Freiheit, Institutionalisierung, Euergetismus

Eine Analyse der Beziehungen zwischen den seleukidischen Königen und den Poleis Westkleinasiens, mit einem spieltheoretischen Versuch


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
28 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Quellenproblematik

3. Historischer Überblick

4. Freiheit und der König, Euergetismus und die Forschungsdebatte
4.1 Der Freiheitsbegriff im Wandel
4.2 Der siegreiche, wohltätige und rettende König
4.3 Die Politik der Wohltaten (Euergetismus)
4.3.1 Die Beziehungen zu Milet
4.3.2 Iasos und der Brief der Laodike – der ‚implizite Vertrag’

5. Spieltheorie zur Analyse historischer Handlungsabläufe?
5.1 Konflikt oder Kooperation – das „Chicken - Spiel“
5.2 Die Wechselseitigkeit der Handlungen – Das „Ultimatumspiel“

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Für Gleiche muß gleiches Recht gelten…“[1] lehrte Aristoteles und beschrieb damit ein Prinzip, das heute in den meisten Staaten nicht nur für das Leben der Menschen miteinander gilt, sondern auch für das Verhältnis der Staaten untereinander. Dank eines verbindlichen Völkerrechts (im Sinne der Charta der Vereinten Nationen) hat dieses Prinzip in unserer Zeit trotz verschiedenster Staatsformen (Demokratie, konstitutioneller Monarchie, ‚reiner’ Monarchie, kommunistische Republik) bestand und sichert zumindest normativ ein friedliches Zusammenleben. Freiheit, Unabhängigkeit und Autonomie sind dabei, in einer immer stärker globalisierten Welt, auch weiterhin emotional aufgeladene Begriffe, die fest im (politischen) Denken der Menschen verankert sind und nicht selten zu propagandistischen Zwecken ausgenutzt werden. Es sollte hierbei nicht verwundern, dass diese Vorstellungen von (außen-) politischer Gleichheit, von Unabhängigkeit, Freiheit und Autonomie ihren Ursprung nicht etwa in der französischen Revolution haben, sondern auf die Antike zurückgehen. Nach dem Tod Alexanders des Großen und dem Zerfall seines Reiches entstand eine Vielzahl von Gemeinwesen unterschiedlicher Form und Ausprägung, die miteinander um Macht und Unabhängigkeit rangen.[2] Die klassischen Vorstellungen von Freiheit, Unabhängigkeit und Autonomie prägten dabei jedoch weiterhin das politische Verständnis vor allem der griechischen Bevölkerung des ehemaligen Alexanderreiches, so dass nicht selten der königliche Machtanspruch der Diadochen und deren Nachfolger in Konflikt mit den Unabhängigkeitsbestrebungen griechischer Poleis gerieten. Von einem verbindlich geregelten Völkerrecht konnte in dieser Zeit keine Rede sein, so dass sich die Frage aufdrängt, wie sich die politisch- rechtlichen Beziehungen im Besonderen zwischen den ‚so ungleichen’ Gemeinwesen der Polis und dem monarchischen Staat darstellten? Welche Ziele verfolgten Stadt und König und welche Rolle spielten die Begriffe Freiheit, Unabhängigkeit und Autonomie dabei?

Diese Fragen, die zu den „zentralen Problemen der hellenistischen Geschichte“[3] gehören, sollen am Beispiel der Beziehungen zwischen dem Seleukidischen Reich und den westkleinasiatischen Städten in der vorliegenden Arbeit behandelt werden. Im Zuge dessen, wird der Autor zuerst einen kurzen Überblick über die Quellenproblematik und den historischen Hintergrund geben, worauf dann eine Analyse des freiheitsbegrifflichen Wandels, der Institutionalisierung des Königs und des Euergetismus (Wohltatenpolitik) im Zusammenspiel mit einer Deutung dieses Phänomens in der Forschungsdebatte folgen wird. Abschließend soll die ‚Wohltatenpolitik’ der Seleukiden und die Reaktion der Poleis am Beispiel und mit spieltheoretischen Methoden und Modellen untersucht und somit versucht werden, zu weitere Erkenntnisse über das Verhältnis zwischen Polis und Monarch zu gelangen.

2. Quellenproblematik

Eine wissenschaftliche Arbeit wird nicht allein durch ihr Thema eingegrenzt, sondern auch durch die Auswahl und die schlichte Existenz (oder Nicht-Existenz) von notwendigen Quellen. Die vorliegende Arbeit stellt darin keine Ausnahme dar.

