Die Bevölkerungsentwicklung ist weltweit durch eine zunehmende Alterung der Bevölkerung geprägt. Der Anteil der Kinder sinkt weiter, während der Anteil der Älteren und Hochaltrigen weiter steigt. Europa gehört bereits heute zu den ältesten Regionen der Welt und aufgrund von Bevölkerungsvorausrechnungen kann angenommen werden, dass dieser Prozess weiter voranschreiten wird (Mai 2007). Auch wenn Alter und Krankheit bzw. Alter und Pflegebedürftigkeit nicht zwingend miteinander einhergehen, ist aufgrund der demografischen Entwicklung dennoch davon auszugehen, dass der Anteil der Pflegebedürftigen ebenfalls ansteigen wird (Kuhlmey/Blüher 2011).
Eine weitere Konsequenz dieser Bevölkerungsentwicklung besteht darin, dass der wachsenden Gruppe von Pflegebedürftigen eine immer kleiner werdende Gruppe von Pflegepersonen aus dem familiären Umfeld gegenüberstehen wird (Mai 2007). Aus diesem Grund kommt der professionellen Pflege eine immer größere Bedeutung zu, da die entstehenden Pflegebedarfe auf diesem Weg gedeckt werden müssen. Eine adäquate Versorgung der Pflegebedürftigen ist jedoch nur dann gewährleistet, wenn die Pflegebedürftigkeit angemessen definiert und der Hilfebedarf umfassend erhoben und finanziert wird.
Im Folgenden soll dargestellt werden, wie in verschiedenen Ländern – Deutschland, Dänemark und der Schweiz – in diesen Punkten verfahren wird. Die drei Länder können jeweils als Vertreter eines eigenen Typus des Sozial- bzw. Wohlfahrtsstaates angesehen werden und auch die Finanzierung der Pflegeleistungen findet auf unterschiedlichen Wegen statt. Dennoch stehen alle drei Länder vor den gleichen, bereits beschriebenen, Herausforderungen.
Ziel dieser Arbeit ist es zunächst kurz darzustellen, wie die Pflegeleistungen in Deutschland, Dänemark und der Schweiz finanziert werden. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dann auf den verschiedenen Pflegebedürftigkeitsbegriffen sowie auf den Begutachtungsassessments, die zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit verwendet werden. Abschließend werden jeweils mögliche Vor- und Nachteile kurz angesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund und Relevanz des Themas
3 Ländervergleich
3.1 Deutschland
3.1.1 Pflegebedürftigkeitsbegriff
3.1.2 Feststellung der Pflegebedürftigkeit
3.1.3 Zwischenfazit
3.2 Dänemark
3.2.1 Pflegebedürftigkeitsbegriff
3.2.2 Feststellung der Pflegebedürftigkeit
3.2.3 Zwischenfazit
3.3 Schweiz
3.3.1 Pflegebedürftigkeitsbegriff
3.3.2 Feststellung der Pflegebedürftigkeit
3.3.3 Zwischenfazit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Ansätze zur Definition und Feststellung von Pflegebedürftigkeit in Deutschland, Dänemark und der Schweiz. Ziel ist es, die nationalen Systeme und deren Umgang mit dem demografischen Wandel sowie die verwendeten Begutachtungsinstrumente kritisch gegenüberzustellen, um Potenziale für eine zukunftsfähige Gestaltung der Pflegeversorgung aufzuzeigen.
- Vergleich der nationalen Pflegebedürftigkeitsbegriffe
- Analyse von Begutachtungsassessments in den drei Ländern
- Unterschiedliche Finanzierungsmodelle und sozialstaatliche Rahmenbedingungen
- Herausforderungen durch demografischen Wandel und Multimorbidität
- Diskussion von Reformansätzen und Policy-Learning-Möglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1 Deutschland
Die Bundesrepublik Deutschland ist gemäß Artikel 20 Absatz 1 des Grundgesetzes (1949) ein sozialer Bundesstaat. Aus diesem Sozialstaatsprinzip ergibt sich unter anderem die allgemeine Verpflichtung des Staates, seine Bürger gegen existenzgefährdende Risiken abzusichern. Die konkrete Umsetzung erfolgt durch die gesetzlichen Sozialversicherungen, zu denen seit dem Jahr 1995 auch die soziale Pflegeversicherung zählt, die das Risiko der Pflegebedürftigkeit sozial absichern soll. Als Träger der Pflegeversicherung wurden Pflegekassen gegründet und bei den Krankenkassen angesiedelt. Seit dieser Zeit besteht für fast alle Bürger eine allgemeine Versicherungspflicht. Das heißt, dass sowohl die Versicherten der gesetzlichen als auch der privaten Krankenkassen der Versicherungspflicht unterworfen wurden (§ 1 SGB XI; Simon 2010). Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung werden durch Beiträge finanziert. Diese Beiträge werden prozentual von den beitragspflichtigen Einnahmen der Versicherten bemessen und in der Regel jeweils zur Hälfte von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern abgegolten (§ 54 SGB XI).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der demografischen Alterung ein und erläutert die Relevanz einer adäquaten Definition von Pflegebedürftigkeit für die Sicherstellung der Versorgung.
