Friedrich II. auf dem Kreuzzug ohne Kreuz


Hausarbeit, 2013

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Literaturüberblick
1.2 Stupor mundi – Kurzbiographie

2 Die Hürden vor dem Start
2.1 Das Glück des Tüchtigen
2.2 Quod differtur, non aufertur
2.3 Versprochen ist versprochen!

3 Auf dem Kreuzzug ohne Kreuz
3.1 Die Kunst der Diplomatie
3.2 Der Gang unter die Krone

4 Trautes Heim, Glück allein

5 Schlussbetrachtung – Zwischen Fanatismus und Vernunft

6 Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur
6.3 Internet- und Filmquellen

7 Anhänge

Friedrichs Kreuzzugsversprechen, Juli

Die Levante nach Friedrichs Kreuzzug 1229 (Karte)

1 Einleitung

Jerusalem – die Heilige Stadt – ein Schmelztiegel der monotheistischen Religionen. Judentum, Christentum, Islam, sie alle erhoben und erheben wohl immer noch Anspruch auf ‚ihre‘ Stadt.

Ende des 11. Jahrhunderts, 1095, rief Papst Urban II. zum ersten offiziellen Kreuzzug ins Heilige Land auf. Darauf begann ein bis heute anhaltendes Tauziehen um den Vorderen Orient. Die Thematik beschäftigte Literatur, wie ‚Nathan der Weise‘ von G. E. Lessing, oder heute auch den Film, wie in ‚Königreich der Himmel‘. Besonderes Interesse lag meist auf dem imposanten, arabischen Herrscher Salah ad-Din bzw. Saladin.

Bemerkenswert ist jedoch der Kreuzzug eines exkommunizierten, römisch-deutschen Kaisers. Friedrich II., ein Staufer aus dem Königreich Sizilien. Was bewegte den Kaiser dazu ins Heilige Land aufzubrechen und warum hielt auch der Kirchenbann ihn nicht davon ab? Was erreichte der Kaiser, auch wenn es nur von kurzer Dauer war? Diese sollen im Folgenden die Leitfragen sein.

1.1 Forschungsstand

Keine Biographie Friedrichs kommt um den Kreuzzug herum. Er war ein lebensbestimmender Teil des Kaisers und seiner Familie. Die Interpretationen des Kreuzzuges und seines Erfolgs aber reichen von Steven Runciman 1989 – „Von allen großen Kreuzfahrern ist Kaiser Friedrich II. der enttäuschendste.“[1] – bis zu Kantorowicz 1927 – „[…] der Triumph im Osten verlieh dem Staufer den Strahlennimbus der Caesaren“[2].[3] Diese beiden Extreme in der Auslegung sorgten dafür, dass beide Autoren in der folgenden Arbeit eher mit Vorsicht genossen worden sind, um die nötige Objektivität zu wahren.

Vor 11 Jahren beging man Friedrichs 800. Geburtstag und es erschienen daraufhin zahlreiche neue Publikationen. Hechelhammer stellte 2004 fest, dass man darin versuchte sich auf den Friedrich zu konzentrieren, der neben dem Kreuzzug lebte. Eine von wenigen Ausnahmen bestand in dem auch hier genutzten Aufsatz von Rudolf Hiestand in einem Sammelband 1996 zur Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom zum Jubiläum Friedrichs.[4]

Für diese Arbeit wurde vornehmlich auf möglichst aktuelle Werke zurückgegriffen. Gesamtwerke zu den Kreuzzügen wie Asbridges „Die Kreuzzüge“ gehören dazu. Unumgänglich sind wohl Stürners „Friedrich II. – Der Kaiser 1220-1250“ und Hechelhammers „Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II.“, sowie die Biographie von Olaf B. Rader in der Auflage von 2011. Dort stellt er den Kaiser in all seinen möglichen Eigenschaften und Positionen dar. Er geht darin nicht chronologisch vor, sondern befasst sich in thematischen Abschnitten mit Friedrich als Liebhaber, als Kreuzpilger, als Tyrann, als Anti-Christ, etc. Diese Biographie wurde ein Jahr später in einer chronologisch geordneten Kurzversion als kleines Taschenbuch veröffentlicht. Er versucht in beiden Werken neben historischen Fakten mögliche Sichtweisen aufzuzeigen, macht aber auch deutlich, welche Sicht zu Fehldeutungen führen würde.[5]

