Das vorliegenden Buch behandelt die Frage, wie Praxisanleiter im akutstationären Bereich ihren Arbeitsalltag erleben. Das Interesse liegt hierbei auf dem subjektiven Empfinden der Praxisanleiter, wobei auch mögliche Spannungsfelder und Belastungen eruiert werden. Nach der Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen des Praxisanleiter-Alltags folgte eine empirische Erhebung der Ist-Situation. In sechs problemzentrierten Interviews mit Praxisanleitern aus verschiedenen Bereichen der akutstationären Versorgung geht die Forscherin der Frage nach dem Alltagserleben der Personen nach.
Die Aussagen der befragten Praxisanleiter bestätigen einige in der Literatur beschriebene oder im Vorfeld von der Autorin angenommene Aspekte, offenbaren jedoch auch überraschende, im vorhinein nicht vermutete Gesichtspunkte.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Literaturrecherche
TEIL I – Theoretische Grundlagen
3.0 Aufbau Teil I
4.0 Normative Grundlagen der Pflegeausbildung
5.0 Das Krankenhaus - struktureller Rahmen pflegerischer Tätigkeit
5.1 Das Krankenhaus als moderner Dienstleistungsbetrieb
5.2 Personalentwicklung im Krankenhaus
6.0 Begriffsbestimmung und geschichtliche Entwicklung der Funktion Praxisanleiter
6.1 Die Herleitung des Begriffs Praxisanleitung
6.2 Wesen und Funktion der Praxisanleitung
6.3 Entwicklung der Praxisanleitung
7.0 Das Aufgabenspektrum des Praxisanleiters
7.1 Aufgaben im Zusammenhang mit der pflegerischen Erstausbildung
7.2 Zeitlicher und personeller Umfang der Praxisanleitung
7.3 Weitere Tätigkeitsbereiche des Praxisanleiters
8.0 Die Praxisanleiter - Weiterbildung
9.0 Die Arbeitswirklichkeit von Praxisanleitern
9.1 Praxisanleitung im Spannungsfeld zwischen arbeiten und lernen
9.2 Praxisanleitung im systemischen Verständnis
9.2.1 Anleitungsanlass sowie Erleben und Verarbeiten als Elemente einer Anleitungssituation
9.2.2 Interaktionsstrukturen als Elemente einer Anleitungssituation
9.2.2.1 Erwartungen des Schülers an den Praxisanleiter
9.2.2.2 Erwartungen des Patienten an den Praxisanleiter
9.2.2.3 Erwartungen der Kollegen an den Praxisanleiter
9.2.2.4 Erwartungen der Schule an den Praxisanleiter
9.2.2.5 Erwartungen der Vorgesetzten an den Praxisanleiter
9.2.3 Die Institution als Element einer Anleitungssituation
9.2.3.1 Problemfeld Freistellung
9.2.3.2 Problemfeld Stellenbeschreibung
9.2.3.3 Problemfeld Leistungsverdichtung
9.2.3.4 Problemfeld fehlende Vergütung
9.2.4 Der Anleitungsprozess als Element der Anleitungssituation
10.0 Zusammenfassung Teil I
Teil II – Empirische Erhebung
11.0 Forschungsdesign
12.0 Methodologische Grundannahmen
13.0 Methodenkonstruktion
13.1 Forschungsfrage
13.2 Das Interview
13.3 Das problemzentrierte Interview
14.0 Die Durchführung der Interviews
14.1 Instrumente der Datenerhebung
14.2 Der Pretest
14.3 Teilnehmerauswahl und Feldzugang
14.4 Die Transkripterstellung
14.5 Ethische Grundsätze
15.0 Datenauswertung
15.1 Das Verfahren der Datenauswertung
15.2.1 Die junge, dynamische Person
15.2.2 Die frustrierte Person mit Resthoffnung
16.0 Ergebnisdarstellung
16.1 Das Erleben der Zusammenarbeit mit den Schülern
16.2 Das Erleben der Zusammenarbeit mit den Patienten
16.3 Das Erleben der Zusammenarbeit mit den Kollegen
16.4 Das Erleben der Zusammenarbeit mit der Schule
16.5 Das Erleben der Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten
16.6 Der eigene Anspruch
16.7 Probleme im Praxisanleiter - Alltag
16.7.1 Planung
16.7.2 Freistellung
16.7.3 Zeit
16.7.4 Kompensation
16.7.5 Emotionale Belastung
16.7.6 Frust
16.8 Motivation
17.0 Zusammenfassung und Bewertung zentraler Ergebnisse
18.0 Kritische Reflexion des Forschungsprozesses
19.0 Rückblick und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das subjektive Alltagserleben von Praxisanleitern, die neben ihren pädagogischen Aufgaben in der praktischen Ausbildung auch in die Patientenversorgung in akutstationären Bereichen eingebunden sind. Ziel ist es, die Forschungsfragen zu beantworten, wie Praxisanleiter ihren Arbeitsalltag wahrnehmen und ob sie ein Spannungsfeld zwischen diesen Anforderungen erleben, welches als Belastung empfunden wird.
