Zwischen den Ebenen. Über die Funktionsweise der Komik in selbstreflexiven Sitcoms

Am Beispiel von Seinfeld


Bachelorarbeit, 2013

45 Seiten, Note: C


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorrede

1. Einleitung
1.1 Thema der Arbeit
1.2 Fragestellung

2. Hauptteil
2.1 Das Format Sitcom
2.1.1 Charakteristika der Sitcom
2.1.2. Seinfeld
2.2 Die Selbstreflexion
2.3 Komik - Modelle
2.3.1 Thomas Hobbes - Lachen als Akt der Selbstaffirmation
2.3.2 Immanuel Kant - Auflösung gespannter Erwartung
2.4 Komik in Seinfeld
2.5 Die Komik in selbstreflexiven Seinfeld Episoden

3. Schlusswort

4. Quellenverzeichnis

Literatur

Film

Sitcom

Abbildungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1)

Wunderkugeln, auch Chinesische Wunderkugeln oder «Devil-work-balls» (Teufels-Arbeit-Bälle) genannt, sind hohle Kugeln, welche in ihrem Inneren weitere hohle Kugeln tragen, in welchem sich weitere Kugeln befinden. Dabei sind die Aussenhüllen der Kugeln oft verziert.

Die meist aus Elfenbein oder Holz gefertigten Kugeln sind aufwändig herzustellen, doch faszinieren die «verschachtelten» Kugeln, da sie einem scheinbar unmöglichen Prinzip, der-Kugel-in-der-Kugel folgen, dabei aber von einer kompletten, sprich von einer nicht zu öffnenden Aussenkugel umhüllt sind.

Die Innenkugeln und deren Verzierung können nur durch die Löcher der Aussenkugel betrachtet werden.

1.1 Thema der Arbeit

Als Kind wuchs ich mit einem Fernseher auf. Nicht dass ich kein intaktes Elternhaus hatte, nein, mich fesselte der Fernsehapparat, da dieser meine Sucht nach Geschichten befriedigen konnte. Eine Sucht, die ich als Kind hatte, jetzt noch habe und hoffentlich immer haben werde. Bereits als Kind war mir klar, dass ich ebenfalls Geschichten erzählen will. Über die Jahre und mit nicht abklingendem Interesse widmete ich mich den verschiedenen Theorien, wie eine gute Geschichte gebaut werden muss. Grundsätzlich ist jede Theorie einfach. Zumindest wenn sie in der Theorie bleibt. Wenn von der Theorie in die Praxis gedacht wird, so stellt sich das Erzählen einer Geschichte als nicht so einfach heraus wie gedacht. Niemand interessiert sich für eine Geschichte, die man bereits kennt, die langweilig ist oder die keine Empathie für die Figuren weckt. Doch es gibt genügend Geschichten, die funktionieren und alle teilen sie etwas gemeinsames - in ihnen schlägt ein Herz.