Er befasst sich zum Schluss der großen Biographie sogar in einem eigenen Passus mit bestimmten Sichtweisen über Friedrich in der Vergangenheit. Dort ist „Deutungsgeschichte als Selbstvergewisserung: Ernst Kantorowicz“ exemplarisch. Rader versucht zu zeigen, was Kantorowicz dazu brachte, Friedrich in das hellste Licht zu stellen. Am Ende heißt es: „Die Ideologische Fracht des Idealen Führertums, [in dem Werk von 1927, machte] das Kentern als wissenschaftliches Referenzwerk unausweichlich“ – „ein ideologisches Wrack“.[6]

Die kritische Betrachtung des Autors Kantorowicz ist in nahezu jedem Werk zu Friedrich zu finden. 1966 brachte Günther Wolf einen Sammelband zu Friedrich heraus in dem zu Beginn Kantorowicz sich zu der Kritik von Albert Brackmann, die ebenfalls abgedruckt ist, verteidigt.[7]

Doch speziell eine Ansicht von Kantorowicz zu einem Detail in Friedrichs Geschichte führte dazu, dass nahezu kein moderner Autor es vermeiden kann oder will, darauf hinzuweisen: Friedrichs Aufsetzen der Krone in der Grabeskirche in Jerusalem 1229. Die „wohl bis auf Napoleons Tage denkwürdigste Selbstkrönung eines Kaisers“[8], wie Kantorowicz es formulierte, wird in den Kapiteln zum Kreuzzug meist herangezogen, um aufzuzeigen, dass es sich darum nicht gehandelt haben kann.[9] Seit Hans E. Mayer 1967 in „Das Pontifikale von Tyrus und die Krönung der lateinischen Könige von Jerusalem“ diesen Akt in die mittelalterliche Gewohnheit einband und als „unter die Krone gehen“ bezeichnete, änderte sich die Sicht der Geschichtshistoriker wohl in Gänze.[10] Aber auch vereinzelte, moderne Historiker mögen von der „zur übermenschlich-idealen herrscherlichen Heldengestalt“ nicht abrücken.[11]

1.2 Stupor mundi – Kurzbiographie

Friedrich II. - ein römisch-deutscher Kaiser. Versteht man römisch als italienisch, dann verkörperte Friedrich diese Kaiserkrone, aufgrund seiner Herkunft, wohl nahezu perfekt. Als Sohn eines Staufers, dem zweitältesten Sohn Friedrich I. Barbarossas, Heinrich VI., aus dem Schwäbischen und einer normannisch-sizilischen Konstanze von Hautville verband er nord- und südalpine Kultur. Welche Seite ihn am stärksten prägte, ist laut Olaf B. Rader die, in der er aufwuchs.[12]

Am Folgetag der sizilischen Königskrönung Heinrichs wurde am 2. Weihnachtstag 1194 in Jesi, Ancona, Friedrich geboren.[13] Nach den ersten Jahren in einer befreundeten, herzoglichen Pflegefamilie in Spoleto und dem Verlust seiner Eltern mit 3 bzw. 4 lebte er vorwiegend in Palermo und Papst Innozenz III. wurde testamentarisch zu seinem Vormund.

Schon früh musste er sich als künftiger Kaiser behaupten, unter anderem gegen den zwischenzeitlich eingesetzten Otto IV. Er schlug unerbittlich in der Heimat alles nieder was sich ihm in den Weg stellte und zu besiegen war. Auch nach der Kreuzzugszeit blieb die Heimat ein umkämpftes Pflaster.

