Die klassische Maqame bei al-Hariri. Eine Analyse der 13. Maqame "al-Bagdadiya"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Zur Gattung der MaqÁme

3 Biografisches zu al-ÍarÐrÐ

4 Inhaltsangabe zur 13.MaqÁme „al-BaÈdÁdÐya“

5 Analyse der 13.MaqÁme „al-BaÈdÁdÐya“
5.1 Der Aufbau
5.2 Stilistische Mittel
5.3 Interpretation der MaqÁme

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang: Illustrationen al-Wasiti

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird die für eine SchelmenmaqÁme typische 13. MaqÁme „alBaÈdÁdÐya“ al-ÍarÐrÐs untersucht.

Nachdem der Leser allgemein mit der Gattung der MaqÁme und der Biografie al-ÍarÐrÐs vertraut gemacht wird, beschäftige ich mich mit der Form und den stilistischen Mitteln der MaqÁme. Anschließend wird die „al-BaÈdÁdÐya“ interpretiert und die in der Hausarbeit gewonnenen Erkenntnisse werden resümiert.

2 Zur Gattung der MaqÁme

„Ursprünglich bedeutet das arabische Wort MaqÁma (Plural: MaqÁmÁt) etwa „Stammesversammlung“ und wurde dann eine der Bezeichnungen für die Gesellschaften an den Kalifen- und Fürstenhöfen, in deren Kreis man sich erbauliche Vorträge anhörte. Von dort ausgehend erhielt es die Bedeutung „Vortrag“ schlechthin.“1

Im englischen wird es üblicherweise mit „assembly“ oder „sessions“ übersetzt, entspricht aber auch nur ungefähr der Bedeutung.

Die arabische Wurzel ist q-w-m und bedeutet: aufstehen, sich erheben. Hans Wehr übersetzt MaqÁma mit Sitzung.

Die MaqÁme ist eine arabische Literaturgattung, welche ungefähr um 1000 n.Chr. entsteht, aber sicherlich durch frühere arabische Literatur beeinflusst war. So schreibt schon Ibn Qutaiba, geboren 828 in Kufa, über den lumpig erscheinenden, aber äußerst eloquenten Beduinen als Heldenfigur in der Literatur. Al-ÉÁhiÛ, geboren um 776 in Basra, soll als einer der Ersten, die bunte Figur des Landstreichers in die arabische Literatur eingeführt haben. Die MaqÁme ist eine kurze in sich geschlossene Episode in gereimter Prosa. Am häufigsten kommt die „SchelmenmaqÁme“ vor, in der ein Bettelpoet in immer neuen Verkleidungen auftritt und durch seine Darbietungen und seine Beredsamkeit den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Das Hauptmerkmal aller MaqÁmen ist ihre ausgeklügelte Sprache, Form und Handlungen können jedoch sehr unterschiedlich sein. Der erste grosse MaqÁmendichter und wohl auch Begründer der Gattung ist AÎmad b. al- Íusayn b. YaÎyÁ b. Sa ÝÐd b. Bishr AbÙÞ l-FaÃl al-ÍamaÆÁnÐ. Er wird ca. 969 in ÍamaÆÁn geboren und stirbt 1008 in Herat. Seine MaqÁmen erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass sie ihm später den Beinamen BadÐÝ az-zamÁn (etwa „Wunder der Zeit“) eintragen.

Zu noch größerem Ruhm gelangt wenig später MuÎammad al-QÁsim b. ÝAlÐ b. MuÎammad al-ÍarÐrÐ, geboren 1053 nahe Basra, gestorben 1122. Im Vorwort seiner deutschen Übertragung schreibt Friedrich Rückert:

„Hariris Maqamen sind ein für alle Mal das Musterbeispiel ihrer Gattung geworden, hochgepriesen von allen Arabern, nachgeahmt von zahlreichen arabischen und auch spanisch-jüdischen Literaten.“2

Durch ÍarÐrÐ erhält die MaqÁme ihre klassische Form.

