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Es liegt mir auf der Zunge. Das Tip-of-the-Tongue-Phänomen

Title: Es liegt mir auf der Zunge. Das Tip-of-the-Tongue-Phänomen

Term Paper , 2010 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M. A. Conny de le Roi (Author), Enrico Nitzsche (Author)

German Studies - Linguistics
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Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man ein Wort während eines Sprachproduktionsprozesses benötigt und sich sicher ist, dieses auch zu kennen, doch das Wort will just nicht die Lippen passieren? Es liegt dem Sprichwort nach förmlich auf der Zunge.
Hierbei tritt das so genannte Tip of the Tongue-Phänomen bzw. der Tip of the Tongue State auf, im Folgenden der Einfachheit wegen nur noch kurz als TOTS bezeichnet. Doch nicht nur in Deutschland, respektive in der deutschen Sprache, kennt man dieses Phänomen. Im Gegenteil - es ist weltweit verbreitet. Und dennoch gibt es Unterschiede. Beispielsweise Deutschland, Frankreich, England, Italien, Tschechien, Saudi-Arabien, China, Türkei, Vietnam, Japan, Serbien und Korea auf der einen und Indonesien, Island, Tansania und Kenia auf der anderen Seite. Dies sind jeweils nur einige Beispiele und dennoch lässt sich anhand der unterschiedlichen Anzahl der hier aufgeführten Länder in jeder Aufzählungsgruppe bereits etwas feststellen. Die erste Gruppe, die in dem Fall von Deutschland bis Korea reicht, kennt und benutzt in oben genanntem Fall die Zungenmetapher, wenn auch teilweise in leicht abgewandelten Formen (vgl. Schwartz 1999: 393).
So liegt beispielweise in Korea nicht etwa ein Wort auf der Zunge, sondern die Koreaner verspüren ein Prickeln am Ende der Zunge („sparkling at the end of the tongue“ (vgl. ebd.: 382)) und in Japan hat man eher das Gefühl, dass etwas in Mund und Kehle stecken bleibt, was im weitesten Sinne ebenfalls mit der Zunge zusammen hängt. Die zweite Gruppe hingegen verwendet die Zungenmetapher nicht. Da kommt es eher vor, dass es dem Betroffenen gleich kommt („it’s coming, it’s coming“) oder man ein Loch im Kopf („hole in the head“) oder ein Loch im Gedächtnis („hole in the memory“) hat (vgl. Schwartz 2002: 25ff.). Doch schon auf Grund der hier getroffenen Auswahl ist erkennbar, dass die Anzahl der Länder, vor allem aber die Anzahl der Sprachen , die keinerlei Gefühle im Mund und speziell auf der Zunge verspüren, wenn ihnen ein Wort nicht direkt einfällt, deutlich geringer ist. Daraus lässt sich fast thesenhaft schließen, dass dieses Phänomen etwas Universelles sein muss.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Teil I – Über tip-of-the-tongue states

3. Historischer Abriss der Erforschung des TOT-Phänomens

3.1 William James

3.2 Robert S. Woodworth

3.3 Sigmund Freud

3.4 Roger Brown & David N. McNeill

4. Drei grundlegende W-Fragen

4.1 Was sind TOTS?

4.2 Wer ist von TOTS betroffen und wie häufig?

5. Der TOTS-Tod – Zur Auflösung von TOTS

6. Teil II – Zu den möglichen Ursachen von TOTS

7. Überblick über die Ursachenforschung zu TOTS

8. Das Modell der Sprachproduktion nach Levelt

9. Ausgewählte Beschreibungsmodelle der Ursachen von TOTS

9.1 Blocking hypothesis

9.2 Incomplete activation hypothesis

9.3 Transmission deficit hypothesis

10. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit bietet eine wissenschaftliche Untersuchung des Tip-of-the-Tongue-Phänomens (TOTS), wobei das Ziel darin besteht, sowohl die historischen Ursprünge und definitorischen Merkmale dieses Zustands zu beleuchten als auch die zugrunde liegenden kognitiven Ursachen anhand gängiger linguistischer Modelle kritisch zu analysieren und weiterzuentwickeln.

