Zar Peter I. und die Bewertung seines Handelns durch Dennis Diderot

Öffnete bereits Peter der Große die Pforten zu Westeuropa?


Hausarbeit, 2011
10 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Beginn der Herrschaft von Peter dem Großen

Die erste Reise in den Westen

Impressionen über Russland

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Öffnete bereits Peter der Große die Pforten zu Westeuropa und wie wurde sein Handeln im Zuge der Enzyklopädisten bewertet?

Ein kleiner Überblick.

Peter der Große, Zar und späterer Kaiser des russischen Reiches (1782-1825), gilt in der hiesigen Geschichtsschreibung häufig als „glänzende“ Koryphäe auf dem politischen Parkett der damaligen Zeit. Seine zahlreichen Reformen, sein unbändiges Interesse an westlichem Wissen und Können und seine stringent und schonungslos agierende Persönlichkeit sind maßgebend für die Bezeichnung einer anbrechenden „neuen Epoche“ Russlands.[1] In der folgenden Ausarbeitung soll zunächst eine kurze Darstellung der „Frühaufklärung“ des Moskowiterreiches unter Peter I erfolgen. Hierbei werden jene soziale und politische Ereignisse fokussiert, welche der Verdeutlichung der Fragestellung dienlich sind. Im Anschluss obliegt der Blickwinkel auf der Fremdwahrnehmung von Dennis Diderot (u.a.), welcher bereits in dem Artikel „Russie“ seiner bekannten „ Enzyklopädie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ das Reich bewundernd als „vaste pays qui forme un grand empire, tant en Europe qu’en Asie“[2] beschreibt. Unter anderem die Einbeziehung jener Originalquelle soll den heutigen überblickenden Charakter der historischen Literatur untermauern oder widerlegen.

Der Beginn der Herrschaft von Peter dem Großen

Die Wirren der hierarchischen Thronfolge zwischen der Familie Naryschkini und denen der Miloslawskij waren mehr oder minder entschieden, sodass die Landesversammlung 27. April 1682 ihre neuen Zaren benannte. Es handelte sich um Ivan V und Peter I. Da Ivan jedoch körperliche und geistige Entbehrungen zu verzeichnen hatte, sollte die Funktion der Regentschaft seiner Schwester Sophia Alexejewna (Miloslawskij-Klan) und dem jungen Peter bzw. aufgrund von Minderjährigkeit dessen Mutter Natalja Kirillowna Naryschkina zufallen.[3] Als diese im Jahre 1694 und Ivan V letztlich zwei Jahre später verstarb, begann die endgültige Ablösung aus eine eher repräsentativen, teilenden und zum Teil spielerischen Rolle und Peter avancierte zu einem „despotischen“ Herrscher.[4] Dieses Faktum lässt sich anhand des Beispiels der letztlich erfolgreichen Eroberung der türkischen Festung von Asow belegen. Mit großem Ehrgeiz und zahlreichen Entbehrungen seines Volkes hatte Peter ohne Rücksicht auf Verluste begonnen, seinem Amt genüge zu werden und letztlich aus Fehlern der Koordination und Überschätzung der Kapazitäten der vergangenen Jahre gelernt.[5] Zeitgleich hatte Peter erkannt, dass sein Ziel der uneingeschränkten Schifffahrt auf dem schwarzen Meer nur durch diplomatische Beziehungen bzw. die Festigung der Bündnispartner gegen die Türken zu erlangen war. Der junge Zar war der Auffassung, dass ein offensichtlicher Fachkräftemangel im Bereich des Schiffbaus, der Artillerie und Ingenieurwesen nur durch den Erwerb von neuerlichen, anders gearteten, westlichen Wissens und Fertigkeiten auszugleichen sei. Die Stunde des Aufbruchs der „großen Gesandtschaft“ war geboren.[6]

Die erste Reise in den Westen

Unter diesem, in der Geschichte sehr bekannten Bergriff, wird die erste Auslandsreise Peters verstanden, welche im Jahre 1697 begann. Zu dieser Zeit sorgte das Agieren und Denken Peters für große Bestürzung innerhalb der Bevölkerung und auch im übrigen Ausland, denn Peter selbst reiste inkognito und nicht im Gewand eines Edelmannes, wie es sich sonst gehörte.[7] Mit ihm sollten als engste Gesandte der Schweizer François Leford[8] sowie der russische Diplomat Fedor Alekseevič Golovin[9] und weitere 35 (divergente Quellenlage) Begleitpersonen reisen. Letztere entstammten aus Adeligen aber auch Nichtadeligen Kreisen aus dem näheren Umfeld des Zaren. Die Auswahl jener jungen Männer sorgte für eine aufkeimende Verschwörung gegen den jungen Herrscher, denn viele mussten ihre Familien und Kinder zurücklassen und würden sich, so die gegnerischen Fraktionen, den fremden Verlockungen der anderen Welt bedingungslos aussetzten müssen.[10] Die Gesandtschaft „besuchte“ auf ihrer Reise unter anderem Gebiete von Schweden, Deutschland, Holland und England sowie Polen und sog in den hiesigen Gebieten das nützliche Wissen auf und ließ es stets in Form von Zeugnissen bestätigen. Ganz gleich ob die „Etablierung“ des Merkantilismus, die Reformation des Geldwesens[11], oder auch den Handel mit Genusswaren wie Tabak oder die Geheimnisse der Medizin und die Faszination der Astronomie- Peter versuchte das bisher unbekannte Wissen in sein Reich zu „importieren“ und jenen Nutzen maximal auszuschöpfen. Das erneute (niemals abgeklungene) Aufkommen von Strelizenaufständen veranlasste Peter letztlich zu einem verfrühten Aufbruch Richtung Heimat, was die Stationierung in Venedig verhinderte und im Zarenreich für eine grausame Rache Peters sorgte. Resümiert man in groben Zügen jene Exkursion gen Westen, so beschritt Peter, der Zar und Zimmermann, in den europäischen Bereichen neue Pfade der ängstlich-bewundernden Popularität des russischen Reiches. Die Schaffung neuer politischer Kanäle (mit August II- Krieg gegen Schweden) sowie die Aneignung von unbekanntem Wissen, das Studieren fremder Kulturen und deren Gepflogenheiten waren eine außergewöhnliche Kombination und wirkten zum Teil sehr überraschend für jene Persönlichkeiten welche Peter trafen. Auf diese sehr glorifizierende Darstellung gilt es jedoch, auch einen weiteren Blickwinkel auf die Handlungen des jungen Zaren zu werfen, denn neben seinem positiv anmutenden unstillbaren Drang nach „Wissen“ ließ er seine persönlichen politisch- und macht-orientierten Ziele nie außer Acht. Die Opfer, welche jene in seinem Dienst stehenden zu erbringen hatten, waren ihm gleichgültig und wurden im Falle des Widerstandes blutig und grausam niedergeschlagen.[12] Das Land sollte in solchem Maße reformiert werden, dass die Präsenz und Geltung gegenüber und innerhalb der Welt nicht zu übersehen wäre. Repräsentativ für diese Darstellung ist die Einführung der Bartsteuer, welche in abgestufter Form für das Tragen eines traditionell etablierten Bartes zu entrichten war und besonders der alteingesessenen moskowitischen Oberschicht zum Verhängnis wurde und letztlich westliches Gespött vermeiden sollte. Peter versuchte mit all seinen Möglichkeiten das „verhasste altmoskowiter Milieu“[13] zu durchbrechen (Scheidung von Jewdokija Fjodorowna) und eine neue moderne Hegemonialmacht zu etablieren, welche vom Wissen der Welt profitiert. Wie bereits einführend angedeutet, wird die Phase der „Frühaufklärung“ unter Peter I kritisch betrachtet. Ein ausführlicher Diskurs hinsichtlich dieser Fragestellung wäre sicherlich sehr interessant, jedoch soll nun im Folgenden Verlauf die 1ere Edition der „ Enzyklopädie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“[14] des Artikels „Russie“ hinsichtlich seines Inhaltes untersucht werden. Sicherlich ist zu bemerken, dass jene Ausführung 50 Jahre nach Peters erster „Bildungsreise“ entstand, jedoch ist eine oberflächliche Parallele des persönlichen Anspruchs an „die Bündelung“ von Wissen bei beiden Persönlichkeiten nicht abzuweisen und die Facette der Fremdwahrnehmung hoch interessant. Die populärsten französischen Aufklärer der damaligen Zeit waren u.a. Dennis Diderot, (Jean-Baptiste le Rond) d`Alembert, aber auch Montesquieu oder Voltaire. Diderot, d`Alembert und Louis de Jaucourt verfassten gemeinsam mit zahlreichen anderen Autoren die damals größte Ansammlung von Wissen der damaligen Zeit. Es sollte im Zuge der Aufklärung jedem Individuum möglich sein, Bildung zu erfahren, Wissenschaften zu erkennen und die Existenz des irdischen Lebens zu verstehen. Um dieses Projekt mit jenem unermesslichem Umfang durchführen zu können, bedurfte es „der Reisen“ in ferne Länder. Geographie, Ethnologie, klimatische Bedingungen und politisch-historische Elemente wurden niedergeschrieben und sollten die fremden Gefilde, wenn gleich auch „angereichert mit Visionen“ greifbar erscheinen lassen.

[...]


[1] Vgl.: Torke, Hans-Joachim. Einführung in die Geschichte Russlands. München 1997. S.107

[2] Vgl.: Diderot, Dennis - Encyclopedie 1ere edition tome 14/442 http://fr.wikisource.org/wiki/Livre:Diderot_-_Encyclopedie_1ere_edition_tome_14.djvu

[3] Vgl.:Neumann-Hoditz, Reinhold.Peter der Große.Reinbeck 1983. S. 20

[4] Vgl.:Neumann-Hoditz, Reinhold.Peter der Große.Reinbeck 1983. S. 43

[5] Vgl.: Hoffmann, Peter. Peter der Große als Militärreformer und Feldherr. Frankfurt 2010. S.39f

[6] Vgl.: Hoffmann, Peter. Peter der Große als Militärreformer und Feldherr. Frankfurt 2010. S. 47 f

[7] Vgl.: Ebd.

[8] François Leford: *1656/+1699

[9] Fedor Alekseevič Golovin:*1650/+1706

[10] Vgl.: Neumann-Hoditz, Reinhold.Peter der Große.Reinbeck 1983. S. 45

[11] Erste Währung nach Dezimalsystem […] Vgl.: http://www.moneymuseum.com (Stand. 20.03.2011)

[12] Vgl.: Neumann-Hoditz, Reinhold.Peter der Große.Reinbeck 1983. S. 57

[13] Vgl.: Neumann-Hoditz, Reinhold.Peter der Große.Reinbeck 1983. S. 65

[14] Vgl.: Diderot, Dennis - Encyclopedie 1ere edition tome 14.djvu/442

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Details

Titel
Zar Peter I. und die Bewertung seines Handelns durch Dennis Diderot
Untertitel
Öffnete bereits Peter der Große die Pforten zu Westeuropa?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V231656
ISBN (eBook)
9783668171138
ISBN (Buch)
9783668171145
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peter I, Peter der Große
Arbeit zitieren
Franziska Müller (Autor), 2011, Zar Peter I. und die Bewertung seines Handelns durch Dennis Diderot, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231656

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