- Analyse der normativen und strukturellen Rahmenbedingungen der Praxisanleitung im Krankenhaus.
- Untersuchung der Interaktionsstrukturen mit Schülern, Patienten, Kollegen, Vorgesetzten und Schulen.
- Erforschung der subjektiven Belastungsmomente und Konfliktfelder im Alltag.
- Betrachtung von Bewältigungsstrategien und Motivationselementen.
- Evaluation der Auswirkung der Arbeitsintensität auf die Qualität der praktischen Ausbildung.
Auszug aus dem Buch
9.1 Praxisanleitung im Spannungsfeld zwischen arbeiten und lernen
Eine grundsätzliche Schwierigkeit der Praxisanleiter besteht darin, Ausbildungsinhalte unter realen Bedingungen an unterschiedlichen Lernorten der Praxis zu vermitteln und Schüler dabei unter realen Praxisbedingungen anzuleiten. Praxisausbildung ist also immer Arbeitsprozess und Unterricht zugleich. MAMEROW sieht in dieser „Gleichzeitigkeit der umfassenden Betreuung von Pflegebedürftigen und des Erwerbs von Kompetenzen für diese Betreuung“ eine Grenze der Praxisausbildung. Diese Gleichzeitigkeit birgt potentielle Probleme und Herausforderungen in sich:
Praxissituationen in der Pflege lassen sich nur sehr bedingt simulieren. Die praktische Ausbildung muss im Arbeitsprozess erfolgen und lässt sich nicht, wie in anderen Ausbildungsberufen, davon abkoppeln. Entgegen der Einübung bestimmter Fertigungsschritte in einem handwerklichen Beruf lässt sich in der Pflegeausbildung die Begleitung eines sterbenden Menschen beispielsweise nicht in Teilschritten einüben. Der Praxisanleiter ist also gefordert, Ausbildungssituationen für Schüler bei gleichzeitig wechselnden, individuellen Pflegesituationen von pflegebedürftigen Personen auf hohem Niveau zu realisieren. Diese Gleichzeitigkeit kann ein Spannungsfeld sein. Der Praxisanleiter läuft Gefahr, möglicherweise einer von beiden Anforderungen - Anleitung oder Patientenversorgung - nicht vollumfänglich gerecht zu werden.
Pflege ist Beziehungsarbeit. Diese Beziehungsarbeit ist charakterisierbar als sehr individuell verschieden und nicht gleichbleibend. Nur ein gewisser Teil der Tätigkeiten einer Pflegekraft sind Routinehandlungen. Bei vielen Handlungen muss sie, der Bedürfnislage des Pflegeempfängers entsprechend, sogar von allgemeinen Standards und Verfahrensvorgaben abweichen. Dies stellt gerade für die praktische Ausbildung eine nicht unwesentliche Schwierigkeit dar, muss die Divergenz zwischen theoretisch Richtigem und im konkreten Fall Angemessenem doch mit dem Schüler hinreichend thematisiert, analysiert und reflektiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Arbeit thematisiert das Erleben des Arbeitsalltags von Praxisanleitern im akutstationären Bereich, insbesondere unter Berücksichtigung des „Doppelauftrags“ aus Anleitertätigkeit und Patientenversorgung.
