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Der Islam und die muslimische Frau als "Andere"

Islamfeindlichkeit als Erbe postkolonialer Herrschaftsverhältnisse

Titel: Der Islam und die muslimische Frau als "Andere"

Hausarbeit , 2011 , 15 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor:in)

Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die während der Kolonialzeit entstandenen hegemonialen Herrschaftsstrukturen prägten zur damaligen Zeit nicht nur die Menschen in den besetzten Gebieten, sondern veränderten ebenso auch das Denken der Bürgerinnen und Bürger in den Mutterländern der Kolonialmächte. Die so entstandenen Ideologien hatten weitreichende Folgen auf die kulturelle Entwicklung und veränderten das Weltbild verschiedener Menschengruppen nachhaltig, sodass dieser Einfluss bis heute zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gemacht wird.

Bei Diskussionen um den Islam in Deutschland lässt sich beispielsweise einerseits beobachten, dass besonders islamkritisch auftretende Persönlichkeiten oder Gruppen meist keine theologische oder islamwissenschaftliche Qualifikation besitzen oder sich in ähnlich wissenschaftlicher Form hervorgetan haben. Im Gegenteil scheinen diese bestehende Stereotype und in der Gesellschaft vorherrschende Ängste gegenüber dem „Fremden“ lediglich zu reproduzieren. Andererseits sind es vornehmlich zwei Gruppen von Argumenten, die gegen den Islam als Religion und Kultur gleichermaßen hervorgebracht werden.

Die erste Kategorie betrifft den Islam als nicht mit deutschen Werten und Normen vereinbar. Die zweite Gruppe von Argumenten ist eigentlich ein Teil der ersten Gruppe und bezieht sich auf die Rolle der Frau im Islam. Seitens der Islamkritiker sei die Frau im Islam als „minderwertig“ gegenüber dem Mann anzusehen, was sich auch z.B. durch das Tragen des Kopftuchs als „Symbol der Unterdrückung“ äußert.

Im Rahmen der Hausarbeit wird zunächst beiden Gruppen von Argumenten eine postkoloniale Theorie der Politikwissenschaft gegenübergestellt. Dabei wird untersucht, ob die jeweilige Theorie hier praktisch zur Anwendung kommt und welche Schlussfolgerungen entsprechend daraus zu ziehen sind, bzw. welche Bedeutung diese Erkenntnisse für die Islam- und/oder Kopftuchdebatten in Deutschland haben und welche Schritte zur Befriedigung man seitens der zuständigen Institutionen ergreifen sollte. Damit soll die Frage beantwortet werden, ob heutige Argumente von Islamfeindlichkeit auf Macht- und Herrschaftsverhältnisse während der Kolonialzeit zurückzuführen sind.

Inhalt:
Einleitung
Über die Abgrenzung von Islam und Orient
- Die „Anderen“ und der Orientalismusdiskurs
Postkolonialer Feminismus und die Unterdrückung der Frau
- Der Westliche postkoloniale Feminismus als Erbe der Kolonialherren
- Das System Kopftuch als sexuelle Barriere
Fazit

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über die Abgrenzung von Islam und Orient

2.1 Die „Anderen“ und der Orientalismusdiskurs

3. Postkolonialer Feminismus und die Unterdrückung der Frau

3.1 Der Westliche postkoloniale Feminismus als Erbe der Kolonialherren

3.2 Das System Kopftuch als sexuelle Barriere

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, inwiefern heutige islamfeindliche Diskurse und Argumentationsmuster in Deutschland als Fortführung kolonialer Herrschaftsstrukturen und Machtverhältnisse betrachtet werden können, mit einem besonderen Fokus auf die Konstruktion der muslimischen Frau.

  • Analyse des Orientalismusdiskurses als Instrument der Fremdzuschreibung
  • Kritische Untersuchung der Verflechtung von Feminismus und kolonialem Erbe
  • Untersuchung der Symbolik des Kopftuchs in westlichen Debatten
  • Dekonstruktion hegemonialer Machtstrukturen im Kontext der Islamkritik

Auszug aus dem Buch

2.1 Die „Anderen“ und der Orientalismusdiskurs

Ein solcher Umgang mit Orient und Islam ist jedoch nicht neu, sondern findet sich bereits in Edward Saids „Orientalismus“. In seinem Buch beschreibt Said den Prozess, mit dem der Westen den Orient seit der Kolonialzeit „orientalisiert“ und durch den er sich selbst als Gegenbild definiert und abgegrenzt hat. Aus verschiedenen geographisch und kulturell keineswegs einheitlichen Regionen, Völkern und Individuen des Mittleren Ostens wurde ein homogenes Konstrukt geformt, welches die damals vorherrschenden hegemonialen Macht- und Herrschaftsverhältnisse bis heute widerspiegelt.

Dadurch, dass sämtliche Beobachtungen gegenüber dem „Orient“ in diesem Herrschaftsverhältnis und aus westlicher Sicht gedacht und betrachtet wurden, findet eine entsprechende Wertung der Unterschiede nach westlichen Maßstäben statt: „...in der Tat könnte man argumentieren, dass gerade das nach innen und außen wirksame Leitmotiv des Hegemonialen das Hauptmerkmal der europäischen Kultur bildet: Die Vorstellung einer allen anderen Völkern und Kulturen überlegenen europäischen Identität. In dieses Bild passen auch die hegemonialen europäischen Vorstellungen vom Orient, die ihrerseits dessen Rückständigkeit und die eigene Überlegenheit bekräftigen, gewöhnlich ohne zu beachten, dass ein unabhängiger oder skeptischer Beobachter die Sache ganz anders sehen könnte.“

