Benjamins Begriff des Sammlers wird in vielen seiner Werke (u.a. in den Passagen) aufgenommen, wobei Benjamin sein ganz eigenes Verständnis der Sammlerinstanz und auch der gesammelten Gegenstände beschreibt. Vor allem bei einer Bibliothek handelt es sich um eine besondere Form einer Sammlung. Dieses Werk bietet eine Analyse der Sammlerinstanz in Walter Mehrings "Die verlorene Bibliothek" im Hinblick auf die Definition eines Sammlers und dessen Ambitionen nach Walter Benjamin, wobei auch auf einzelne autobiographische und für den Begriff des Sammelns relevante Aspekte der beiden Autoren eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Kulturtechnik des Sammelns im 19. und 20. Jahrhundert
III. Sammeln, Sammlung und Sammler
III.1. Der Sammler bei Benjamin und Mehring
III.2 Der Akt des Sammelns
III.3 Die Wichtigkeit der Sammlung und der Bibliothek
III.4 Der Aspekt des Exils
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivik des Sammelns, der Sammlung und der Figur des Sammlers im Werk der Exilautoren Walter Benjamin und Walter Mehring. Dabei wird insbesondere herausgearbeitet, wie sich das Verständnis von Sammeltätigkeiten in der Moderne unter dem Einfluss von Exil, Identitätsfindung und Erinnerungskultur bei beiden Autoren manifestiert und welche Divergenzen sowie Parallelen dabei existieren.
- Kulturtechnik des Sammelns im 19. und 20. Jahrhundert
- Die Figur des Sammlers bei Walter Benjamin und Walter Mehring
- Der Akt des Sammelns als Prozess des Erinnerns und der Daseinserneuerung
- Die Bedeutung der Bibliothek als Sammlung und Heimat im Exil
- Vergleich der Sammlertypen und ihrer spezifischen Motivlagen
Auszug aus dem Buch
III.1. Der Sammler bei Benjamin und Mehring
Betrachtet man das Motiv des Sammlers in der Literatur genau, so lässt sich einiges über den Typus des Sammlers sagen. Wir haben bereits einen kurzen Einblick in die Figur des Sammlers im Zusammenhang der Kulturtechnik des Sammelns im 19. und 20. Jahrhundert erhalten und widmen uns nun zunächst der Sammler-Motivik bei Walter Benjamin. Im Anschluss daran sind diesbezüglich Parallelen und Differenzen zur Darstellung der Figur des Sammlers in Walter Mehrings „Die verlorene Bibliothek“ dargestellt.
In Benjamins Aufsatz „Ich packe meine Bibliothek aus. Eine Rede über das Sammeln“ erfahren wir zahlreiche Dinge über die Figur des Sammlers an sich. Benjamin, der sich selbst ebenfalls als Sammler bezeichnete und v. a. Kinderbücher sammelte, beschreibt diesen als einen Menschen, der sich ganz und gar dem Kollektivieren spezieller Dinge gewidmet hat. Allgemein betrachtet ist es nach Benjamin „die tiefste Bezauberung des Sammlers, das Einzelne in einen Bannkreis einzuschließen, in dem es, während der letzte Schauer […] des Erworbenwerdens […] darüber hinläuft, erstarrt“; „Sammler sind [demnach] Physiognomiker der Dingwelt“ denn es geht ihnen hauptsächlich um den Erwerb von Exemplaren, die dem Sammeln würdig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die literarische und kulturtechnische Thematik des Sammelns ein und erläutert die methodische Herangehensweise eines Vergleichs zwischen Benjamin und Mehring.
II. Die Kulturtechnik des Sammelns im 19. und 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel verortet das Sammeln als kulturhistorische Praxis, die im Kontext des modernen Museums und eines neuen Ordnungsdenkens steht.
III. Sammeln, Sammlung und Sammler: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der zentralen Motivik, unterteilt in die Figur des Sammlers, den Akt des Sammelns, die Bedeutung der Bibliothek und den Einfluss des Exils.
III.1. Der Sammler bei Benjamin und Mehring: Das Kapitel kontrastiert Benjamins Verständnis des Sammlers als Physiognomiker der Dingwelt mit Mehrings erfahrungsgeleitetem Zugang.
III.2 Der Akt des Sammelns: Untersucht das Sammeln als praktisches Erinnern und als Versuch, durch das Lösen von Dingen aus ihrem Gebrauchswert eine neue Bedeutung zu stiften.
III.3 Die Wichtigkeit der Sammlung und der Bibliothek: Beleuchtet die Funktion der Sammlung als biographisches Fundament und Identitätsraum für den Sammler.
III.4 Der Aspekt des Exils: Analysiert, wie die Lebensumstände des Exils die Beziehung der Autoren zu ihren Bibliotheken und deren Verlust prägten.
IV. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die verdeutlicht, dass beide Autoren trotz unterschiedlicher Antriebe eine tiefe Leidenschaft für ihre Sammlungen teilten, die im Exil eine existenzielle Dimension annahm.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Walter Mehring, Sammeln, Sammler, Bibliothek, Exil, Kulturtechnik, Erinnerung, Moderne, Identität, Dingwelt, Warencharakter, Aneignung, Autobiographie, Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konzepte des Sammelns und der Sammlerfigur bei den Exilautoren Walter Benjamin und Walter Mehring unter kulturhistorischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Kulturtechnik des Sammelns, der Begriff der Sammlung, die Figur des Sammlers sowie die existenzielle Bedeutung dieser Konzepte im Kontext des Exils.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch einen systematischen Vergleich der Werke beider Autoren aufzuzeigen, wie sich ihr Sammlerbegriff definiert und worin sich ihre spezifischen Herangehensweisen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und kulturwissenschaftliche Vergleichsanalyse auf Grundlage der Primärwerke der Autoren sowie ergänzender Sekundärliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Sammlertyps, des Sammelakts, der Bedeutung von Bibliotheken und der Auswirkungen der Exil-Erfahrung auf die Identität und die Sammlungen der Autoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Sammler, Exil, Bibliothek, Erinnerungskultur und Moderne geprägt.
Wie unterscheidet sich Mehrings Sammler-Verständnis von dem Benjamins?
Während Benjamin den Sammler als jemanden begreift, der Dinge aus ihrem funktionalen Warenkontext löst, liest und personifiziert Mehring seine geerbte Bibliothek als lebendigen Erinnerungsort.
Welche Bedeutung hat das Exil für die besprochenen Bibliotheken?
Das Exil bedeutet für beide Autoren einen schmerzhaften Verlust, wobei die "verlorene Bibliothek" bei beiden Autoren zum Symbol für den Verlust von Heimat und Identität wird.
- Citar trabajo
- Stefanie Weber (Autor), 2013, Sammler, Sammeln und Sammlung. Walter Mehrings "Die verlorene Bibliothek" im Kontext von Walter Benjamins "Ich packe meine Bibliothek aus", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232227