Spätestens mit dem Memorandum über lebenslanges Lernen durch die Europäische Kommission 2000 und der Auslösung einer europaweiten Diskussion zum Lernen als Grundprinzip und dem Ziel ständige und offene Zugänge zum Lernen zu ermöglichen sowie die Methoden zur Bewertung von Lernbeteiligung und Lernerfolg auch für das nicht-formale und informelle Lernen zu verbessern, wird dem Lernen von Erwachsenen öffentlich Bedeutung eingeräumt. Doch dies setzt Wissen wie, wofür und in welchen Kontexten Erwachsene lernen voraus. In der Erwachsenenbildung werden erst seit den 80er Jahren die Lebenswelt und die Biographie der Teilnehmer betrachtet. Lernen ist nie loszulösen von der Biographie eines Menschen und ist daher auch immer sozial situiert und kontextgebunden. Auch die Erkenntnisse der Neurowissenschaft zum Lernen werden zunehmend einbezogen. Diese legen dar, dass mit der Plastizität, der Eigenschaft des Denkorgans, sich fortwährend zu reorganisieren, auf neue Umwelteinflüsse reagiert wird. Der Mensch bleibt in einem lebensbegleitenden Lernen ein lebenslanger Lerner. Dies trifft auch für den beruflichen Kontext eines Menschen zu.
Für Medizinisch-technische Assistenzberufe ist durch die stetige Entwicklung neuer Medizintechnik und neuer Erkenntnisgewinne in der Medizin eine kontinuierliche Weiterbildung notwendig, welche zunehmend neue Lernformen, die auf neue Web 2.0-Möglichkeiten und Social Software beruhen, zu Lernzwecken nutzen. In der Arbeit wird ein Zusammenhang zwischen Technikaffinität und positiver Einstellung gegenüber Online-Angeboten wie z.B. E-Learning in der beruflichen Weiterbildung, anhand Medizinisch-technischer Assistenzberufe unterstellt und untersucht. Mit den zuerst durchgeführten Interviews der Experten/-innen, die sich durch eine Vertrautheit zur Zielgruppe technischer Assistenten in der Medizin auszeichnen sowie über Kenntnisse zum Online-Lernen verfügen, konnten Informationen zu den Vorerfahrungen, den Bedürfnissen und Einschätzungen zum E-Learning-und Technikverhalten der MTA gewonnen werden. Die Ergebnisse werden für die Generierung der Items, für den sich anschließenden Fragebogen, der in Form einer Online-Umfrage die Zielgruppe direkt befragt, genutzt. Die daraus resultierenden Daten sind in der Arbeit vorgestellt und interpretiert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 ZIELSETZUNG DER ARBEIT
2. THEORETISCHE ORIENTIERUNG: LERNEN IN DER ERWACHSENENBILDUNG
2.1 EINLEITUNG ZUM LERNEN
2.2 ANDRAGOGIK ALS BEDEUTENDE STRÖMUNG FÜR DIE ERWACHSENENBILDUNG
2.3 ERKENNTNISSE ZUM LERNEN ERWACHSENER
2.3.1 Über das Lernen Erwachsener – Zwei differente Ansätze: Gen trifft Biographie
2.3.2 Weitere Dimensionen zum Lernen Erwachsener im Überblick
2.4 TECHNISCHE INNOVATION UND LERNEN IN DER ERWACHSENENBILDUNG
3. LERNEN MIT MULTIMEDIA – BILDUNG AUS DEM WORLD WIDE WEB
3.1 GRUNDLAGEN DES E-LEARNING – DER NEUE WEG INS MEDIALE ZEITALTER
3.1.1 E-Learning und Multimedia
3.1.2 Überblick über Formen des E-Learning
3.1.2.1 Teleteaching und Teletutoring
3.1.2.2 Blended Learning
3.1.3 Möglichkeiten, Grenzen und Interessenskonflikte
3.1.4 Einsatz und Bedeutung computerunterstützter Lernsysteme in der beruflichen Weiterbildung
4. VORSTELLUNG DER ZIELGRUPPE: MEDIZINISCH-TECHNISCHE ASSISTENZBERUFE
5. QUALITATIVER UND QUANTITATIVER UNTERSUCHUNGSTEIL
5.1 FORSCHUNGSSTAND
5.2 FORSCHUNGSHYPOTHESE DER ARBEIT UND VORGEHENSWEISE
5.3 UNTERSUCHUNG I – EXPERTENINTERVIEWS
5.3.1 Experteninterview und Expertengenerierung
5.3.2 Untersuchungsdesign, Instrumente und Auswertungsverfahren
5.3.3 Transkriptionsregeln und Analyseprogramm MAXQDA
5.3.4 Präsentation der Ergebnisse der Experteninterviews
5.4 UNTERSUCHUNG II - ONLINE-UMFRAGE
5.4.1 Untersuchungsdesign
5.4.2 Präsentation der Ergebnisse der Online-Umfrage
5.4.2.1 Demografische Daten
5.4.2.2 Teilnahme an Weiterbildungsformate als Spiegel von Vorerfahrungen
5.4.2.3 Bestimmung und Beschreibung der Technikgruppen
5.4.2.3.1 Zusammenfassende Gegenüberstellung der Technikgruppen
5.4.2.4 Vorstellung der E-Learning Gruppen
5.5 BEZUG ZUR AUSGANGSHYPOTHESE UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
5.6 THESENGENERIERUNG AUS DEN ERGEBNISSEN BEIDER UNTERSUCHUNGEN
5.7 AUSWERTUNG UND KRITIK DER METHODEN
6. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE KONZEPTION EINES BILDUNGSANGEBOTES FÜR MTA-BERUFE IN DER BERUFLICHEN WEITERBILDUNG
7. AUSBLICK FÜR EIN LEBENSLANGES LERNEN
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Technikaffinität von medizinisch-technischen Assistenten (MTA) und ihrer Einstellung gegenüber E-Learning-Angeboten in der beruflichen Weiterbildung. Ziel ist es, durch Experteninterviews und eine Online-Umfrage aufzuzeigen, ob eine Korrelation besteht und welche Faktoren die Akzeptanz und erfolgreiche Gestaltung solcher digitaler Bildungsangebote für diese Zielgruppe beeinflussen.
- Analyse des Lernverhaltens Erwachsener und der Andragogik.
- Grundlagen und Einsatzmöglichkeiten von E-Learning-Formen wie Blended Learning.
- Untersuchung der Zielgruppe MTA bezüglich Technikaffinität und Weiterbildungsbedarf.
- Methodische Vorgehensweise durch Experteninterviews und quantitative Online-Umfrage.
- Ableitung von Empfehlungen zur Konzeption zukunftsorientierter Bildungsangebote.
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien sind in den westlichen Industrienationen als zentrale Kommunikationsinfrastruktur voll etabliert. Die Jahrtausendwende brachte uns mit MySpace, Wikipedia, facebook und StudiVZ eine mit dem Begriff „Web 2.0“ gefasste virtuelle Welt, die durch ihre „new architecture of communication“ (O´Reilly 2005) völlig neue soziale Qualitäten offenbart (O´Reilly 2005; Rheingold 2002). Allen voran zeichnet sich der Trend eines kontinuierlichen Ausbaus weltweiter Kommunikationsnetze ab, was sich auch in der steigenden Internetnutzung widerspiegelt: In Deutschland sind 75 Prozent aller Personen ab 10 Jahren online (2009:73%) (destatis 2011). Der internetnutzende Anteil von 65 Prozent in der Altersgruppe der 55- bis 64-jährigen bestätigt den Online-Trend (2009: 61%) (ebd.), der somit nicht ausschließlich für die jüngere Generation zutrifft, sondern auch im Alter hoch interessant ist.
Auch der berufliche Alltag ist Web 2.0 gespickt: Teammeetings werden mit Video Conferencing kombiniert, ein Großteil des kommunikativen Geschehens wird per E-Mail abgewickelt und Wissen wird über Blogs und Wikis ausgetauscht (vgl. Kuhlmann & Sauter 2008, S.14). Begriffe wie E-Learning, Telelearning und Online-Lernen, die als neue web basierte Möglichkeiten zur beruflichen Qualifizierung gelten, bieten neben den Vorteilen einer verbesserten Visualisierung von Lerneinheiten durch den Einsatz von Simulationen oder Videos sowie einer Flexibilisierung und Individualisierung beruflicher Weiterbildung auch einen Ausblick auf die Umsetzung der Strategie eines lebenslangen und zudem arbeitsplatznahen Lernens. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts rücken neue Lernformen, die das Lehren und Lernen durch Anwendung neuer multimedialer Technologien unterstützen, in den Fokus der Erwachsenenbildung. Es wird angenommen, dass Wissen sich ständig erneuert und ständig Neues gelernt werden kann. Die Halbwertszeit des Wissens fordert stetiges Neulernen, insbesondere um die eigene Expertise im Arbeitsleben auf einem aktuellen Stand zu halten. Die sich auf den gesamten Lebensbereich verbreitenden elektronischen Medien haben das erziehungswissenschaftliche Interesse geweckt und der These vom Internet als Bildungsraum Aufmerksamkeit eingeräumt (vgl. Pietraß 2006, S.5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Einleitung in das Thema der digitalen Transformation und der wachsenden Bedeutung von E-Learning in der Erwachsenenbildung und beruflichen Qualifizierung.
2. THEORETISCHE ORIENTIERUNG: LERNEN IN DER ERWACHSENENBILDUNG: Darstellung grundlegender andragogischer Ansätze und Erkenntnisse über das Lernen Erwachsener im Kontext biographischer und neurobiologischer Einflüsse.
3. LERNEN MIT MULTIMEDIA – BILDUNG AUS DEM WORLD WIDE WEB: Erläuterung der technischen Grundlagen und verschiedenen Formate des E-Learnings sowie Diskussion der Chancen und Barrieren multimedialer Lernformen.
4. VORSTELLUNG DER ZIELGRUPPE: MEDIZINISCH-TECHNISCHE ASSISTENZBERUFE: Analyse der spezifischen beruflichen Situation und des Weiterbildungsbedarfs der MTA-Berufe aufgrund technologischen Fortschritts und demografischer Faktoren.
5. QUALITATIVER UND QUANTITATIVER UNTERSUCHUNGSTEIL: Dokumentation der empirischen Forschung, bestehend aus Experteninterviews und einer Online-Umfrage, inklusive der Auswertung und Interpretation der Daten hinsichtlich Technikaffinität.
6. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE KONZEPTION EINES BILDUNGSANGEBOTES FÜR MTA-BERUFE IN DER BERUFLICHEN WEITERBILDUNG: Zusammenstellung konkreter Handlungsempfehlungen zur Implementierung von Online-Angeboten und Blended Learning-Szenarien für die Zielgruppe.
7. AUSBLICK FÜR EIN LEBENSLANGES LERNEN: Reflexion über die zukünftige Entwicklung lebenslangen Lernens und die Rolle digitaler Medien bei der Förderung von Selbststeuerung und Kooperation.
Schlüsselwörter
E-Learning, Technikaffinität, berufliche Weiterbildung, Medizinisch-technische Assistenzberufe, MTA, lebenslanges Lernen, Erwachsenenbildung, Blended Learning, Medienkompetenz, Digitalisierung, Online-Lernen, Lehr-Lern-Arrangements, Weiterbildungsbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie digitale Lernformen in der beruflichen Weiterbildung von medizinisch-technischen Assistenten (MTA) eingesetzt werden können, unter Berücksichtigung ihrer individuellen Affinität zur Technik.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Felder sind die Erwachsenenbildung, aktuelle Entwicklungen im E-Learning (z. B. Blended Learning), das Berufsprofil der MTA sowie die Analyse von Technikakzeptanz und Mediennutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, ob eine hohe Technikaffinität direkt mit einer positiveren Einstellung gegenüber Online-Lernangeboten korreliert, und die Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für entsprechende Weiterbildungen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Es wurde ein Methodenmix aus einer qualitativen Analyse durch Experteninterviews und einer quantitativen empirischen Studie mittels einer Online-Umfrage angewandt.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einordnung des Lernens, die Vorstellung der MTA als Zielgruppe sowie die detaillierte Präsentation und Interpretation der gewonnenen qualitativen und quantitativen Daten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Technikaffinität, Online-Lernen, Weiterbildungsformate, Medienkompetenz und Teilnehmerorientierung.
Warum spielt die Unterscheidung der "Technikgruppen" eine Rolle?
Die Einteilung in Technikgruppen hilft zu verstehen, dass die Akzeptanz von E-Learning nicht nur vom Beruf, sondern individuell verschieden ist und dass es unterschiedliche Bedürfnisse beim Umgang mit digitalen Medien gibt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für zukünftige E-Learning-Angebote?
Sie empfiehlt, E-Learning nicht als Komplettlösung, sondern als additives Angebot oder im Blended-Learning-Mix zu gestalten, wobei besonderer Wert auf soziale Vernetzung und Unterstützung durch Mentoren gelegt werden sollte.
- Arbeit zitieren
- M.A. Janine Romppel (Autor:in), 2012, Technikaffinität und E-Learning-Verhalten in der beruflichen Weiterbildung. Anforderungen an Qualifizierungsangebote für Medizinisch-technische-Assistenzberufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231681