Als Kind - vor allem als Fernsehkind - verfolgte ich natürlich die Serien, die die Fernsehkanäle damals boten. Hierbei darf ich sagen, dass ich mich nur kindgerechten Programmen gewidmet habe, wie «Speedy Gonazles» (USA, 1955), «Tom und Jerry» (USA, 1940), «Die Schlümpfe» (USA, BEL, 1981), «die Kickers» (JPN, 1986), «Batman: Animated Series» (USA, 1992) und noch etliche weitere. Dabei erforschte ich bereits als Kind - und hier sei gesagt, dass dies nur in einem kleinen Rahmen war, also wie man als Kind eben «forscht» - die unterschiedlichen narrativen Strategien dieser Kinderserien. «Speedy Gonzales» beispielsweise erzählt in ihren Kurzepisoden eine geschlossene Geschichte der mexikanischen Maus «Speedy Gonzales», die als schnellste Maus von Mexiko mit ihrem Geschick und ihrer Intelligenz rasch jegliches Hindernis beseitigt und den Antagonisten besiegt. Anders «Tom und Jerry», eine Art antagonistische Buddy-Story einer Maus und einer Katze, die sich stets bekämpfen, um ihre unterschiedlichen Ziele zu erreichen (meist ein Stück Käse für Jerry und meist das Fangen von Jerry für Tom). Bei den «Schlümpfen» gibt es keine einzelnen Protagonisten mehr, sondern mehrere Protagonisten, nämlich «die Schlümpfe» selbst, die zusammen gegen den Antagonisten Gargamel (auf Deutsch auch Gurgelhals genannt) antreten. Was hierbei interessant ist, ist die Möglichkeit der Erstellung mehrerer Plots, da mehrere Protagonisten vorhanden sind. Wenn also Papa Schlumpf das Ziel A besitzt, so kann parallel die Geschichte von Jokey, welcher das Ziel B hat, erzählt werden. Strukturell interessant ist ebenfalls die Anime-Serie «die Kickers», eine Serie wieder über mehrere Protagonisten, nämlich 12 junge Fussballer. Ihr gemeinsames Ziel bildet jeweils das Gewinnen eines Fussballspiels, während nebst der erzählten Zeit des Spieles auch die Alltagsprobleme der einzelnen Protagonisten Raum bekommen. Dabei erkennt man auch während den Spielen eine genaue Erzähldramaturgie, denn meistens fallen die Kickers in einen Rückstand, müssen diesen aufholen und am Schluss alle Kräfte mobilisieren, um zu gewinnen. Hinzu kommt, dass die Episoden der «Kickers» aufeinander aufbauen. Anders als bei anderen Trickfilmen haben einzelne Episoden - oft sogar einzelne Szenen - keine Konsequenzen. Bei «Batman: Animated Series» gibt es über die Staffeln hinweg eine Veränderung. Grundsätzlich gibt es keine Entwicklung oder Veränderung bei Zeichentrickfiguren für Kinder, da, wenn diese bereits in der Identifikation funktionieren, sich nicht verändern dürfen. Anders als beispielsweise die «Harry Potter Saga», in welcher der Protagonist Harry Potter zusammen mit den Lesern älter wird, werden Zeichentrickfiguren in der Regel nicht älter. Wie bereits erwähnt ist dies etwas anders bei «Batman: Animated Series»; zwar gibt es hier keine Entwicklung des Protagonisten, jedoch eine über die Staffeln hinweg, da Batman in der zweiten Staffel Robin als Gehilfen bekommt und so eine neue Figur in den Fokus rückt.

Als junger Erwachsener beschäftigten mich diese Zeichentrickserien immer noch - eigentlich beschäftigen sie mich bis dato - jedoch bekam ein anderes Serienformat meine Hauptaufmerksamkeit: die Sitcom. Zunehmend wickelten mich die Sitcoms mit ihrem Humor, ihren Alltagssituationen und ihren einfachen aber herzlichen Protagonisten ein. Jeden Abend verbrachte ich vor dem Fernseher und verfolgte die Leben von Tim Taylor aus «Hör mal wer da hämmert» (USA, 1991), Alf aus «Alf» (USA, 1986) und der Tanner-Familie in «Full House» (USA, 1987). Schliesslich fand ich eines Tages die Sitcom, die alle anderen in den Schatten stellte, ich entdeckte «Seinfeld» (USA, 1990).