5.0 Das Krankenhaus - struktureller Rahmen pflegerischer Tätigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Institution Krankenhaus als komplexes Dienstleistungsfeld, das durch Leistungsverdichtung und ökonomischen Wettbewerb geprägt ist.
6.0 Begriffsbestimmung und geschichtliche Entwicklung der Funktion Praxisanleiter: Es wird die Definition von Praxisanleitung als kontinuierlicher Lern- und Beziehungsprozess hergeleitet und die historische Professionalisierung dieser Rolle dargestellt.
7.0 Das Aufgabenspektrum des Praxisanleiters: Hier werden die gesetzlichen und praktischen Anforderungen an Praxisanleiter, wie die Erstausbildung und Einarbeitung neuer Kollegen, detailliert beschrieben.
9.0 Die Arbeitswirklichkeit von Praxisanleitern: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen von Patienten, Schülern und Kollegen sowie die strukturellen Probleme wie mangelnde Freistellung.
16.0 Ergebnisdarstellung: Basierend auf sechs Interviews werden die Erfahrungen der Praxisanleiter hinsichtlich der Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren sowie ihre Probleme und Motivationen dargelegt.
17.0 Zusammenfassung und Bewertung zentraler Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass trotz hoher Arbeitsbelastung und fehlender Freistellung eine hohe intrinsische Motivation bei den Praxisanleitern besteht, die oft in Korrelation zum Interesse der Schüler steht.
Schlüsselwörter
Praxisanleitung, Pflegeausbildung, Arbeitswirklichkeit, Krankenhaus, Spannungsfeld, Patientenversorgung, Leistungsverdichtung, Berufsrollen, Burn-out, Weiterbildung, Schüler, Praxisanleiter-Tätigkeit, Arbeitsbelastung, Qualifikation, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit untersucht das subjektive Empfinden von Praxisanleitern, die ihren Lehrauftrag parallel zur Patientenversorgung auf akutstationären Stationen wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Ausbildung, die Arbeitswirklichkeit im Spannungsfeld zwischen Anleitung und Pflege sowie die emotionalen Belastungen der Praxisanleiter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie erleben Praxisanleiter ihren Arbeitsalltag und existiert für sie ein Spannungsfeld, das als Belastung empfunden wird?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, basierend auf sechs problemzentrierten Interviews mit Praxisanleitern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie die Institution Krankenhaus und rechtliche Aspekte, sowie eine empirische Erhebung, die mittels Inhaltsanalyse ausgewertet wurde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Praxisanleitung, Arbeitsbelastung, Leistungsverdichtung, Rollenkonflikte und die Balance zwischen Lehren und Pflegen.
Warum spielt die Freistellung für Praxisanleiter eine so große Rolle?
Die fehlende oder unzureichende Freistellung zwingt Praxisanleiter oft dazu, Anleitungen neben dem vollen Stationsdienst durchzuführen, was zu Zeitdruck und einer qualitativen Verschlechterung der Anleitung führt.
Welche Auswirkung hat die Arbeitsverdichtung auf die Praxisanleitung?
Die zunehmende Arbeitsintensität reduziert die Zeitressourcen für die Anleitung massiv, was bei vielen Praxisanleitern zu Frustration und dem Wunsch nach einer besseren strukturellen Unterstützung führt.
Welche Rolle spielt die Motivation der Praxisanleiter?
Die Motivation ist oft eng an den Lernerfolg und die Einstellung der Schüler geknüpft; viele Praxisanleiter empfinden ihre Tätigkeit trotz der Belastungen als bereichernd.
- Quote paper
- Christina Körner (Author), 2010, Zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232201