Kritische Analyse der Konzeptionen von Nachhilfeinstituten


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004
20 Seiten, Note: entfällt

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Phänomen „Nachhilfe“

2. Die Konzeptionen von Nachhilfeinstituten
2.1 Gruppen- oder Einzelunterricht
2.2 Qualifizierte Lehrkräfte
2.3 Vermittlung von Lerntechniken
2.4 Kooperation mit Fachlehrer/Elternarbeit
2.5 Hausaufgabenbetreuung
2.6 Spezielle Angebote
2.7 Kursdauer

3. Rechtliche Rahmenbedingungen der Konzepte
3.1 Rechtliche Bedingungen bei Institutsgründungen von Nachhilfeinstituten
3.2 Steuerrechtliche Sondermaßnahmen für Nachhilfeinstitute in Deutschland

4. Kritische Gesamtbetrachtung

LITERATUR

ANHANG

Konzeptionen der Marktführer „Studienkreis“ und „Schülerhilfe“

1. Das Phänomen „Nachhilfe“

Circa 20 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 erhalten – unabhängig von der Schulart – Nachhilfeunterricht (Prof. Hurrelmann, Universität Bielefeld, 1995). Dies lässt schon die wachsende Bedeutung und Expansion von Nachhilfeinstituten vermuten

In dem Begriff „Nachhilfe“ findet sich der Stamm – Hilfe -. Schule hilft Schülern zu lernen, Wissen zu erlangen, Kompetenzen zu erwerben, sich zu bilden. Scheinbar reicht diese Hilfe nicht aus, denn es wird zunehmend verstärkt außerschulisch, lernbegleitend „nachgeholfen“.

Traditionell beinhaltet Nachhilfeunterricht die private Betreuung und Unterrichtung von Schülern unterrichtsbegleitend zum Schulunterricht. Zu den Hauptaufgaben des Nachhilfeunterrichtes zählen:

- Die Beaufsichtigung und Betreuung von Schülern bei der Anfertigung der Hausaufgaben
- Das gezielte Lernen für Klassenarbeiten und Wissensabfrage
- Das Wiederholen, Festigen und Nacharbeiten bearbeiteter schulischer Lerninhalte
- Das Schließen von Wissenslücken in ausgewählten Schulfächern.

Der Ursprung des Nachhilfeunterrichts ist eng verknüpft mit der Problematik der Hausaufgaben seit es öffentliche Schulen und intensionale Erziehung gibt. Die Begründung der Hausaufgaben besteht in der Entwicklung der Selbstständigkeit und der Persönlichkeitserziehung des einzelnen Schülers. Gegner bemängeln vor allem die Undifferenziertheit in der Aufgabenstellung und die physische und psychische Überlastung der SchülerInnen. Der Anspruch, Hausaufgaben stets so zu stellen, dass sie ohne fremde Hilfe zu bearbeiten sind, konnte jedoch nie aufrecht erhalten werden. Hilfe durch Eltern, Geschwister, schulinterne Maßnahmen, insbesondere aber durch NachhilfelehrerInnen ist ein durchgängiges Arbeitsmuster von immer mehr Schulkindern.

Bisherige Untersuchungen haben in einem Zeitraum von fast 40 Jahren immer wieder belegt, dass Nachhilfeunterricht keine Ausnahme der ergänzenden Form des Übens und Wiederholens ist. Sie stellten heraus, dass fast 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Laufe ihrer Schulzeit Erfahrungen als Nachhilfeschüler gemacht haben.

Nachhilfeinstitute haben in den letzten 10 Jahren eine rasante Expansion gezeigt und verfügen über eine spezifische Unternehmensorganisation meist in Form eines Franchise-Systems.

Beispielhaft soll auf die Entwicklung der Marktführer „Studienkreis“ und „Schülerhilfe“ eingegangen werden. Beide sind Vertreter überregionaler Nachhilfeketten mit Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich. Die Wachstumsquoten sind aus unternehmerischer Sicht beeindruckend.

Beide Anbieter liefern sich in der Expansion ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ab den 90 er Jahren lässt sich eine steilere Entwicklungskurve feststellen, die mit der Wiedervereinigung Deutschlands zu erklären ist. Im Jahr 1999 eröffnete der „Studienkreis“ in Braunschweig seine tausendste Filiale und die „Schülerhilfe“ lag kurz dahinter.

In Bezug auf die Unternehmensorganisation unterteilen „Studienkreis“ und „Schülerhilfe“ ihre Filialen in GmbH-zugehörige, selbstständige und Franchise-Betriebe. Die Anteile der Franchise-Institute überwiegen – circa ¾ des Gesamtvolumens.

