Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Matthäus 21,33-46)

Aus christlicher und muslimischer Sicht


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. ) Das Gleichnis in der christlichen Exegese
2.1) Ursprünglichkeit des Gleichnisses
2.2) Erklärung des Gleichnisses

3. ) Die Bedeutung des Gleichnisses aus muslimischer Sicht
3.1) Die Rolle Jesu im Islam
3.2) Biblische Schriften und der Prophet Muhammad
3.3) Muslimische Deutung des Gleichnisses von den bösen Weingärtnern

4. ) Fazit

Quellenverzeichnis

1.) Einleitung

Da wir in den heutigen Gesellschaften von einem kulturellen wie religiösen Pluralismus umgeben sind und wir uns im Alltag, sowie auch im schulischen Unterricht zusehends mit Menschen muslimischen Glaubens konfrontiert sehen, ist es notwendig, etwas über diesen „anderen“ Glauben zu wissen und auch eine gemeinsame Basis für die interreligiöse Verständigung zu finden. Darüber hinaus kann die Behandlung der islamischen Glaubenslehre im Religionsunterricht sowohl nicht-muslimischen als auch muslimischen Schülerinnen und Schülern dabei helfen, sich selbstreflexiv mit der eigenen Religion und Identität auseinanderzusetzen. Interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen können erlernt werden und Toleranz gegenüber Andersdenkenden befördern.

Die Person Jesus Christus hat nicht nur im Christentum eine besondere Stellung, sondern auch Muslime, die Anhänger der zweitgrößten Weltreligion des Islam, verehren Jesus und führen seine religiöse Botschaft auf Gottes Geheiß zurück. Aufgrund der Verschiedenheit der beiden Religionen gestaltet sich die Wahrnehmung Jesu jedoch unterschiedlich. Diese Wahrnehmung soll anhand des Gleichnisses von den bösen Weingärtnern (Mt 21,33-46) behandelt werden und einen Beitrag zur interreligiösen Verständigung leisten, da sich auch muslimische Kommentatoren aufdas Gleichnis beziehen, um den Wahrheitsanspruch des Islam in der Bibel zu verorten.

Im Rahmen der Hausarbeit wird zunächst das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Mt 21,33-46) aus christlich-exegetischer Sicht behandelt. Hierbei liegt ein Schwerpunkt auf der Bedeutung des Gleichnisses für den christlichen Glauben. Im Anschluss wird das Gleichnis aus muslimischer Sicht betrachtet. Dies beinhaltet auch das Wissen um die Rolle Jesu im Islam, sowie die Verortung des muslimischen Glaubens innerhalb der biblischen Schriften seitens der Muslime. Nach diesen beiden Hinführungen folgt dann abschließend eine Auslegung des Gleichnisses nach muslimischem Verständnis. Die Arbeit endet mit einem Fazit, in dem die wesentlichen Schlussfolgerungen und Erkenntnisse mit Hinblick auf den interreligiösen Dialog zusammengefasst wiedergegeben werden.

2.) Das Gleichnis in der christlichen Exegese

Da sich die diesbezüglichen muslimischen Kommentare auf die Gleichnis-Version aus dem Matthäus-Evangelium beziehen, geht der christlich-exegetische Teil der Arbeit entsprechend von der Perikope aus Matthäus 21,33-46 aus. Diese lautet:

(33) Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. (34) Als nun die Zeit der Früchte herbeikam, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, damit sie seine Früchte holten. (35) Da nahmen die Weingärtner seine Knechte: den einen schlugen sie, den zweiten töteten sie, den dritten steinigten sie. (36) Abermals sandte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; und sie taten mit ihnen dasselbe. (37) Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. (38) Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie zueinander: Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen! (39) Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. (40) Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er mit diesen Weingärtnern tun? (41) Sie antworteten ihm: Er wird den Bösen ein böses Ende bereiten und seinen Weinberg andern Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zur rechten Zeit geben. (42) Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? (43) Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt. (44) Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen. (45) Und als die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen redete. (46) Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten.

