Mediale Selbstdarstellung als Ausdrucksmittel zur Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen bezüglich der Familienplanung in Polen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Zur Rolle und Familienplanung polnischer Frauen
2.1 Sozio-politischer Druck
3 Selbstporträitierung in sozialen Netzwerken als Mittel zum Zweck

4 Methodik
4.1 Herangehensweise
4.2 Wahl der Informanten
4.2.1 Ausbildung und Erwerbstätigkeit
4.2.2 Städtischer vs. ländlicher Wohnsitz
4.2.3 Konfession und Religiösität

5 Auswertung und Analyse der Online-Befragung
5.1 Karolina
5.2 Rebeka
5.3 Monika
5.4 Ania
5.5 Julia
5.6 Sylwia

6 Resümee

7 Schwierigkeiten in der Praxis

8 Schlusswort

9 Literaturverzeichnis:

10 Appendix

1 Einführung

Die Ehe und Elternschaft gehören in Polen zur langen und festen Tradition. Diese Tugenden sind in der polnischen Gesellschaft zeitlos und werden von Generation zur nächsten Generation weitergegeben. Die eigene Familie samt ihrer Wertevorstellungen ist dabei für die eigene Familienplanung aüßerst prägend (Zareba 2010: 17). Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der Frage, inwiefern sich die familiären Wertvorstellungen innerhalb der polnischen Gessellschaft in der photographischen Selbstportraitierung polnischer Frauen in sozialen Netzwerken wiederspiegeln. Im Vordergrund stehen dabei die Medienpraktiken bzw. die (fotografische) Medienproduktion der Probandinnen. Der Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Feststellung, dass in Polen ein sozialer Druck herrscht, ab einem gewissen Alter familiäre Kriterien zu erfüllen d.h. z. B. verheiratet zu sein (bzw. in einer festen Partnerschaft zu leben) und ggfs. Kinder zu haben. Zwar gibt es kein festgelegtes Alter für die Familiengründung, häufig geschieht dies jedoch, bevor man das 30. Lebensjahr erreicht hat. Dieses Projekt möchte mit Hilfe sechs weiblicher Informanten, welche an einer Online-Befragung teilgenommen haben, untersuchen, inwiefern und mit welchen Mechanismen sie versuchen, in dem polnischen Internetportal Nasza Klasa durch ihre Profilbilder, nach außen familiäre Werte zu vermitteln, indem sie ihre Fotografien im familiären Kontext entstehen lassen und sie der Öffentlichkeit präsentieren.

Somit wird Im ersten Teil der Arbeit auf die Rolle und Stellung junger Frauen in der polnischen Bevölkerung in Bezug auf die Familienplanung eingegangen. Als nächstes wird besprochen unter welchem sozialen Druck viele Polinen stehen und inwiefern sich das auf die Gestaltung ihres familiären Lebens auswirkt. Im Anschluss wird das Medium Fotografie als Mittel zur Selbstdarstellung in dem polnischen Online-Portal Nasza Klasa besprochen, sowie die generellen Mechanismen der Internet-User, sich auf eine bestimmte Weise dort präsentieren zu wollen. Nach dem theoretischen Teil, wird schließlich die Methodik erläutert d.h. die Herangehensweise der Untersuchung sowie die Auswahlkriterien der Befragten. Abschliessend werden die einzelnen Teilnehmerinen der Studie vorgestellt sowie deren Angaben anaylsiert hinsichtlich der persönlichen familiären Umstände und der medialen Selbstinszenierung bei dem besprochenen sozialem Netzwerk. Im letztem Teil wird auf die Problematik im Feld eingegangen und abschliessend ein Fazit gezogen.

2 Zur Rolle und Familienplanung polnischer Frauen

Wie zuvor erwähnt ist die Familie in Polen eine grundsätzlich anstrebenswerte Lebensform. Der Kinderwunsch in der Ehe findet in Polen generell eine weite Zustimmung. 90% der polnischen Bevölkerung möchte heiraten und eine Familie gründen (Temme 2009: 3). [1] Die Ehe wird dort vergleichsweise mit anderen westeuropäischen Ländern relativ früh geschlossen. Während im Jahr 1970 das Durchschnittsalter bei der Eheschliessung bei Frauen 21 Jahren (Männer 24 Jahre) betrug, liegt es bei den Frauen heutzutage bei 23 Jahren (bei Männern 25). Die meisten Frauen bekommen ihr erstes Kind noch vor dem 25. Lebensjahr (Janas 2004: 148).[2] So liegt die Zahl der jungen Menschen in Polen, die bereits in dem Alter ihr ertstes Kind haben, mit 11% verglichen mit Westdeutschland (3%) und Ostdeutschland (6%) fast vier- bzw. zweimal so hoch. 46% gaben zudem an, den Zeitpunkt der Realisierung des Kinderwunsches auf ein bestimmtes Alter festlegen zu können [3] (Bernadette 2008: 107).