Nachahmungen findet die MaqÁme im Persischen, Syrischen und im Hebräischen.

Einige weitere MaqÁmendichter sind z.B. Ibn NÁqiyÁ (geb. 1020 und gest. 1092 in Bagdad), az-ZamaÌšarÐ (gest. 1144 in ÉurÊāniyya), Ibn al-AštarkÙwÐ as-SaraqusÔÐ (andalusischer MaqÁmendichter gest. 1143). Ein Vertreter der hebräischen MaqÁmenliteratur ist Yehudah alÍarÐzÐ, der im andalusischen Toledo geboren wird, durch große Teile des Orients reist und sich später in Aleppo niederlässt, wo er um 1225 stirbt.

Der Aufbau der typischen MaqÁme ist bei den beiden großen Dichtern ÍamaÆÁnÐ und ÍarÐrÐ relativ gleich. Der Einteilung Hämeen-Anttilas folgend steht am Anfang ein fiktiver, kurzer IsnÁd (1), bei ÍamaÆÁnÐ lautet er: „ÏsÁ ibn HišÁm berichtet uns…“; bei ÍarÐrÐ lautet der IsnÁd: „HÁri× b. ÍammÁm sagte…“. Darauf folgt in wenigen Zeilen eine allgemeine Einführung (2), in der der Erzähler beschreibt, was er tut, z.B. welchen Geschäften er gerade nachgeht oder wo und mit wem er gerade beisammen sitzt. In der Regel folgt eine kurze Verlinkung (2a) zur eigentlichen Episode, oder zum eigentlichen Protagonisten, z.B. „…saß ein junger Mann uns nahe gegenüber…“ Nun folgt die eigentliche Handlung (3), der Protagonist bietet seine Redekunst und Geschicktheit dar. Bei der typischen MaqÁme erfolgt nun die Erkennungsszene (4). Der gewiefte Darsteller wird von irgendjemandem, meistens vom Erzähler selbst, wieder erkannt. Es folgt ein Envoi (5) und das Finale (6). Während der Schluss, d.h. die Erkennungsszene und das Finale bei ÍamaÆÁnÐ oft sehr schemenhaft ist und das letzte Wort fast immer der Protagonist hat, sind die Schlussszenen bei ÍarÐrÐ weniger offensichtlich und in der Regel hat der Erzähler das letzte Wort, in dem er nicht selten seine stille Bewunderung über diesen gewieften AbÙ Zaid äußert.

3 Biografisches zu al-ÍarÐrÐ

AbÙ MuÎammad al-QÁsim b. ÝAlÐ b. MuÎammad al-ÍarÐrÐ wird 446 H /1053 n.Chr. in al- MašÁn nahe Basra geboren. Dort verbringt er seine Kindheit bis er in Basra zu studieren anfängt.

Nach seinen Studien arbeitet er als Beamter in Basra, vermutlich als eine Art Spitzel. Neben seiner Arbeit hat er genügend Freizeit, um sich der Poesie zu widmen und zu schreiben. Im Rahmen seiner Tätigkeit reist er nach Bagdad, wo seine literarische Bekanntheit schon zu Lebzeiten ihren Gipfel erreicht. Dort kommt er auch in Kontakt mit verschiedenen Würdenträgern unter anderem mit dem zukünftigen Wesir al-Mustaršid b. Ñadaqa, dem er angeblich seine Maqamen widmet.3

