsaufträge

Teil 1;

Arbeitsauftrag Nr. 1 - (Vorlesung vom 1. November 2010)

Erläutern Sie die 3 gesellschaftlichen Funktionen institutionalisierter Erziehung durch Schule! Beschreiben Sie die historische Entwicklung des öffentlichen (höheren, mittleren, niederen) Schulwesens in Preußen und reflektieren Sie die historischen Verbindungen zum heutigen Schulsystem der BRD!

Arbeitsauftrag Nr. 4 - (Vorlesung vom 22. November 2010)

Vergleichen Sie das deutsche Schulsystem mit den Schulsystemen in Finnland und in Südkorea! Wie sieht die Grundstruktur des Schulwesens in diesen Ländern aus? Welche typischen Merkmale lassen sich in Bezug auf die innerschulische Organisation der Lehr-Lernprozesse feststellen? Reflektieren Sie, ob sich hinter den unterschiedlichen strukturellen Merkmalen der Schulsysteme in diesen Ländern eine spezifische, gegebenenfalls kulturell geprägte Leitidee befindet!

Teil 2;

Arbeitsauftrag Nr. 4 - (Vorlesung vom 14. Februar 2011)

Soziale Ungleichheit im Bildungssystem: Beschreiben Sie die sozialen Ungleichheiten im deutschen Schulsystem! An welchen (drei) sozialen Merkmalen machen sich diese überwiegend fest? Warum wird seit der Studie PISA 2000 in Deutschland wieder stärker darüber diskutiert? Beschreiben Sie die soziale Ungleichheit und mögliche Erklärungen für das Merkmal Geschlecht! Reflektieren Sie die gesamte Thematik in Bezug auf Ihre zukünftige berufliche Rolle als Lehrkraft: Was können Sie tun, um sozialen Ungleichheiten entgegen zu wirken und damit zu mehr Chancengleichheit beizutragen?

1. Einleitung

Im Rahmen der Veranstaltung „Einführung in die Entwicklung von Schulen“ wurden verschiedene Aspekte des Wesens von Schule behandelt und die Entstehung des deutschen Schulwesens im historischen und aktuellen Kontext untersucht. Da Schulwesen als Erziehungsinstitution auch immer auf eine bestimmte Denkhaltung und Kultur zurückzuführen ist, gibt es entsprechende Unterschiede im internationalen Ländervergleich. Jedes Schulsystem besitzt demnach einzigartige Merkmale, was sich in der Erziehung und Bildung seiner Schüler und somit der nachfolgenden Generation des Landes bemerkbar macht. In meinem nachfolgenden Portfolio greife ich diejenigen drei Einzelthemen, bzw. Vorlesungen heraus, die mir in diesem Zusammenhang als besonders wichtig erschienen sind.

Im ersten Teil wird zunächst die gesellschaftliche Funktion von Schule als institutionalisiertes Erziehungssystem beschrieben. Mit Hinblick auf die Entstehungsphase des dreigliedrigen Schulwesens im damaligen Preußen werden die Auswirkungen auf das heutige Schulsystem in Deutschland näher erläutert und anschließend kritisch reflektiert, bevor im zweiten Teil ein Vergleich der Schulsysteme Deutschlands, Finnlands und Südkoreas gezogen wird. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die länderspezifischen Grundstrukturen und Leitideen gelegt.

Im dritten Teil werden schließlich die auftretenden sozialen Ungleichheiten im deutschen Schulsystem beschrieben und näher erläutert. Die anschließende Reflexion zeigt auf, was ich als zukünftiger Lehrer diesem Problem entgegenzusetzen habe und welchen Beitrag ich somit für mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem leisten kann.

