Die Peregrinatio des Heiligen Columban und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums im Frankenreich


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Peregrinatio als monastisches Ideal des irischen Mönchtums

3. Das Wirken der Peregrinatio auf das Leben Columbans und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums im Frankenreich
3.1. Das Leben und Wirken Columbans als Peregrinus
3.2. Columbans Wirken im Frankenreich

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Literatur

1. Einleitung

Millionen von Menschen waren auf den mittelalterlichen Straßen unterwegs und es gab viele unterschiedliche Gründe sich auf eine Reise zu begeben: Flucht, Hoffnung auf ein besseres Leben oder Missionierungsgründe.[1] Vor allem im Dienste von einer der drei großen monotheistischen Religionen waren tausende von Menschen unterwegs. Die Kirche war zwar gespaltener Ansicht gegenüber Reisen, aber schlussendlich überwog die Reisen befürwortende Seite. Hierfür sorgten unter anderem die vielen Vorbilder, die im Alten und Neuen Testament zu finden waren.[2] Besonders reisefreudig waren die irischen Mönche, die bereits im 6. Jahrhundert begannen von Irland nach Europa zu reisen, um dort die christliche Lehre zu verbreiten und diese durch ein Netz von Klöstern zu sichern. Zu diesen Mönchen gehörte auch Columban der Jüngere (543-615). Er war ein irischer Wandermönch und Missionar.[3] Der heilige Columban, im weiteren Verlauf dieser Arbeit auch nur Columban genannt, gab den Anstoß zur christlichen Mission auf dem Festland und hatte starken Einfluss auf die Christianisierung des Frankenreiches, das bei seiner Ankunft noch stark vom Heidentum geprägt war.[4] Das Motiv des heiligen Columban, Irland zu verlassen und sich auf Wanderschaft zu begeben, war im primären Sinne die Peregrinatio, das Verlassen des Heimatlandes ohne jemals dorthin zurückzukehren und sich auf die Suche nach dem sogenannten „Weißen Martyrium“ zu begeben.[5] In dieser Arbeit soll erläutert werden, wie die irische Form der Peregrinatio das Leben des heiligen Columban beeinflusste. Außerdem soll gezeigt werden, dass Columban wiederum großen Einfluss auf die Entwicklung der irischen Peregrinatio und somit auch auf die Entwicklung des fränkischen Christentums im 7. Jahrhundert hatte. Im ersten Kapitel dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, aus welchen Gründen die irischen Mönche, im Besonderen der heilige Columban, sich berufen gefühlt haben, in einer „fremden Welt“ ihren Glauben zu verbreiten bzw. worauf der Missionsgedanke der Peregrinatio beruhte. Im weiteren Verlauf soll dann die Ideologie und das Leben Columbans, in Bezug auf die Peregrinatio, dargestellt werden und außerdem gezeigt werden, wie dessen Klosterbewegung sich auf das Christentum im Fränkischen Reich auswirkte.

Die zentrale Quelle dieser Arbeit wird die Biographie "Ionae Vitae Columbani", verfasst von dem Mönch Jonas von Susa, über das Leben des Mönches Columban sein. In dieser Vita werden Auskünfte über die Vorstellungen Columbans in Bezug auf das Mönchtum und dem Leben nach den Vorgaben der Peregrinatio gegeben.[6] Im Weiteren wird das Werk „Schwellenzeit. Beiträge zur Geschichte des Christentums in Spätantike und Frühmittelalter“, verfasst von Knut Schäferdiek, welches vor allem Columbans Wirken im Frankenreich besonders gut darstellt, wichtig für diese Arbeit sein.[7] Für den geschichtlichen Hintergrund und das Leben Columbans in Bezug auf die Peregrinatio werden unter anderem die Werke „Gottes gelehrte Vaganten. Die Iren im frühen Europa“ von Ingeborg Meyer-Sickendiek[8] und „Heil von den Inseln. Bonifatius und die Iroschotten - neu gesehen. Revision eines Vorurteils“ von Dieter Trautwein[9] von Bedeutung sein. Vor allem Dieter Trautwein geht in seinem Werk im Besonderen auf die Peregrinatio, die Wanderschaft und Mission der irischen Mönche, ein wohingegen Ingeborg Meyer Sickendiek in ihrem Buch das Leben des heiligen Columban sehr detailiert darstellt.

2. Die Peregrinatio als monastisches Ideal des irischen Mönchtums

Die "Peregrinatio", die asketische Heimatlosigkeit, war der Grund für Columbans Wirken in Europa, ohne die er wahrscheinlich nicht auf den Kontinent gelangt wäre. Unter Peregrinatio (= Wanderschaft)[10] versteht man Motive einer Pilgerreise, um das eigene Seelenheil zu fördern, Sühne für begangene Fehltritte zu erlangen und eine besondere Form der Askese zu betreiben. Die Reisenden wurden als peregrini(= Fremde) bezeichnet. Ihr Kennzeichen war, dass sie sich aus ihrem gewohnten Lebensumfeld hinaus begaben und auf ihrer Reise fortan ohne heimatliche soziale Kontakte auskommen mussten.[11] Gegen Ende des vierten Jahrhunderts entwickelte sich in Irland diese besondere Form der Askese, die ursprünglich als eine Strafform gedacht war und schließlich zur freiwilligen Übernahme einer Strafe oder Buße wurde. Sie wurde fast ausschließlich von Mönchen ausgeübt. Unter den Begriff Peregrinatio fallen die Askese; die Missionierung, also als religiös motivierter Pilger leben und den Glauben verbreiten; und die Bußperegrinatio, das für schwere Vergehen im Exil Leben.[12]