Zu seinem großen Ruhm gelangt ÍarÐrÐ vor allem durch die Maqamen. Er selbst rühmt sich allein 700 Kopien autorisiert zu haben. Trotz einiger Kritik bleiben die Maqamen auch nach seinem Tode sehr populär. Seine Sammlung von 50 Maqamen fand weite Verbreitung und wurde insbesondere in Spanien rezipiert, wo auch der bedeutendste Kommentar dazu von AÎmad aš-ŠarКÐ, gest. 1222 entstand. (Aš-ŠarКРwar Grammatiker, Philologe und Lehrer der arabischen Sprache. Er kam ursprünglich aus Spanien, reiste aber wie viele seiner Zeitgenossen Richtung Osten, als Pilger und auf der Suche nach Wissen.) Neben seiner Maqamen-Sammlung ist ÍarÐrÐ der Autor von: Durrat al-ÈawwÁÒ fÐ awhÁm al- ÌawÁÒÒ. Das Werk ist eine Sammlung von falschen Ausdrucksweisen mit kritischen Bemerkungen. Thorbecke edierte das vollständige Werk 1871 in Leipzig. Des Weiteren existiert eine Briefsammlung und das MulÎat al-iÝrāb von ihm, ein kurzes grammatikalisches Gedicht.

Al-ÍarÐrÐ stirbt um 1122.

4 Inhaltsangabe zur 13.MaqÁme „al-BaÈdÁdÐya“

HÁri× b. ÍammÁm erzählt, wie er mit greisen Dichtern ( šuÝarÁÞ ) beisammen sitzt und aus der Ferne eine alte, zerlumpte Frau ( ÝaÊÙz ) mit einer Knabenschar ( Òibya ) auf sie zukommt. Das alte Weib spricht die Dichter an und erzählt ihnen von ihrer unglücklichen Lebensgeschichte, wie sie doch eigentlich aus reichem Hause stammte und durch ein Unglück nun zu den Armen gehört. Sie zählt, all´ ihre Entbehrungen auf und schmeichelt dabei den „Alten“ um deren Herzen für eine Gabe zu erweichen. Sie spricht dabei in so ausgeschmückter Sprache, dass die Männer geradezu verzückt sind und sie darum bitten, sie möge zur Kostprobe noch ein Gedicht vortragen.

Nachdem das alte Weib auf ihre lumpigen Kleider zeigt, um ihre Bedürftigkeit zu unterstreichen, trägt sie ein Gedicht vor. Darin betont sie im Grunde nocheinmal ihre elende Situation. Spätestens mit diesem Vortrag hat sie die Herzen ( qulÙb ) der Dichter erobert und die alten Herren spenden ihr großzügig.

Als die Alte sich anschließend davon macht, beginnen die Männer über diese wundersame Person zu grübeln und sie fragen sich, wer sie um ihr Geld erleichtert hat. Also schicken sie HÁri× los, um der Alten zu folgen. Er beobachtet, wie sie über den Markt verschwindet, ihre Jungenschar abwimmelt und in eine Moschee geht. Durch den Türspalt sieht er, wie die Alte aus ihrer Verkleidung schlüpft und sich im Selbstgespräch als der Gauner AbÙ Zaid entpuppt. HÁri× möchte am liebsten auf AbÙ Zaid einprügeln, doch ist er durch dessen Geständnis auf sprachlich wiederum hohem Niveau in der Moschee so gerührt, dass er davon ablässt, zumal er AbÙ Zaid für unverbesserlich hält.

[...]


1 Rotter, Gernot: al-Hamadani, Vernunft ist nichts als Narretei, die Maqamen, Goldmann Verlag, 1988, s.S. 17 3

2 Rückert, Friedrich: ÍarÐrÐ, Die Verwandlungen des Abu Seid von Serug, Reclam Verlag, Stuttgart, 1966, s.S. 7 4

3 EI, Online-Ausgabe, Artikel: „al-ÍarÐrГ, Leiden, Brill, 2007 5

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die klassische Maqame bei al-Hariri. Eine Analyse der 13. Maqame "al-Bagdadiya"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Arabistik)
Veranstaltung
Klassische Maqamenliteratur
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V231969
ISBN (eBook)
9783656480761
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maqamenliteratur, Maqame, Maqama, arabische Literatur, Hariri, Hamadhani, Orient
Arbeit zitieren
Magister Artium Gregor Postler (Autor:in), 2008, Die klassische Maqame bei al-Hariri. Eine Analyse der 13. Maqame "al-Bagdadiya", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231969

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