Disziplinprobleme und Strafen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

15 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Disziplinprobleme – Ursachen und Definitionen

3. Geschichtlicher Hintergrund

4. Rechtliche Grundlagen von Strafen und Ordnungsmaßnahmen

5. Handlungsmöglichkeiten
5.1 Strafen und Strafpraxis in der Schule
5.2 Mögliche Alternativen zum Strafen

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was bis vor etwa 35 Jahren, d.h. bis zur Studentenbewegung 1968, gang und gäbe war, nämlich die körperliche Züchtigung und Bestrafung von Kindern und Jugendlichen in der Schule, ist heute offiziell kaum mehr ein Thema. Körperliche Gewalt in der Familie nimmt „von Generation zu Generation“[1] ab und Pädagogen und Lehrer sprechen sich mittlerweile fast vollständig gegen diese Art des Bestrafens in der Schule aus. Dennoch belegen repräsentative Studien, wie z.B. eine Jugendstudie von 1992 und eine Erwachsenenbefragung von 1994 teilweise das genaue Gegenteil dieser Annahmen. (vgl. Bastian, Johannes (Hg.): „Strafe muß sein?“ Das Strafproblem zwischen Tabu und Wirklichkeit. Beltz, Weinheim und Basel 1995, Seite 29 - 41.)

Vor allem dieser Widerspruch hat mich zu dem Thema ‚Strafen und Ordnungsmaßnahmen’ geführt.

Ich möchte mich in der folgenden Arbeit zunächst einleitend mit dem geschicht-lichen Hintergrund des Strafens beschäftigen und nach den rechtlichen Grund-lagen von Strafen und Ordnungsmaßnahmen fragen.

Im Hauptteil werde ich mich mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und den Alternativen des Strafens und einen genaueren Blick auf die heutige Straf-praxis in deutschen Schulen werfen.

2. Disziplinprobleme – Ursachen und Definitionen

Als Disziplinprobleme, d.h. „alltägliche kleine Unterrichtsstörungen“[2], bezeichnet man beispielsweise Unruhen in der Klasse, Unaufmerksamkeit, passives Ver-halten, schlechte Mitarbeit, nicht erledigte Aufgaben und sonstige Störungen. Als Ursachen hierfür werden vor allem zu große Klassen, Über- und Unter-forderung im Unterricht, Umfeld und soziale Probleme der Schüler, Aufmerk-samkeitsdefizite, Lernschwierigkeiten und Desinteresse genannt.

Die Fachliteratur bedient sich einer Vielzahl von verschiedenen Begriffen wie z.B. ‚abweichendem Verhalten’, ‚Verhaltensauffälligkeit’, ‚Unterrichtsstörung’ oder ‚Disziplinkonflikt’, die sich in ihrem Kern jedoch auf ähnliche Sachverhalte beziehen. Manche Begriffe betonen stärker die Verstöße gegen Normen und Regeln, die zur Unterbrechung des Unterrichtsprozesses führen, andere kon-zentrieren sich auf Person und Verhalten der Schüler, die den Unterricht stören.

Diese ‚Störungen’ können im Unterricht oder außerhalb des Unterrichts im schulischen Zusammenleben auftreten und umfassen eine große Bandbreite schulischer Problemsituationen, angefangen bei normalen alltäglichen Missver-ständnissen bis hin zu tiefergreifenden Zerwürfnissen.

In einem „gewissen Grade“[3] sind Unterrichtsstörungen ein individuelles Problem. Dies zeigt sich in Beobachtungen, in denen „manche Schüler/innen häufig stören und andere fast nie.“[4] Man darf die Störungen aber nicht pauschal mit Störern gleichsetzen, da zum Kontext solcher Störungen weit mehr gehört: das Verhalten der anderen Schüler in der Klasse und das Verhalten der Lehr-kraft.