Das Franchise-System funktioniert folgendermaßen: Im Rahmen eines Dauerschuldverhältnisses gewährt der Franchisegeber dem Franchisenehmer gegen Entgelt das Recht Nachhilfedienstleistungen zu vertreiben. Dabei hat der Franchisegeber weitgehende Weisungs- und Kontrollrechte; es liegt also eine straffe Unternehmensorganisation vor. Gegenwärtig erfolgt eine Ausweitung des Franchise-Systems auch auf andere europäische Länder.

2. Die Konzeptionen von Nachhilfeinstituten

Im Unterschied zu Privatanbietern besitzen Nachhilfeinstitute in der Regel eine Konzeption für die Nachhilfe. Als Beispiele werden die Marktführer „Studienkreis“ und „Schülerhilfe“ beschrieben. Die folgenden Elemente des Konzeptes werden jeweils behandelt:

- Gruppen- oder Einzelunterricht
- Qualifizierte Lehrkräfte
- Vermittlung von Lerntechniken
- Kooperation mit Fachlehrer/Elternarbeit
- Hausaufgabenbetreuung
- Spezielle Angebote
- Kursdauer.

2.1 Gruppen- oder Einzelunterricht

Eine Reihe von Nachhilfeinstitute lassen die Wahlmöglichkeit zwischen Gruppenunterricht und Einzelunterricht. Beides hat seine Vorteile.

Zunächst werden die häufigsten Pro-Argumente für Gruppenunterricht dargestellt. Fachhomogene (gleiches Fach) bzw. schülerhomogene (gleiche Jahrgangsstufe) Minigruppen von 3-5 Schülern erlauben eine optimale Förderung im Vergleich zur Regelschule.

Die Schüler erkennen, dass nicht nur sie Probleme haben, sondern dass noch andere Kinder mit den gleichen Schwierigkeiten kämpfen. Die Schüler unterstützen und motivieren sich in der Minigruppe gegenseitig. In der Gruppe mit anderen, die ähnliche Probleme haben wie man selbst, macht das Lernen einfach mehr Spaß. Durch die Bestätigung der Schüler untereinander wird das Selbstvertrauen der einzelnen Gruppenmitglieder gestärkt. Es werden durch den Unterricht in Kleingruppen Prüfungsängste und Nervosität vor Klassenarbeiten abgebaut.

Nachfolgende Pro-Argumente für Einzelunterricht werden von Nachhilfeinstituten häufig angeführt: Jedem Schüler kann so die nötige Aufmerksamkeit gegeben werden, um Fragen zu stellen und Probleme zu lösen. Für den Schüler kann eine individuelle Strategie entwickelt werden. Das Lernumfeld des Schülers kann optimal gestaltet werden. Mit Einzelunterricht kann sichergestellt werden, dass jeder Lernende die volle Aufmerksamkeit des Lehrers bekommt. Es hilft, falsche Scheu vor dem Unterrichtsfach abzulegen, angstfrei Fragen zu stellen und so die Basis für das eigene aktive Lernen zu legen. Für eine gezielte Förderung z.B. bei Abschlussprüfungen mit speziellen Problemen ist Einzelunterricht empfehlenswert.

Es wird bei den Nachhilfeinstituten vor allem in Kleingruppen von 3-5 Schülern gearbeitet, die individuellen Förderunterricht ermöglichen, da sonst die Gefahr besteht, in den oft so großen Klassen der öffentlichen Schulen unterzugehen.

Die „Schülerhilfe“ teilt ihre Minigruppen nach Altersklassen ein, also schülerhomogen, d.h. die Kinder sollten möglichst in der gleichen Jahrgangsstufe sein. Dies ist wahrscheinlich nur in größeren Filialen genauso möglich, die ein gewisses Einteilungspotenzial bieten.

Der „Studienkreis“ versucht fachhomogene Gruppen zu bilden. So werden in der Regel alle Kinder im gleichen Fach betreut, aber sie können völlig unterschiedlichen Alters sein.

Nach Aussagen des „Studienkreises“ können die Lehrkräfte beim Gruppenunterricht auf jeden Schüler und seine individuellen Bedürfnisse eingehen. Schwächen werden erkannt und gezielt im Lerntempo des Schülers bekämpft.

Kritisch anzumerken zu den Möglichkeiten des Gruppenunterrichts ist das folgende Rechenexempel:

90 Minuten : 5 Schüler = 18 Minuten/Schüler

Es stehen der Lehrperson 18 Minuten pro Schüler zur Verfügung, um

1. ins Gespräch zu kommen
2. die Situation des Lernzustandes festzustellen
3. das Lernbedürfnis zu erfragen
4. Wissenslücken zu erkennen
5. Hausaufgaben zu erfragen und Probleme der Bearbeitung festzustellen
6. Erklärungen und Aufklärung zu geben
7. zu motivieren
8. Bearbeitungskontrolle
9. evt. Übungsaufgaben zu stellen
10. evt. eine Lern- und Arbeitstechnik zu vermitteln.