Was «Seinfeld» vermochte, was ich als Geschichten-Junky und Sitcom-Fan noch nie gesehen hatte, war die Sitcom-in-der-Sitcom - womit wir uns auch endlich dem Kern dieser Arbeit etwas nähern. Seinfeld, die an sich schon «perfekte» Sitcom, entwickelte über eine ganze Staffel hinweg eine Sitcom in ihrer eigenen Sitcom, welches im Grund, also von der Prämisse aus, die Sitcom ist, die man gerade sieht. Nehmen wir an, eine Kugel befindet sich in einer Kugel. Die äussere Kugel ist blau (Sitcom Seinfeld) und die innere Kugel ist ebenfalls blau (Sitcom-in-Sitcom Seinfeld) so wird mit unter eine andere Geschichte erzählt - schliesslich ist die Kugel kleiner und in der anderen Kugel gefangen - doch basiert sie auf der gleichen Prämisse (blau). Wie oft ich die vierte Staffel - also die Staffel in der die-Sitcom-in-der-Sitcom entwickelt wurde - gesehen habe, kann ich nicht wiedergeben. Einige Male werden es schon gewesen sein. Was sich aber beim wiederholten Schauen nicht geändert hat, ist die unerschöpfliche Faszination für die Narration in der Narration, so wie es «Seinfeld» geschafft hat. Als ich dachte, dass das Prinzip, welches «Seinfeld» verwendet hatte, nicht übertrumpfbar war, wurde ich eines besseren belehrt. Ich schaute «Curb your Enthusiasm» (USA, 2000). Eine Sitcom vom Co-creator von «Seinfeld» Larry David, in welcher - wie auch bei Seinfeld - der Autor den Protagonisten spielt. Larry David spielte also in der Sitcom «Curb your Enthusiasm» sich selbst und damit auch den Autoren von Seinfeld. Was sich ergab war die-Sitcom-in-der- Sitcom-in-der- Sitcom, denn in «Curb your Enthusiasm» wurde wieder «Seinfeld» erzählt. Die äussere Kugel blau, die innere grün. Ich war und bin immer noch fasziniert, daher möchte ich in dieser Arbeit am Beispiel von «Seinfeld», die Funktionsweise der Komik in selbstreflexiven Sitcoms untersuchen.

1. 2 Fragestellung

Sitcoms, welche die Struktur der Sitcom-in-der-Sitcom benutzten, erleben einen wahren Boom. Mit «Seinfeld» (USA, 1990) wurde erstmals der Protagonist Jerry Seinfeld zum Autor und kreierte durch ein kopiertes Abbild die Sitcom-in-der-Sitcom, «Curb your Enthusiasm» (USA, 2000) ging Larry David, der Autor wie auch der Protagonist der Sitcom, einen Schritt weiter und kreierte die Sitcom «Seinfeld» in seiner eigenen Sitcom «Curb your Enthusiasm», in «Arrested Developement» (USA, 2003) wird eine Episode von den Protagonisten als Dokumentarfilm nachgespielt, in «30 Rock» (USA, 2006) sind sämtliche Protagonisten das Team einer fiktiven Fernsehsendungen, in «Louie» (USA, 2010) bekommt der Stand-up Comedian und Protagonist Louis C.K. eine eigene Sitcom-in-der-Sitcom. Die Liste würde sich weiterführen lassen. Doch allen voran steht Seinfeld.

«Seinfeld» als Sitcom, bietet eine Fülle an Aspekten die analysiert werden könnten, in dieser Arbeit wird daher ausschliesslich die Komik in der Selbstreflexion ausformuliert. Auf andere Komikaspekte, die Seinfeld bietet, wird nur rudimentär eingegangen, um darauf auf die Komik in der Selbstreflexion zu schliessen.

Auf den jüdischen Humor in Seinfeld wird nicht eingegangen. Vincent Brook stellte diesen Aspekt mit «Something Ain’t Kosher Here» (Rutgers University Press, 2003) umfänglich dar.

Ebenfalls wird nicht auf das Dosenlachen eingegangen. Mit der Funktion des Dosenlachen beschäftigte sich Karin de Miguel Wessendorf in der Studienarbeit «Die Funktion des Dosenlachens in US-Amerikanischen Sitcoms» (Grin Verlag für akademische Texte, 2004).

Thomas S. Hibbs beschrieb in «shows about nothing, nihilism in popular culture from the exorcist to seinfeld» (Spence Publishing Company, 1999) die nihilisitsche Grundlage von Seinfeldschen Prinzip «nichts» zu erzählen. Seinfeld, wie praktisch alle Sitcoms, sind in ihrer eigenen Struktur gefangen und den Figuren, da sich diese nicht entwickeln können, wiederfährt die ewige Wiederkehr des immergleichen.

