Hartmann von Aues "Iwein". Die Figur des Gawein


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Hartmann von Aue – Kurzbiographie und Entstehung des Iwein

II. Hartmann von Aues „Iwein“ - Inhaltsangabe

III. Freund oder Feind – Gawein, Iwein und der Löwe
III.I. Freundschaft – Kurzdefinition
III.II. Gawein und Iwein – Kurzcharakteristik
III.III. Gawein – Ein Freund?
III.IV. Der Löwe – Ein besserer Freund oder nur ein untergebenes Tier?

IV. Fazit

Bibliographie

I. Hartmann von Aue – Kurzbiographie und Entstehung des Iwein

Hartmann von Aue, der neben bekannten Lyrikern wie Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg als einer „der bedeutendsten Epiker der so genannten mittelhochdeutschen Klassik um 1200“[1] gilt und über dessen Biographie sich nur wenige Angaben aus seinen eigenen Werken und denen anderer Autoren machen lassen, beschreibt seine eigene Person in den Prologen seiner Werke „als Ritter mit gelehrter Schulbildung [...][, womit] er ausdrücklich den Horizont seines Standes mit dem literarischer, und das heißt in erster Linie lateinischer Bildung“[2] verbindet. Auch über seine Herkunft lassen sich nur Vermutungen mit Hilfe einiger Hinweise anstellen. Er selbst nennt sich „in seinen Prologen [als Autor]: Hartmann von Ouwe bzw. Hartmann der ouwœre“, wobei zu beachten ist, dass der Ortsname Aue […] so häufig [ist], dass weitere Indizien herangezogen werden müssen, wie [bspw.] das Wappen, das die bebilderten Liederhandschriften Hartmann zuordnen“ und welches „auf das frühere Au bei Freiburg im Breisgau“ hinweist[3]. Die meisten Aussagen zur Person und den Lebensumständen Hartmanns „liefern die Prologe und Epiloge seiner Werke[4] “. Vor allem in den Werken des Armen Heinrichs und in fast identischer Form im Iwein, lassen sich einige Aussagen Hartmanns zur eigenen Person finden:

Ein rîter sô gelêret was/daz er an den buochen las/swaz er dar an geschriben vant;/der was Hartman genant,/dienstman was er ze Ouwe.[5]

Sicher festzuhalten ist jedoch, dass Hartmann von Aue ungefähr zwischen 1180 und 1205, bzw. 1210, literarisch tätig gewesen war, was durch einige Querverbindungen zu differenten Werken unterschiedlicher Autoren belegt wird. Auch wird Hartmann in einigen dieser Werke seiner dichterischen Kollegen hoch gelobt und gepriesen.

Des Weiteren ist anzumerken, dass seine Verserzählungen, zu denen auch der Iwein gehört, um 1205, bzw. 1210, bereits alle bekannt waren. An dieser Stelle ist auch anzuführen, dass heute meist „ die Anschauung vertreten [wird], dass Hartmann am ehesten für den Hof der Zähringer gewirkt haben dürfte [...][, was] erklären [könnte], auf welchem Wege Hartmann zu seinen Vorlagen für Erec und Iwein gelangte, denn das Adelsgeschlecht unterhielt enge Kontakte nach Frankreich, die bis in den Wirkungskreis Chrétiens de Troyes reichten[6] “. Auch ist dies ein Indiz für die zwingenden Französischkenntnisse Hartmanns. Bezüglich der Entstehung des Iweins ist festzuhalten, dass sowohl der Iwein, als auch der Erec Hartmanns zu den so genannten Artusromanen gehören, wobei zu beachten ist, dass der Erec sogar – zusammen mit dem Eneasroman Heinrichs von Veldeke – als der „erste[,] im eigentlichen Sinn[e] höfische[,] Roman[...] in deutscher Sprache gilt“[7]. Der Iwein dagegen beruht auf der Vorlage des Yvain von Chrétiens de Troyes, dessen Figur des Yvain auf der Person des Owain basiert, über den Geoffrey von Monmouth in seiner Historia regum Britanniae als Iwenius filius Uriani im Ritterkreis des Königs Artus berichtet[8]. Dies ist jedoch die einzige Parallele zur Romanfigur, da sämtliche Aventiure Iweins/Yvains Fiktion sind. Die Grundlage des Iwein basiert dabei auf einer Mischung aus märchenhaften Elementen, einzelnen Bereichen der Realität bezüglich des Artushofes und keltischen Erzählungen.