Um die Rolle und die eigentliche Lebensplanung junger Frauen in Polen definieren zu können, setzt dies jedoch eine Bestimmung des Familienbegriffs voraus. Dafür zitert Temme die Definition einer „bürgerlichen Familie“ : „Zusammenleben von Vater, Mutter, Kind/ern und die strikte Trennung der Arbeitsbereiche: (…) der Ehemann und Vater hatte für die ökonomische Sicherheit zu sorgen, die Ehefrau und Mutter war für den Haushalt und vor allem für die Pflege und Erziehung der Kinder Verantwortlich“ (Nave-Herz 2002: 14, zitiert nach Temme 2009: 7). Dieses Bild entspricht der familienzentrierten Lebensplanung an der sich junge polnische Frauen (sowie Männer) bis in die 60er fast auschliesslich orienitierten (Janas 2004 :118). Bei diesem Familienmodell stehen Mutterschaft, Erziehung der Kinder, Verantwortung für den Haushalt sowie Harmonie in der Ehe an vorderster stelle. Dabei werden die eigenen Interessen und Wünsche der Familie wegen, häufig untergeordnet (Miethe/ Roth 2003: 204). Das beschriebene Bild der perfekten Ehefrau und Mutter entspricht dem gesellschaftlichen Leitbild der Matka Polka (Mutter Polin), welches die Kultur Polens seit Jahrhunderten prägt und die traditionelle, geschlechtertypische Rollenverteilung festigt (Temme 2009: 30).

Heute befindet sich die polnische Bevölkerung in einem langsamen Übergangsprozess. Die Lebensplanung junger Polinen hat sich in letzter Zeit in Bezug auf Familie, Partnerschaft, sowie Erwerbstätigkeit teilweise modernisiert (Bernadette 2008: 110). Viele Frauen in Polen sind heutzutage gut gebildet und erwerbstätig. Zudem hat die Beteiligung der Väter bei der Kindererziehung und den häuslichen Aufgaben zugenommen (Temme 2009: 26). Diese Vereinbahrung von Familie, Kind und Arbeit, welches der doppelten Lebensplanung entspricht, widersetzt sich jedoch den traditionellen Werten, was vielen Verfechtern und den Befürwortern der „guten alten Tradition“ ein Dorn im Auge ist (Müller 2005). Vorerst können die Traditionalisten in Polen noch beruhigt aufatmen, denn wie eine Studie von 2000 belegt, die die Einstellung der Bevölkerung zur gesellschaftlichen Frauenrolle in 20 Ländern untersuchte, findet das „altmodische“ Modell in den osteuropäischen Ländern noch einen sehr großen Zuspruch. Die Aussage einen „Beruf zu haben ist ja ganz schön, aber was Frauen wirklich wollen ist Heim und Kinder“ haben in Polen beispielsweise 65% Menschen befürwortet (Temme 2009:3).[4] Zudem wünschten sich laut einer Studie, ebenfalls im gleichen Jahr durchgeführt, 42% der Befragten den Mann als alleinigem Familienernährer (Temme 2009: 18). Somit ist die konventionelle Familienplanung dort ein nach wie vor verbreiteter Lebensentwurf (Temme 2009: 7).

2.1 Sozio-politischer Druck

Trotz des allmählichen gesellschaftlichen Wandels innerhalb der Familienplanung der jungen Generation, bleibt die traditionelle Lebensweise doch noch deutlich höher als beispielweise in anderen westlichen EU-Ländern. Es steht fest, dass die „polnische Tradition die Frau auch heute noch eher in der Familie, als im Erwerbsleben verortet“ (Temme 2009: 26) und somit die Frauen einen gewissen Druck aussetzt, dieser konventionellen Erwartungshaltung der polnischen Bevölkerung gerecht zu werden. Da Polen ein Agrarland mit herrschender katholischer Kultur ist, werden katholische Traditionen bewahrt, gepflegt und seit 1989 sogar politisch gefördert (Miethe, Rothe 2003: 204). Der Mythos der MatkaPolka und die damit verbundene familienorientierte Lebensform wird heutzutage, wie Miethe und Roth behaupten, mehr denn je kultiviert. So schreiben die Autoren:

Diese [traditionellen] Werte situieren die Frauen in einem Kontext, in dem nicht ihre freien Entscheidungen zählen, sondern die traditionelle Verpflichtung zur Aktivität im häuslichen Bereich. Die Bewahrung der kulturellen Eigenheit Polens würde daher bedeuten, dass an der traditionellen Rolle der Frauen in der Gesellschaft nicht gerüttelt werden kann (Miethe, Roth 2003: 205).

