"Engel". Die vokale Umsetzung von Oliver Gies und Jan Bürger im Vergleich zum Originalsong der Band Rammstein


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,7

Moritz Leopold (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Strukturanalyse

3. Adaption oder Neukomposition?

4. Arrangieren für die Stimme

5. Fazit

A Quellenverzeichnis

B Anhang

1. Einleitung

Die international erfolgreiche deutsche Band Rammstein veröffentlichte im August 1997, drei Jahre nach ihrer Gründung 1994, bereits ihr zweites Studioalbum, das den Titel „Sehnsucht“ trug. Auf ihm enthalten war das Lied „Engel“, das als erstes Lied der Band auch im Radio gespielt wurde und der Band zu ihrem Durchbruch im deutschsprachigen Raum verhalf. Engel wurde als Single bereits über 4 Monate vor dem gesamten Album veröffentlicht.[1] Es war 25 Wochen in den deutschen Singlecharts, darunter 4 Wochen lang auf Platz 3.[2]

Oliver Gies und Jan Bürger, Mitglieder der aus Hannover stammenden Vokalband „Maybebop“, arrangierten für das 2007 erschiene Album „Superheld“ eine vokale Fassung des Rammsteintitels. Oliver Gies, der als Jurymitglied bei zahlreichen Chorwettbewerben mitwirkte und als Arrangeur für Vokaltitel, vor allem für Adaptionen von Pop- oder Rockmusik, bekannt ist, besitzt ein gutes Gespür dafür, instrumentale Musik für Stimmen auf die Bühne zu bringen. Beispiele dafür sind z.B. „Smells like teen spirit“, „Die perfekte Welle“ oder „Nothing else matters“.

Hört man sich das Lied Engel von Rammstein an, erscheint es zunächst, als ob eine vokale Umsetzung davon nicht möglich sei. Synthesizerklänge, Schlagzeug, E-Bass, verzerrte E-Gitarren und der Rammstein-typische Leadgesang von Till Lindemann lassen nicht zwangsläufig an Musik denken, die mit reinen Stimmen auf der Bühne imitiert werden kann. Geht man jedoch mit dem Anspruch heran, keine authentisch und genregleiche Vokalumsetzung anzustreben, sondern Melodie und Harmonie in einer auf Stimmen zugeschnitten Art und Weise neu zu arrangieren, kann man sich ein entsprechendes Ergebnis schon eher vorstellen. Genau diese stilfremde Umsetzung gelang Oliver Gies und Jan Bürger. Mit dem Original Engel im Stil der Neuen Deutschen Härte hat die Vokalfassung wenig zu tun, ist jedoch als eigenständiges Stück mit einem ganz eigenen Reiz ausgestattet.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es hinsichtlich der Struktur, des Aufbaus und der Umbesetzung von Instrumentation auf Gesang es in der Version von Rammstein und Oliver Gies gibt. Da es zahlreiche verschiedene Fassungen sowohl des Originals als auch der Chorfassung gibt (CD-Version Rammstein 1995, zahlreiche Live-Auftritte auf DVD oder private und auf der Internetplattform Youtube hochgeladenen Konzertmitschnitte; ebenso die CD-Version von Maybebop 2007 sowie eine Live-Version ebenfalls auf CD 2008, davon aber noch einmal in manchen Teilen unterschiedlich die 2008 erschienenen Noten für gemischten Chor, Männerchor und Frauenchor), bezieht sich diese Arbeit speziell auf den Vergleich von Rammsteins CD-Version[3] und den Noten für gemischten Chor[4].

Es soll zunächst eine allgemeine schematische Darstellung des Ablaufs beider Fassungen erfolgen, bevor im zweiten Teil die Feinheiten des Chorarrangements im Vergleich zur Instrumentalversion dargestellt werden. Da Biographie bzw. Entstehungshintergrund, gesellschaftliche Zustände und andere persönliche und äußere Einflüsse auf die Interpreten bzw. Arrangeure für die Analyse dieser Arbeit nicht relevant sind, wird auf eine Darstellung dessen verzichtet. Der Schwerpunkt dieser Analyse liegt auf dem Analysieren der Chorfassung, sodass Rammsteins Original nur zu Vergleichszwecken herangezogen wird und keiner eigenen grundlegenden Analyse unterzogen wird.

2. Strukturanalyse

Zu Beginn der Analyse soll vergleichend der Ablauf beider Versionen skizziert werden, die später genauer erläutert wird. Schon im Aufbau erkennt man einige Unterschiede, deren Interpretation später vorgenommen wird. Begonnen wird mit dem Original von Rammstein. Die gewöhnliche Bandbesetzung von Rammstein besteht aus E-Bass, E-Gitarre, Synthesizer, Schlagzeug und Sänger.

Der grobe Ablauf[5] sieht wie folgt aus: Intro-Strophe1-Rafrain-Strophe2-Refrain-Zwischenspiel-Refrain-Outro. Detaillierter kann es so beschrieben werden: Zunächst beginnt es mit einem 16-taktigen Intro, das aus 4x4 Takten besteht. Zunächst wird eine Melodie gepfiffen, anschließend mit E-Bass und Synthesizer unterlegt, danach folgen zwei identische Gruppen von jeweils 4 Takten, in denen ohne das Pfeifen die Harmonien von Bass, Gitarre, Schlagzeug und Synthesizer gespielt werden. Es folgt die erste Strophe, ohne Gitarre, dafür aber mit dem für Rammstein typischen Gesang des Sängers Till Lindemann. An diese 8-taktige Strophe schließt sich der erste Refrain an, der von einer Frauenstimme übernommen wird und zwei Mal 4 Takte dauert, wobei die letzten beiden Takte wieder von Lindemann übernommen werden. Daran schließt sich zwei Mal das 4-taktig gepfiffene Intro an, dass von der gesamten Band untermalt wird, es folgt ein nur durch den Bass gefüllter Takt als Grenze zwischen Refrain und der nächsten Strophe.

Dadurch hat der Refrain insgesamt 17 Takte. Es schließt sich nun die zweite Strophe an, ebenfalls 8 Takte, in der Besetzung der ersten Strophe gleich. Hier ist ein kleiner textlicher Unterschied vorhanden. So singt Lindemann: „Sie leben hinterm Sonnenschein“, wohingegen es bei Gies/Bürger heißt: „Sie wohnen hinterm Sonnenschein“, was jedoch keine Auswirkungen auf die Idee der Musik oder den Inhalt des Textes hat. Der zweite Refrain ist dem ersten ähnlich bis auf den Umstand, dass Lindemann in die jeweils letzten beiden gepfiffenen Takte „Gott weiß, ich will kein Engel sein“ hineinsingt. Es entfällt außerdem der zusätzlich im ersten Refrain vorhandene leere Takt. Dafür schließt sich hier ein vier Mal vorkommendes 2-taktiges Gitarrensolo an, das in der Chorfassung als Grundlage für eine Fugato diente. Nach einem 4-taktigen Synthesizer-Zwischenspiel, das auf den Harmonien des Intros beruht, folgen noch einmal 8 Takte Refrain, jedoch ohne Bass und Schlagzeug. Das Lied endet mit 5 4-taktigen Pfeifgruppen. Die ersten beiden Taktgruppen, die Melodie des Intros pfeifend, werden von der gesamten Band begleitet, wozu Lindemann erneut in den jeweils letzten beiden Takten „Gott weiß, ich will kein Engel sein!“ singt. Die beiden darauffolgenden Taktgruppen sind gleich besetzt, allerdings variiert die gepfiffene Melodie, bis zum Schluss das Lied mit nur dem gepfiffenen Intro und einem daruntergelegten Synthesizer endet. Insgesamt besteht das Lied aus 105 Takten.

Die Chorfassung mit insgesamt 68 Takten ist dagegen deutlich kürzer. Hier sieht der Ablauf wie folgt aus: Intro-Strophe1-Refrain- Fugato /Bridge-Strophe2-Refrain-Outro. Es fehlen also das Zwischenspiel nach dem zweiten Refrain sowie der dritte Refrain an sich, dafür wurde vor der zweiten Strophe ein Fugato eingebaut. Nach einem 4-taktigen Intro, das neu erfunden wurde und kein Tonmaterial des Originals verarbeitet, schließt sich sofort die 8 Takte dauernde erste Strophe an. Liegeakkorde mit einer sanften Tenormelodie machen den unterschiedlichen Charakter von Anfang an deutlich. Im sich anschließende ebenso langen Refrain übernimmt mit dem Sopran eine Frauenstimme die Melodie, wie im Original. Es fehlen hier jedoch die im Original vorkommenden Wiederholungen des gepfiffenen Intros. Durch ein Zusammenspiel eines Patterns von Tenor und Alt bekommt der Refrain eine abwechslungsreiche Würze und mündet in einem Fugato. Diese kommt im Original so nicht vor. Gies und Bürger verarbeiten hier das zweitaktige Thema aus dem Zwischenspiel, das in der Rammsteinfassung nach dem zweiten Refrain einsetzt. Dieses 15-taktige und damit ungerade Fugato wirkt zunächst unpassend und durch seine barocke Stilistik nicht geeignet, fügt sich aber sehr gut in das authentische Chorarrangement ein.

Die zweite Strophe mit ebenfalls 8 Takten Länge wird melodisch vom Alt getragen. Sopran, Tenor und Bass sorgen für eine ansteigende dynamische Entwicklung, indem sie alle drei verschiedene Pattern singen, die durch ihre Rhythmen die Ruhe aufbrechen, der Bass imitiert zusätzlich Schlagzeugfunktionen. Im Kontrast dazu steht der zweite Refrain, bei dem sich die Sopranmelodie 6 Tage lang über stehende Akkorde trägt, bevor, dem Original angeglichen, der Bass 2 Takte lang „Gott weiß, ich will kein Engel sein“ singt und damit dunkle Farbe in den Chorsatz bringt. Es folgt außerdem ein Leertakt, dem das sich aufbäumende Outro folgt. In 4x4 Takten singt der Sopran die Melodie, die in Rammsteins Engel gepfiffen wird. In den ersten 3 Gruppierungen wird sie durch die Bewegung der anderen Stimmen und das Forte unterstützt, bevor sie in der letzten Gruppe durch ruhende Akkorde ausklingt und den allerletzten Ton des Liedes sogar gänzlich alleine singt.

[...]


[1] 01.04.1997.

[2] http://www.musicline.de/de/chartverfolgung_summary/artist/RAMMSTEIN/21468/?type=single.

[3] 1995, siehe auch http://www.youtube.com/watch?v=p1mTp6n_T6M.

[4] 2008, S(S)AT(B)B, siehe Anhang 3.

[5] Für eine Übersicht siehe Anhang 1.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Engel". Die vokale Umsetzung von Oliver Gies und Jan Bürger im Vergleich zum Originalsong der Band Rammstein
Hochschule
Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar  (Institut für Schulmusik und Kirchenmusik)
Veranstaltung
Musikanalyse
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V232161
ISBN (eBook)
9783656487722
ISBN (Buch)
9783656493198
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
engel, eine, analyse, umsetzung, oliver, gies, bürger, vergleich, originalsong, band, rammstein
Arbeit zitieren
Moritz Leopold (Autor), 2013, "Engel". Die vokale Umsetzung von Oliver Gies und Jan Bürger im Vergleich zum Originalsong der Band Rammstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232161

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