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Der Staatszerfallsprozess am Beispiel Ruandas. Von schwacher bis kollabierender Staatlichkeit.

Title: Der Staatszerfallsprozess am Beispiel Ruandas. Von schwacher bis kollabierender Staatlichkeit.

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Dallinger (Author)

Politics - Region: Africa
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Im Mittelpunkt der Seminararbeit steht der Prozess des Staatszerfalls. Idealtypischer Ausgangspunkt ist dabei die Erläuterung moderner Staatlichkeit, die als Gegenpol zu einem zerfallenden Staat anhand dreier Kernfunktionen bzw. Kernaufgaben von Staatlichkeit beschrieben wird. Den Konnex zwischen Staatlichkeit und Staatszerfall bilden hierbei sogenannte Gaps im Gefüge des Staates die im Staatszerfallsprozess in den drei Kernfunktionen auftreten. Anhand einer Typologisierung von Staatlichkeit, die auf diesen Lücken in den staatlichen Kernfunktionen aufbaut, versuche ich die Stadien des Staatszerfalls von einem schwachen Staat zu einem kollabierten bzw. failed state nachzuverfolgen. Auf diesem theoretischen Gerüst aufbauend versuche ich des Weiteren Ursachen, Charakteristiken und Verlaufsformen von Staatszerfall zu bestimmen. Da seit den 1990er Jahren der afrikanische Kontinent und insbesondere Subsaharaafrika von der Geisel, der Staatszerfalls heimgesucht wurde, werde ich einen kurzen Überblick über die grundlegenden Charakteristika von Staatlichkeit in Afrika geben. Obgleich Afrika sicherlich nicht im Plural zu begreifen ist, versuche ich dennoch Gemeinsamkeiten der afrikanischen Staaten hinsichtlich derer staatlichen Mechanismen aufzuzeigen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Begriff des Neopatrimonialismus, der stellvertretend für diese Gemeinsamkeit steht.Der zuvor theoretisch abgehandelte Prozess des Staatszerfalls soll abschließend an einem konkreten Fallbeispiel nachgezeichnet werden.Dieses Fallbeispiel zeigt hierbei die unterschiedlichen Stadien des Staatszerfallsprozesses in Ruanda in der Zeit zwischen 1973 und Juli 1994 dem Ausbruch des Völkermordes auf. Dabei soll auch auf die strukturellen, prozessualen und auslösenden Faktoren näher eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die drei Kernfunktionen von moderner Staatlichkeit und deren Lücken

