Die Thematik des Todes beschäftigt die Menschheit seit jeher, kaum eine andere wirft eine solche Vielzahl an Fragen und Unsicherheiten auf. Jahrtausende überdauerte eine beinahe unveränderliche Einstellung zum Tod: die spontane und naive Fügung ins Schicksal und die Unterwerfung unter den Willen der Natur.
Der Tod wurde als vertrauter Begleiter, als ein akzeptierter Bestandteil des Lebens gesehen. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte jeder, sogar ein der Familie Unbekannter, das Haus und das Zimmer des Sterbenden betreten. Man starb in der Regel öffentlich, der Sterbende starb – sofern sich der Tod angekündigt hatte - nicht allein, sondern umgeben von seinen Mitmenschen. Die „Modalitäten der Grablegung“ waren der Mehrzahl der Bevölkerung bekannt. Diese Einstellung zu den Toten ist für eine bestimmte historische Periode charakteristisch: Sie tritt im
5. Jahrhundert nach Christus in Erscheinung und besteht bis zum Ende des
18. Jahrhunderts. Sie entwickelte sich mit der gegenseitigen Annäherung von Lebenden und Toten, hervorgerufen durch das Eindringen der Friedhöfe in die Städte und Dörfer, in die unmittelbare Nähe der Menschen.
Obwohl die Bewohner der Dörfer mit dem Tod vertraut waren, scheuten sie die direkte Nachbarschaft mit den Toten. Die „Lebensbereiche“ der einen mussten deutlich von denen der anderen getrennt sein, um jegliche Berührung zu vermeiden , wie schon das Zwölftafelgesetz besagt: „Kein Toter darf innerhalb der Stadt bestattet oder eingeäschert werden.“
Im 19. Jahrhundert vollzog sich dann ein bedeutender Wandel: Das Sterben und der Tod wurden für die Menschen angsteinflößend und ein Tabu-Thema, das in der modernen, stark an Leistung orientierten Gesellschaft nicht mehr eingeplant wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen: Grabmal, Grabdenkmal, Epitaph
2.1 Das Grabmal
2.2 Das Grabdenkmal
2.3 Das Epitaph
3. Das Freigrabmal – symbolische Vergegenwärtigung von Tod und Beisetzung
3.1 Das Tumbagrab
3.2 Die Kombination aus Tisch- und Sarkophag- oder Tumbagrabmal
3.3 Das Baldachin-Freigrabmal
3.4 Loggia-Grabmal und Mausoleum
4. Das Wandgrabmal – Steigerung der Repräsentation
4.1 Das einfache Ädikulamonument
4.2 Das Ädikulamonument mit seitlichen Erweiterungen
4.3 Das „Doppeldecker“-Grab
5. Ikonografisches Repertoire
5.1 Die Vanitasdarstellungen
5.2 Die Tugenddarstellungen
5.3 Beruf und Gewerbe
6. Fallbeispiel: Das ikonografische Repertoire eines Admiral-Grabmonuments
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die symbolische Bedeutung von Grabmalen in der europäischen Sepulkralkultur, wobei ein besonderer Fokus auf dem Repräsentationsbedürfnis des Verstorbenen und seiner Familie sowie der ikonografischen Ausgestaltung der Monumente liegt.
- Differenzierung der Begriffe Grabmal, Grabdenkmal und Epitaph.
- Typologie von Freigrabmälern und Wandgrabmälern im historischen Kontext.
- Analyse ikonografischer Programme (Vanitas, Tugenden, Berufsdarstellungen).
- Untersuchung der symbolischen Gestaltung von Admirals-Grabmonumenten.
- Bedeutung des Repräsentationsanspruchs in der Grabmalkunst des 18. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
3. Das Freigrabmal – symbolische Vergegenwärtigung von Tod und Beisetzung
Richard Hamann-MacLean definiert das Freigrabmal als ein „frei im geschlossenen Kirchen oder Mausoleums-Raum aufgestelltes Grabmal mit mindestens drei gleichwertigen Schauseiten“17. Die Form der liegenden Grabfigur lässt an den Tod selbst und die Beisetzung der Verstorbenen denken, geöffnete Augen spiegeln die Hoffnung auf Auferstehung wider. Im Gegensatz dazu wird der Tote bei Wandgrabmälern häufig stehend oder kniend und betend dargestellt und wirkt somit lebendiger.18 Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Tatsache, dass die Grabfiguren an Freigrabmälern in der Regel lebensgroß und vollplastisch sind. Die häufigste „Tätigkeit“ bei Grabfiguren an Freigrabmälern ist das Gebet.19 Befindet sich eine kniende Grabfigur am Freigrabmal, spricht man oftmals vom Typus der „ewigen Anbetung“20, jedoch nur, wenn die Gebetshaltung nicht auf einen zum Denkmal gehörigen Gegenstand bezogen ist.21 Häufiger kommt es jedoch vor, dass der dargestellte Verstorbene die Hände auf oder neben dem Körper liegen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Einstellung zum Tod vom Mittelalter bis zur modernen Leistungsgesellschaft und stellt die Bedeutung des Grabmals als Erinnerungsmal dar.
2. Begriffsbestimmungen: Grabmal, Grabdenkmal, Epitaph: In diesem Kapitel werden die terminologischen Unterschiede zwischen Grabmal, Grabdenkmal und Epitaph zur besseren wissenschaftlichen Einordnung definiert.
3. Das Freigrabmal – symbolische Vergegenwärtigung von Tod und Beisetzung: Dieses Kapitel klassifiziert verschiedene Typen des Freigrabmals wie Tumba, Tischgrab und Baldachin-Freigrabmal hinsichtlich ihrer symbolischen Funktion.
4. Das Wandgrabmal – Steigerung der Repräsentation: Hier wird das Wandgrabmal als architektonische Weiterentwicklung analysiert, die aufgrund von Platzmangel entstand und komplexere ikonografische Programme ermöglichte.
5. Ikonografisches Repertoire: Das Kapitel erläutert die gängigen Symbole der Sepulkralkunst wie Vanitas-Motive, Tugenddarstellungen sowie Darstellungen von Beruf und Gewerbe.
6. Fallbeispiel: Das ikonografische Repertoire eines Admiral-Grabmonuments: Anhand von Beispielen aus der Westminster Abbey wird illustriert, wie spezifische Attribute und Symbole zur Verherrlichung eines Admirals eingesetzt wurden.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Entwicklung der Grabmalkunst und hinterfragt, ob die monumentale Darstellung den eigentlichen Tod des Menschen in den Hintergrund drängt.
Schlüsselwörter
Grabmal, Grabdenkmal, Epitaph, Sepulkralkultur, Freigrabmal, Wandgrabmal, Ikonografie, Vanitas, Tugenddarstellung, Westminster Abbey, Repräsentation, Gisant, Monumentalität, Bestattung, Grabfigur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung, Typologie und ikonografischen Gestaltung von Grabmalen, insbesondere im Kontext des 18. Jahrhunderts in Großbritannien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung verschiedener Grabmaltypen, die symbolische Bedeutung von Ausstattungselementen wie Tugenden oder Vanitas-Symbolen und der Repräsentationswille der Hinterbliebenen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bildhauer durch ein spezifisches Repertoire an Symbolen und architektonischen Formen Grabmonumente schufen, die den Status und die Tugenden der Verstorbenen unterstrichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Typologie und ikonografische Analyse, unterstützt durch Fachlexika und historische Quellen.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Bestimmung von Grabmalen (Freigrab vs. Wandgrab), eine ikonografische Analyse der verwendeten Symbole und eine fallbezogene Untersuchung von Admirals-Grabmonumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Begriffe wie Sepulkralkultur, Grabdenkmal, Ikonografie, Repräsentation und Monumentalität.
Warum wurde das Grabmal für Vize-Admiral Sir Peter Warren als Fallbeispiel gewählt?
Es dient als exzellentes Beispiel dafür, wie ein Bildhauer wie Roubiliac komplexe nationale Symbole (Britannia, Admiralsstab) mit persönlichen Eigenschaften des Verstorbenen zu einem Gesamtkunstwerk vereint.
Welchen Wandel erlebte die Darstellung des Todes im Lauf der Jahrhunderte laut Autor?
Der Tod wandelte sich von einem vertrauten Begleiter und öffentlichen Ereignis zu einem Tabu-Thema in der modernen, leistungszentrierten Gesellschaft, während Grabmäler zunehmend monumentaler wurden.
- Citation du texte
- Hannah Gerten (Auteur), 2012, Zeichen der Trauer: Ikonografisches Repertoire und Typologie der Grabmäler des 18. Jahrhunderts in Großbritannien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232120