Zudem beschreibt Hibbs, die komisch, nihilistische Verwendung von Sitcom untypischen Themen wie Abtreibung («Seinfeld» Episode 5, Staffel 6 «the couch»).

Ebenfalls wird nicht konkret auf das Genre, die Intertextualität, Gender, Ethnitzität oder auch Pop-Kultur in Seinfeld eingegangen. Hierfür bietet «seinfeld, master of it’s domain, revisiting thelevision’s greatest sitcom» (edited by David Lavery, with Sara Lewis Dunne, the continuum international publishing group inc. 2008) das ideale Nachschlagewerk.

Eine eindeutige Formulierung der Selbstreflexivität wird später gegeben. Als Abgrenzung bezieht sich die Selbstreflexivität in den oben genannten Sitcoms auf das Vermischen von Autor und Protagonist. Im Weiteren bezieht sich also die Selbstreflexivität von «Seinfeld» darauf, dass die Figur Jerry Seinfeld eine eigenen Sitcom kreiert, dadurch gerät die Erzählte Geschichte mit dem Erzählen einer Geschichte durcheinander.

Karl Sirek schrieb in «Transit oder: Das Elend der Selbstreflexion»:

«Aussagen über die zu erzählende Geschichte und jene über das Erzählen und Filmen einer Geschichte geraten notgedrungenerweise durcheinander. Sie lassen BetrachterundTheoretiker vor einem Scherbenhaufen sitzen. Wo Erzählen und Erzähltes nicht säuberlich zu trennen sind, geschieht Undenkbares, Unlogisches, Unmögliches.»1

Ausgehend von dieser These soll die Frage beantwortet werden, wie neben Undenkbaren, Unlogischen und Unmöglichem denn Komisches funktioniert.

Ausgehend von der Sitcom «Seinfeld» wird die dramaturgische Struktur einer selbstreflexiven Sitcom dargestellt und anhand dessen die Funktionsweise der Komik in den «Seinfeld» Episoden «the pitch» (Episode 3, Staffel 4) und «the pilot» (Episode 23/24, Staffel 4) analysiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 2)

Aus der Fragestellung heraus ergeben sich drei sehr grosse Themenkomplexe - «Seinfeld», als Sitcom, Selbstreflexion und Komik. In der oberen Abbildung (Abb. 2) sind die drei Themenfelder als Kreise dargestellt, dabei überlappen sie einander, was zu einer Schnittmenge aller drei Themen genau in der Mitte führt. Diese Schnittmenge soll untersucht werden.

Dazu wird zunächst «Seinfeld» als Sitcom Format dargestellt, dann Selbstreflexion definiert und aufgeführt und zum Schluss die Funktion der Komik in «Seinfeld» beschrieben. Schlussendlich werden wie in der Abbildung alle drei Themen zusammengesetzt.

2.1 Das Format Sitcom

2.1.1 Charakteristika der Sitcom

Im Folgenden werden die Charakteristika einer Sitcom vorgestellt.

Formal gesehen ist eine Sitcom eine Comedysendung für das Fernsehen. Als Fernsehformat nehmen Sitcom-Episoden in der Regel 30 Minuten ein mit einer einzigen Unterbrechung eines Werbeblocks. So dauert genau genommen die erzählte Zeit einer Sitcom-Episode zwischen 20 bis maximal 30 Minuten. Standardzeiten sind 22 oder 24 Minuten.

Sitcom ist die Abkürzung von «situation comedy» zu deutsch die Situations Komik. Die Komik in Sitcoms basiert grundsätzlich auf den Hauptcharakteren und deren Situationen.

