In Zeiten des zunehmenden Wettbewerbs um Kapital sind potenzielle Investoren nicht nur an Informationen aus den Jahresberichten interessiert, sondern darüber hinaus auch an Informationen zu den immateriellen Werten der Unternehmen. Die Bereitstellung von Informationen über immaterielle Werte für zukünftige Anleger kann daher durchaus zu Vorteilen im Wettbewerb um Kapital führen. Der Anteil der immateriellen Werte am Unternehmenswert nimmt ständig zu. Diese Entwicklung wird vor allem an der stetig steigenden Lücke zwischen dem Buchwert (Wert des Eigenkapitals in der Bilanz) und dem Marktwert (aktueller Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl aller emittierten Aktien) vieler Unternehmen ersichtlich. Eine Studie mit 3500 Unternehmen kam zu dem Ergebnis, dass 1978 die Bilanzen der daran beteiligten Unternehmen 95% ihres Marktwertes erklären konnten. 20 Jahre später waren dies nur noch 28% und im Jahr 2001 konnten lediglich 15% des Marktwertes durch den Buchwert der Unternehmen erklärt werden.
Einerseits erfährt infolgedessen die Identifikation, Messung, Darstellung, Bewertung und Steuerung immaterieller Werte eine immer größer werdende Bedeutung innerhalb des Controllings , andererseits verlangen die Investoren zunehmend Informationen bezüglich des intellektuellen Kapitals. Die vorliegende Seminararbeit verschafft daher auf der einen Seite einen grundlegenden Überblick über die Möglichkeiten zur Darstellung immaterieller Werte in der Berichterstattung (d. h. die Darstellung immaterieller Werte eines Unternehmens und die Bereitstellung von Informationen für externe Anteilseigner und vor allem Investoren) und auf der anderen Seite deren Nutzung im Rahmen der Unternehmensbewertung durch die Analysten (z. B. für Investitionsentscheidungen).
Zunächst werden die inhaltlichen und begrifflichen Grundlagen erläutert. Im dritten Kapitel wird die empirische Studie „Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information“ von GARCÍA-MECA analysiert und kritisch gewürdigt. Dabei werden vor allem die Methodik sowie die Ergebnisse dieser Untersuchung beleuchtet. Im vierten Kapital werden mögliche alternative Vorgehensweisen dargestellt. Den sich daraus ergebenden Implikationen für die weitere Forschung widmet sich das darauffolgende Kapitel. Die vorliegende Seminararbeit wird am Ende mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einem Ausblick abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2 Begriffliche und inhaltliche Grundlagen
2.1 Definition immaterielle Werte
2.2 Kategorisierung der immateriellen Werte
3 Empirische Studie
3.1 Methodik und Vorgehensweise
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Vergleich der sechs Kategorien
3.2.2 Vergleich der Elemente in den jeweiligen Kategorien
3.3 Kritische Würdigung der Ergebnisse
4 Alternative Studien
4.1 Untersuchung von VÖLCKNER/PIRCHEGGER
4.2 Untersuchung von GUTHRIE/PETTY/RICCERI
5 Implikationen für die weitere Forschung
6 Fazit und Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz von Informationen über immaterielle Werte (intellektuelles Kapital) in der Unternehmensberichterstattung und deren tatsächliche Nutzung durch Finanzanalysten für Investitionsentscheidungen, basierend auf einer kritischen Analyse der Studie von García-Meca.
- Bedeutung immaterieller Werte für den Unternehmenswert
- Differenzen zwischen Unternehmenspublizität und Analystenbedarf
- Kategorisierung und Messbarkeit von intellektuellem Kapital
- Vergleich zwischen verschiedenen nationalen und internationalen Studien
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Vergleich der sechs Kategorien
GARCÍA-MECA hat mit Hilfe der Studie gezeigt, dass zum einen die betrachteten Unternehmen nur zu etwa 25% der 69 möglichen Elemente in Bezug auf das intellektuelle Kapital veröffentlichen und zum anderen, dass nur 14% aller Elemente die Gewinnprognosen und Kaufempfehlungen der Analysten beeinflussen.53 Die Anzahl der Informationen, die Unternehmen in Bezug auf ihre immateriellen Werte veröffentlichen, ist somit größer als die Anzahl an Informationen, die Analysten bei ihren Investitionsentscheidungen einbeziehen. Der Grund hierfür liegt hauptsächlich in den teilweise unterschiedlichen Zielsetzungen.