Besonders viele heilige Iren haben sich ihrer Vita nach für die Peregrinatio entschieden, für die Aufgabe des Vaterlandes und die Trennung von Freunden und Verwandten, speziell die Trennung der Eltern und die gewohnte Geborgenheit, um dafür die Liebe Christus‘ und das ewige Leben zu erhalten. Ihre zwei wichtigsten Motive hierbei waren die asketische Heimatlosigkeit, welche zum ewigen Leben führen sollte und die Missionierung fremder Völker.[13] Schon von dem Heiligen St. Patrick war bekannt, dass er sein Leben lang auf Wanderschaft war und den Menschen predigte: „Gehet hin in alle Welt“.[14] Und auch in der Bibel findet man in Abraham, dem Stammvater des auserwählten Volkes, ein Vorbild der Peregrinatio. Auf Gottes Rat hin, ließ dieser sein Vaterland hinter sich und zog vier Jahrzehnte lang umher. Es war die sogenannte „erhoffte Ferne des Himmelsreiches“ welche die Mönche hofften zu erreichen. Diese Ferne der Hoffnung und Erlösung sollte umso eher erreicht werden, je mehr ein Mensch sich der Fremde hingab und unter dieser litt.[15] Die Mönche quälten ihre Körper in der Fremde mit Hunger, Durst und Kälte und verstanden dies als asketische Buße, die von nun an den Rest ihres Lebens bestimmte.[16] Auch die Flucht aus dem eigenen Kloster und die damit verbundene Wanderschaft durch fremde Klöster gehörten zur Peregrinatio, die auch der heilige Columban durchlebte und somit in dieser Arbeit als Vorzeigebeispiel eines Peregrini gilt. Der wichtigste Bestandteil der Peregrinatio ist jedoch das sogenannte „Weiße Martyrium“: sich ausnahmslos von allem zu trennen was man liebte, ohne die Rückkehr in das eigene Vaterland. Auch das Motiv des Mönches Columban berief sich auf die freiwillig auf sich genommene irdische Fremde. Er verließ Irland im Jahre 590 gemeinsam mit zwölf Gefährten.[17] Dies tat er nachdem er durch ein Gespräch mit einer alten Frau, die schon viele Jahre im Exil lebte, die Vision der Peregrinatio erhielt und spürte, dass „ein Feuer in ihm brennt“ mit dem er das weiße Martyrium erreichen wollte. Die Tatsache, dass er zwölf Gefährten bei sich hatte zeigt jedoch, dass er nicht nur die Kreuzesnachfolge plante, sondern dass ihn ebenfalls ein Missionsauftrag antrieb.[18] Wie Columban sein Leben der Peregrinatio opferte und wie er damit die klerikale Kultur des Frankenreiches beeinflusste wird im nächsten Kapitel näher erläutert.

[...]


[1] Norbert Ohler: Reisen im Mittelalter, München 1986, S. 11-14.

[2] Ohler: Reisen, S.82.

[3] Harald Müller: Mittelalter, Berlin 2008, S. 31.

[4] Dieter Trautwein: Heil von den Inseln. Bonifatius und die Iroschotten - neu gesehen. Revision eines Vorurteils, Konstanz 1993, S. 78-79.

[5] Trautwein: Heil, S. 56.

[6] Jonas erstes Buch vom Leben Columbans, in: Rudolf Buchner und Franz-Josef Schmale (Hg.): Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts, Darmstadt 1982, S. 395-497.

[7] Knut Schäferdiek: Schwellenzeit. Beiträge zur Geschichte des Christentums in Spätantike und Mittelalter, Berlin 1996.

[8] Ingeborg Meyer-Sickendiek: Gottes gelehrte Vaganten. Die Iren im frühen Europa, Düsseldorf 2000.

[9] Dieter Trautwein: Heil von den Inseln. Bonifatius und die Iroschotten - neu gesehen. Revision eines Vorurteils, Konstanz 1993.

[10] Trautwein: Heil, S. 55.

[11] Müller: Mittelalter, S.198.

[12] Theodor Klöppel (Hg.): Adamnan: Das Leben des Heiligen Columba von Iona , Stuttgart 2010, S. 26.

[13] Stefan Weber: Iren auf dem Kontinent. Das Leben des Marianos Scotts von Regensburg und die Anfänge der irischen Schottenklöster, Heidelberg 2010, S. 232-233.

[14] Trautwein: Heil, S. 55.

[15] Trautwein: Heil, S. 55.

[16] Weber: Iren, S. 233.

[17] Trautwein: Heil, S. 56.

[18] Trautwein: Heil, S. 56.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Peregrinatio des Heiligen Columban und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums im Frankenreich
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V231548
ISBN (eBook)
9783656475736
ISBN (Buch)
9783656476856
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
peregrinatio, heiligen, columban, auswirkungen, entwicklung, christentums, frankenreich
Arbeit zitieren
Yvonne Kruschel (Autor), 2011, Die Peregrinatio des Heiligen Columban und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums im Frankenreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231548

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Peregrinatio des Heiligen Columban und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums im Frankenreich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden