Im Rahmen der Veranstaltung „Einführung in die Entwicklung von Schulen“ wurden verschiedene Aspekte des Wesens von Schule behandelt und die Entstehung des deutschen Schulwesens im historischen und aktuellen Kontext untersucht. Da Schulwesen als Erziehungsinstitution auch immer auf eine bestimmte Denkhaltung und Kultur zurückzuführen ist, gibt es entsprechende Unterschiede im internationalen Ländervergleich. Jedes Schulsystem besitzt demnach einzigartige Merkmale, was sich in der Erziehung und Bildung seiner Schüler und somit der nachfolgenden Generation des Landes bemerkbar macht. In meinem nachfolgenden Portfolio greife ich diejenigen drei Einzelthemen, bzw. Vorlesungen heraus, die mir in diesem Zusammenhang als besonders wichtig erschienen sind.
Im ersten Teil wird zunächst die gesellschaftliche Funktion von Schule als institutionalisiertes Erziehungssystem beschrieben. Mit Hinblick auf die Entstehungsphase des dreigliedrigen Schulwesens im damaligen Preußen werden die Auswirkungen auf das heutige Schulsystem in Deutschland näher erläutert und anschließend kritisch reflektiert, bevor im zweiten Teil ein Vergleich der Schulsysteme Deutschlands, Finnlands und Südkoreas gezogen wird. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die länderspezifischen Grundstrukturen und Leitideen gelegt.
Im dritten Teil werden schließlich die auftretenden sozialen Ungleichheiten im deutschen Schulsystem beschrieben und näher erläutert. Die anschließende Reflexion zeigt auf, was ich als zukünftiger Lehrer diesem Problem entgegenzusetzen habe und welchen Beitrag ich somit für mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem leisten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thema zu: Vorlesung vom 1. November 2010 (Teil 1)
3. Thema zu: Vorlesung vom 22. November 2010 (Teil 1)
4. Thema zu: Vorlesung vom 24. Februar 2011 (Teil 2)
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historischen und aktuellen gesellschaftlichen Funktionen des deutschen Schulsystems sowie dessen Auswirkungen auf Bildungschancen. Im Fokus stehen der Vergleich mit internationalen Bildungssystemen (Finnland, Südkorea) und die Reflexion über soziale Ungleichheit sowie die eigene Rolle als angehende Lehrkraft.
- Gesellschaftliche Funktionen von Schule (Qualifikation, Selektion, Legitimation)
- Historische Entwicklung des preußischen Schulwesens und dessen Wirkung bis heute
- Internationaler Vergleich der Schulsysteme unter Berücksichtigung von Struktur und Autonomie
- Soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem und PISA-Ergebnisse
- Rolle der Lehrkraft bei der Förderung von Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
Die gesellschaftlichen Funktionen institutionalisierter Erziehung durch Schule
Um Schule und Schulsysteme in ihrem Wesen und hinsichtlich ihrer Funktionsbereiche zu erklären, entstanden erste Theorien von Schule. Während sich die anfänglichen Vertreter dieser Teildisziplin der Schulpädagogik jedoch den Vorwurf mangelnder wissenschaftlicher Qualität und Einseitigkeit gefallen lassen mussten, trat mit Helmut Fend eine erstmals empirisch fundierte, methodenpluralistische und interdisziplinäre Theorie von Schule auf, die der Komplexität des Untersuchungsgegenstands Schule auch gerecht werden konnte.
