Wort- und Satzgliedstellung als Mittel der Komik (am Beispiel von Helge Schneider)


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Hauptteil
1. Dilettantisch oder genial? - Der Sprachstil des Helge Schneider
2. Die unterschiedlichen schneider’schen Abwandlungen der Sprache
2.1 Die verschiedenen Stilblüten
2.1.1 Hypo- und parataktische Satzkonstruktionen
2.2 Satzgliedstellung - Die topologischen Felder
2.2.1 Vorfeld
2.2.2 Mittelfeld
2.2.3 Nachfeld
2.4 Thema-Rhema-Gliederung
2.4.1 Thematische Progression

3 Schluss

Literaturverzeichnis

B ehaghel, Otto: Deutsche Syntax. Band IV. Wortstellung, Periodenbau. Carl Winters Universitätsbuchhandlung. Heidelberg 1932

D anes, Frantisek: Papers on functional sentence perspective Academia. Publishing House of the Czechoslovak Academy of sciences. Prague 1974

H oberg, Ursula: Die Wortstellung in der geschriebenen deutschen Gegenwartssprache. Düsseldorf 1981

O lszok, Klaus/Wenster, Edith: Zur Wortstellungsproblematik im Deutschen. Tübingen 1983

S chneider, Helge: Das scharlachrote Kampfhuhn. Kiepenheuer & Witsch Verlag. Köln 1995

S chneider, Helge: Der Scheich mit der Hundehaarallergie. Kiepenheuer & Witsch Verlag. Köln 2001

1 Einleitung

Wie in allen Sprachen dieser Erde lassen sich auch im Deutschen feste Regeln ausmachen, die dem Zweck dienen Satzbau und Wortstellung innerhalb eines Satzes zu ordnen, den Sinngehalt von Aussagen zu erhalten und somit eine korrekte Schreibweise zu ermöglichen. Die Relation von Subjekt – Prädikat – Objekt beispielsweise sollte jeder grammatikalisch richtigen Satzkonstruktion zugrunde liegen.

Eine praktisch analysierende Hausarbeit zur Thematik „Wortstellung“, die sich mit der Untersuchung eines Schriftwerkes mit einwandfreier Wort- und Satzgliedstellung innerhalb der Topologie jedes einzelnen Satzes befasst, kann, meiner Meinung nach, kein wirklich interessanter Forschungsgegenstand sein. Die Suche nach einem geeigneteren, weniger perfekt verfassten Untersuchungsobjekt erscheint auf den ersten Blick schwer, da eine Umgehung, oder gar eine Außerkraftsetzung von Regeln zur grundlegenden Grammatik oder Semantik des Deutschen, nur schwer vorstellbar ist. Obgleich in der Umgangssprache längst an der Tagesordnung, werden solche Versuche, sich über bekannte und gewohnte Vorschriften hinwegzusetzen, in seriöser geschriebener Sprache nicht als korrekt anerkannt.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich aufgrund dieser Tatsache mit einer Kunstform, der Kunst der Komik. Anhand zweier Werke des Komikers und Buchautors Helge Schneider sollen Beispiele für konkrete Fälle oben angesprochener Art praktisch analysiert, differenziert und deren Wirkung auf den Leser theoretisiert werden. Es wird deutlich gemacht, wie der Humorist Schneider teils gewollt, teils ungewollt, Regeln des deutschen Sprachgebrauchs einfach vernachlässigt, aber auch wissentlich ignoriert, um auf diese Weise seine Art der Komik zu erschaffen. Kombiniert mit einem irrwitzigem Handlungsablauf, immer wieder willkürlich vorkommenden Ort- und Zeitsprüngen, mehr oder weniger sinnvollen Monologen oder Dialogen der Hauptfigur, Schneider selbst, und „seiner“ Sprache ergibt sich dessen unwiderstehliche Komik, die ihn hierzulande bekannt und beliebt werden ließ. Eine solch unorthodoxe Umgangsweise mit Satzbau und Wortstellung, wie sie von Helge Schneider praktiziert wird, macht seine Bücher zu idealen Untersuchungsobjekten zur Thematik.

Die Forschungsfrage, deren Beantwortung sich diese Hausarbeit widmet, lautet daher:

Lassen sich die Regeln der Topologie des Satzes zur Wort- und Satzgliedstellung im Deutschen umgehen?