2.1) Ursprünglichkeit des Gleichnisses

Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Winzern) findet sich neben Matthäus auch in den anderen beiden synoptischen Evangelien von Markus (Mk 12,1-12) und Lukas (Lk 20,9-19), sowie darüber hinaus im apokryphen Thomas Evangelium (Log 65). Obwohl manche Exegeten dazu tendieren, die Fassung des Evangeliums nach Thomas als die ursprünglichste zu betrachten, da sie neben dem fehlenden Bezug zum Alten Testament (Weinberglied von Jes 5,1-7) auch keine allegorischen Züge aufweist und „außerdem das Wort vom kostbaren Stein noch als Einzellogion überliefert“ ist[1], darf doch aufgrund der Zwei-Quellen-Theorie, insbesondere nach einem Vergleich mit Lukas davon ausgegangen werden, dass Matthäus zur Komposition seines Evangeliums auf Markus als Hauptvorlage zurückgegriffen hat.[2] Die zusätzliche Verwendung einer weiteren mit Lukas gemeinsamen Quelle (Q) halten manche Exegeten für möglich, andere wiederum für ausgeschlossen, da die leichten Veränderungen auch aus den entsprechenden theologischen Absichten der Evangelisten erklärt werden können.[3]

Gegenüber Markus ist bei Matthäus auf bestimmte Veränderungen zu verweisen, mit denen der Evangelist versucht hat, seine eigene Interpretation der Botschaft Jesu zu verdeutlichen. Zum einen leitet Matthäus das Gleichnis nicht mehr mit einem „Reden in Gleichnissen“ ein, sondern Matthäus lässt Jesus lediglich ein „weiteres Gleichnis“ erzählen. Aus dem „Menschen“ (Mk 12,1) wurde ein „Hausherr“ (Mt 21,33) und auch das Arrangement der Aussendung der Knechte wurde abgeändert: „Während Mk 12,2-5 von der dreimaligen Aussendung je eines Knechtes und anschließend von der Aussendung vieler anderer Knechte handelt, konzentriert Mt dies auf die zweimalige Aussendung mehrer Knechte“, dies vermutlich, weil Matthäus dieser eine geringere Relevanz beigemessen hatte, was auch durch die zweite Beschreibung der Behandlung durch die bösen Weingärtner/Pächter mit „sie taten es ebenso“ verdeutlicht wird. Auch verteilt Matthäus Schlussfrage und Antwort, die bei Markus noch beide aus dem Munde Jesu kommen, nach entsprechenden Hierarchien auf Jesus und seine Jünger, wodurch Jesu stärker als Lehrmeister auftritt.[4]

Die Mehrzahl der Exegeten geht heute von einer im Gleichnis enthaltenen und auf Jesus zurückführbaren Grundschicht der Version aus Markus aus. Zwar gibt es zwei eher extravagante, unwahrscheinliche Züge, nämlich die große Brutalität der Pächter gegenüber den Knechten und dem Sohn des Besitzers, sowie überhaupt erst die Aussendung des Sohnes durch den Besitzer, trotz des Wissens um die Behandlung seiner Knechte seitens der Pächter. Dies beeinträchtigt jedoch nicht den Rückbezug auf Jesus, sondern im Gegenteil bilden Unwahrscheinlichkeiten und Extravaganzen vielmehr eine Eigenart der Gleichnisse und Parabeln Jesu. Allerdings liegt im Übergang von den bloßen „Knechten“ zum „Sohn“ des Besitzers „mehr als eine bloße erzählerische Steigerung vor, sondern offensichtlich ein - durch die ausführliche Selbstreflexion des Rebbergbesitzers und der Pächter in allen Textfassungen herausgehobener - qualitativer Sprung, der ebenfalls nach einer metaphorischen Deutung ruft. Er läßt sich nur dann befriedigend verstehen, wenn man annimmt, Jesus habe hier indirekt von seiner eigenen Sendung gesprochen, die diejenige der Propheten überbietet.[5]

