In einer Zeit in der es nicht üblich ist, Decken zu bemalen, schafft Antonio Allegri da Correggio ein Fresko, das seine volle Wirkung Jahre später im Barock entfaltet und somit das Gesicht der Barockmalerei erheblich beeinflusst. Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Frage auf welche Art Correggio in seinem Kuppelfresko in San Giovanni Evangelista in Parma die Vision des heiligen Johannes ins Bild gesetzt hat. Da das Fresko sehr von der dazugehörigen Bibelstelle abweicht soll auch das Problem der Deutung mit der Methode der Ikonographie beleuchtet werden. Im Kontext verschiedener theoretischer Entwicklungen sind Versuche unternommen worden die im Fresko gemalten Figuren zu identifizieren. Dies erweist sich allerdings als schwierig, da zumindest die im Fresko abgebildeten Apostel bis auf eine Ausnahme keine Attribute bei sich tragen und deshalb nur schwer eindeutig identifizierbar sind.
Zunächst wird zur leichteren Veranschaulichung das Fresko zusammen mit der Kuppeltrommel, den Zwickeln und den Figuren auf den Laibungsbögen beschrieben, sowie in den biblischen Kontext eingeordnet. Daran anschließend wird zur Analyse der Vision übergegangen. Schließlich wird erörtert, in wieweit bei der Deutung Probleme und Unstimmigkeiten auftreten können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. San Giovanni Evangelista
2.1 Das Fresko
2.2 Christus
2.3 Der Apostelring und Johannes
2.4 Die Kuppeltrommel
2.5 Zwickel und Laibungen
3. Vision
4. Johannes auf Patmos oder doch Johannes auf Ephesus?
5. Fazit
6. Anhang
7.1 Literaturverzeichnis
7.2 Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Umsetzung der Vision des heiligen Johannes durch Correggio in seinem Kuppelfresko der Kirche San Giovanni Evangelista in Parma, wobei insbesondere die Abweichungen vom biblischen Text und die ikonographischen Deutungsprobleme kritisch analysiert werden.
- Künstlerische Konzeption und Komposition des Kuppelfreskos
- Ikonographische Analyse der Christusfigur und der Apostelgruppe
- Symbolik der Kuppeltrommel sowie der Zwickel und Laibungen
- Deutungsansätze zur spezifischen Vision (Patmos vs. Ephesus)
- Die Verwendung von Perspektive und Medium zur Vermittlung visionärer Erlebnisse
Auszug aus dem Buch
2.2 Christus
Das Zentrum des Freskos bildet Christus, welcher in kontrapostischer Geste und nach oben gerichtetem Blick gen Himmel schwebt und von goldenem Licht und Engelsköpfen umgeben ist. Er weist aufwärts und abwärts, laut Gronau „deutend und segnend“. Sein weißes Gewand flattert im Wind und sein Haar weht zur Seite. Er ist, ebenso wie die elf Apostel die ihn umgeben, stark verkürzt dargestellt. Durch die Verkürzung aller Figuren ist es Correggio gelungen sowohl alle Jünger in die Kuppel einzupassen, als auch eine Perspektive herzustellen, die dem Betrachter erlaubt die auf den Wolken sitzenden Apostel, die man eigentlich von unten nicht sehen würde, sichtbar zu machen. Die gewählte Perspektive bezeichnet Thode als „Idealperspektive […] welche einem viel höherem Augenpunkt entspricht, als der den der Betrachter am Boden hat“, so ist die Perspektive nicht für den Betrachter am Boden ausgelegt, sondern eher für einen Betrachter der sich auf Höhe der Trommel befindet, also dort wo sich Correggio damals selbst bei der Bemalung aufgehalten hat. Vergleicht man die gemalte Christusfigur mit der in der Bibel beschriebenen, so fallen bereits einige Unterschiede auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Freskos von Correggio und Darlegung der Zielsetzung, die Vision des Johannes ikonographisch zu untersuchen.
2. San Giovanni Evangelista: Beschreibung der Entstehungsgeschichte des Freskozyklus sowie detaillierte Untersuchung der einzelnen Bildelemente, einschließlich Christus, der Apostel, der Kuppeltrommel und der Zwickel.
3. Vision: Theoretische Definition des Begriffs der Vision und Erläuterung der künstlerischen Mittel, die Correggio nutzt, um den visionären Charakter im Fresko darzustellen.
4. Johannes auf Patmos oder doch Johannes auf Ephesus?: Diskussion der ikonographischen Deutungsspielräume hinsichtlich der zugrunde liegenden Vision des Johannes und Prüfung der Legenda Aurea als Interpretationshilfe.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten zur Identifizierung der Figuren und zur Auslegung des Bildprogramms.
6. Anhang: Auflistung des verwendeten Literaturverzeichnisses und der Abbildungen.
Schlüsselwörter
Correggio, San Giovanni Evangelista, Kuppelfresko, Johannes der Evangelist, Apokalypse, Ikonographie, Vision, Barockmalerei, Apostel, Christus, Kunstgeschichte, Parma, Idealperspektive, Grisaille, Legenda Aurea.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Kuppelfresko des Malers Antonio Allegri da Correggio in der Kirche San Giovanni Evangelista in Parma und dessen ikonographischer Deutung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die künstlerische Komposition, die Abweichungen des Freskos von biblischen Vorlagen, die Identifizierung der dargestellten Figuren sowie die Frage, welche visionäre Erscheinung des Johannes dargestellt wird.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, auf welche Art Correggio die Vision des heiligen Johannes ins Bild gesetzt hat und warum das Fresko signifikant von der entsprechenden Bibelstelle abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird primär die Methode der Ikonographie angewandt, um die Figuren und Symbole in einen theoretischen und biblischen Kontext zu setzen und ihre Bedeutung zu entschlüsseln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der einzelnen Bildelemente – Christus, Apostelring, Kuppeltrommel sowie Zwickel und Laibungen – und deren Einordnung in das übergeordnete Bildprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Correggio, San Giovanni Evangelista, Kuppelfresko, Ikonographie, Apokalypse, Vision und Legenda Aurea.
Warum wird Johannes als Greis dargestellt?
Die Darstellung als alter Mann ist eine Besonderheit; eine mögliche Erklärung liefert die Legenda Aurea, die den Tod des Johannes im hohen Alter auf Ephesus thematisiert.
Welche Rolle spielen die "24 Ältesten" im Fresko?
Die Ältesten aus dem Bibeltext fehlen explizit; die Forschung geht davon aus, dass Correggio diese durch die Anordnung und Addition der Apostel und anderer Figuren im Bildzyklus indirekt eingebaut hat.
Wie unterscheidet sich Correggios Darstellung von der Bibel?
Correggio verzichtet auf viele biblische Details wie Throne, Regenbogen oder apokalyptische Wesen und ersetzt die 24 Ältesten durch Apostel, um eine eigene visuelle Interpretation der Vision zu schaffen.
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- Helena Müller (Author), 2012, Vision, Himmelswelten: Das Kuppelfresko von San Giovanni Evangelista in Parma, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232055