Um Emotion im Sport zu erfassen, eignet sich auch heute aus qualitativer und ökonomischer Sicht die Befragung am besten. Die dazu verwendeten Skalen bieten verschiedene Mixturen aus Länge und Detailliertheit, sind allerdings häufig sehr zweifelhaft in ihrer Reliabilität und Aussagekraft. Dazu werden hier nach einer sorgfältigen Recherche in allen relevanten Datenbanken und Verzeichnissen die meistverwendeten und neuesten Skalen psychometrisch und qualitativ verglichen:
Physical Activity Enjoyment Scale (PACES)
Exercise-Induced Feeling Inventory (EFI)
Subjective Exercise Experiences Scale (SEES)
Die Stimmungs- und Befindensskalen (SBS)
Physical Activity Affect Scale (PAAS)
Die Vergleichskriterien sind: Subskalen, Itemanzahl, Interne Konsistenz (Cronbach's α), Varianzaufklärung, niedrigste und höchste Korrelation von Subskalen, das Verhältnis von Chi-Quadrat-Test zu Freiheitsgraden, Goodness-of-Fit-Index (GFI) und Test-Retest-Korrelationen. Dabei gelten folgende Sollwerte: Cronbach's α: > .70 ; Chi-Quadrat-Test / df: < 2 ; GFI: > .90.
Ein wichtiges Vergleichskriterium stellen auch die Stichproben dar, an denen die Skalen validiert wurden.
Emotion wird als Untersuchungsgegenstand beleuchtet, ebenso die Methode der Befragung im Vergleich mit anderen aktuellen Methoden und auf mögliche Verzerrungen eingegangen. Abschließend finden Sie einen tabellarischen psychometrischen Vergleich sowie eine übersichtliche abschließende Bewertung und Empfehlung. Im Anhang finden Sie die Fragebögen selbst.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die Erfassung von Emotion mittels Befragung
2.1. Emotion als Untersuchungsgegenstand
2.2. Verzerrungen
3. Recherche
4. Vergleich der Skalen
4.1. Vergleichskriterien
4.2. Einzelvergleiche sportspezifischer Skalen
4.3. Psychometrischer Vergleich
5. Diskussion
6. Literatur
7. Anhang: Fragebögen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, Emotionen als Untersuchungsgegenstand im Sport präzise zu definieren, einen Überblick über existierende englisch- und deutschsprachige Erfassungsinstrumente zu geben und ausgewählte sportspezifische Skalen inhaltlich sowie psychometrisch zu vergleichen, um deren Aussagekraft und Zuverlässigkeit in der sportpsychologischen Praxis zu evaluieren.
- Grundlagen der Emotionserfassung durch Befragung im sportlichen Kontext
- Methodische Herausforderungen und Verzerrungsquellen bei der psychometrischen Datenerhebung
- Systematische Literaturrecherche und Katalogisierung relevanter psychologischer Skalen
- Detaillierter inhaltlicher und psychometrischer Vergleich ausgewählter Instrumente
- Kritische Diskussion der Eignung und Anwendungsmöglichkeiten für die Forschung
Auszug aus dem Buch
2.1. Emotion als Untersuchungsgegenstand
Emotion umschließt neben einer körperlichen Dimension (beteiligt sind das periphere, senso-motorische und vegetative Nervensystem sowie Botenstoffe und Hormone) eine Gefühls-, eine Ausdrucks-, eine motivationale und eine kognitive Dimension (vgl. Benecke et al. 2008; Gabler, 2000, S. 227). Am Beispiel der Emotion Zorn wären diese z.B. Ausdruck die Mimik und Körpersprache, körperlich ein erhöhter Adrenalinspiegel, motivationale die Bereitschaft zu Gewalt und kognitiv eine Fokussierung der Aufmerksamkeit und Veränderung der Attributionsmuster. Dabei ist Ursache und Wirkung nicht immer klar zu benennen. Insbesondere zwischen Emotion und Kognition finden sich vielerlei Zusammenhänge, z.B. von positiver Emotion mit Lächeln, Annäherungsverhalten und heuristischer Informationsverarbeitung, von negativer Emotion mit Vermeidungsverhalten und systematischer Informationsverarbeitung (vgl. Barrett et al., 2009). Die Stärke der gegenseitigen Beeinflussung unterscheidet sich je nach Emotion. Beispielsweiseweise Angst, Aggression oder sexuelle Begierde, die stark mit dem limbischen System verbunden sind, wirken auf kognitive Prozesse weitaus stärker als anders herum, während bei Zuneigung oder Wertschätzung kognitive Prozesse dominant sind (Lazarus, 1991; Loewenstein & Lerner, 2003).
Die Erfassung mittels Befragung bezieht sich hauptsächlich auf das subjektive Erleben, also den fühlbaren Teil von Emotion, der explizit angegeben werden kann. Andere Faktoren wie physiologische Veränderungen, Verhaltenstendenzen oder Kognitionen können wenn überhaupt nur indirekt erhoben werden, wofür sich die eingangs erwähnten Messmethoden besser eignen. So beziehen sich Befragungen in erster Linie auf subjektives Gefühl. Von den Antworten soll möglichst gut auf Emotion geschlossen werden können. Dazu kann Emotion anhand spezifischer Ausprägungen oder anhand latenter Dimensionen erfragt werden, um entweder einzelne Ausschnitte oder ein Gesamtbild zu bekommen, indem spezifische Emotionen verortet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung von Emotionen bei sportlicher Aktivität und stellt die Notwendigkeit präziser Messinstrumente gegenüber rein physiologischen Analysemethoden heraus.
2. Die Erfassung von Emotion mittels Befragung: Hier werden theoretische Grundlagen zur Definition von Emotionen sowie spezifische methodische Verzerrungsquellen bei der Befragung im Sport analysiert.
3. Recherche: Dieses Kapitel dokumentiert das methodische Vorgehen bei der systematischen Suche und Zusammenstellung der 39 identifizierten Skalen zur Erfassung emotionaler Inhalte.
4. Vergleich der Skalen: Dieser Abschnitt definiert Kriterien für den Vergleich und unterzieht ausgewählte sportspezifische Instrumente einem tiefgreifenden inhaltlichen sowie psychometrischen Analyseprozess.
5. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Vergleiche und bewertet die Anwendbarkeit sowie die wissenschaftliche Aussagekraft der untersuchten Instrumente in der sportpsychologischen Forschung.
6. Literatur: Dieses Verzeichnis enthält alle im Text referenzierten Fachpublikationen und Quellen.
7. Anhang: Fragebögen: Der Anhang stellt die Original-Fragebögen der analysierten Instrumente wie PACES, EFI, SEES, SBS und PAAS bereit.
Schlüsselwörter
Emotion, Sportpsychologie, Fragebogen, Psychometrie, Reliabilität, Validität, PACES, EFI, SEES, SBS, PAAS, Selbstbericht, körperliche Aktivität, Testtheorie, Emotionserfassung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Emotionen im Kontext von sportlicher Aktivität durch Befragungen erfasst werden können und vergleicht dazu verschiedene bestehende Fragebögen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Emotionen im Sport, der methodischen Qualität von Fragebögen und dem Vergleich von psychometrischen Daten verschiedener Skalen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über verfügbare Instrumente zu geben und diese hinsichtlich ihrer Eignung für sportpsychologische Fragestellungen kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine systematische Literaturrecherche durchgeführt, gefolgt von einer inhaltlichen und psychometrischen Analyse und Gegenüberstellung ausgewählter Testverfahren.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den detaillierten Vergleich spezifischer Instrumente wie PACES, EFI, SEES, SBS und PAAS hinsichtlich ihrer psychometrischen Gütekriterien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Zentrale Begriffe sind Emotion, Sportpsychologie, psychometrische Testverfahren, Reliabilität, Validität und der Vergleich von Selbstbeurteilungsskalen.
Warum ist die Erfassung von Emotionen im Sport methodisch schwierig?
Die Arbeit erläutert, dass Emotionen durch verschiedene Faktoren wie soziale Erwünschtheit, den Retrospektionseffekt oder das Ausgangswert-Problem bei der Befragung verzerrt werden können.
Wie unterscheidet sich die PAAS-Skala von anderen Instrumenten?
Die PAAS wird als Zusammenführung von EFI und SEES beschrieben, die darauf abzielt, ein breiteres Spektrum an emotionalen Reaktionen mit reduzierter Item-Redundanz abzubilden.
Was ist das zentrale Fazit zur Eignung der untersuchten Skalen?
Es wird festgehalten, dass zwar mehrere Skalen für unterschiedliche Zielgruppen existieren, aber oft eine einheitliche theoretische Fundierung oder umfassende psychometrische Validierung für verschiedene Settings fehlt.
- Citation du texte
- Wanja von der Felsen (Auteur), 2013, Erfassung von Emotion im Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231274