Wolfgang Finke schrieb in einer Untersuchung über die Situation:

«Wenn wir heute von Situationen sprechen, so meinen wir damit im allgemeinen eine bestimmte Konfiguration lebensrelevanter Umstände für handlungsfähige Wesen, ein momentanes, Verhaltensmöglichkeiten eröffnendes und zugleich begrenzendes Aktionsfeld, das in einem Chance und Schranke, Verlockung und Bedrohung, Herausforderung und Widerstand für deren Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung ist. Die typische Situation scheint stets ein Moment der Krise zu enthalten, des Widerstreits der Interessen, der Diskrepanz zwischen Wollen und Können, des Konflikts zwischen Pflicht und Neigung, der Verwirrung von Sinn und Unsinn.»2

Ähnlich wie bei Comedyshows enthält eine Sitcom eine Komik, die eine sehr schnelle Abfolge von sprachlichen Pointen hat, die auf einem Konflikt der Charakteren in einer bestimmten Situation basieren.

«Die Situation wird zur Charakterisierung mit Adjektiven versehen. Es gibt schwierige, schöne, anstrengende, erheiternde, gefährliche und viele andere Situationen.»3Das passende Adjektiv für die klassische Sitcom Situation dürftekonfliktreichsein. Dabei ist für eine Sitcom typisch die dichte Dramaturgie der Konflikte in den Situationen. Konflikte entstehen dann, wenn eine Figur ein Ziel hat, doch Schwierigkeiten hat dieses zu erreichen. Ein klassische Sitcom Situation könnte folgende sein:

Zwei Charaktere, eine Paar, A und B spazieren an einer Bäckerei vorbei und sehen ein Produkt C. Beide hätten gerne C, doch da nur noch eines da ist, kann nur einer von ihnen C bekommen. A, der Mann, will das B das Produkt nimmt, doch B kann das nicht annehmen und will das A das Produkt nimmt. Sie beginnen zu diskutieren und entscheiden sich schliesslich C miteinander zu teilen. Doch in der zwischen Zeit wurde C bereits an D verkauft.

Anschaulich an diesem erfundenen Beispiel sind die zwei Hauptmerkmale der Situationen in Sitcoms. Sie sind belanglos, sprich ohne Relevanz, dass erreichen des Ziels bzw. das Nichterreichen hat keine Konsequenz, und der Konflikt wird auf einer sprachlichen Ebene ausgetragen.

Die Konflikte sind in der Regel von einfacher Natur und wiederspiegeln den Alltag der Charaktere. Grundsätzlich behandeln Sitcoms keine wirklich dramatischen Themen, wie Gewalt oder Tod, da sich der Zuschauer auf unterhaltsame Art entspannen soll. Dabei bewegen sich die Konflikte sehr selten in existentielle Situationen, welche eine wirkliche Bedeutung, also eine Relevanz für den Charakter, besitzen.

Inhaltlich beschäftigen sich Sitcoms mit der Bewältigung von Alltagsproblemen eines oder mehrerer Protagonisten in einem bekannten Umfeld, ein Zuhause (zum Beispiel «Honeymooners» (USA, 1955), u.a.) oder einem Arbeitsplatz («the office» (UK, 2001), u.a.).4

Dabei erfährt das «Stammpersonal» der Protagonisten keine Veränderung oder Entwicklung und wenn nur sehr geringfügig. Die Figuren, die grundsätzlich sehr stereotyp gezeichnet sind, scheitern in jeder Episode an ihren gleichen Fehlern und lernen nichts dazu. So blieben die Figuren starr, was eine regelmässige Teilnahme an dem Alltagsproblemen der Figuren für den Zuschauer ermöglicht, da dieser stets mit der gleichen Erwartungshaltung an jede Episode rangehen kann.5

Sitcom-Episoden sind in der Regel in sich abgeschlossen, auch wenn sie aufeinander aufbauen, werden dem Zuschauer genügend Informationen der Beziehungen und der in der spezifischen Episode vorhandenen Probleme geliefert, sodass dieser ohne notwendiges Vorwissen jede Episode anschauen kann.

