In dieser Arbeit wird das Thema Mädchen und Gewalt behandelt. Dazu
sollen statistische Daten und ebenso Dunkelfeldstudien einen kurzen Überblick über
den aktuellen Stand der Jugendgewalt in Deutschland geben. Dabei wird speziell auf
die Anzahl an weiblichen Tätern und auf die am häufigsten von diesen begangenen
Taten eingegangen.
Die Häufigkeit und Arten der weiblichen Gewalt sowie die weiter behandelten
Bedingungsfaktoren und Erklärungsansätze von weiblichem Gewaltverhalten sind von
großer Bedeutung, wenn es um die praktische Arbeit mit delinquenten Mädchen geht.
Die Prävention von weiblicher Gewalt und die Intervention bei bereits auffälligen
Mädchen und jungen Frauen sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.
Ziel ist es, die oftmals vernachlässigte weibliche Gewalt in den Fokus zu nehmen und
aufzuzeigen, warum eine geschlechterdifferenzierte Gewaltprävention und -intervention
so notwendig sind und welche Angebote zu dieser Thematik derzeit in Deutschland
vorhanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Häufigkeiten und Arten der weiblichen Gewalt
3. Bedingungsfaktoren und theoretische Erklärungsansätze
3.1 Bedingungsfaktoren
3.2 Theoretische Erklärungsansätze
3.2.1 Statusaufwertung
3.2.2 Herstellung eines neuen Weiblichkeitsbildes
3.2.3 Anomietheorie
3.2.4 Desintegrationstheorie
4. Die Notwendigkeit einer geschlechterdifferenzierten Gewaltprävention und -intervention
4.1 Mädchenspezifische Prävention
4.2 Mädchenspezifische Intervention
4.2.1 Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)
4.2.2 Das Anti-Gewalt-Training
4.2.3 Grenzen des AAT und des Anti-Gewalt-Trainings
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das in Forschung, Praxis und Medien oft vernachlässigte Phänomen der Gewalt durch Mädchen und junge Frauen. Ziel ist es, die Notwendigkeit geschlechterdifferenzierter Ansätze in der Prävention und Intervention aufzuzeigen und den aktuellen Stand entsprechender Angebote in Deutschland kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Häufigkeit und spezifischen Erscheinungsformen weiblicher Gewalt.
- Untersuchung von Bedingungsfaktoren und theoretischen Erklärungsansätzen für Mädchengewalt.
- Darstellung der Bedeutung geschlechterdifferenzierter Gewaltprävention.
- Vorstellung praktischer Interventionsansätze wie dem Anti-Aggressivitäts-Training (AAT).
- Kritische Reflexion der Grenzen aktueller Trainingskonzepte und Handlungsbedarf.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)
Das Anti-Aggressivitäts-Training ist eine „delikt- und defizitspezifische, sozialpädagogisch-psychologische Behandlungsmaßnahme für Gewalttäter, basierend auf dem Prinzip der Achtung und Wertschätzung der Persönlichkeit des Jugendlichen bei gleichzeitiger Verurteilung seiner Gewaltbereitschaft“ (AWO Köln 2006, S.27). Es ist für aggressive Jugendliche gedacht, die lernen sollen, Konfliktsituationen durch Argumente und nicht durch Gewalt entgegenzutreten. Sie wird als eher provokante Therapie der konfrontative Pädagogik angesehen, da sie die Teilnehmer in die Lage solcher Situationen versetzt und so deren Grenzen ausreizt (vgl. Schubarth 2003, S.310).
Nur wenige Städte in Deutschland bieten bisher AAT für Mädchen an. Eine dieser ist Köln. Die Jugendgerichtshilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat das Anti-Aggressivitäts-Training seit 2004 im Programm. Es wurde für 14-21 jährige Mädchen konzipiert, die bereits wegen Körperverletzung verurteilt wurden. Dabei wird betont, dass die Arbeitsweisen mit männlichen Tätern eine andere ist als die mit weiblichen, was eine Geschlechter getrennte Arbeitsweise begründet.
Der Umfang des Trainings beläuft sich auf etwa 100 Stunden, in denen verschiedene Methoden angewandt werden: Kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren, die Konfrontation auf dem heißen Stuhl, themenzentrierte Interaktion, Rollenspiele sowie Raum für Diskussionen (vgl. AWO 2006, S.29).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft ignorierte Thematik der Mädchengewalt und führt in die Relevanz einer geschlechterdifferenzierten Perspektive in der pädagogischen Arbeit ein.
2. Häufigkeiten und Arten der weiblichen Gewalt: Dieses Kapitel gibt einen statistischen Überblick über das Vorkommen weiblicher Gewalt und grenzt dieses durch polizeiliche Kriminalstatistiken und Dunkelfeldforschung von männlichem Gewaltverhalten ab.
3. Bedingungsfaktoren und theoretische Erklärungsansätze: Hier werden Ursachen für Mädchengewalt analysiert, wobei Faktoren wie soziale Benachteiligung und psychologische Aspekte betrachtet werden.