Dass eine einhundertprozentig verbindliche Bejahung und als Handlungsmaxime formulierte Beantwortung dieser Frage selbstverständlich unmöglich ist, wird deutlich. Deshalb soll diese Arbeit nicht die Verletzung geltender Sprachregelungen des Deutschen propagieren, sondern, ganz im Gegenteil, lediglich die komische Wirkung dieser „künstlerischen Freiheit“ auf den Leser und damit dessen Verständnis für eine korrekte oder unkorrekte Schriftsprache aufzeigen.

2 Hauptteil

1. Dillethantisch oder genial? - Der Sprachstil des Helge Schneider

Zugegeben: es mag Menschen geben, die sich für diesen Humoristen nicht begeistern können. Immer wieder wird ihm vorgeworfen dillethantisch zu sein, und das nicht nur im Umgang mit geschriebener Sprache. Der Autor von Büchern mit vielversprechenden Namen wie „Guten Tach. Auf Wiedersehn.“ (1992, KiWi 279), „Zieh dich aus, du alte Hippe“ (1994, KiWi 355), oder „Eiersalat“ (1999, KiWi 279) begegnet diesen Vorwürfen allerdings von vorn herein mit einem Augenzwinkern. So lässt sich dann auch schon mal ein guter Ratschlag Schneiders auf der Buchrückseite entdecken: „Sehr geehrte/r Leser/in! Ich kann ihnen diese Buch nicht empfehlen. Der Autor.“ (Schneider 2001) Tatsächlich lassen sich wohl nur Vermutungen darüber anstellen, ob seine Ausdrucksweise genau so beabsichtigt ist, oder aus Unwissenheit formuliert wird. Für wahre Fans allerdings bleibt diese Frage zweitrangig und deren Antwort eindeutig.

2. Die unterschiedlichen schneider’schen Abwandlungen von Sprache

Der Inhalt der beiden zu untersuchenden Werke weist eine große Anzahl an Stellen auf, über die jeder ernsthafte Germanist die Nase rümpfen könnte. Sie alle im Verlauf dieser Arbeit zu analysieren, würde den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund werden im Folgenden lediglich eine Auswahl der für die Untersuchung am geeignetsten Auffälligkeiten angesprochen.

2.1 Die verschiedenen Stilblüten

Am deutlichsten springen dem aufmerksamen Leser sicherlich die zahlreichen Stilblüten ins Auge, die sich fast auf jeder Seite in Schneiders Werken auffinden lassen. Passagen wie „Sogar eine Blüte prangte an einem verästelten Geästel.“ (Schneider 2001, 10), „Der Umschlag war allein und lag auf dem Sims.“ (Schneider 2001, 56), oder „ (...) damit, wenn er wieder nach Hause kommt nach einem getanen Arbeitstag, nicht Kraft aufgewendet wird für den Wasserhahn zum Aufmachen, (...)“ (Schneider 2001, 58). Solche „stilistischen Fehler“, hanebüchene Ausdrücke, unsinnige Personifikationen und der Umgangssprache ähnliche Substantivierungen bilden sozusagen den Grundstock des komischen Repertoires des Autors. Des weiteren lassen sich seltsame Wortkreationen ausmachen, die niemals so in einem deutschen Wörterbuch zu entdecken sein werden, der Autor verzichtet großzügig an etlichen Stellen seiner Bücher auf Morpheme, die Kasus, Numerus, oder Genus bestimmen sollten, und er hat die Vorliebe seine Satzkonstruktionen entweder völlig in hypotaktischem Schreibstil mit Informationen zu überladen, oder seitenlang parataktische Kleinstsätze hintereinander zu reihen, denen es meist sogar an bedeutenden Satzgliedern mangelt, wie Prädikate oder Subjekte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wort- und Satzgliedstellung als Mittel der Komik (am Beispiel von Helge Schneider)
Hochschule
Universität Trier  (FB II: Germanistik)
Veranstaltung
PS II Linguistik - Wortstellung
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V23212
ISBN (eBook)
9783638263795
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Forschungsgegenstand: Die Werke "Das scharlachrote Kampfhuhn" (1995, KiWi 391) und "Der Scheich mit der Hundehaarallergie" (2001, KiWi 624) des Humoristen Helge Schneider. Forschungsfrage: Lassen sich die Regeln der Topologie des Satzes zur Wort- und Satzgliedstellung im Deutschen umgehen?
Schlagworte
Wort-, Satzgliedstellung, Mittel, Komik, Beispiel, Helge, Schneider), Linguistik, Wortstellung
Arbeit zitieren
Michael Gent (Autor), 2003, Wort- und Satzgliedstellung als Mittel der Komik (am Beispiel von Helge Schneider), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23212

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