Die Kritik Franz von Kutscheras an Gottlob Freges "Über Sinn und Bedeutung"


Essay, 2013
7 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sinn und Bedeutung bei Frege

3. Von Kutscheras Kritik an Freges Über Sinn und Bedeutung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Begründer der modernen Logik gilt heute unbestritten Gottlob Frege (1848-1925), ein Wismarer Mathematiker und Philosoph, der durch seine bedeutenden Beiträge half, der modernen analytischen Sprachphilosophie maßgeblich den Weg zu ebnen. Zahlreich sind die Innovationen, durch die Frege das Antlitz der Logik für immer veränderte, etwa die Einführung des All- und Existenzquantors, die Entfernung jeglichen Psychologismus aus logischen Überlegungen, die endgültige Aufgabe der Subjekt-Prädikat-Struktur sowie eine komplette Reformierung der aristotelischen Syllologistik, um nur einige seiner brillanten Einfälle zu nennen. Trotz seiner überragenden Neuerungen geriet Frege kurz nach seinem Tod in Vergessenheit. Erst in der jüngeren Zeit beginnt man sich im akademischen Bereich für diesen Denker wieder vermehrt zu interessieren, dessen Leistungen zwar bis heute nicht in Frage gestellt werden, dessen großes logizistisches Lebenswerk allerdings – die Begründung der gesamten Arithmetik aus der Logik heraus – tragisch scheiterte (ein Umstand, der Frege schmerzlich bewusst gewesen sein dürfte).

Die folgende Arbeit nimmt es sich zum Ziel, Freges Konzeption von SinnF und BedeutungF, dargelegt in seinem 1892 erschienenen Aufsatz Über Sinn und Bedeutung[1], nachzuspüren. In einem ersten Teil werden die Begriffe erläutert, um den Leser mit Freges Gedanken vertraut zu machen. Anhand der Kritikpunkte Franz von Kutscheras [2] sollen in einem zweiten Teil mögliche Einwände gegen Freges Gedankengänge besprochen und auf ihre Stichhaltigkeit hin geprüft werden. Zwar kann von Kutscheras Kritik im Rahmen dieser Arbeit nicht erschöpfend dargestellt werden – von den aufgeführten fünf Einwänden werden letztlich nur zwei besprochen –, doch, so denke ich, gewährt auch die von mir getroffene Auswahl möglicher frege’scher Schwachstellen einen guten Einblick in die Konzeption seines ansonsten überragenden Schaffens. In einem abschließenden Fazit soll dann von Kutscheras Kritik noch einmal aufgegriffen und beurteilt werden. Den Schlusspunkt bilden einige weitere mögliche Kritikpunkte, die mir bei der Lektüre von Freges Werk eingefallen sind.

2. Sinn und Bedeutung bei Frege

Gleich zu Beginn stellt sich Frege die Frage, wie es sein könne, dass Sätze wie a = a und a = b „Sätze von verschiedenem Erkenntniswert“[3] darstellen, denn es liege ja auf der Hand, dass der erste bloß tautologisch („nach Kant analytisch“[4]), der zweite jedoch „wertvolle Erweiterungen unserer Erkenntnis enthalten“[5]. Die beiden Sätze könnten, so Frege, sich nur deshalb unterscheiden, weil „der Unterschied des Zeichens (von a, K.S.) einem Unterschied in der Art des Gegebenseins des Bezeichneten entspricht“[6]. Das Zeichen setze sich also aus zwei Komponenten zusammen: aus dem, was es bezeichnet und was er „die Bedeutung des Zeichens“[7] nennt und aus dem „Sinn des Zeichens“[8], der definiert wird als „die Art des Gegebenseins“[9]. Der SinnF eines Eigennamens – und um solche geht es Frege am Anfang seiner Argumentation – ist also die epistemische Art und Weise, in der sich die BedeutungF des Eigennamens dem erkennenden Subjekt offenbart[10].

[...]


[1] Frege, Gottlob: Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, NF 100 (1892), S. 25-50. Nachdruck in: Frege, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien. Hg. u. eingel. v. Günther Patzig. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2009, 1962. S. 23-46.

[2] Kutschera, Franz von: Gottlob Frege. Eine Einführung in sein Werk. Berlin; New York: de Gruyter, 1989.

[3] Frege, a.a.O., S. 23.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Frege, a.a.O., S. 25.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Newen/Schrenk: „Die Eigennamen ‚der Morgenstern’ und ‚der Abendstern’ bezeichnen denselben Gegenstand, aber sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie den Gegenstand bezeichnen. Der Eigenname ‚der Morgenstern’ bezeichnet die Venus als den Planeten, der am Morgen als letzter unter- geht, während der Eigenname ‚der Abendstern’ die Venus als den Planeten bezeichnet, der am Abend als erster aufgeht. Demgemäß erläutert Frege den Sinn eines Eigennamens allgemein als die Art des Gegebenseins eines Gegenstandes“. [Newen, Albert; Schrenk, Markus A.: Einführung in die Sprach- philosophie. Darmstadt: WBG, 2008. S. 23. Kursivierung wie im Original].

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Kritik Franz von Kutscheras an Gottlob Freges "Über Sinn und Bedeutung"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Sprache, Geist und Wirklichkeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
7
Katalognummer
V232533
ISBN (eBook)
9783656485391
ISBN (Buch)
9783656485902
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
kritik, franz, kutscheras, gottlob, freges, über, sinn, bedeutung
Arbeit zitieren
Kim Schlotmann (Autor), 2013, Die Kritik Franz von Kutscheras an Gottlob Freges "Über Sinn und Bedeutung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232533

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