Die Wahl zwischen Gruppen- und Einzelunterricht sollten Eltern nicht allein treffen; die Schülerin oder der Schüler sollten mit ihren/seinen Einschätzungen und Bedürfnissen mit entscheiden. Evt. kann auch ein Probeunterricht, den die meisten Nachhilfeinstitute gestatten, weiterhelfen.

2.2 Qualifizierte Lehrkräfte

Die Entwicklung auf dem Nachhilfemarkt boomt und pädagogisch voll ausgebildete Lehrkräfte sind bei Nachhilfeinstituten sehr gefragt.

Nach Aussagen von „Studienkreis“ und „Schülerhilfe“ beschäftigen sie engagierte und qualifizierte Lehrkräfte, die ihren Unterricht kompetent gestalten. Die Lehrkräfte müssen nicht nur fachlich qualifiziert sein, sondern auch pädagogisch zu den Ansprüchen des Instituts passen. Dies sei die Grundlage, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Nachhilfelehrer und Schüler aufbauen zu können und eine sinnvolle langfristige Förderung zu erzielen.

Zunächst sollen noch einige Rahmenbedingungen für die Lehrkräfte in Nachhilfeinstituten angesprochen werden. Sie übernehmen als freie und selbstständige Mitarbeiter den Förderunterricht sowie alle pädagogischen, methodischen und didaktischen Maßnahmen. Bei der Wahrnehmung und Gestaltung des Unterrichts unterliegen sie keinen Weisungen. Der Aufwand für das Erstellen von Unterrichtsmaterial oder Anschaffungen von Fachliteratur muss vom Lehrenden selbst getragen werden.

Der Pool, aus dem sich die Nachhilfelehrkräfte rekrutieren, besteht z.Zt. aus Studierenden (vornehmlich: Lehramt), Referendaren, Lehrern und Personen anderer Berufsrichtungen (Dipl.-Mathematiker, Ingenieure, Fachübersetzer usw.). Studierende der Fachrichtung Lehramt und Referendare in der „Warteschleife“ bilden den größten Anteil.

Einige Aussagen der Institute müssen an dieser Stelle etwas relativiert werden:

- Zum einen fehlt der Gruppierung Studierende die Berufserfahrung, teilweise sind es erst Studenten im 1., 2. oder 3. Semester mit geringen pädagogischen und fachlichen Kenntnissen.
- Zum anderen sind Vertreter anderer Berufsrichtungen fachlich qualifiziert, können aber zumeist keinerlei pädagogische Kenntnisse vorweisen.
- Nicht zuletzt ist die Fluktuation der Studierenden und Referendare relativ hoch. Sie brechen sofort ab, wenn sie eine Anstellung oder einen lukrativen Arbeitsplatz bekommen. Somit ist auch die Kontinuität und langfristige Förderung mit einem Fragezeichen versehen.

Bleibt die Gruppe der voll ausgebildeten Lehrer, die natürlich engagiert und qualifiziert den Nachhilfeunterricht erteilen und vielleicht auch aus dieser Konzeptanalyse die ein oder andere Anregung für ihre Arbeit entnehmen können.

2.3 Vermittlung von Lerntechniken

Ein sinnvoller Nachhilfeunterricht sollte auch das Lernen lernen einbeziehen. Langfristiges Ziel bei der Vermittlung von Lerntechniken ist es, zum selbstständigen Lernen zu führen. Die Lehrenden sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern darüber hinaus motivieren und zum eigenständigen Lernen befähigen.

Welches pädagogische Konzept steht dahinter? Jürgen Hüholdt, Gründer und Leiter des Studienkreises, hat ein Buch „Wunderland des Lernens. Lernbiologie-Lernmethodik-Lerntechnik.“ geschrieben und beschreibt darin die von ihm entwickelte Studienkreis-Methode als eine impulsorientierte und konsequent schülerorientierte Lerntheorie der Aha-Erlebnisse.

Es wird erörtert, dass viele große Wissenschaftler und Denker, wie z.B. Einstein, Schliemann, von Humboldt, Goethe, Liebig, Churchill oder Edison erst aufgrund von Schlüsselerlebnissen und ihrem persönlichen Aha-Erlebnis zu dem werden konnten, was sie geworden sind. Erst dadurch entwickelten sie Freude am Lernen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kritische Analyse der Konzeptionen von Nachhilfeinstituten
Note
entfällt
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V23216
ISBN (eBook)
9783638263825
ISBN (Buch)
9783638788618
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. Der Autor ist Dipl.-Handelslehrer.
Schlagworte
Kritische, Analyse, Konzeptionen, Nachhilfeinstituten
Arbeit zitieren
Dipl.-Handelslehrer Stefan Dassler (Autor), 2004, Kritische Analyse der Konzeptionen von Nachhilfeinstituten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23216

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