Diese Steigerung, sowie die Tatsache, dass es das einzige Gleichnis ist, in dem Jesus sein eigenes Wirken selbst thematisiert, hat wenigstens einige Exegeten dazu veranlasst, an der jesuanischen Ursprünglichkeit des gesamten Gleichnisses zu zweifeln und es als frühchristlich zu bezeichnen. Dies, weil „das Gleichnis von den bösen Weingärtnern nicht aus der geschichtlichen Situation des Lebens Jesu, sondern aus der Situation nach dem Tode Jesu und der Entstehung der Urkirche mit ihrem Bekenntnis zum erhöhten Gottessohn stammt.“ [6]

2.2) Erklärung des Gleichnisses

Gleichnisse von Landbesitzern und Königen und deren Verhältnis zu den Pächtern und Untergebenen sind in der jüdischen Tradition häufig anzutreffen. Sie bezeichnen zumeist das Verhältnis von Gott zu seinem Volk Israel, zumal gerade in der Bibel das Bild des Weinbergs für Israel gebraucht wird. Der Weinberg ist jedoch kein einfacher, sondern es handelt sich um eine „Musteranlage“, durch die der Hörer den Eindruck bekommt, der Besitzer habe sie bestens versorgt und gesichert. Der Hausherr ist demnach Gott, der Weinberg Israel und die Pächter die Führer des Volkes.[7] Die Knechte des Besitzers und ihre Behandlung durch die bösen Weingärtner werden von den Zuhörern Jesu im Lichte der „deuteronomistischen Prophetenmordtradition“ gedeutet, die den zeitgenössischen Israeliten wohlbekannt war.[8]

[...]


[1] Vgl. Luz, U., EKKzum NT-Matthäus 18-25, Neukirchen-Vluyn, 1997, S. 218

[2] Vgl. Gnilka, J., Das Matthäusevangelium - ZweiterTeil, Freiburg, 1992, S. 225

[3] Vgl. Oberlinner, L., Die Parabel von den Weinbergpächtern, Freiburg, 2000, S. 57

[4] Vgl. Gnilka, J., Das Matthäusevangelium - Zweiter Teil, Freiburg, 1992, S. 225-226

[5] Luz, U., EKK zum NT -Matthäus 18-25, Neukirchen-Vluyn, 1997, S. 219

[6] Vgl. Oberlinner, L., Die Parabel von den Weinbergpächtern, Freiburg, 2000, S. 55

[7] Vgl. Gnilka, J., Das Matthäusevangelium - Zweiter Teil, Freiburg, 1992, S. 227-228

[8] Vgl. Luz, U., EKK zum NT-Matthäus 18-25, Neukirchen-Vluyn, 1997, S. 219

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Matthäus 21,33-46)
Untertitel
Aus christlicher und muslimischer Sicht
Hochschule
Universität Kassel  (Geistes- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Gleichnisse Jesu
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V231387
ISBN (eBook)
9783656477792
ISBN (Buch)
9783656479345
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Markusevangelium, Markus, Apostel, Jesus, Jesu, Isa, Christentum, Kreuzigung, Islam, Religion, Mohammed, Muhammad, Ahmadiyya, Gleichnis, Gleichnisse, Weingärtner, Stein, Eckstein, Stein des Anstoßes, Matthäus, Matthäusevangelium, Synoptiker, Lukas, Lukasevangelium, Thomas, Thomasevangelium, Bibel, Koran, Hadith, Jesus im Islam, Umbach, Gnilka, Tahir Ahmad, Ahmad, Prophet, Sohn, Gott, Allah, Johannes, Johannesevangelium, Exegese, Tafsir, Tafseer
Arbeit zitieren
Master of Education und Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor), 2012, Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Matthäus 21,33-46), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231387

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