Grundkategorien Pierre Bourdieus soziokultureller Klassentheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pierre Bourdieu - Zur Person
2.1. Leben
2.2. Werk

3. Grundkategorien der Bourdieuschen Theorie
3.1. Sozialer Raum
3.2. Klasse
3.3. Feld
3.4. Habitus
3.5. Kapitalformen

4. Anhang

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie hat das Verhältnis zwischen Lebensstilen, Klassenzugehörigkeit, kultureller Kompetenz, kultureller Praxis und Bildungspartizipation zum Thema und ist deshalb als soziokulturelle Klassentheorie zu verstehen. Um verständlich zu machen wie Bourdieu sein Konzept einer Klassengesellschaft darlegt, werde ich im Rahmen dieser Arbeit die grundlegenden Argumentationen Bourdieus zur sozialen Struktur zeitgenössischer Gesellschaften vorstellen.

Zum Einstieg werde ich unter Punkt 2.1. und 2.2. zunächst die wichtigsten Stationen im Leben von Pierre Bourdieu aufzeigen sowie seine bedeutungsvollsten Werke kurz erörtern. Unter Punkt 3 widme ich mich dann dem eigentliche Thema der Arbeit, die Grundkategorien der soziokulturellen Klassentheorie. Dazu ist zu sagen, dass Bourdieu keine separate Klassentheorie entwickelt hat sondern die Theorie der Klassen sich in seiner soziokulturellen Gesellschaftsstudie wiederfindet. Um verständlich zu machen was Bourdieu unter Klasse versteht, werden in Punkt 3 die Begriffe Sozialer Raum, Feld, Habitus und Kapitalformen näher erläutert, da sie mit dem Begriff Klasse, welcher unter Punkt 3.2. für sich erklärt wird, im engen Zusammenhang stehen. Neben der Vorstellung dieser fünf Grundkategorien der Bourdieuschen Theorie soll vor allem auch ihre Beziehung zueinander deutlich werden. Deshalb beziehe ich mich in den jeweiligen Unterpunkten auch häufiger auf die anderen Kategorien bzw. es findet einen fließender Übergang zwischen den einzelnen Punkten statt.

2. Pierre Bourdieu - Zur Person

2.1. Leben

Pierre Bourdieu wurde am 1. August 1930 in Denguin/Basses Pyrénées geboren. Nachdem er dort die meiste Zeit seiner Jugend verbrachte, war er zunächst Student an der Sorbonne und an der École Normale Supérieure, wo u.a. auch Emile Durkheim und Raymond Aron studiert haben. Nach seinem Studium war Bourdieu kurzzeitig als Lehrer tätig bevor er in den darauf folgenden Jahren eine Forschungsprofessur in Algier (1958-1960) und eine Professur an der Sorbonne (1960-1961) erhielt. Anschließend gelangte er zu Beginn der 60er Jahre an die Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, wo er zum Assistenten am Centre de Sociologie ernannt wurde, bevor 1964 die Beförderung zum Direktor erfolgte. 1982 wird Bourdieu schließlich auf den Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France berufen, eine der angesehensten französischen Bildungseinrichtung überhaupt. Am 23. Januar 2002 verstarb Pierre Bourdieu letztlich an einem Krebsleiden im Alter von 71 Jahren (vgl. Bohn/Hahn 1999, S. 252 und vgl. Wagner 2002, S. 4).

2.2. Werk

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat im Laufe seiner Forschungstätigkeit ein Werk vorgelegt das insgesamt ca. 30 Bücher sowie mehrere hundert Aufsätze und Interviews umfasst. Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten entstanden Ende der fünfziger Jahre und befassten sich mit der Soziologie der algerischen Gesellschaft. Daraufhin folgten ethnologische Studien die sich u.a. mit den Verwandtschaftsverhältnissen und symbolischen Machtverhältnissen bei den Kabylen, einem Berberstamm im Norden Algeriens befassten. Diese ethnologischen Untersuchungen dehnte Bourdieu später auf die französische Gesellschaft aus, indem er die Verwandtschafts- und Heiratsstrukturen in seiner Heimatregion untersuchte. Die Ergebnisse seiner ethnologischen Forschungen hielt er u.a. in folgenden zwei Werken fest: Esquisse d'une théorie de la pratique (1972, dt.: Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft) und Le sens pratique (1980, dt.: Sozialer Sinn) (vgl. Schwingel 1998, S. 7).