Ebenfalls von Bedeutung ist, dass der Iwein zwar eine Art Übersetzung des Yvains darstellt, jedoch ist der ein wenig größere Umfang des Iweins nicht nur auf generelle Übersetzungsschwierigkeiten, sondern auch auf die ausgeprägteren Erzählungen bei Hartmann zurückzuführen.

Alles in allem ist festzuhalten, dass sich zwar nicht viel zur Person Hartmanns sagen lässt, sich jedoch einige Feststellungen zur Entstehung seiner Werke machen lassen.

II. Hartmann von Aues „Iwein“ - Inhaltsangabe

Der mittelhochdeutsche Artusroman des Iwein ist eine Verserzählung von Hartmann von Aue und beginnt nach antiker Regel mit einer so genannten generalis sententia im Prolog, in der der Autor über sich selbst und über König Artus berichtet. Es schließt sich eine Erzählung des Ritters Kalogrenant an, in der er über die Beziehung von König Artus und seiner Frau, Freundschaft im Allgemeinen und die Ritter der Tafelrunde Auskunft gibt. Des Weiteren berichtet er über ein vergangenes Abenteuer, wobei er in einer kurzen Binnenerzählung näher definiert, was eine „âventiure“ ist:

„>âventiure? waz ist daz?< / >daz wil ich dir bescheiden baz. / Nû sich wie ich gewâfent bin: / ich heize ein rîter unde hân den sin / daz ich suochende rîte / einen man der mit mir strîte, / under der gewâfent sî als ich. / gesige aber ich im an, / sô hât man mich vür einen man, / unde wirde werder danne ich sî.“[9]

Im Anschluss berichtet er, dass ihm während eines Abenteuers an einer Quelle eine Schande durch die Niederlage im Kampf gegen einen anderen Ritter widerfahren ist. Daraufhin beschließt Iwein ihn zu rächen und zur Quelle zu reiten, wobei er vom König unterstützt wird, der beim Namen seines Vaters schwört, Kalogrenant mit seiner gesamten Gefolgschaft an der Quelle zu rächen. Iwein ist über diese Unterstützung jedoch nicht begeistert, da er Kalogrenant alleine rächen will und beschließt, vor allen anderen aufzubrechen. An der Quelle trifft Iwein auf Askalon, den er rückhaltlos angreift und bis zu dessen Burg verfolgt, wobei er jedoch sein Pferd verliert und selbst ebenfalls schwer verwundet wird. Letztendlich fügt Iwein Askalon zwar eine tödliche Wunde zu, ist allerdings auf dessen Burg gefangen. Die „rîterlîche magt“ Lunete kommt ihm zu Hilfe und schenkt ihm einen unsichtbar machenden Ring[10]. Bei seiner Flucht begegnet er der nun verwitweten Burgherrin Laudine, in die er sich sofort verliebt. Lunete rät ihm allerdings, sich Laudine nicht zu zeigen, woraufhin Iwein beginnt über die Minne zu klagen und hofft, dass auch Laudine ihr verfällt, da er ihr ihren toten Gemahl zu ersetzen gedenkt. Als Iwein seine Liebe zu Laudine gegenüber Lunete eingesteht, beschließt diese ihm zu helfen und „vil starke ranc nâch ir muot/ daz er herre wurde dâ“[11]. Als engste Vertraute Laudines überredet Lunete ihre Herrin, sich auf Iwein „einzulassen“, da sie einen Mann an ihrer Seite sowohl zu ihrem eigenen, als auch zum Schutz ihres Landes benötigt. Laudine ändert ihre Meinung über Iwein und willigt ein, seine Frau zu werden, wenn er sie für das zuvor erfahrene Leid entschädigt. Iwein willigt ein und die beiden vermählen sich; König Artus wird dessen bewusst als er mit seiner gesamten Gefolgschaft zur Quelle kommt und dort Iwein vorfindet. Als der König und seine Gefolgschaft wieder zurückreiten, rät Gawein Iwein keine Schande auf sich zu ziehen, indem er bei seiner Frau verweilt, anstatt Heldentaten zu verbringen, die einem Ritter würdig sind. Iwein reitet unter Einwilligung Laudines und der Voraussetzung mit, nicht länger als ein Jahr zu verweilen und Laudine gibt ihm einen goldenen Ring als Andenken mit. Iwein vergisst jedoch die Zeit und als er sich nach über einem Jahr an seine Abmachung mit Laudine erinnert, kommt Lunete zu ihm und überbringt ihm die Botschaft ihrer Herrin, er sei „ein verrâtære“[12]. Sie nimmt ihm seinen Ring und damit auch seine ritterliche Ehre, woraufhin Iwein dem Wahnsinn verfällt. Er beginnt ein Leben als „Waldmensch“ und wird nach geraumer Zeit von drei Edeldamen gefunden, die ihn erkennen und ihn mit einer Art Wundersalbe heilen. Iwein kommt wieder zu sich und bereut sein Handeln, er fasst den Entschluss, anderen mit zukünftigen Rittertaten beizustehen. Hierzu hilft er zunächst der Gräfin von Narison (eine der drei Edeldamen), indem er den Grafen Aliers gefangen nimmt. Nach diesem Sieg trifft Iwein im Wald auf einen Löwen und einen Drachen, die miteinander kämpfen. Er eilt dem Löwen zu Hilfe und tötet den Drachen, woraufhin sich ihm der Löwe zum Dank unterwirft und die beiden eine innige Freundschaft schließen. Kurz darauf trifft Iwein zusammen mit dem Löwen erneut auf die Quelle und aus Trauer über die Erinnerung an frühere Zeiten erleidet er eine Verletzung durch einen Unfall. Noch während seiner Wehklagen entdeckt er eine gefangene Frau, die hingerichtet werden soll. Er erkennt in ihr Lunete und gibt sich ihr als „Löwenritter“ zu erkennen. Er beschließt, in einem Kampf gegen ihre Verurteiler anzutreten. Da ihm bis zum Kampf noch etwas Zeit bleibt, begibt er sich mit seinen Verletzungen zu einer Burg und erfährt dort, dass der Riese Harpin dem dortigen Burgherren – der ein Schwager des Gawein ist – die Söhne genommen hat und nun auch die Tochter holen will. Des Weiteren erfährt er, dass am Artus-Hof die Königin entführt wurde. Iwein willigt ein, zu helfen, bevor er zu Lunetes Rettung im Kampf antritt und zusammen mit dem Löwen tötet er den Riesen und kommt gerade noch rechtzeitig, um Lunete vor der Hinrichtung zu bewahren. Auch diesen Kampf gewinnt er mit Hilfe des Löwen, jedoch schwer verwundet. In seinem anschließenden nächsten Abenteuer kämpft Iwein im Erbstreit zweier Grafentöchter auf der Seite der jüngeren Tochter und tritt gegen Gawein an, der für die ältere Schwester kämpft. Auf dem Weg zu diesem Kampf gelangt er an eine weitere Burg, wo er erneut gegen zwei Riesen antritt und siegt. Der Burgherr verspricht ihm daraufhin die Hand seiner Tochter, welche Iwein dankend ablehnt und sich zu seinem Kampf mit Gawein begibt, der unentschieden ausgeht. Nach diesem Kampf reitet Iwein zu seiner ehemaligen Herrin Laudine und mit erneuter Hilfe Lunetes versöhnen sich die beiden wieder, womit die Verserzählung des „Iwein“ endet.