Gerade die Quellenproblematik ist für die weiteren Ausführungen von einiger Bedeutung und bedarf eines genaueren Blickes. So sprich Wolfgang Orth in Bezug auf das Thema dieser Arbeit von einer „Dürftigkeit und Zersplitterung des Quellenmaterials, die allzu oft nicht einmal eine sichere zeitliche Einordnung der verstreuten Nachrichten zulassen.“[4] Die genaue Datierung der wenigen Quellen ist ein Problem, an das sich ein weiteres anschließt, welches in der Form dieser Quellen begründet ist. Es handelt sich nämlich vorrangig um inschriftliche Zeugnisse deren offizieller Charakter es dem Historiker erschweren Aussagen zu treffen, die über die, informativ sehr eingeschränkten Inhalte der Inschriften, hinausgehen. Denn diese handeln in der Regel von „Verehrung, Dank, Höflichkeitsbekundungen [und] überhaupt alle[m], was geeignet war, einer breiten Öffentlichkeit Würde und Rang der eigenen Institutionen, Sicherheit und Ausgewogenheit der äußeren Beziehungen vor Augen…“[5] zu führen. Aussagen über die wahren Machtverhältnisse zwischen Monarch und Polis, über negative politische Entwicklungen oder wirtschaftliche Nöte finden sich in diesen Inschriften nicht. Bezüglich des, im Weiteren genauer zu untersuchenden, Phänomens des Euergetismus, welches auch anhand solcher Inschriften zu analysieren ist, ergeben sich damit Überlegungen von nicht geringer Signifikanz. „We do not have any threatening letters from the kings, or letters refusing petions”[6], beschreibt John Ma die Einseitigkeit des Quellenmaterials und führt aus, dass Informationen gerade auch im Bereich der „internal workings of the polis“[7] fehlen. Zusammengefasst muss also festgehalten werden, dass die erhaltenen Quellen nur genau das Bild wiedergeben, was wiedergegeben werden sollte und dem Historiker so nur geringer Einblick in die inneren Abläufe und die wahren Machtverhältnisse in den Beziehungen zwischen dem König und den Poleis gegeben ist. Trotzdem ist es möglich Aussagen über eben diese Beziehung zu treffen, was im Folgenden noch gezeigt werden wird. Abschließend sei noch erwähnt, dass auch die vielfältigen literarischen Quellen, die oftmals bei der Behandlung antiker Problematiken herangezogen werden, sich in Bezug auf diese staatsrechtlichen Themen als „weithin unergiebig erweisen“[8] und deshalb weitestgehend zu vernachlässigen sind. Für eine Überblicksdarstellung des hier behandelten Themas sind diese literarischen Quellen (besonders Diodor) jedoch gut geeignet, so dass sich die Folgenden Ausführungen darauf stützen.

[...]


[1] Aristoteles (Pol, VIII, 14) zitiert nach, Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie. Altertum und Mittelalter, Bd. 1, 12. Auflage, Frankfurt am Main, 1980, S. 240.

[2] Gemeint sind die so genannten Diadochenkriege und die Auseinandersetzungen zwischen deren Nachfolgern.

[3] Orth, Wolfgang (Hg.): Königlicher Machtanspruch und städtische Freiheit: Untersuchungen zu den politischen Beziehungen zwischen den ersten Seleukidenherrschern (Seleukos I., Antiochos I., Antiochos II.) und den Städten des westlichen Kleinasiens, in: Münchner Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte, Bd. 71, 1977, S. 1.

[4] Orth: Königlicher Machtanspruch und städtische Freiheit, S. 1-2.

[5] Ebd., S. 2.

[6] Ma, John: Antioches III. and the Cities of Western Asia Minor. Oxford, 1999, S. 235.

[7] Ebd., S. 236.

[8] Orth: Königlicher Machtanspruch und städtische Freiheit, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Freiheit, Institutionalisierung, Euergetismus
Untertitel
Eine Analyse der Beziehungen zwischen den seleukidischen Königen und den Poleis Westkleinasiens, mit einem spieltheoretischen Versuch
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Seminar für Klassische Altertumswissenschaft)
Veranstaltung
Städtisches Leben im Seleukidenreich (3. – 1. Jh. vor Christus)
Note
2+
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V231542
ISBN (eBook)
9783656482833
ISBN (Buch)
9783656482888
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seleukidenreich - Griechische Poleis - Euergetismus
Arbeit zitieren
Thomas Grunewald (Autor), 2010, Freiheit, Institutionalisierung, Euergetismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231542

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