Business Coaching wird hauptsächlich in Führungseben angewendet. Aber wie ist die Umsetzung bei Menschen mit geistigen und/oder psychischen Einschränkungen? Oftmals haben diese Menschen andere Fragestellungen - aber denselben Bedarf an professionellem Coaching. In dieser Arbeit gebe ich einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten - aber auch die Grenzen im Coaching mit Menschen mit Behinderung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Konflikte unserer Mitarbeiter
Beweggründe zur Coaching-Ausbildung
Praktische Beispiele :
Fall 1:
Kurzbeschreibung Frau T.
Situationsbeschreibung Frau T.
Coaching Setting Frau T.
Tool: Wege zum Ziel Frau T.
Tool Installation einer Vision Frau T.
Resümee Frau T.
Fall 2:
Kurzbeschreibung Frau Ü.
Situationsbeschreibung Frau Ü.
Coaching Setting Frau Ü.
Tool Skalierung
Tool Tetra Lemma Frau Ü.
Fall 3:
Kurzbeschreibung Herr M.
Situationsbeschreibung Herr M.
Coaching Setting Herr M.
Tool Skalierung Herr M.
Tool Inneres Team Herr M.
Tool Tetra Lemma Herr M.
Tool Perspektivenrad Herr M.
Tool Zielematrix Hr. M.
Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Professionalisierung des Job-Coachings in den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BWB) durch die Anwendung systemischer Coaching-Methoden. Es wird untersucht, wie Menschen mit psychischen und/oder geistigen Einschränkungen dabei unterstützt werden können, eigene Wünsche zu formulieren und selbstbestimmte Entscheidungen für ihre berufliche Zukunft zu treffen.
- Umsetzung von systemischem Business-Coaching im Kontext von Werkstätten für behinderte Menschen.
- Anpassung klassischer Coaching-Tools an die spezifischen kognitiven und emotionalen Bedürfnisse der Klienten.
- Unterstützung bei der Identifikation und Artikulation eigener beruflicher Wünsche und Bedürfnisse.
- Umgang mit Gewissenskonflikten und Entscheidungsfindungen im Rahmen des Integrationsmanagements.
- Abgrenzung zwischen professionellem Coaching und therapeutischer Begleitung bei Menschen mit Behinderungen.
Auszug aus dem Buch
Tool: Wege zum Ziel Frau T.
Ich fragte sie, ob sie sich vorstellen könne, ihr Wunschziel zu zeichnen. Sie war zunächst skeptisch, malte dann aber eine Parkbank, auf der sie mit einem Buch sitzt. Anschließend sollte sie ihre jetzige Situation zeichnen. Sie zog mit einem Kugelschreiber einen Strich auf das Papier.
Ich grenzte unseren Platz zur Aufstellung ein und legte die Zeichnung „Jetzt“ vor sie auf den Boden und bat sie, die Zeichnung mit dem Ziel in dem Raum zu platzieren. Sie legte sie ans äußerste Ende des Raumes auf den Boden. Ich bat sie dann, sich auf das Blatt „jetzt“ zu stellen. Sie stellte sich neben das Blatt.
(Gesprächsinhalt stark verkürzt, nur die inhaltlich relevanten Punkte sind notiert)
Ich: „Das Ziel ist ganz schön weit weg. Stellen Sie sich vor, zwischen dem „jetzt“ und dem Ziel ist ein Fluss. Kommen Sie trockenen Fußes auf die Zeichnung?“
Frau T.: „Nein. Da komme ich sowieso nie hin.“
Ich: „Nehmen wir einmal an, jedes Blatt Papier in meiner Hand ist ein Stein. Wir legen diese Steine vor sie. Die Größe der Schritte bestimmen sie selbst. Was müsste der erste Stein für eine Beschriftung haben, damit sie ihrem Ziel näher kommen?“
Frau T.: (überlegt sehr lange und wirkt angespannt) „Ich brauche jemanden, der mir hilft.“
Ich: „Denken Sie da an jemand Bestimmtes?“
Frau T.: „Ich habe ja niemanden. Vielleicht einen Betreuer?“ […]
Ich: „ […] Dann schreiben Sie ‚Betreuer beantragen‘ auf das Blatt und legen es dort auf den Boden, wie es für Sie stimmig ist.“
Frau T. legt das Blatt einen großen Schritt weit weg von sich.