Dieses als Othering bekannt gewordene Verhalten beschreibt die Abgrenzung der eigenen sozialen Gruppe von einer anderen, indem gezielt einige der natürlich vorhandenen Unterschiede besonders herausgestellt und mit bestimmten (eigenen) Vorstellungen verbunden werden. Während man sich somit selbst als „normal“ in seinen Eigenschaften, Ansichten und Merkmalen definiert, wird der Andere dadurch als „fremd“ und „andersartig“ stigmatisiert. In postkolonialen Theorie ist der Begriff geprägt von der Vorstellung eigener Überlegenheit aufgrund der Machtposition der Kolonialherren (der Westen) gegenüber den unterlegenen kolonialisierten Völkern (der Osten). Denn letztlich ist diese Machtposition die beeinflusst, was man sieht, wie man es sieht und ebenso, was man nicht sieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet, wie koloniale Machtstrukturen das Denken und die Ideologien prägten und stellt die Forschungsfrage, ob aktuelle islamfeindliche Argumente auf dieses koloniale Erbe zurückzuführen sind.

2. Über die Abgrenzung von Islam und Orient: Dieses Kapitel analysiert die Kategorisierung des Islams als „fremd“ und „rückständig“ durch westliche Akteure und erläutert das Konzept des „Othering“ als Mittel zur eigenen Identitätsstärkung.

2.1 Die „Anderen“ und der Orientalismusdiskurs: Hier wird anhand von Edward Saids Theorie dargelegt, wie der Westen den Orient als homogenes Konstrukt definierte, um eigene hegemoniale Interessen zu legitimieren.

3. Postkolonialer Feminismus und die Unterdrückung der Frau: Dieses Kapitel untersucht, wie die Rolle der muslimischen Frau in westlichen Diskursen instrumentalisiert wird, um den Islam als unterdrückerisch und rückständig darzustellen.

3.1 Der Westliche postkoloniale Feminismus als Erbe der Kolonialherren: Es wird kritisiert, wie auch westliche Feministinnen teils Stereotype des Orientalismus übernehmen und muslimische Frauen als homogene Gruppe von Unterdrückten definieren.

3.2 Das System Kopftuch als sexuelle Barriere: Dieses Kapitel analysiert die historische und symbolische Aufladung des Kopftuchs als Instrument, das den „Zugriff“ des westlichen Mannes auf die muslimische Frau regulieren sollte.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Islam- und Kopftuchdebatten in Deutschland maßgeblich von kolonial geprägten Sichtweisen beeinflusst sind, die Integration eher behindern als fördern, und fordert eine differenziertere Perspektive.

Schlüsselwörter

Islamfeindlichkeit, Kolonialismus, Orientalismus, Postkolonialer Feminismus, Othering, Kopftuchdebatte, Hegemonie, Identität, Machtstrukturen, Diskursanalyse, Fremdzuschreibung, Emanzipation, Integration, Unterdrückung, Machtposition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit heutige Vorurteile gegenüber dem Islam und muslimischen Frauen auf kolonialen Macht- und Herrschaftsstrukturen basieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Orientalismusdiskurs, postkoloniale feministische Theorie, die symbolische Bedeutung des Kopftuchs sowie die Mechanismen der sozialen Ausgrenzung („Othering“).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie westliche Diskurse über den Islam dazu dienen, eigene hegemoniale Ansprüche zu sichern, und wie diese Konstruktionen aktuelle Integrationsdebatten beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die postkoloniale Theorie und eine diskursanalytische Herangehensweise, um historische Machtverhältnisse mit zeitgenössischen Argumentationsmustern in Beziehung zu setzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Orientalismusdiskurs als Konstruktion des „Anderen“, die Instrumentalisierung des Feminismus im kolonialen Kontext und die symbolische Funktionalisierung des Kopftuchs als Grenze zwischen westlicher und muslimischer Welt analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Orientalismus, Kolonialerbe, Othering, Postkolonialer Feminismus und Machtdiskurs charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die im Text erwähnte „westliche Sicht“ von der Selbstwahrnehmung muslimischer Frauen?

Der Text stellt fest, dass der Westen das Kopftuch oft als Symbol der Unterdrückung deutet, während viele muslimische Frauen es als Ausdruck ihrer eigenen Identität und religiösen Zugehörigkeit verstehen.

Welche Rolle spielt das Konzept des „Othering“ bei der Diskriminierung von Muslimen?

Durch das „Othering“ wird die muslimische Gemeinschaft als homogenes, „fremdes“ und „rückständiges“ Gegenbild zum Westen definiert, was dazu dient, die eigene Identität aufzuwerten und die „Anderen“ auszugrenzen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Islam und die muslimische Frau als "Andere"
Untertitel
Islamfeindlichkeit als Erbe postkolonialer Herrschaftsverhältnisse
Hochschule
Universität Kassel  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in postkoloniale Ansätze in der Politikwissenschaft
Note
1,7
Autor
Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V231218
ISBN (eBook)
9783656477761
ISBN (Buch)
9783656479727
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postkolonialismus postcolonial studies critical whiteness Kolonialismus Kolonialzeit Othering Imperialismus Islam Kopftuch Kopftuch-Debatte Kopftuchstreit Kopftuch-Streit Schule Beamte Politik VerAnderung Feminismus Edward Said Orientalismus Orientalismusdiskurs Foucault Kolonialherren Attia Iman Unterdrückung Spivak Mohanty Religion Ägypten Muslimisches Leben in Deutschland Globalisierung Kulturrassismus Rassismus
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GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor:in), 2011, Der Islam und die muslimische Frau als "Andere", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231218
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Leseprobe aus  15  Seiten
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