2.1 Sicherheitsfunktion (security gap)

2.2 Wohlfahrtsfunktion - capacity gap

2.3 Legitimitäts-/Rechtsstaatlichkeitsfunktion – legitimacy gap

3 Typologie des Staatszerfalls – Von weak bis collapsed

3.1 Typ 1 – Konsolidierte Staatlichkeit

3.2 Typ 2 – Schwache Staatlichkeit (weak state)

3.3 Typ 3 – Versagende Staatlichkeit (failing states)

3.4 Typ 4 – Gescheiterte bzw. zerfallende Staatlichkeit (failed bzw. collapsed state)

4 Ursachen von Staatszerfall

4.1 Strukturfaktoren

4.2 Prozessfaktoren

4.3 Auslösefaktoren (triggers)

4.4 Schwerpunkt – strukturelle und prozessuale Ursachen – cleavages und Politisierung ethnischer Differenzen

4.4.1 Cleavages:

4.4.2 Politisierung ethnischer Differenzen

4.5 Schwerpunkt – prozessuale Ursachen – Gewaltmärkte und „neue Kriege“

4.6 Zusammenführung – Ursachen, Charakteristika und Verlauf von Staatszerfall

5 Staatlichkeit in Afrika

5.1 Afrika und der Kolonialismus

5.2 Staat und Gesellschaft in Afrika

5.3 Das neopatrimonale politische System in Afrika

6 Fallbeispiel Ruanda – von weak bis failed

6.1 Schwache Staatlichkeit – Ruanda 1973 – 1989

6.2 Versagende Staatlichkeit – Ruanda 1990 – April 1994

6.3 Gescheiterte Staatlichkeit – Ruanda April bis Juli 1994

6.4 Strukturelle – prozessuale und auslösende Faktoren für den Staatszerfall in Ruanda

6.5 Zusammenführung - Staatszerfallprozess in Ruanda

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Prozess des Staatszerfalls, ausgehend von einer schwachen Staatlichkeit bis hin zum Staatskollaps, mit einem spezifischen Fokus auf dem afrikanischen Kontinent. Zentrale Forschungsfrage ist es, die dynamischen Phasen und Ursachen dieses Zerfallsprozesses zu identifizieren und am Fallbeispiel Ruanda zu illustrieren.

  • Analyse der Kernfunktionen moderner Staatlichkeit nach Ulrich Schneckener.
  • Typologisierung von Staatszerfallsprozessen (weak, failing, failed/collapsed).
  • Untersuchung der strukturellen, prozessualen und auslösenden Faktoren des Staatszerfalls.
  • Betrachtung der spezifischen Ausprägung von Staatlichkeit in Afrika (Neopatrimonialismus).
  • Empirische Anwendung des theoretischen Modells auf den Staatszerfallsprozess in Ruanda.

Auszug aus dem Buch

4.5 Schwerpunkt – prozessuale Ursachen – Gewaltmärkte und „neue Kriege“

Herfried Münkler betont in seinem Werk „Die neuen Kriege“ dass diese sich wesentlich von den Staatsbildungskriegen in Europa und Nordamerika unterscheiden und diese neuen Kriege eher als Staatszerfallskriege anzusehen sind. Dabei weist Münkler darauf hin, dass die Staatsbildungskriege primär ohne größeren Einfluss von außen verlaufen seien, wohingegen die neuen Kriege gerade durch die Einflussnahme von außen beeinflusst sind. Nicht nur unterliegen diese ständiger politischer Einflussnahme von außen, sondern und das sei noch viel entscheidender für ihre zerstörerische Wirkung, sie sind vor allem in die weltwirtschaftlichen Austauschsysteme eingebunden.

Nationale Reichtümer (Bodenschätze; Erdöl, Diamanten usw.) forciert dabei zumeist den Konflikt um ihre Aneignung und Verteilung.

So ist die Mehrzahl der failed states unserer Tage keineswegs nur am Tribalismus sozial wie kulturell unzureichend integrierter Gesellschaften gescheitert, sondern ebenso am Sog einer wirtschaftlichen Globalisierung, die vor allem dort ihre destruktiven Wirkungen entfaltet hat, wo sie nicht auf eine robuste Staatlichkeit traf. [Zit. Herfried Münkler: S. 19]

Der traditionelle Tribalismus und die neuen Globalisierungsformen verhinderten bzw. blockierten Staatsbildung nicht nur, sondern begünstigten, bzw. trugen auch zu einer Verstetigung innergesellschaftlicher Konflikte bei. Die neuen Kriege beziehen über vielfältige Kanäle einer Schattenglobalisierung, ihre für die Weiterführung der Konflikte notwendigen Ressourcen. Es bilden sich Kriegsökonomien, in denen die Akteure nicht nur ihre Subsistenz sichern, sondern auch zu beträchtlichem Vermögen gelangen können – Tausch und Gewaltanwendung gehen eine untrennbare Verbindung ein. Durch diesen Umstand sind die Kriegsakteure auch zunehmend daran interessiert, den Krieg fortzuführen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Staatszerfall ein und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit sowie die theoretische Grundlage basierend auf Schneckeners Kernfunktionen.

2 Die drei Kernfunktionen von moderner Staatlichkeit und deren Lücken: Das Kapitel definiert moderne Staatlichkeit anhand der Sicherheits-, Wohlfahrts- und Legitimitätsfunktion und erläutert die entsprechenden Defizite (gaps) als Indikatoren für fragile Staatlichkeit.

3 Typologie des Staatszerfalls – Von weak bis collapsed: Hier wird eine Kategorisierung von Staaten in vier Typen vorgenommen, um das prozesshafte Fortschreiten vom schwachen zum kollabierten Staat theoretisch zu erfassen.