2. Thema zu; Vorlesung vom 1. November 2010 (Teil D

Die gesellschaftlichen Funktionen institutionalisierter Erziehung durch Schule Um Schule und Schulsysteme in ihrem Wesen und hinsichtlich ihrer Funktionsbereiche zu erklären, entstanden erste Theorien von Schule. Während sich die anfänglichen Vertreter dieser Teildisziplin der Schulpädagogik jedoch den Vorwurf mangelnder wissenschaftlicher Qualität und Einseitigkeit gefallen lassen mussten, trat mit Helmut Fend eine erstmals empirisch fundierte, methodenpluralistische und interdisziplinäre Theorie von Schule auf, die der Komplexität des Untersuchungsgegenstands Schule auch gerecht werden konnte.[1]

Die wesentliche Aufgabe von Schule besteht in der Reproduktion der Gesellschaft. Neben der heute immer mehr in den Fokus der Betrachtung tretenden Funktion der Kulturüberlieferung[2] führt Fend drei grundsätzliche gesellschaftliche Funktionen institutionalisierter Erziehung durch Schule an:

1.) Die Funktion der Qualifikation
2.) Die Funktion der Selektion (Allokation)
3.) Die Funktion der Legitimation (Integration)[3]

Die Qualifikationsfunktion von Schule bezeichnet die Tatsache, dass die nächste Generation mit Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet wird, die sie dazu befähigt, in Schule und Erwerbsleben, sowie und im privaten und öffentlichen Umgang mit der Gesellschaft, erfolgreich am weiteren Prozess gesellschaftlicher Reproduktion teilzunehmen.[4] Die Gesellschaft wird somit in die Lage versetzt, sich von Generation zu Generation zu reproduzieren. Die Selektions- oder Allokationsfunktion von Schule übernimmt die Aufgabe der Auslese (Selektion) auf Basis personenvergleichender Leistungsbeurteilungen und Zensuren bei gleichzeitiger Verteilung (Allokation) der so durch Notenstufen und mit Abschlussqualitäten bewerteten Schüler und Studenten auf unterschiedliche soziale Positionen, sowie Einfluss- und Einkommenschancen in der Gesellschaft. Unter der Legitimations- oder Integrationsfunktion schließlich versteht man die Eingliederung (Integration) der jungen Generation in die Gesellschaft mit ihren politischen, sozialen und ethischen Normen und Werten und mit ihren verbindlichen Verhaltensregeln und Gesetzen.

Um das System als sinnvoll erfahren zu können, lernen die Schüler die Identifikation mit den entsprechenden Werten in der Schule, was diese zugleich legitimiert.[5]

Die historische Entwicklung des öffentlichen Schulwesens in Preußen Für Deutschland wurden die Grundlagen zur Entstehung eines institutionellen Schulwesens im Preußen des 18. Jahrhunderts gelegt. Um die Bürger des Staates zu bilden, wurde zunächst im Jahr 1717 per Gesetz eine allgemeine Unterrichtspflicht eingeführt. Trotzdem diese bereits lange bestand, musste sie im Laufe der Jahre wiederholt ausgerufen werden, da ihr zunächst nur Wenige nachkamen. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte sie schließlich konsequent durchgesetzt werden.[6]

Ausschlaggebend für diese Entwicklung des preußischen Schulwesens waren ähnliche Überlegungen, wie sie später von Fend als gesellschaftliche Funktionen von Schule definiert wurden. So nutzte der Staat Schulen als ,,Mittel zur Herausbildung eines gemeinsamen Staats­und Nationalbewusstseins“ (Legitimationsfunktion), als Mittel zur Heranbildung qualifizierten Personals, um die Entwicklung der Wirtschaft und der staatlichen Verwaltung zu befördern (Qualifikationsfunktion) und schließlich als Mittel zur Möglichkeit des Einzelnen, sich durch im Bildungssystem erbrachte Leistung besonders hervorzutun und die eigenen Lebensmöglichkeiten zu erweitern (Selektions- und Allokationsfunktion).[7]