2 Hintergrund und Relevanz des Themas: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen demografischem Wandel, Multimorbidität und der steigenden Notwendigkeit, das Pflegerisiko durch eine präzise Definition und Erfassung von Selbstständigkeit abzusichern.
3 Ländervergleich: Hier werden die Systeme Deutschlands, Dänemarks und der Schweiz hinsichtlich ihrer Begriffsdefinitionen und Begutachtungsverfahren im Detail dargestellt und kritisch bewertet.
4 Fazit: Die abschließenden Überlegungen fassen die Unterschiede der nationalen Ansätze zusammen und betonen die Notwendigkeit, durch internationalen Austausch ("Policy Learning") zukunftsfähige Versorgungskonzepte zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Pflegebedürftigkeit, Sozialstaat, Deutschland, Dänemark, Schweiz, Begutachtungsassessment, Pflegeversicherung, Hilflosigkeit, demografischer Wandel, Pflegebedarf, Selbstständigkeit, Langzeitpflege, Finanzierung, Sozialversicherungsmodell, Gesundheitssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert und vergleicht, wie Deutschland, Dänemark und die Schweiz den Begriff "Pflegebedürftigkeit" definieren und wie sie diese systematisch feststellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die sozialstaatlichen Rahmenbedingungen der Langzeitpflege, die jeweiligen Pflegebedürftigkeitsdefinitionen und die angewandten Begutachtungsverfahren (Assessments).
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die nationalen Unterschiede in der Feststellung von Hilfebedarfen aufzuzeigen und zu prüfen, ob die Instrumente der Länder für zukünftige Herausforderungen ausreichend aufgestellt sind.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde genutzt?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Systemanalyse, die nationale Gesetze und begleitende Fachstudien gegenüberstellt.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil ist nach Ländern gegliedert: Für Deutschland, Dänemark und die Schweiz werden jeweils das Finanzierungsmodell, die Definition von Pflegebedürftigkeit sowie das spezifische Begutachtungsassessment detailliert erläutert.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind: Pflegebedürftigkeitsbegriff, Ländervergleich, soziale Pflegeversicherung, Begutachtungsinstrumente und demografischer Wandel.
Wie unterscheidet sich die dänische Feststellung von Pflegebedürftigkeit von der deutschen?
In Dänemark gibt es keine formelle Trennung zwischen Krankheit und Pflegebedürftigkeit, und es werden keine starren Pflegestufen angewendet; stattdessen erfolgt eine individuelle Einzelfallprüfung durch Kommunen.
Was ist das zentrale Problem des deutschen Pflegebedürftigkeitsbegriffs laut der Arbeit?
Die Arbeit kritisiert, dass der Begriff stark somatisch verengt ist und den Betreuungsbedarf von Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen lange Zeit nicht ausreichend abgebildet hat.
Wie wird in der Schweiz der Begriff Pflegebedürftigkeit definiert?
In der Schweiz wird Pflegebedürftigkeit primär als "Hilflosigkeit" definiert, die auf einer dauerhaften Angewiesenheit auf Hilfe Dritter oder Überwachung aufgrund von Gesundheitsbeeinträchtigungen basiert.
Gibt es einen gemeinsamen Nenner der drei untersuchten Länder?
Ja, alle drei Länder stehen vor der gemeinsamen Herausforderung, angesichts einer alternden Bevölkerung und medizinisch-technischer Fortschritte eine nachhaltige und finanzierbare Pflegeversorgung zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Pajam Rais Parsi (Autor:in), 2012, Pflegebedürftigkeit in Deutschland, Dänemark und der Schweiz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232134