4 Ursachen von Staatszerfall: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Faktoren – unterteilt in Struktur-, Prozess- und Auslösefaktoren –, die zur Erodierung staatlicher Ordnung beitragen.

5 Staatlichkeit in Afrika: Die Analyse widmet sich den Besonderheiten afrikanischer Staatlichkeit, insbesondere dem postkolonialen Erbe und der Ausprägung neopatrimonialer politischer Systeme.

6 Fallbeispiel Ruanda – von weak bis failed: Das Kapitel wendet das theoretische Modell auf Ruanda an und zeichnet den Zerfallsprozess des Landes von 1973 bis 1994 chronologisch nach.

Schlüsselwörter

Staatszerfall, Fragile Staatlichkeit, Sicherheitsfunktion, Wohlfahrtsfunktion, Legitimität, Neopatrimonialismus, Ruanda, Gewaltmärkte, neue Kriege, Ethnizität, Patronagesystem, Staatskollaps, politische Eliten, strukturelle Faktoren, Prozessfaktoren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das politikwissenschaftliche Phänomen des Staatszerfalls, insbesondere den Prozess, wie ein schwacher Staat über verschiedene Phasen der Destabilisierung in einen Staatskollaps oder Zerfall münden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder umfassen die Definition moderner Staatlichkeit, die Typologisierung fragiler Staaten, die Ursachenforschung von Staatszerfallsprozessen sowie die Besonderheiten neopatrimonialer Systeme im afrikanischen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, die dynamischen Phasen und ursächlichen Faktoren des Staatszerfalls theoretisch zu fundieren und diesen Prozess anhand des konkreten Fallbeispiels Ruanda empirisch nachvollziehbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der auf dem Modell der „drei Kernfunktionen“ von Ulrich Schneckener basiert, um fragile Staatlichkeit zu messen und in einem Kategoriensystem einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Herleitung der Kernfunktionen staatlicher Leistung, die Kategorisierung von Zerfallstypen, eine tiefgehende Ursachenanalyse sowie die Fallstudie Ruanda unter Berücksichtigung historischer und politischer Kontexte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Staatszerfall, Fragile Staatlichkeit, Neopatrimonialismus, Sicherheitsfunktion, Legitimität und das Fallbeispiel Ruanda.

Welche Rolle spielt das Konzept des Neopatrimonialismus für das Verständnis der afrikanischen Staaten?

Es erklärt die Vermischung von privater und öffentlicher Sphäre, bei der staatliche Ressourcen zur Sicherung persönlicher Loyalität und Klientelnetzwerke statt für das öffentliche Interesse eingesetzt werden, was die institutionelle Stabilität nachhaltig schwächt.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Typen von Staatszerfall?

Die Unterscheidung erfolgt entlang der Erfüllungsgrade der drei Kernfunktionen (Sicherheit, Wohlfahrt, Legitimität), wobei der Übergang von einem „schwachen“ zu einem „versagenden“ und schließlich „gescheiterten“ Staat durch zunehmende Dysfunktionalitäten in diesen Bereichen gekennzeichnet ist.

Warum wird im Fallbeispiel Ruanda das Jahr 1994 als Wendepunkt hervorgehoben?

1994 markiert den Übergang von einem versagenden Staat zu einem gescheiterten Staat, ausgelöst durch den Völkermord und den vollständigen Zusammenbruch staatlicher Autorität und Kontrolle im Zuge der politischen Ereignisse.

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Details

Title
Der Staatszerfallsprozess am Beispiel Ruandas. Von schwacher bis kollabierender Staatlichkeit.
College
University of Vienna
Course
SE Institutionen des modernen Staates
Grade
1,0
Author
Christian Dallinger (Author)
Publication Year
2013
Pages
35
Catalog Number
V231563
ISBN (eBook)
9783656474593
ISBN (Book)
9783656474791
Language
German
Tags
staatszerfallsprozess beispiel ruandas staatlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Dallinger (Author), 2013, Der Staatszerfallsprozess am Beispiel Ruandas. Von schwacher bis kollabierender Staatlichkeit., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231563
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