Die wesentliche Aufgabe von Schule besteht in der Reproduktion der Gesellschaft. Neben der heute immer mehr in den Fokus der Betrachtung tretenden Funktion der Kulturüberlieferung führt Fend drei grundsätzliche gesellschaftliche Funktionen institutionalisierter Erziehung durch Schule an:
1.) Die Funktion der Qualifikation
2.) Die Funktion der Selektion (Allokation)
3.) Die Funktion der Legitimation (Integration)
Die Qualifikationsfunktion von Schule bezeichnet die Tatsache, dass die nächste Generation mit Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet wird, die sie dazu befähigt, in Schule und Erwerbsleben, sowie im privaten und öffentlichen Umgang mit der Gesellschaft, erfolgreich am weiteren Prozess gesellschaftlicher Reproduktion teilzunehmen. Die Gesellschaft wird somit in die Lage versetzt, sich von Generation zu Generation zu reproduzieren. Die Selektions- oder Allokationsfunktion von Schule übernimmt die Aufgabe der Auslese (Selektion) auf Basis personenvergleichender Leistungsbeurteilungen und Zensuren bei gleichzeitiger Verteilung (Allokation) der so durch Notenstufen und mit Abschlussqualitäten bewerteten Schüler und Studenten auf unterschiedliche soziale Positionen, sowie Einfluss- und Einkommenschancen in der Gesellschaft. Unter der Legitimations- oder Integrationsfunktion schließlich versteht man die Eingliederung (Integration) der jungen Generation in die Gesellschaft mit ihren politischen, sozialen und ethischen Normen und Werten und mit ihren verbindlichen Verhaltensregeln und Gesetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung des deutschen Schulwesens im historischen und aktuellen Kontext und stellt die Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Thema zu: Vorlesung vom 1. November 2010 (Teil 1): Dieses Kapitel analysiert die Funktionen von Schule nach Helmut Fend und beleuchtet die historische Entwicklung des preußischen Schulwesens sowie dessen Unterteilung in verschiedene Schulformen.
3. Thema zu: Vorlesung vom 22. November 2010 (Teil 1): Hier erfolgt ein Vergleich der Schulstrukturen in Deutschland, Finnland und Südkorea hinsichtlich Autonomie, Organisation und Leitsätzen.
4. Thema zu: Vorlesung vom 24. Februar 2011 (Teil 2): Das Kapitel befasst sich mit den sozialen Ungleichheiten im deutschen Schulsystem, insbesondere mit dem Einfluss der sozialen Herkunft und dem Geschlecht auf den Bildungserfolg.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit einer Reform des deutschen Schulsystems zur Förderung der Chancengleichheit basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen.
Schlüsselwörter
Schulsystem, Bildungsfunktion, Qualifikation, Selektion, Legitimation, soziale Ungleichheit, Chancengleichheit, Bildungsforschung, PISA-Studie, Schulentwicklung, Deutschland, Finnland, Südkorea, Lehrkraft, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Funktionen von Schule und der Analyse des deutschen Schulsystems unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und aktueller Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Funktionen institutionalisierter Erziehung, die historische Genese des deutschen Schulwesens, internationale Systemvergleiche sowie die Problematik sozialer Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historischen Wurzeln und aktuellen Probleme des dreigliedrigen deutschen Schulsystems kritisch zu reflektieren und Ansätze für mehr Chancengleichheit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlicher Literatur, Theorien von Helmut Fend sowie der Analyse aktueller PISA-Studien-Ergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Funktionen von Schule definiert, das preußische Bildungswesen historisch hergeleitet, Schulsysteme international verglichen und die Mechanismen sozialer Benachteiligung in Deutschland analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsfunktion, soziale Ungleichheit, Chancengleichheit, Systemvergleich und Schulentwicklung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Schulautonomie in Deutschland von der in Südkorea?
Während in Deutschland die einzelnen Schulen weitreichende Autonomie bei ihrer inneren Organisation genießen, erfolgt die Steuerung in Südkorea weitestgehend zentral durch das staatliche Ministerium.
Warum wird das Geschlecht als Merkmal für soziale Ungleichheit angeführt?
Das Geschlecht spielt eine Rolle, da PISA-Daten zeigen, dass Jungen im allgemeinen Bildungssystem tendenziell weniger erfolgreich sind als Mädchen, was unter anderem auf eine "feminine schulische Subkultur" zurückgeführt wird.
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- Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Author), 2011, Portfolio über das deutsche Schulsystem. Funktionen von Schule, Schulsystem im Vergleich und soziale Ungleichheiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231217