Innerhalb der Jugendkultur übernimmt neben Kleidung, Habitus und Besitztum auch die Ausprägung eines bestimmten Sprachstils eine sozial markierende Funktion. Mit ihrer eigenen Sprache grenzen sich Jugendliche nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von anderen Jugendgruppen oder –Szenen ab. Prinzipiell findet man Jugendsprache immer dort, wo Jugendlichen genügend Freiräume zur Entfaltung geboten werden. Sie ist durchaus keine Modeerscheinung – Heranwachsende haben auch schon zu früheren Zeiten einen eigenen Sprachstil ausgebildet, und dies schon seit dem 16. Jahrhundert. Natürlich verändert sich die Jugendsprache im Laufe der Jahre, so wie es die Hochsprache auch tut. Was einst als typisch Jugendsprachliches Wort galt, kann sich heute in unserem „normalen“ Sprachgebrauch befinden. So gehören Begriffe der Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts (z.B. flott oder Kneipe) heute zur Alltagssprache (ANDROUTSOPOULOS 2005: 3). Auch Wörter wie toll und prima waren noch vor 60 Jahren jugendtypische Wörter und als „bedeutungslose Wertungen verpönt“ (HEINEMANN 1990: 18), heute sind sie Bestandteil des Wortschatzes von Erwachsenen.
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie sich die Sprache der Jugend im Laufe der Jahre ändert. Zur Einführung soll zunächst geklärt werden, was Jugendsprache ist um anschließend einen Überblick über ihre Geschichte und ihren Wandel zu geben. Abschließend wird anhand des Wortes chillen ein Einblick in die Innovationen der Sprache gegeben. Es soll auch auf die zunehmende Anglisierung der Sprache und deren Auswirkungen eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Jugendsprache?
3. Jugendsprache im Wandel
3.1 Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Jugendsprache
3.2 Wandel der Jugendsprache in den letzten zwei Jahrzehnten
3.3 Semantischer Wandel am Beispiel von geil und chillen
3.4 Sprachliche Innovationen: Vom Szenewort zur Umgangssprache
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die dynamischen Veränderungen der Jugendsprache im Zeitverlauf, analysiert deren historische Entwicklung sowie den Einfluss moderner Medien und globaler Vernetzung auf den Sprachgebrauch der Jugend.
- Definition und soziolinguistische Einordnung von Jugendsprache
- Historische Entwicklung und Wandel der jugendlichen Ausdrucksformen
- Semantische Veränderungen am Beispiel spezifischer Begriffe
- Einfluss der Anglisierung und moderner Kommunikationsformen
- Modellhafte Darstellung der Ausbreitung sprachlicher Innovationen
Auszug aus dem Buch
3.2 Wandel der Jugendsprache in den letzten zwei Jahrzehnten
Die Jugendsprache ist sehr schnelllebig, Trends ändern sich ständig. Mit der rapiden Entwicklung von Medien und Kommunikationsformen (Computer, Internet, Smartphones) veränderte sich auch die Sprache der Jugend in den letzten 20 Jahren. Wie bereits angemerkt ist dies eine durchaus normale Charaktereigenschaft von Jugendsprache sowie der Sprache im Allgemeinen. Wurde die Jugendsprache früher jedoch noch von Dingen wie Politik und Wirtschaft beeinflusst, so wachsen heutige Kinder und Jugendliche unter dem ständigen Einfluss des Internets und der globalen Vernetzung auf. Aus neuen Kommunikationsformen resultiert meist ein neues Kommunikationsverhalten – es entwickelt sich nicht nur eine „Chatsprache“, die von Abkürzungen, Tippfehlern, Dialekten und Begriffen aus der Jugendsprache geprägt ist, sondern die jugendkulturellen Szenen globalisieren sich zusätzlich über den anglo-amerikanischen Markt (NEULAND 2003: 155) und machen immer mehr Gebrauch von der englischen Sprache. Nach dem einloggen surft man im Internet oder chattet mit Freunden und der Download von Musik und Filmen gehört zum Alltag.
Der Zufluss von Fremdwörtern war früher zeitlich sowie regional begrenzt, heutzutage ist es schwierig einen Tag zu verbringen an dem man nicht auf Anglizismen stößt. Ein Beispiel hierfür ist Reklame im Fernsehen – nicht nur hört man englische Wörter in beinahe jeder Werbepause, seit einiger Zeit kann man auch eine komplette Werbung sehen, die nicht wie üblicherweise deutsch synchronisiert wurde, sondern durchgehend im englischen Original ausgestrahlt wird. Die Spot-Reihe „What Else?“ von Nespresso markiert so einen Trend in der TV-Werbung der sich zunehmender Beliebtheit zu erfreuen scheint. Bei all diesem medialen Einfluss und ausgehend von den Interessen und Lebensgewohnheiten von Jugendlichen ist es naheliegend, dass ihr Sprachverhalten beeinflusst wird und sich somit allmählich ändert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Jugendsprache als sozial markierendes Element der Jugendkultur ein und umreißt die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Was ist Jugendsprache?: Dieses Kapitel definiert Jugendsprache als soziales Phänomen und betont, dass sie weniger vom biologischen Alter als von soziolinguistischen Kriterien wie Lebensstil und Szenezugehörigkeit abhängt.
3. Jugendsprache im Wandel: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung, den Einfluss von Medien und Digitalisierung, semantische Wandlungsprozesse sowie die Verbreitung von sprachlichen Innovationen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle der Jugendsprache als lebendige Konstante zusammen, die trotz Anglisierung und Wandel weiterhin primär der Identitätsbildung und Abgrenzung dient.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Sprachwandel, Soziolinguistik, Anglisierung, Jugendszenen, Medien, Kommunikation, Semantischer Wandel, Innovation, Identitätsbildung, Umgangssprache, Jugendkultur, Denglisch, Sprachgeschichte, Szenewörter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Sprache der Jugend über die Jahrzehnte hinweg verändert hat und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung, der Einfluss von Medien und dem Internet, die zunehmende Anglisierung sowie die semantische Veränderung einzelner Begriffe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Wandel der Jugendsprache nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie neue Wörter entstehen, sich verbreiten und teilweise Eingang in die allgemeine Umgangssprache finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt einen literatur- und sprachgeschichtlichen Analyseansatz sowie ein soziolinguistisches Stufenmodell zur Erläuterung sprachlicher Innovationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss, die Analyse medienbedingter Veränderungen in den letzten zwei Jahrzehnten sowie eine Untersuchung des Bedeutungswandels und des Stufenmodells der Verbreitung von Neologismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendsprache, Sprachwandel, Soziolinguistik, Anglisierung, Szenewörter und Identitätsbildung.
Was bedeutet das Stufenmodell nach Kotsinas in diesem Kontext?
Das Modell beschreibt den Prozess, wie ein neues Wort – wie etwa "chillen" – von einer spezifischen Jugend- oder Subkultur über die allgemeine Jugendsprache bis hin zur Standardsprache aufsteigen kann.
Wie beeinflusst das Internet das aktuelle Sprachverhalten der Jugend?
Durch globale Vernetzung und neue Kommunikationsformen wie "Chatsprache" entwickeln sich Szenesprachen schneller und internationaler, wobei der Einfluss der englischen Sprache massiv zunimmt.
Warum wird der Begriff "Jugendsprache" im Text als teilweise irreführend beschrieben?
Weil das biologische Alter nur eine untergeordnete Rolle spielt; ausschlaggebend für die Sprachentwicklung sind vielmehr soziale Faktoren wie Musikgeschmack, Lebensstil und Szenen.
- Citation du texte
- Helena Müller (Auteur), 2012, Jugendsprache im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232052