„Störungen in der Schulklasse, vor allem Störungen zwischen der Lehrkraft und der Klasse, haben oftmals schwerwiegende Folgen für alle Beteiligten.“[5] Durch die „emotionale Belastung“[6] entsteht das Gefühl, „ständig gegen die Klasse zu unterrichten“[7], weitere Frustrationen entstehen durch das Verlorengehen von „unendlich viel Lernzeit“[8], so dass manche Lehrkräfte sogar aggressiv und gewalttätig gegenüber ihren Schülern werden.

Alles in allem kommen Disziplinprobleme – wenn auch meist nur in leichteren Formen – in vielen Klassen relativ häufig vor und werden von den Lehrern als besonders belastend empfunden.

Sowohl Lehrer als auch Forscher denken bei Disziplinproblemen meist zu-nächst an störendes Schülerverhalten. Daher stehen Probleme und Schwierig-keiten von Schülern im Mittelpunkt vieler Erklärungsansätze.

Aber auch Lehrer verfügen über einen gewissen Handlungsspielraum, was die Entstehung und Regelung von Disziplinkonflikten angeht. Durch bestimmte Techniken der Klassenführung, gute Kommunikation und ähnliches können solche Probleme häufig auf ein Minimum reduziert werden. (vgl. Kapitel 5.2)

Zu guter Letzt spielen aber auch die familiären Hintergründe der Schüler eine nicht unerhebliche Rolle. Besonders die Erziehungsziele und Erwartungen an die Schule haben sich in der Vergangenheit durch den Wertewandel stark verändert. Während früher die Einordnung in ein vorgegebenes Ordnungs- und Normensystem im Mittelpunkt stand, so stehen heute Haltungen und Verhal-tensweisen im Vordergrund, die die Individualität der Person betonen. Die Schüler verhalten sich weniger einheitlich und normiert, das Spektrum der Verhaltensweisen wird breiter und somit für den Lehrer weniger vorhersehbar.

Da Lehrer aber weiterhin auf die Einhaltung schulischer Normen und Regeln achten müssen, entsteht nicht selten eine Auflehnung von Seiten der Kinder, was wiederum zu unvermeidbaren Konflikten führen kann.

3. Geschichtlicher Hintergrund

Da es bis in die 60er Jahre hinein einen offensichtlich „dringenden Bedarf nach Klärung und Beratung zum Thema Strafe“[9] gab, der dann aber im Zuge der 68er-Bewegung stark nachließ und teilweise sogar zu einer „Abstinenz gegen-über dem Thema Strafe“[10] führte, werde ich mich im folgenden Kapitel mit den damaligen Strafmaßnahmen und deren Auswirkungen beschäftigen.

Das 1967 vom Willmann-Institut herausgegebene Handbuch zur ‚Pädagogik der Strafe’ sucht beispielsweise „nach einer Lösung, die so viel Sicherheit und Abrundung besitzt, daß sie als feste Grundlage der Erziehungsarbeit in den wichtigsten Aufgabengebieten dienen kann.“[11]

[...]


[1] Bastian, Johannes (Hg.): „Strafe muß sein?“ Das Strafproblem zwischen Tabu und Wirklichkeit. Beltz, Weinheim und Basel 1995, Seite 11.

[2] Nolting (2000); Seite 20.

[3] Nolting (2000); Seite 15.

[4] Nolting (2000); Seite 15.

[5] Nolting, Hans-Peter: Störungen in der Schulklasse. Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung. Beltz, Weinheim 2000; Seite 13.

[6] Nolting (2000); Seite 13.

[7] Nolting (2000); Seite 13.

[8] Nolting (2000); Seite 14.

[9] Bastian (1995); Seite 7.

[10] Bastian (1995); Seite 8.

[11] Bastian (1995); Seite 21. (vgl. Willman-Institut (Hg.): Pädagogik der Strafe. Freiburg 1967; Seite VII)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Disziplinprobleme und Strafen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: 'Disziplinprobleme im Unterricht'
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V23144
ISBN (eBook)
9783638263269
ISBN (Buch)
9783656661658
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Disziplinprobleme, Strafen, Seminar, Unterricht“
Arbeit zitieren
Sybille Kolb (Autor), 2003, Disziplinprobleme und Strafen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23144

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Disziplinprobleme und Strafen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden