„First I must know by what power I am called hither befor I will give answer. [...] Now, I would know by what authority, I mean lawful [...] I was brought from thence and carried from place to place [...] Remember I am your King – your lawful King – and what sins you bring upon your heads and the judgement of God upon this land, think well upon it [...] Therefor let me know by what lawful authority I am seated here and I shall not be unwilling to answer. [...]”
Mit diesen Worten verweigerte King Charles I. am 20. Januar 1649 in der Westminster Hall die Aussage in dem gegen ihn geführten Prozess wegen Hochverrats und brachte den Vorsitzenden des Ausschusses, Lord President John Bradshaw, in gewaltige argumentative Probleme. Charles I. hatte das zu Grunde liegende Legitimitätsproblem des ganzen Prozesses offenbar sofort erkannt und bildlich gesprochen ‚den Finger in die Wunde gelegt’. Bradshaws Lösung bestand aus der wenig überzeugenden Phrase „…in the name of the people of England, of which you are elected King...”, welche den energischen Widerspruch des Königs erntete. Schließlich sah sich der wohl auch entnervte Bradshaw wegen der hartnäckigen Weigerung des Königs die Autorität des Gerichts anzuerkennen, gezwungen den Prozess zu vertagen und letztlich den König von den weiteren Verhandlungen auszuschließen.
Während augenscheinlich an der fehlenden Ergebnisoffenheit des Prozesses kaum gezweifelt werden kann, ist die Frage der Legitimität nicht nur von der Nachwelt sondern auch von den Zeitgenossen äußerst unterschiedlich bewertet worden. Charles I. selbst hatte zu Beginn des Prozesses einen Text veröffentlicht in dem er die Rechtmäßigkeit der Verhandlungen, des Gerichts und auch des Parlaments angriff, auf sein Gottesgnadentum verwies und sich selbst zum eigentlichen Beschützer der Rechte des englischen Volkes stilisierte. Diese Gedanken gingen nach seiner Hinrichtung in einem Königsmythos auf, wie er beispielsweise im „Eikon Basilike“ beschrieben wird, und erzeugten einen gewissen Rechtfertigungsdruck auf Cromwell und die anderen Ausschussmitglieder, die das Todesurteil unterzeichnet hatten.5
Es sollte deshalb nicht überraschen, dass die Veröffentlichungen der Königsgegner nicht einfach nur Gegendarstellungen sind, sondern vielmehr Apologien, Verteidigungsschriften, deren Sinn sich eben nicht darin erschöpft dem Leser eine andere Version des Geschehenen anzubieten, sondern [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Legitimität, Autorität und politische Ordnung
3. John Cooks „King Charls His Case“
3.1. Der König als Tyrann oder Vom Naturrecht
3.2. Das Common Law
3.3. Republikanisches Denken und die Theorie des ‚Mixed Government’
4. Von der Vernunft als Methode
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Anklageschrift von John Cook im Prozess gegen König Charles I. von England, um die juristische Argumentation und die zugrunde liegenden Prinzipien herauszuarbeiten, mit denen die Königsgegner den Prozess und das Todesurteil zu legitimieren versuchten.
