Evaluationsforschung in der Politikfeldanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Entwicklung der Evaluationsforschung
I. Entwicklung in den USA
II. Entwicklung in Europa
III. Entwicklung in Deutschland

C. Anwendung von Evaluationen in der Politikfeldanalyse
I. Der Policy-Cycle
II. Anwendungsarten der Evaluationsforschung
III. Aufgabenfelder von Evaluationen
IV. Theorien und Methoden der Evaluationsforschung

D. Probleme in der Evaluationsforschung

E. Fazit

F. Literaturverzeichnisverzeichnis

A. Einleitung

Schon als Kleinkind fangt der Mensch an, Erfahrungen zu sammeln. Stellt ein Kind fest, dass es die heiße Herdplatte lieber nicht ein zweites Mal berührt, da dies zu Schmerzen führt, so evaluiert es. Evaluation ist eine Methode, um Erfahrungswissen zu sammeln. Man sammelt Informationen, bewertet diese und fallt daraufhin Entscheidungen.[1]

Besonders im politischen Prozess sind Evaluationen unerlässlich. Innerhalb des Mo­dells des Policy-Cycles erfüllen Evaluationen die Aufgabe, Ergebnisse von politischen Programmen und Maßnahmen zu erfassen und zu bewerten. Außerdem wird überprüft, ob die gewollten Ziele und Wirkungen tatsächlich erreicht werden.[2] Gleichzeitig hat sich die Evaluationsforschung als Teilbereich der Politikfeldanalyse etabliert, in der der Fokus auf den sozialen und wirtschaftlichen Folgen von politischen Programmen liegt. Hierbei wird auch nach den intendierten und nicht-intendierten Wirkungen von Politi­ken geforscht.[3] Evaluationen können oft einen sehr perspektivistischen Charakter an­nehmen. Dieser hängt stark davon ab, welche Ziele und Wirkungen beobachtet werden, und wer evaluiert bzw. wer eine Evaluation in Auftrag gegeben hat. Je nachdem welche Interessengruppen Einfluss haben, kann sie darauf ausgerichtet sein, eine bestimmte Po­litik zu unterstützen oder zu behindern. Damit können Evaluationen in einem gewissen Rahmen als politische Tätigkeit angesehen werden, die weitreichenden Einfluss auf Ge­staltung, Kontrolle und Verabschiedung politischer Programme haben kann.[4]

Diese hohe Komplexität von Evaluationen, welche weit über ihre, auf den ersten Blick, kleine Rolle als simple Phase innerhalb des Policy-Cycles hinausgeht, soll im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit aufgezeigt werden. Hierfür ist es hilfreich, zunächst die Entwicklung der Evaluationsforschung in den USA, Europa und Deutschland zu be­trachten. Danach wird aufgezeigt, welche konkrete Anwendung sie in der Politikfeld - analyse findet und welche Kriterien bei der Bewertung von Evaluationen zu beachten sind. Ferner wird die Frage geklärt, ob und wodurch hierbei Probleme entstehen und wie diese möglichst vermieden werden können.

B. Entwicklung der Evaluationsforschung

I. Entwicklung in den USA

Evaluationen, die sich auf empirische Daten beziehen, kommen erst in der jüngeren Ge­schichte vor. Denn sie stehen in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung neuer sozialwissenschaftlicher Methoden.[5] Eine erste Welle der Evaluationsforschung kann in den USA bereits in den 1930er Jahren festgestellt werden. Sie begann im Zuge des „New Deal“ und beinhaltete Reformprogramme der Sozialpolitik, dies sollte zu höherer sozialer Sicherheit und verminderten Arbeitslosenzahlen führen.[6]

Eine wesentlich bedeutendere Rolle spielte die Evaluationsforschung aber erst ab den 1960er Jahren, unter den demokratischen Präsidenten John F. Kennedy (1961 - 1963) und Lyndon B. Johnson (1963 - 1969). Hier entzündete sich erstmalig eine wis­senschaftliche Debatte über Evaluations- und Wirkungsforschung.[7] Im Zuge verschie­denster Reformprogramme sollten Evaluationen die Wirkungen dieser Programme über­prüfen und wurden in manchen Fällen sogar gesetzlich vorgeschrieben.[8] Ein wesentli­cher Impuls für die Evaluationsforschung ging von dem, unter Präsident Johnson, einge­richteten System des PPBS (Planning, Programming and Budgeting System) aus, wel­ches im weiteren Verlauf sogar auf den gesamten Regierungsapparat und alle Ministeri­en ausgebreitet wurde.[9]

In den 1970er und 1980er Jahren kam jedoch Kritik an diesen Programmen auf, welches unter anderem zur Erlassung des „Sunset“ Gesetzes führte. Dieses Gesetz sah eine automatische Beendigung von Programmen vor, bei denen keine hinreichende Wir - kung festgestellt werden konnte. Dies hatte zur Folge, dass sich der Schwerpunkt der Evaluationsforschung zunehmend auf den Vergleich von Kosten und Nutzen verlager­te.[10]

Heute sind Evaluationen in den USA zu einem festen Bestandteil politischer Programme und Maßnahmen geworden, deren Aufgabe darin besteht, die Wirksamkeit und Imple­mentation selbiger zu überprüfen.[11]

II. Entwicklung in Europa

In Europa gewann Evaluationsforschung erst ab Ende der 1960er Jahre an Bedeutung. Von ihr wurde anfangs besonders in Schweden, Großbritannien und Deutschland Ge­brauch gemacht. Hier orientierte man sich an neo-keynesianischer Politik und wollte vor allem den Wohlfahrtsstaat ausbauen. Jedoch sorgte die Ölkrise von 1973 für eine welt­weite Rezession und damit für einen Rückbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaates.[12]

Ab Mitte der 1970er Jahre gewannen, wie zuvor in den USA, Kosten-Nutzen-Ver - gleiche an Bedeutung, welche das Ziel hatten, die Wirtschaftlichkeit von Programmen zu erhöhen und die Kosten zu senken.[13]

In den späten 1980er und 1990er Jahren erfuhren Evaluationen, unter dem Konzept des „New Public Management“, erneuten Aufschwung. Dieses wurde zuerst in Großbri­tannien, Holland und den skandinavischen Ländern angewandt und sollte im Kern die rational-ökonomische Orientierung des Privatsektors auf den öffentlichen Sektor über­tragen. In Folge dessen, sollten Evaluierungen insbesondere die Effizienz staatlicher Programme überprüfen.[14]

In den letzten Jahren ist eine deutliche Zunahme von Politikevaluationen zu ver­zeichnen, dies kann sowohl in den meisten europäischen Ländern, wie auch in vielen EU-Institutionen beobachtet werden.[15]

III. Entwicklung in Deutschland

Auch in Deutschland gab es gegen Ende der 1960er Jahre zunehmende Forderungen nach neuen Reformen in der Politik. Unter Kanzler Willy Brandt (1969 - 1974) wurden im Zuge der Erweiterung der Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit des Staates neue Planungsverfahren eingeführt, in denen Evaluationen als wichtiges Instrument verwen­det wurden. Im Zuge der Haushaltsreform von 1970 wurden in der Bundeshaushaltsord- nung (BHO) sogar ausdrücklich Erfolgskontrollen vorgeschrieben. Daraus entstand in den kommenden Jahren eine stetig steigende Evaluationsnachfrage, wobei auch viele Aufträge für Evaluationen extern vergeben wurden.[16]

Dieser Blütezeit der Evaluationsforschung wurde jedoch, wie in den anderen Ländern auch, durch die Ölkrise von 1973, ein abruptes Ende gesetzt. Dies wurde noch unter - stützt, durch die Ernüchterung darüber, dass Evaluationen oft zu widersprüchlichen oder kaum umsetzbaren Ergebnissen führten.[17]

In den späten 1970er und den 1980er Jahren war die Evaluationsforschung zwar noch ein anerkanntes Analyseverfahren, jedoch beschränkte es sich zunehmend auf die Kosten-Input-Reduzierung.[18]

In den 1990er Jahren wurde die Evaluationsforschung insbesondere von zwei Um­ständen gefördert. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterzog man das hinter - lassene Hochschul- und Forschungssystem der DDR einer umfassenden Evaluation, die zur Entscheidung über deren weiteren Werdegang beitragen sollte. Zudem unterzog die Europäische Union ihre Strukturfondförderung einer Evaluation, sowohl auf der EU-E­bene, als auch auf nationalstaatlicher Ebene.[19]