Mit Hilfe derartiger Präsentationen beabsichtigen Unternehmen diejenigen Ereignisse darzustellen, die sich auf die Bilanz ausgewirkt haben, sowie die künftige strategische Ausrichtung zu erläutern, um den eigenen Ruf und ihre Reputation zu verbessern.54 Dadurch werden etwaige Informationsasymmetrien reduziert, um die Kapitalkosten zu senken und die Kursentwicklung zu verbessern.55 Die von den Unternehmen veröffentlichten Informationen sind aber nicht nur für Finanzanalysten aufschlussreich sondern auch für weitere Adressaten mit zum Teil anderen Zielsetzungen.56 Eine bedeutende Zielgruppe der Unternehmen sind ebenfalls potentielle Arbeitnehmer im Rahmen der Mitarbeiterrekrutierung. Für diese Gruppe sind vor allem die Informationen im Hinblick auf das Humankapital (z. B. Weiterbildungsangebote, Karrieremöglichkeiten, Aufstiegschancen) eines Unternehmens entscheidend. Mit der externen Berichterstattung werden darüber hinaus auch Kunden über die immateriellen Werte informiert, um bestehende Kunden binden und neue Kunden akquirieren zu können.57
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Lücke zwischen Buch- und Marktwert von Unternehmen und begründet die wachsende Bedeutung immaterieller Werte für Kapitalgeber.
2 Begriffliche und inhaltliche Grundlagen: In diesem Kapitel werden Definitionen für immaterielle Werte sowie Ansätze zu deren Kategorisierung erarbeitet, um eine theoretische Basis für die Analyse zu schaffen.
3 Empirische Studie: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Methodik und Ergebnisse der Untersuchung von García-Meca hinsichtlich der Diskrepanz zwischen Unternehmensinformationen und Analystennutzung.
4 Alternative Studien: Es werden weitere Untersuchungen von Völckner/Pirchegger sowie Guthrie/Petty/Ricceri vorgestellt, um die Ergebnisse der Hauptstudie durch einen Vergleich zu kontextualisieren.
5 Implikationen für die weitere Forschung: Das Kapitel diskutiert bestehende Hemmnisse bei der Erfassung immaterieller Werte und zeigt Wege für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen auf.
6 Fazit und Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Diskrepanz zwischen Berichtsumfang und tatsächlicher Verwendung der Daten durch Analysten.
Schlüsselwörter
Immaterielle Werte, Intellektuelles Kapital, Finanzanalysten, Unternehmensberichterstattung, Marktwert, Buchwert, Humankapital, Investitionsentscheidung, Informationsasymmetrie, Wissensbilanz, Bilanzanalyse, Unternehmensbewertung, Kapitalmarkt, Strategie, Transparenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Relevanz von Informationen über intellektuelles Kapital in der Berichterstattung von Unternehmen und wie Finanzanalysten diese Informationen in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Bereiche Unternehmensberichterstattung, Bewertung immaterieller Werte, die Rolle von Analysten am Kapitalmarkt sowie die verschiedenen Klassifizierungen von intellektuellem Kapital.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Lücke zwischen den von Unternehmen freiwillig publizierten Informationen zu immateriellen Werten und deren tatsächlicher Nutzung durch Analysten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Studienanalyse, die primär die empirische Arbeit von García-Meca sowie ergänzende Studien vergleichend würdigt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Begriffe, die detaillierte Analyse der García-Meca-Studie, den Vergleich mit anderen empirischen Arbeiten und eine Diskussion über zukünftige Forschungsbedarfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Immaterielle Werte, Intellektuelles Kapital, Finanzanalysten, Unternehmensbewertung und Informationsasymmetrie.
Warum nutzen Analysten nicht alle bereitgestellten Informationen über immaterielle Werte?
Die Arbeit identifiziert Faktoren wie eingeschränkten Umfang von Analystenreports, Unzuverlässigkeit der Daten und die schwierige Mess- und Vergleichbarkeit als Hauptgründe.
Was unterscheidet die Ergebnisse von Guthrie/Petty/Ricceri von denen der García-Meca-Studie?
Guthrie et al. heben besonders die hohe Diskrepanz zwischen diskursiven (textuellen) und numerischen Informationen hervor sowie die Schwierigkeiten der Konsistenz im internationalen Vergleich.
- Quote paper
- Thomas Luft (Author), 2010, Analyse und kritische Würdigung der Studie “Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information” von Emma García-Meca, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232031