[...]


[1] Dietl, Erika: Hartmann von Aue. Auf: http://www.fabelnundanderes.at/hartmann_von_aue.htm. 25.09.2012, 12:18.

[2] Cormeau, Christoph/Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche-Werk-Wirkung. München. 2007. S.36.

[3] Von Aue, Hartmann: Iwein. Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch. Band 29. Frankfurt am Main. 2004. V.771

[4] Dietl, Erika: Hartmann von Aue. Auf: http://www.fabelnundanderes.at/hartmann_von_aue.htm. 25.09.2012, 12:18.

[5] Von Aue, Hartmann: Iwein. Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch. Band 29. Frankfurt am Main. 2004. V.230

[6] Ritter Ralf-Dietrich: Hartmann von Aue – Biografie Lebenslauf. In: Die dt. Geschichtsbibliothek. Gesamtverzeichnis deutschsprachiger Gedichte. Auf: http:://gedichte.xbib.de/biographie_Hartmann+von+Aue.htm. 25.09.2012, 12:21.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Cormeau, Christoph/Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche-Werk-Wirkung. München. 2007. S.197

[9] Von Aue, Hartmann: Iwein. Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch. Band 29. Frankfurt am Main. 2004.V.527-537.

[10] Ebd, V. 1153.

[11] Ebd, V. 1786f.

[12] Ebd, V. 3118.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Hartmann von Aues "Iwein". Die Figur des Gawein
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V231567
ISBN (eBook)
9783656478034
ISBN (Buch)
9783656479352
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vergleich der Beziehungen Iweins zu Gawein und dem Löwen
Schlagworte
Iwein, Hartmann von Aue, Gawein, Freundschaft, Löwe
Arbeit zitieren
Stefanie Weber (Autor), 2011, Hartmann von Aues "Iwein". Die Figur des Gawein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231567

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