„Ein Wanderer zwischen den Welten und Kulturen, ein Wissenschaftler und ein Poet“, so heißt es in Guido Knopps Reihe „Die Deutschen II“.[14] Wissenschaftliche Berühmtheit hat er wohl mit seinen Werken über Falken und die Falkenjagd erlangt.[15] Bekannt ist, dass Friedrich sich in der ritterlichen Kampfkunst bewährte und im „Lesen, Schreiben, Schachspielen und Jagen“ bildete. Die Beherrschung von einigen Sprachen, darunter auch arabisch, ist ebenfalls überliefert.[16] Was mit der bloßen Tatsache zusammenhängt, dass in seiner Heimat Sizilien der Kontakt mit Arabern unausweichlich war. Er hatte später auch muslimische Leibwächter und hielt sich Frauen wie in einem Harem.[17] Was Frauen betrifft war er kein Kostverächter, das beweisen auch seine zahlreichen unehelichen Kinder.[18] Manche Textquellen sprechen eine deutlich andere Sprache über Friedrichs Aussehen als die Darstellung in der oben erwähnten Reihe Knopps vermuten lässt.[19]

2 Die Hürden vor dem Start

2.1 Das Glück des Tüchtigen

„Selbst wenn die Anhänger Ottos Erfolg [gehabt hätten, hätte] der Kreuzfahrerstatus den Staufer [Friedrich] und seinen Besitzt [geschützt]“, so Rudolf Hiestand.[20] Friedrichs Vormund Innozenz III. meinte sogar, „daß die Feinde des jungen Königs Friedrich zugleich die Feinde des Kreuzes wären“ und hatte 1199 zu einem Kreuzzug gegen Markward von Annweiler aufgerufen, der sich im Königreich Sizilien breit machen wollte. Innozenz krönte jedoch, ein Jahr nach der Ermordung Philipps von Schwaben, Otto IV. 1209 zum Kaiser.[21] Letzterer hatte als Welfe die Befürchtung des Kirchenstaates vor einer Umklammerung der Staufer selbst erfüllt, als er nach Süditalien zog, woraufhin er exkommuniziert wurde. Der Papst forderte die deutschen Fürsten nun auf, Otto nicht weiter zu unterstützen, sie wählten Friedrich dann als „anderen Kaiser“, was Otto zum Rückzug zwang.[22]

[...]


[1] Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, S. 969. Im Verlauf der Arbeit werden alle Zitate („…“) in ihrer originalen Diktion übernommen. Sie sind also nicht der neuen deutschen Rechtschreibung gemäß, auch vorhandene Tippfehler oder Falschschreibungen wurden übernommen.

[2] Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich II., S. 182.

[3] Vgl. auch Hechelhammer, S. 11f.

[4] Ebenda, S. 12f.

[5] Vgl. Rader, 2012, S. 12.

[6] Rader, 2011, S. 519-522. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dieses Werk als GR abgekürzt werden (Großer Rader) und das Werk aus Note 5 mit KR (Kleiner Rader), um mögliche Verwechslungen zu verhindern.

[7] Wolf, Günther: Stupor mundi.

[8] Kantorowicz, S. 183.

[9] Vgl. GR, S. 396f.; KR, S. 40; Hechelhammer, S. 300f.; Stürner, S. 158; Hiestand, S. 146; Houben, S. 52.

[10] Hiestand, S. 128, 146; Hechelhammer, S. 296; GR, S. 396f.

[11] Reichert, S. XIII

[12] KR, S. 7-12.

[13] GR, S. 39-41.

[14] Knopp, Guido (Hrsg.): Die Deutschen II: Friedrich II. und sein Kreuzzug.

[15] GR, S. 293ff.

[16] U.a.: KR, S. 15f.

[17] Asbridge, Thomas, S. 604.

[18] GR, S. 227ff.

[19] Asbridge, S. 603.

[20] Hiestand, Rudolf: Friedrich II. und der Kreuzzug, S. 132.

[21] Hechelhammer, Bodo: Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II., S. 20.

[22] KR, S. 16-18.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Friedrich II. auf dem Kreuzzug ohne Kreuz
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die mittelalterliche Genesis des römisch-deutschen Reiches
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V231495
ISBN (eBook)
9783656478003
ISBN (Buch)
9783656479833
Dateigröße
1362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Kaiser, Kreuzzug, Jerusalem, Papst, Sizilien, Heiliges Römisches Reich
Arbeit zitieren
Fritz Beise (Autor:in), 2013, Friedrich II. auf dem Kreuzzug ohne Kreuz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231495

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