Das höhere Schulwesen

Diese Überlegungen erklären, warum sich die Bestrebungen des Staates vorerst auf den Ausbau und die Reform des höheren Schulwesens konzentrierten. Man wollte in erster Linie ein qualifiziertes Beamtentum für die staatliche Verwaltung schaffen.[8] Um dieses zu erreichen, wurde eine zentrale Aufsichts- und Planungsinstanz für das höhere Schulwesen ernannt, das Oberschulkollegium in Berlin. Dieses machte sich zunächst daran, das aus heterogenen und zumeist von Städten und Stiften unterhaltenen Schulen bestehende und somit ,,unübersichtliche und qualitativ ungenügende höhere Schulwesen“ durch die Einführung einer Abschlussprüfung zu ordnen. Das somit am Ende der gymnasialen Schulzeit stehende Abitur wurde in mehreren Schritten ausdifferenziert und verbindlich gemacht. Vollendet wurde diese Entwicklung im Jahr 1834 mit dem 3. Abiturreglement, das Abiturprüfungen zur Voraussetzung für alle universitären Studiengänge machte.[9]

Das niedere Schulwesen

Dem niederen Schulwesen kam eine untergeordnete Rolle zu, ging es hierbei doch vorrangig um das ,,landesherrliche Interesse“ an einer ,,herrschaftskonformen Glaubenserziehung christlicher Untertanen“, also einer Untertanenerziehung die aus ökonomischer Sicht zweitrangig war und im Gegensatz zur Beamtenerziehung des höheren Schulwesens stand.[10] Aus diesem Unterschied lässt sich auch der Grund für die klare Trennung beider Schulwesensinstitutionen ableiten: „Um aller dieser Gründe willen aber bedürfen wir in der menschlichen Gesellschaft nicht gleichartiger Stufen-, ...sondern nach bisheriger alter Weise, guter Bauern-, Bürger- und Gelehrtenschulen, worin diejenigen, welche diesen zwar verschiedenen, aber gleich ehrenwerten Ständen angehören, von Kindesbeinen an zu ihrer künftigen Bestimmung vorbereitet werden; nicht endlich einer künstlichen Gleichheit der Volkserziehung, sondern vielmehr einer naturgemäßen Ungleichheit der Standeserziehung; zwar allerdings einer übereinstimmenden Bildung zur Religion und Sittlichkeit, aber keineswegs einer gleichartigen Abrichtung in Kenntnissen und Fertigkeiten. “[11]

(Georg Philipp Ludolph von Beckedorff, damaliger Leiter: preußisches Volksschulwesen)

Zwar wehrten sich fortschrittliche Bürger gegen die Bildungsbegrenzung, doch wurde diese, insbesondere nach der fehlgeschlagenen bürgerlichen Revolution von 1848, nochmals verschärft und auf die ,,elementaren Kulturtechniken“ (Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang, z.T.: Vaterlandskunde, Zeichnen), sowie aufReligion zurückgeführt.[12]

Das mittlere Schulwesen

Zwischen beiden Konzepten war ein besonders auf Anwendbarkeit ausgerichtetes mittleres Bildungsangebot angesiedelt, das an ,,künftige Gewerbe oder mechanische Handwerke treibende Bürger“[13] gerichtet war. Hier spielten besonders Mathematik, Mechanik, Ökonomie und moderne Fremdsprachen eine herausragende Rolle in den Lehrplänen. Die Ausrichtung des Bildungsangebots nach Herkunft oder Berufswahl ist auch hier deutlich zu erkennen, indem die Schüler einerseits „nicht bewusst dumm“ gehalten, „andererseits aber nicht auf akademische Karrieren hin“ orientiert wurden.[14]

Reflexion der historischen Verbindung zum heutigen Schulsystem in Deutschland Wie groß der Einfluss der Geschichte auf die Gegenwart ist, wird meiner Meinung am Beispiel unseres Schulsystems deutlich. Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung eines dreigeteilten Schulsystems, bei dem die Menschen nach Herkunft und Bildungsschicht unterteilt werden, ist es doch äußerst verwunderlich, wenn sich Politiker und Pädagogen über das schlechte Abschneiden deutscher Schüler beim internationalen PISA-Test beklagen und gleichzeitig angeben, bei der Suche nach den Gründen hierfür im Dunkeln zu tappen.

Unser deutsches Schulsystem wurde auf den Grundfesten einer Drei-Klassen-Gesellschaft aufgebaut und hat bis heute in gleicher oder zumindest ähnlicher Form bestand. Diese Tatsache wird ebenfalls durch die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie belegt. Darin heißt es, dass in keinem anderen Land ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien hat, wie es in Deutschland der Fall ist.[15]

Wenn die damalige Volks- bzw. heutige Hauptschule gegründet wurde, um Bauern und Arbeiter mit allgemeinem Basiswissen zu versorgen, so ist es doch nur eine logische Folge, dass die hier ausgebildeten Schüler nicht an das Niveau eines Schülers herankommen, der in einer Schule ausgebildet wurde, in welcher das Prinzip von Chancengleichheit und Integration das vorherrschende ist.

Auf diese Art und Weise wird der Bildungsaufstieg einzelner Menschen systematisch erschwert, wodurch auch die Gesellschaft die Leidtragende ist, nämlich dann, wenn eine gewisse Anzahl kluger Köpfe auf dem Arbeitsmarkt fehlt und den wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritt derVolkswirtschaft nicht produktiv vorantreiben kann.

[...]


[1] Vgl. Sandfuchs, U., Was Schule leistet, in: Melzer, W./Sandfuchs, U. (Hg.): Was Schule leistet, Weinheim und München, 2001, S. 11-12

[2] Vgl. Klafki, W., Schultheorie, Weinheim und Basel, 2002, S. 43-44

[3] Vgl. Fend, H., Neue Theorie der Schule, Wiesbaden 2008, S. 49-53

[4] Vgl. Terhart, E., Schule und Selektion: Die Perspektive der Lehrer, in: Melzer, W./Sandfuchs, U. (Hg.): Was Schule leistet, Weinheim und München, 2001, S. 87

[5] Vgl. Klafki, W., Schultheorie, Weinheim und Basel, 2002, S. 43

[6] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems, Wiesbaden 2009, S. 14-15

[7] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems, Wiesbaden 2009, S. 15

[8] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems, Wiesbaden 2009, S. 20

[9] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems, Wiesbaden 2009, S. 15-17

[10] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems,

Wiesbaden 2009, S. 20

[11] Vgl. Michael, B., Schepp, H., Die Schule in Staat und Gesellschaft, Göttingen und Zürich, 1993, S. 117-118

[12] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems,

Wiesbaden 2009, S. 21-22

[13] Vgl. Michael, B., Schepp, H., Die Schule in Staat und Gesellschaft, Göttingen und Zürich, 1993, S. 74

[14] Vgl. Van Ackeren, I., Klemm, K., Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems, Wiesbaden 2009, S. 23-24

[15] Vgl. www.fr-online.de. PISA-Studie: Deutschland ist endlich mittelmaß (Stand: 16.12.2010)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Portfolio über das deutsche Schulsystem. Funktionen von Schule, Schulsystem im Vergleich und soziale Ungleichheiten
Hochschule
Universität Kassel  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Entwicklung von Schulen
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V231217
ISBN (eBook)
9783656477754
ISBN (Buch)
9783656479635
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen von Schule, Schulsystem, Bildungssystem, Deutschland, OECD, Timms, PISA, Finnland, Preussen, Allokationsfunktion, Qualifikation, Noten, Hauptschule, Volksschule, Gymnasium, Beamte, Ganztagsschule, Gerechtigkeit, Historie, Wissen, Lehren, Lernen, Klafki, Gestaltung von Schule, Blömeke, Kuhn, Bildungsberichterstattung, Fend, Theorie der Schule, Theorie von Schule
Arbeit zitieren
Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor), 2011, Portfolio über das deutsche Schulsystem. Funktionen von Schule, Schulsystem im Vergleich und soziale Ungleichheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231217

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