In seinem Bellum Gallicum hatte Caesar stets die Erfolge des Pompeius im Auge. In dieser Seminararbeit habe ich mich damit auseinandergesetzt, inwiefern Caesar ganz konkret versuchte, in seinen literarischen Ausführungen im Bellum Gallicum das exemplum Pompeius nachzueifern und ihn sogar zu übertreffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff dignitas
2.1 Spannweite des Begriffs und inhaltliche Eingrenzung
2.2 Dignitas in Caesars Sprachgebrauch
3. Die Messlatte Pompeius und seine Leistungen
4. Verschiedene Facetten von Caesars aemulatio mit Pompeius
4.1 Selbstdarstellung als idealer Feldherr
4.1.1 Caesars Referenzpunkt: Ciceros Rede de imperio Cn. Pompei
4.1.2 Die Feldherrentugend scientia rei militaris
4.1.3 Die Feldherrentugend virtus
4.1.4 Die Feldherrentugend auctoritas
4.1.5 Die Feldherrentugend felicitas
4.1.6 Weitere Charakteristika eines guten Feldherrn
4.2 Die Schilderung der Gegner
4.3 Caesar und seine Soldaten
4.4 Die Anerkennung von Caesars Leistungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Caesars Werk "Bellum Gallicum" als bewusste "aemulatio" (Wetteifer) mit Pompeius zu verstehen ist, wobei der Begriff der "dignitas" als zentraler Maßstab dient. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Caesar sich durch die ständige Bezugnahme auf Pompeius als ebenbürtiger oder überlegener Feldherr inszeniert.
- Analyse des Begriffs der römischen dignitas und dessen Bedeutung für Caesar.
- Untersuchung der Leistungen des Pompeius als historische Vergleichsgröße.
- Detaillierte Analyse der Inszenierung Caesars als idealer Feldherr anhand der vier Feldherrentugenden (scientia, virtus, auctoritas, felicitas).
- Bewertung der Darstellung von Gegnern und Soldaten sowie der offiziellen Anerkennung (supplicationes) in Rom.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Die Feldherrentugend scientia rei militaris
Als erste Feldherrentugend nennt Cicero die scientia rei militaris. Caesar demonstriert sein Wissen um das Militärwesen, wenn er uns die Errichtung eines römischen Lagers beschreibt:
Loci natura erat haec, quem locum nostri castris deligerant. Collis ab summo aequaliter declivis ad flumen Sabim, quod supra nominavimus, vergebat. Ab eo flumine pari acclivitate collis nascebatur, adversus huic et contrarius, passus circiter ducentos infimus apertus, ab superiore parte silvestris, ut non facile introrsus perspici posset.
Zunächst ist es sehr signifikant, dass Caesar nicht sich selbst als den Handelnden nennt, der den Lagerplatz auswählt, sondern seine Soldaten in das Zentrum stellt. Dass diese Wahl auf ihn selbst als Feldherrn zurückzuführen ist, ist schon fast eine Binsenwahrheit. Dies ist meines Erachtens als ein typisches Bescheidenheits-Topos auszulegen, doch bleibt keineswegs in suspenso, wie peritus sich der Feldherr Caesar hier gibt. Dann beschreibt er akribisch genau, wie dieser Lagerplatz aussieht, und nennt logistisch sinnvolle Gründe: ut non facile introrsus perspici posset. Der Lagerplatz wird sogar noch durch ungefähre Größenangaben skizziert, indem die Bewaldungsgrenze in passus angegeben wird, wie PLÖGER treffend bemerkt. Ferner zeigt Caesar, dass er in der Schlacht stets die richtigen Entscheidungen trifft und das Geschehen unter Kontrolle hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der aemulatio Caesars mit Pompeius ein und legt die These dar, dass das "Bellum Gallicum" stetig auf Pompeius ausgerichtet ist.
2. Der Begriff dignitas: Dieses Kapitel definiert dignitas als zentralen gesellschaftlichen Maßstab für Stellung und Geltung im öffentlichen Leben und beleuchtet dessen Bedeutung für Caesar.
3. Die Messlatte Pompeius und seine Leistungen: Ein Überblick über die militärische Karriere und die exorbitanten Erfolge des Pompeius, die Caesar als Vergleichspunkt dienen.
4. Verschiedene Facetten von Caesars aemulatio mit Pompeius: Das Hauptkapitel untersucht anhand von vier Aspekten (Feldherrentugenden, Gegnerdarstellung, Soldatenverhältnis und römische Anerkennung), wie Caesar seinen Wetteifer mit Pompeius literarisch umsetzt.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Caesar sich erfolgreich als idealen Feldherrn inszeniert, um seine dignitas gegenüber Pompeius zu behaupten.
Schlüsselwörter
Caesar, Pompeius, Bellum Gallicum, dignitas, aemulatio, Feldherr, scientia rei militaris, virtus, auctoritas, felicitas, Propaganda, römische Republik, supplicationes, Kriegsführung, Selbstdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Selbstdarstellung Caesars in seinem Werk "Bellum Gallicum" im Kontext seines Wetteifers (aemulatio) mit seinem größten Rivalen, Pompeius.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der römische Begriff der dignitas, das antike Ideal des Feldherrn und die strategische Nutzung von Erfolgsberichten zur Legitimierung politischer Ansprüche.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, an welchen Stellen im "Bellum Gallicum" sich Caesars Streben nach einer mit Pompeius gleichwertigen oder überlegenen dignitas konkret festmachen und nachweisen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine konsequente Quellenarbeit und eine philologische Analyse von Schlüsselbegriffen innerhalb der Primärtexte (Caesar, Cicero), um die Absicht der Selbstdarstellung herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Caesars Selbstinszenierung durch die vier Feldherrentugenden (scientia, virtus, auctoritas, felicitas), die Darstellung seiner Gegner, das Verhältnis zu seinen Soldaten und die Bedeutung der Dankfeste (supplicationes).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Caesar, Pompeius, dignitas, aemulatio, Feldherrentugenden und Bellum Gallicum.
Warum spielt die Darstellung der Gegner für Caesars Ziel eine wichtige Rolle?
Indem Caesar seine Gegner als besonders tapfer und zahlreich darstellt, wertet er seinen eigenen Sieg auf und unterstreicht damit indirekt seine eigene herausragende Fähigkeit als Feldherr.
Inwiefern ist das Verhältnis zu den Soldaten für Caesar politisch bedeutsam?
Die Soldaten dienen als Aushängeschild Caesars; ihre Loyalität und Tapferkeit werden als Spiegelbild seiner eigenen Führungsqualität und seiner dignitas gewertet.
Welche Funktion erfüllen die erwähnten "supplicationes"?
Die von Caesar detailliert berichteten Dankfeste in Rom dienen ihm als offizieller Beleg für seine Erfolge, die er sogar über die des Pompeius zu heben versucht.
- Arbeit zitieren
- Domenic Schäfer (Autor:in), 2013, Caesars aemulatio mit Pompeius bezüglich dignitas im Bellum Gallicum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232385