3.1 Bedingungsfaktoren: Es werden individuelle und familiäre Hintergründe erläutert, die zur Gewaltentwicklung beitragen können, wobei betont wird, dass kein monokausaler Zusammenhang besteht.
3.2 Theoretische Erklärungsansätze: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über soziologische und psychologische Theorien, die speziell auf die Erklärung von weiblicher Delinquenz zugeschnitten sind.
3.2.1 Statusaufwertung: Die Theorie der Statusaufwertung beschreibt den Versuch von Mädchen, durch Gewalt Anerkennung und Selbstwirksamkeit in einer als unterlegen empfundenen Position zu gewinnen.
3.2.2 Herstellung eines neuen Weiblichkeitsbildes: Hier wird diskutiert, wie Gewalt als Mittel genutzt wird, um traditionelle Weiblichkeitsbilder aufzubrechen und eine alternative Identität zu konstruieren.
3.2.3 Anomietheorie: Dieser Abschnitt analysiert, wie eine Diskrepanz zwischen angestrebten Zielen und verfügbaren Mitteln zur Wahl devianter Verhaltensweisen bei Mädchen führen kann.
3.2.4 Desintegrationstheorie: Die Theorie beschreibt, wie gesellschaftliche Ausgrenzung und mangelnde Bindungen das Gewaltpotenzial bei Mädchen erhöhen können.
4. Die Notwendigkeit einer geschlechterdifferenzierten Gewaltprävention und -intervention: Das Kapitel begründet, warum allgemeine Ansätze für Mädchen unzureichend sind und eine spezifische Anpassung pädagogischer Konzepte erfordern.
4.1 Mädchenspezifische Prävention: Es werden Ansätze vorgestellt, die Mädchen alternative Räume zur Beweisung von Mut und Stärke bieten und ihre soziale Kompetenz stärken sollen.
4.2 Mädchenspezifische Intervention: Dieser Teil befasst sich mit konkreten Interventionsmaßnahmen, die für gewaltbereite Mädchen konzipiert wurden.
4.2.1 Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT): Die Methode des AAT wird als konfrontativer Ansatz vorgestellt, der speziell auf die Bedürfnisse und Hintergründe von Mädchen angepasst wurde.
4.2.2 Das Anti-Gewalt-Training: Das Kapitel erläutert alternative Trainingskonzepte, die freizeit- und erlebnisorientierte Elemente mit konfrontativer Pädagogik verbinden.
4.2.3 Grenzen des AAT und des Anti-Gewalt-Trainings: Hier werden kritische Grenzen der Methoden aufgezeigt, insbesondere bei Vorliegen spezifischer psychischer oder sozialer Problemlagen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine verstärkte Verzahnung von Forschung und Praxis sowie einen Ausbau evaluierter Interventionsangebote.
Schlüsselwörter
Mädchengewalt, Gewaltprävention, Anti-Aggressivitäts-Training, Geschlechterdifferenzierung, Delinquenz, Statusaufwertung, Sozialarbeit, Mädchenarbeit, Interventionsmaßnahmen, Weiblichkeitsbilder, Anomietheorie, Desintegrationstheorie, Täterinnen, Jugendgewalt, Opferwerdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Gewalt durch Mädchen und junge Frauen, die in Wissenschaft und Medien häufig hinter der männlich dominierten Jugendgewalt zurücktritt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Häufigkeit und Erscheinungsformen weiblicher Gewalt, die theoretische Begründung von Mädchengewalt sowie die Entwicklung geschlechtergerechter Interventions- und Präventionsstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, warum eine geschlechterdifferenzierte Herangehensweise bei der Prävention und Intervention von Mädchengewalt notwendig ist und welche bestehenden Angebote in Deutschland existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Analyse statistischer Daten (PKS) sowie der Auswertung bestehender theoretischer Entstehungsmodelle und pädagogischer Trainingskonzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bedingungsfaktoren und Erklärungsansätze (z.B. Statusaufwertung, Anomie), gefolgt von einer detaillierten Vorstellung spezifischer Trainingsmethoden wie dem AAT und dem Anti-Gewalt-Training für Mädchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mädchengewalt, geschlechterdifferenzierte Prävention, Anti-Aggressivitäts-Training, Delinquenz und weibliche Identität charakterisiert.
Warum reicht ein allgemeines Anti-Aggressivitäts-Training für Mädchen nicht aus?
Laut der Arbeit sind die Ursachen und Hintergründe bei Mädchen oft eng mit persönlichen Opfererfahrungen und speziellen Rollenkonflikten verbunden, was ein spezifisches, geschlechterreflexives Vorgehen erfordert, das über allgemeine Trainings hinausgeht.
Was ist die zentrale Erkenntnis zu den Ursachen der Gewalt bei Mädchen?
Gewalt fungiert bei vielen Mädchen oft als Handlungsressource, um Anerkennung zu erlangen, sich aus zugeschriebenen Opferrollen zu befreien oder individuelle Lebenskrisen und Unsicherheiten bei der Identitätsfindung zu kompensieren.
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- Jennifer Stein (Author), 2013, Gewaltbereite Mädchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232310