- Die Struktur der Anklageschrift und ihre logische Beweisführung
- Die Rolle des Tyrannenbildes im Kontext des Naturrechts
- Die Bedeutung des Common Law für die politische Argumentation
- Elemente republikanischen Denkens und die Theorie des ‚Mixed Government’
- Die methodische Funktion der Vernunft zur Vermittlung politischer Legitimität
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Common Law
Eng verbunden mir dem Naturrecht ist das englische Rechtssystem des Common Law, welches ebenfalls zur Rechtfertigung und Legitimierung des Prozesses und der Hinrichtung Charles I. herangezogen wurde. Die enge Verbindung bestand in der Überzeugung der Vertreter des Common Law, dass ihr System am besten „[…] as natural law applied to English life“ zu verstehen sei, welches die Rechte des Königs und der Untertanen auf so harmonische Art und Weise bestimmte, dass es gar keine andere Möglichkeit gab sich bei der Beschreibung des englischen Rechtssystems auf andere Prinzipien zu berufen, als auf die des Common Law.49 Der Gedanke das Common Law als englisches Naturrecht zu begreifen, ergab sich aus dessen Zusammensetzung, nämlich dem Gewohnheitsrecht bzw. der Tradition (custom) und den königlichen Erlässen (Statutes). Das erstere bezeichnete „[…] unwritten law or lex non scripta, which might be written down but which claimed no authority but that of custom and tradtion”, während unter Statutes “written law, lex scripra” zu verstehen war “whose authority was that of the author of the writing – normally the king in parliament [...]”50.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das Legitimitätsproblem des Prozesses gegen Charles I. und die Rolle der apologetischen Schriften der Königsgegner.
2. Legitimität, Autorität und politische Ordnung: Das Kapitel entwickelt ein zweistufiges Autoritätsmodell, um zu erklären, wie Cromwell und die Armee ihre Handlungen ohne etablierte staatliche Ordnung legitimierten.
3. John Cooks „King Charls His Case“: Hier wird Cooks Anklageschrift analysiert, wobei insbesondere das Motiv des Tyrannen, die Rolle des Common Law und republikanische Tendenzen untersucht werden.
4. Von der Vernunft als Methode: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Cook die Vernunft als rhetorische Metamethode einsetzte, um komplexe Verfassungsfragen für ein breiteres Publikum nachvollziehbar zu machen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont, dass die Vernunft der entscheidende Schlüssel war, um Legitimität für die neue politische Ordnung zu schaffen.
Schlüsselwörter
Königsprozess, Charles I., John Cook, Legitimität, Common Law, Naturrecht, Tyrann, Mixed Government, Republikanismus, Vernunft, politische Ordnung, Hochverrat, England, Rechtsgeschichte, Cromwell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die juristische Anklageschrift gegen König Charles I. von England (1649) und analysiert, mit welchen Argumenten die Ankläger die Hinrichtung eines amtierenden Monarchen legitimierten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Common Law, die Auslegung von Naturrecht, die Theorie des „Mixed Government“ sowie die Funktion der Vernunft als rhetorisches Mittel in der politischen Auseinandersetzung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die „Prinzipien“ und die von John Cook verwendete Methodik des Argumentierens offenzulegen, um zu zeigen, dass die Legitimitätsdebatte auch auf einer juristisch-rationalen Ebene geführt wurde, jenseits rein religiöser Auserwähltheitsglauben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit analysiert den inneren Aufbau der Anklageschrift anhand einer „Motiv – Gelegenheit – Mittel“-Konstellation und setzt die Argumente in Bezug zu zeithistorischen Theorien von Autoren wie Pocock, Mager und Cromartie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Tyrannenbildes, die Einordnung in das Common Law sowie die Analyse republikanischer Ideen und der methodischen Rolle der Vernunft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Legitimität, Common Law, Naturrecht, Tyrannenmord, Mixed Government und die Vernunft als Methode der politischen Legitimierung.
Warum spielt die Metapher von „Sonne und Firmament“ bei Cook eine Rolle?
Cook nutzt dieses einfache, anschauliche Bild, um die Absurdität zweier konkurrierender oberster Gewalten zu verdeutlichen und damit die Notwendigkeit einer einzigen, souveränen Macht – des Parlaments – logisch zu begründen.
Wie unterscheidet Cook das „Fürstenregiment“ vom „Mixed Government“?
Er verwendet das Bild einer zerstörerischen Wasserflut für das absolute Fürstenregiment, während er das „Mixed Government“ als einen „sweet smooth Stream“ beschreibt, der Stabilität und Nutzen für das Land bringt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Grunewald (Autor:in), 2011, Eine Analyse der Anklageschrift von John Cook im Prozess gegen König Charles I. von England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231562