Ich: „Bitte stellen Sie sich jetzt auf diesen ‚Stein‘. Stellen Sie sich vor, sie haben jetzt einen Betreuer. Wie ist der nächste Stein beschriftet?“
Frau T.: […] „Gespräch beim SpD“
Frau T. schreibt ‚SpD‘ auf das Blatt und legt es nah vor sich auf den Boden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert seine Rolle als Jobcoach bei den BWB und begründet die Notwendigkeit einer systemischen Coaching-Ausbildung für die Professionalisierung seiner Arbeit.
Konflikte unserer Mitarbeiter: Dieses Kapitel beschreibt typische Gewissenskonflikte der Mitarbeiter, wie etwa die Angst vor Versagen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt oder die Bindung an das soziale Netzwerk in der Werkstatt.
Beweggründe zur Coaching-Ausbildung: Der Autor reflektiert darüber, warum Standard-Coaching-Beispiele nicht ausreichen und wie die therapeutische Vorerfahrung mancher Klienten eine Anpassung der Methodik erforderlich macht.
Praktische Beispiele: Detaillierte Darstellung dreier konkreter Coaching-Fälle mit der Beschreibung von Setting, angewandten Tools und dem persönlichen Resümee des Autors.
Resümee: Ein abschließender Rückblick auf die bisher durchgeführten Coaching-Sitzungen, die Bedeutung der Abgrenzung zwischen Coaching und Therapie sowie die Bestätigung des Erfolgs der Arbeit.
Schlüsselwörter
Business Coaching, Menschen mit Behinderung, Integrationsmanagement, WfbM, Systemische Methoden, Job Coach, Berufliche Orientierung, Coaching-Tools, Tetra Lemma, Zielematrix, Psychische Einschränkungen, Geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Arbeitsmarkt, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von systemischem Business-Coaching für Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen im Arbeitskontext der Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die berufliche Integration, die Förderung der Selbstbestimmung, das Auflösen von Entscheidungsblockaden sowie der professionelle Umgang mit den speziellen Bedürfnissen dieser Klientengruppe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Coaching-Methoden so zu adaptieren, dass sie auch von Menschen mit Behinderung genutzt werden können, um eigene Wünsche und berufliche Ziele klarer zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen systemischen Coaching-Ansatz, der durch Aufstellungsarbeiten und gezielte Tool-Adaptionen (z.B. Tetra Lemma, Wege zum Ziel) auf die spezifischen kognitiven Fähigkeiten der Klienten zugeschnitten wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden drei anonymisierte Fallbeispiele detailliert beschrieben, in denen verschiedene Coaching-Tools angewendet wurden, um die Klienten bei der Entscheidungsfindung bezüglich eines Arbeitsvertrags auf dem ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemisches Coaching, WfbM, Selbstbestimmung, Inklusion, berufliche Bildung und der Transfer von Coaching-Tools in den Sozialbereich.
Wie wurde das Problem der "angelernten Antworten" bei Klienten gelöst?
Durch den Einsatz systemischer Tools (wie der Zielematrix) konnte der Autor die Klienten dazu bringen, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren und zu artikulieren, anstatt nur erwartete Antworten wiederzugeben.
Warum ist die Grenze zwischen Coaching und Therapie in diesen Fällen so wichtig?
Aufgrund der teils schweren Krankheitsbilder der Klienten besteht die Gefahr, dass Coaching-Settings therapeutische Züge annehmen; eine klare Grenze ist notwendig, um das Coaching-Format nicht unbewusst zu verlassen.
Welche Rolle spielt die Unterstützung durch Psychologen für den Coach?
Der Autor betont die Notwendigkeit einer engen Kooperation mit hausinternen Psychologen, um Rahmenbedingungen zu klären und im Bedarfsfall eine professionelle therapeutische Begleitung sicherzustellen.
- Citar trabajo
- Jens Jannasch (Autor), 2012, Business Coaching bei Menschen mit psychischer und/oder geistiger Behinderung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231836