Heute wird der Evaluationsmarkt zunehmend von Consulting- und Marktfor­schungsunternehmen dominiert. Das diese eher gewinnorientiert arbeiten und weniger an wissenschaftlichem Austausch interessiert sind, ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Evaluationsforschung noch immer nicht ganz als wissenschaftliche Disziplin wahr­genommen wird. Trotzdem gibt es Bestrebungen der Evaluationsforschung einen wis­senschaftlichen Rahmen zu geben.

[...]


[1] Stockmann, Reinhard (2006): Evaluation in Deutschland, in: ders. (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. 3. Aufl., Münster: Waxmann, S. 15 — 46. hier: S. 15.

[2] Blum, Sonja / Schubert, Klaus (2011): Politikfeldanalyse. 2Aufl.,Wiesbaden: VS, S. 129f.

[3] Jann, Werner / Wegrich, Kai (2009): Phasenmodelle und Politikprozesse: Der Policy Cycle, in: Schubert, Klaus / Bandelow, Nils C. (Hg.): Lehrbuch derPolitikfeldanalyse 2.0. 2. Aufl., München: Oldenbourg, S. 75 — 113. hier: S. 97.

[4] Stockmann, Reinhard (2006): Evaluation in Deutschland, in: ders. (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. 3. Aufl., Münster: Waxmann, S. 15 — 46. hier: S. 21.

[5] Zur näheren Erläuterung der Methodologie Vgl. Beywl, Wolfgang: Zur Neufassung der Evaluationsmethodologie. - Grundlegung, Konzeption und Anwendung eines Modells der responsiven Evaluation -, Universität zuKöln, Dissertation, 30.11.1987. S. 15f.

[6] Stockmann, Reinhard (2006): Evaluation in Deutschland, in: ders. (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. 3. Aufl., Münster: Waxmann, S.15 - 46. hier: S. 25.

[7] Jann, Werner / Wegrich, Kai (2009): Phasenmodelle und Politikprozesse: Der Policy Cycle, in: Schubert, Klaus / Bandelow, Nils C. (Hg.): Lehrbuch derPolitikfeldanalyse 2.0. 2. Aufl., München: Oldenbourg, S. 75 - 113. hier: S. 98.

[8] Stockmann, Reinhard (2006): Evaluation in Deutschland, in: ders. (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. 3. Aufl., Münster: Waxmann, S.15 - 46. hier: S. 26.

[9] Wittmann, Werner W. (1985): Evaluationsforschung. Aufgaben, Probleme und Anwendungen, Berlin et al.: Springer, S. 5.

[10] Rossi, Peter H., et al. (1988): Programm-Evaluation. Einführung in die Methoden angewandter Sozialforschung, Stuttgart: Enke. S. 6.

[11] Stockmann, Reinhard (2006): Evaluation in Deutschland, in: ders. (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. 3. Aufl., Münster: Waxmann, S.15 - 46. hier: S. 27.

[12] Ebd. S. 27f.

[13] Ebd. S. 28.

[14] Ebd. S. 28f.

[15] Ebd. S. 29.

[16] Ebd. S. 29f.

[17] Ebd. S. 30f.

[18] Wollmann, Hellmut (2009): Kontrolle in Politik und Verwaltung: Evaluation, Controlling und Wissensnutzung, in: Schubert, Klaus / Bandelow, Nils C. (Hg.): Lehrbuch derPolitikfeldanalyse 2.0. 2. Aufl., München: Oldenbourg, S. 379 - 400. hier: S. 384.

[19] Ebd. S. 384f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Evaluationsforschung in der Politikfeldanalyse
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Einführung in die Politikwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V232280
ISBN (eBook)
9783656488293
ISBN (Buch)
9783656492139
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evaluation, Policy, Politikfeldanalyse, Cycle, Policycycle, Politik, Politikwissenschaft, Evaluationsforschung, Hausarbeit, Policy-Cycle
Arbeit zitieren
Daniel Kolev (Autor), 2013, Evaluationsforschung in der Politikfeldanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232280

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