  • Historische Entwicklung der TOTS-Forschung
  • Phänomenologie und universelle Merkmale von Wortfindungsstörungen
  • Kritische Analyse von Sprachproduktionsmodellen (insb. Levelt)
  • Diskussion der Blocking-, Incomplete Activation- und Transmission Deficit-Hypothesen

Auszug aus dem Buch

3.1 William James

William James war ein amerikanischer Philosoph und Psychologe, der als einer der ersten Forscher 1890 in seinem Buch The Principles of Psychology den Bewusstseinszustand beschrieb, in dem sich ein Mensch befindet, der nach einem Wort bzw. nach einem Namen sucht, das bzw. den er vorübergehend vergessen hat (vgl. Heinzerling 1999: Kap.2/3).2 Als absolut typisch für diesen Zustand verwendete James folgende oft zitierte Beschreibung:

The state of our consciousness is peculiar. There is a gap therein; but no mere gap. It is a gap that is intensely active. A sort of wraith of the name is in it, beckoning us in a given direction, making us at moments tingle with the sense of our closeness, and then letting us sink back without the longed-for term. If wrong names are proposed to us, this singularly definite gap acts immediately so as to negate them. They do not fit into its mould. And the gap of one word does not feel like the gap of another, all empty of content as both might seem necessarily to be when described as gaps. (James 1950: 251)

Kurz gesagt, kann man als „TOTS-Opfer” genau verifizieren, welches Wort man sucht, aber nur insofern, als man weiß, welche Wörter es nicht sind. So ist man in der Lage, James nach zu urteilen, zu entscheiden, ob ein durch eine zweite Person vorgeschlagenes Wort dem gesuchten Zielwort entspricht. Diese Fähigkeit entspricht, laut Heinzerling (1999: Kap.2/6), dem Prozess, der in der neueren Terminologie als pattern matching bezeichnet wird. Im Falle eines TOTS bedeutet dies, dass die Person im Gedächtnis eine Art Muster des Zielworts abgelegt hat. Allerdings ist sie vorübergehend nicht selbst in der Lage, dieses im mentalen Lexikon abzurufen. Wenn es jedoch genannt wird, kann das gesuchte Wort sofort als das abgelegte Musterwort identifiziert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das universell verbreitete Phänomen des "Tip-of-the-Tongue" ein und diskutiert die unterschiedliche kulturelle Metaphorik bei Wortfindungsschwierigkeiten.

2. Teil I – Über tip-of-the-tongue states: Dieses Kapitel definiert den Rahmen der Untersuchung und betont die Notwendigkeit, das Wissen um das gesuchte Wort als vorhanden, jedoch temporär unzugänglich, zu betrachten.

3. Historischer Abriss der Erforschung des TOT-Phänomens: Es werden die wegweisenden Ansätze von William James, Robert S. Woodworth, Sigmund Freud sowie Brown & McNeill chronologisch dargelegt.

4. Drei grundlegende W-Fragen: Hier werden die Kerneigenschaften, die Betroffenheit sowie die Häufigkeit des Phänomens und die Definition eines "unterbrochenen Redeflusses" diskutiert.

5. Der TOTS-Tod – Zur Auflösung von TOTS: Das Kapitel befasst sich mit den zeitlichen Abläufen und Suchstrategien, die zur Überwindung des TOTS-Zustands führen können.

6. Teil II – Zu den möglichen Ursachen von TOTS: Dieser Abschnitt leitet zur vertieften Analyse der kognitiven Ursachen über, basierend auf den vorangegangenen historischen Erkenntnissen.

7. Überblick über die Ursachenforschung zu TOTS: Es erfolgt eine Zusammenfassung der Entwicklung von introspektiven Ansätzen hin zu systematischen, kontrollierten Elizitationsmethoden.

8. Das Modell der Sprachproduktion nach Levelt: Das Sprachproduktionsmodell von Willem J. M. Levelt wird detailliert dargestellt und als Grundlage für die spätere Modellkritik genutzt.

9. Ausgewählte Beschreibungsmodelle der Ursachen von TOTS: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der Blocking, Incomplete Activation und Transmission Deficit Hypothese auseinander.

10. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Komplexität der TOTS-Ursachenforschung und fordert interdisziplinäre Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Tip-of-the-Tongue-Phänomen, TOTS, Sprachproduktion, Wortfindung, mentales Lexikon, blocking hypothesis, incomplete activation hypothesis, transmission deficit hypothesis, Levelt, Psycholinguistik, Gedächtnis, kognitive Fehlleistung, Wortabruf, Mustererkennung, Interloper.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen Verständnis des Tip-of-the-Tongue-Phänomens (TOTS), also der Situation, in der ein bekanntes Wort temporär nicht abrufbar ist, obwohl die Person das Gefühl hat, es "auf der Zunge" zu haben.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind die historische Erforschung, die definitorischen Kriterien, die Auflösungsmechanismen sowie die kognitiven Ursachenmodelle der Sprachproduktion.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis über die Entstehung und Auflösung von TOTS zu erlangen und die gängigen theoretischen Modelle kritisch auf ihre Aussagekraft hin zu prüfen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der psycholinguistischen Fachliteratur, historische Analysen und die methodische Kritik an experimentellen Studien zur Sprachproduktion.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine phänomenologische Beschreibung, die historische Einordnung, die Untersuchung von Auflösungsstrategien und die kritische Diskussion der drei wichtigsten Ursachen-Hypothesen.

Welche Bedeutung haben die Begriffe "Blocking" und "Transmission Deficit" in diesem Kontext?

Diese Begriffe bezeichnen spezifische Erklärungsmodelle: Die Blocking-Hypothese sieht konkurrierende Wörter als Hemmnis, während die Transmission Deficit Hypothese ein Defizit bei der Aktivierungsübertragung zwischen semantischer und phonologischer Ebene vermutet.

Warum ist das Modell von Levelt für die Untersuchung so wichtig?

Levelts Modell dient als Grundlage, um die komplexen Prozesse der Sprachproduktion – vom Konzeptualisieren bis zur Artikulation – strukturell abzubilden und TOTS innerhalb dieser Teilprozesse verorten zu können.

Welche Rolle spielt die Introspektion bei der Erforschung von TOTS?

Die Introspektion war ein früher, wenn auch methodisch kritisierter Ansatz, der den Weg für systematische, heute übliche Laborexperimente (wie die kontrollierte Elizitation) geebnet hat.

Warum weichen die Ergebnisse bei der Untersuchung von Eigennamen von denen bei Objektnamen ab?

Eigennamen verfügen über weniger semantische Merkmale als allgemeine Begriffe, was ihre Abrufbarkeit aus dem mentalen Lexikon erschwert und somit die höhere Fehlerquote bei allen Altersgruppen erklärt.

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Details

Title
Es liegt mir auf der Zunge. Das Tip-of-the-Tongue-Phänomen
College
Technical University of Braunschweig  (Institut für Germanistik)
Course
Sprache und Kognition
Grade
1,0
Authors
M. A. Conny de le Roi (Author), Enrico Nitzsche (Author)
Publication Year
2010
Pages
31
Catalog Number
V231650
ISBN (eBook)
9783656478072
ISBN (Book)
9783656479314
Language
German
Tags
zunge tip-of-the-tongue-phänomen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M. A. Conny de le Roi (Author), Enrico Nitzsche (Author), 2010, Es liegt mir auf der Zunge. Das Tip-of-the-Tongue-Phänomen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231650
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