Traditionell stammt das Format der Sitcom aus dem Hörspiel des Radios, was die pointierte, sprachliche Komik erklärt.6Für das Fernsehen werden Sitcoms grundsätzlich in Studios gedreht, was wie beim Theater eine Guckkasten Situation bietet, auch ist meist ein Live- Publikum bei den Aufzeichnungen anwesend. Von dieser Form her ähneln Sitcoms einem abgefilmten Theaterstück, da wenige Ortswechsel verwendet werden und die Kameraführung meist sehr einfach ist. Von daher ist eine Sitcom weniger «filmisch» als beispielsweise eine Serie. In der Regel werden mit mehreren Kameras gleichzeitig aufgezeichnet, die von verschiedenen Punkten aus Totale-, Halbtotale- und Nahaufnahmen aufzeichnen.

2. 1. 2. Seinfeld

Im Folgenden wird das Format Sitcom anhand von «Seinfeld» genauer dargestellt.

«Seinfeld» wurde 1990 von Jerry Seinfeld und Larry David kreiert. In acht Jahren produzierten sie neun Staffeln mit gesamt 180 Episoden. SeinfeldEpisoden dauern durchschnittlich 23 Minuten.

Protagonist ist Jerry Seinfeld, gespielt von Jerry Seinfeld, der als Figur, wie auch im wirklichen Leben, als Stand-up Comedian in New York City tätig ist. Nebst Jerry gibt es drei weitere Hauptcharaktere. Eliane Benes (Julia Louis- Dreyfus) Jerrys Exfreundin, die einzige weibliche Protagonistin der Sitcom, George Costanza (Jason Alexander) Jerrys bester Freund und Cosmo Kramer (Michael Richards) Jerrys Nachbar. Dabei unterscheiden sich die Charaktere sehr voneinander, was zu komischen, konfliktreichen Situationen führt. So ist beispielsweise Jerry ein sehr korrekter, ordentlicher, moralischer und selbstbewusster Mensch, während George neurotisch, verlogen, manipulierend ist und sich selbst stets als Opfer sieht. Eliane ist eine selbstwusste und intelligente Frau, welche meist unter die Räder ihrer männlichen Kollegen gerät. Kramer lebt vorwiegend in seinem eigenen Universum. Er ist ein tollpatschiger aber liebenswürdiger Typ, der immer wieder phantastische und absurde Projekte verfolgt.

Alle vier Charaktere sind in jeder Episode auf der Suche nach «Glück», was meist in einem sehr einfachen Ziel definiert ist, wie ein Job, eine Beziehung oder materielle Gegenstände. In der Regel erreichen sie das Ziel nicht, da alle in ihrer neurotischen Art den Konflikt, der zwischen ihnen und dem Ziel steht nicht lösen können.

Grundsätzlich finden in fast allen «Seinfeld» Episoden alle Charaktere Platz. Jerry ist jedoch die einzige Figur, die in jeder Episode vertreten ist. Meist entwickelt sich ein Haupterzählstrang, also ein gemeinsames Problem aller Figuren, diese wird jedoch wieder aufgeteilt in vier weitere Erzählstränge der einzelnen Protagonisten.

[...]


1Sierek, 1996, Transit oder: Das Elend der Reflexion, S. 18

2Stegemann, 2009, Lektionen1 Dramaturgie, S.12

3Stegemann, 2009, Lektionen1 Dramaturgie, S. 12

4Vgl. Jeffrey, 2011, The History of American Sitcoms during Television’s Golden Age, S. 46

5Vgl. Elstner, 2009, Das Comedy-Format: Die Sitcom

6Vgl. Jeffrey, 2011, The HIstory of American Sitcoms during Television’s Golden Age, S. 52

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Zwischen den Ebenen. Über die Funktionsweise der Komik in selbstreflexiven Sitcoms
Untertitel
Am Beispiel von Seinfeld
Hochschule
Zürcher Hochschule der Künste
Note
C
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V231980
ISBN (eBook)
9783656524595
ISBN (Buch)
9783656526926
Dateigröße
2352 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komik, Sitcom, Dramaturgie
Arbeit zitieren
Dominik Wolfinger (Autor), 2013, Zwischen den Ebenen. Über die Funktionsweise der Komik in selbstreflexiven Sitcoms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231980

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