Zu Beginn der sechziger Jahre begann Bourdieu mit der Untersuchung des französischen Bildungssystems im Bezug auf dessen Rolle bei der Reproduktion gesellschaftlicher Klassenverhältnisse. Außerdem kam es gemeinsam mit J.-C. Chamboredon und J.-C. Passeron zur Veröffentlichung des Buches Le Métier de sociologue (1968, dt.: Soziologie als Beruf), welches sich mit Methodenfragen befasst. In den siebziger Jahren beschäftigt sich Bourdieu vor allem mit klassentheoretischen und kultursoziologischen Fragestellungen, die er teilweise in seinem Hauptwerk zur Sozialstruktur Frankreichs, La distinction. Critique sociale du jugement (1979, dt.: Die feinen Unterschiede), einbringt. Als Bourdieu 1982 schließlich zum Collège de France berufen wurde, forcierte er zugleich sein Postulat der Selbstreflexivität der Soziologie. Dieses Postulat fand am meisten Einfluss in den im Homo academicus (1984) veröffentlichten empirischen Forschungen zur Universitäten Welt (vgl. Schwingel 1998, S. 8 undvgl. Wagner2002, S. 5).

Das ebenfalls in den achtziger Jahren erschienene Werk Noblesse d'Etat (1989) hat das Feld der Macht sowie die Reproduktion der herrschenden Klassen als Thema. Eine Materie die in ähnlicher Form schon in den Feinen Unterschiede genauer analysiert wurde. In den neunziger Jahren wurde von Bourdieu neben einem Buch zum künstlerischen und literarischen Feld (Les règles de l'art, 1992), eine Forschung zum sozialen Elend im derzeitigen Frankreich publiziert (La misère du monde, 1993) (vgl. Schwingel 1998, S. 9).

Neben den bisher genannten größeren Werken ist eine Vielzahl von nicht weniger wichtigen und interessanten Veröffentlichungen von Bourdieu erschienen. Zudem hat er neben seinem wissenschaftlichen Einsatz an einigen politischen Aktionen teilgenommen, die im Zusammenhang mit seiner soziologisch entwickelten Betrachtungsweise des Intellektuellen in der Gesellschaft stehen. Aufgrund dieser Vielfalt seiner wissenschaftlichen und intellektuellen Beschäftigungsfelder wird Pierre Bourdieu auch in anderen Fachwissenschaften neben der Soziologie (u.a. Philosophie und Erziehungswissenschaften) zur Kenntnis genommen (vgl. Schwingel 1998, S. 10).

3. Grundkategorien der Bourdieuschen Theorie

3.1. Sozialer Raum

Zur Veranschaulichung der Sozialstruktur verwendet Bourdieu das Konstrukt des sozialen Raumes, in dessen Rahmen zum einen die gesellschaftlichen Positionen der einzelnen Individuen und zum anderen ihre Lebensstile verortet werden. Hierbei ist zu beachten, dass der soziale Raum nicht geschlossen sondern offen ist und er sich als dreidimensionales Modell von anderen Ausführungen abgrenzt, welche die Gesellschaft Beispielsweise mit Hilfe der Form einer Pyramide oder Zwiebel dargestellt haben (vgl. Schilcher 2001, S. 10).

Nach Bourdieu sind das ökonomische sowie das kulturelle Kapital für die Gestaltung des sozialen Raumes von maßgeblicher Bedeutung: „Der soziale Raum ist so konstruiert, daß die Verteilung der Akteure oder Gruppen in ihm der Position entspricht, die sich aus ihrer statistischen Verteilung nach zwei Unterscheidungsprinzipien ergibt, die in den am weitesten entwickelten Gesellschaften wie den Vereinigten Staaten, Japan oder Frankreich die zweifelsohne wirksamsten sind, nämlich das ökonomische Kapital und das kulturelle Kapital“ (Bourdieu 1998, S. 18).

Unter Punkt 3.5. werde ich im weiteren Verlauf der Arbeit diese verschiedenen Kapitalformen nach Bourdieu noch näher erläutern.

Wie im Anhang unter Abbildung 1 zu sehen ist, wird der soziale Raum in der Querachse durch das Gesamtvolumen an ökonomischen und kulturellen Kapital bestimmt. In der Hochachse wird eine Abgrenzung nach der Zusammensetzung des Kapitals vorgenommen, wodurch ein ökonomischer wie auch ein intellektueller Pol des sozialen Raums entsteht. Des Weiteren wird in einer dritten Achse der Faktor Zeit einbezogen. Dieser wurde in dieser etwas vereinfachten Darstellung des sozialen Raums jedoch vernachlässigt (vgl. Schilcher 2001, S. 10).

Wichtig ist es bei der Betrachtung des sozialen Raums zu beachten, dass „eine Position ... durch ihr Verhältnis zu allen anderen, d.h. Durch Relationen von Nähe bzw. Entfernung bestimmt“ (Schilcher 2001, S. 11) wird. So weisen Personen mehr Beziehungen zu einander vor, wenn sie sich räumlich nah sind. Sie haben Beispielsweise vergleichbare Interessen bzw.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Grundkategorien Pierre Bourdieus soziokultureller Klassentheorie
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V232500
ISBN (eBook)
9783656489054
ISBN (Buch)
9783656492320
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundkategorien, pierre, bourdieus, klassentheorie
Arbeit zitieren
Michel Stade (Autor), 2009, Grundkategorien Pierre Bourdieus soziokultureller Klassentheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232500

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