Wie Anna Titkow in dem Kapitel „Frauen unter Druck“ zur aktuellen Situation der polnischen Frau schreibt, taucht aktuell relativ häufig die Frage auf, warum die Frauen dort auch gegenwärtig untätig bleiben angesichts einer Tendenz, die ihre soziale Fuktion in den Sphären der Ehefrau und Mutter zu beschränken versucht. Dabei spricht sie vom „Druck der gesellschaftlichen Normen uns Stereotypen“ (Titkow in Koschmal 1996:31).[5] Das historsiche Leitbild der Mutter Polin, so Titkow, sei ein historischer Genotyp der polnischen Bevölkerung, welches die Frauen nach wie vor in die traditionellen Rollen hinein zu zwängen versucht (Titkow in Koschmal 1996: 50). Dieses klassische Lebenskonzept scheint also häufig das Erfüllen einer gewissen soziokulturellen Erwartungshaltung zu sein, dem sich die Frauen anpassen möchten. Auch Temme behauptet, dass das traditionelle Familienmuster, auch heute noch aktuell sei, zur gesellschaftlichen Pflicht und „naturgegebenem Tätigkeitsbereich“ der Frau gehöre, und dehalb nicht rütteln sei (Temme 2009: 17).

Bei diesem Prozess der „Fremdbestimmung“ spielt der Einfluss der eigenen Familie eine große Rolle. Die eigenen Eltern, Großeltern und ältere Verwandten leben einem nicht nur die speziellen Verhaltens- und Lebensweisen vor, häufig haben sie an die junge Generation explizite Erwartungen, das eigene Familienmodell nach dem gleichem Muster zu gestalten (Zareba 2010: 17). Eine soziologischen Studie von Zareba, zeigt, dass die älteren Jahrgänge (in der Studie gehören dazu Menschen über 65 Jahre) traditionelle Werte am stärksten befürworten. So liegt der generelle Familien- und Kinderwunsch bei dieser Gruppe bei 97,9%, wiederum bei der jungen Generation (in der Studie sind es 18-24 jährigen) bei 87,1% (Zareba 2009: 22). [6] Den Erkenntnissen des Autoren zufolge, liegt es auf der Hand, dass auch wenn die jüngere Generation teilweise modernere Familienorstellungen vertritt, sie sich in einem familiären Kontext positioniert, was einerseits auf die eigene Umgebung, Erziehung und die dadurch entstandene Mentalität während des Sozialisierungsprozesses zurückzuführen ist, und andererseits, auf den Versuch, die Wunschvorstellung der eigenen Verwandten zu erfüllen (Zareba 2010: 24).

Zudem übt die Regierung und die Kirche einen starken Einfluss auf die Familienplanung in Polen aus. Der polnische Staatsapparat arbeitet direkt oder indirekt darauf hin, dass die Frau sich innererhalb der häuslichen Sphäre bewegt, denn er sieht die Frau auch heute noch eher im Haushalt und bei der Kindererziehung, was grundsätzlich auch von der Kirche befürwortet wird (Titkow 2007: 71). Die starke Bedeutung der Familie ist dabei im 18. Artikel des polnischen Grundgesetztes verankert. So heisst es dort: „Die Ehe als Verbindung von Frau und Mann, Familie, Mutterschaft und das Elternrecht unter dem Schutz und der Obhut der Republik Polens“ (Janas 2004: 159). Bezüglich der starken Rolle der Kirche in der polnischen Bevölkerung schreibt Müller in ihrem Bericht „Frauen in Polen: Kirche, Küche, Kinder“ von 2005 die folgenden Worte:

[…] Auf der anderen Seite übt die katholische Kirche einen immensen Druck auf die polnische Gesellschaft aus. Ihre Auffassung der gesellschaftlichen Ordnung besteht u.a. darin, dass eine Familie kinderreich, ohne Scheidungen und Schwangerschaftsabbrüche zu sein hat (Müller: 2005).[7]

Zudem bekämen gut qualifizierte Frauen in vielen Bereichen, einen unterqualifizierten Beruf. Bei gleichem Beruf verdienen sie 20% weniger als Männer, in der Industrie sogar bis zu 40% weniger (Müller : 2005). Der Arbeitsplatzmangel ist dabei ein zusätzlicher Grund seitens der Politik ein traditionelles Familien- und Frauenbild öffentlich zu prägen und zu vertreten (Temme 2009: 3). Demnach scheint es so, als ob die Frau von allen Seiten des soizialen und politischen Lebens in die ihr zugewiesene Rolle hineingedrängt wird.

3 Selbstporträitierung in sozialen Netzwerken als Mittel zum Zweck

Basierend auf der Berichterstattung der zitierten Autoren, kann man also erkennen, dass die Familie durch Jahrhunderte hindurch zur gesellschaftlichen Priorität vieler junger Frauen wurde, sei es nun aus eigener Überzeugung oder der gesellschaftlichen Norm wegen, sei es nun bewusst oder auch unbewusst. Von der Familiengründung als einen anstrebenswerten Lebensentwurf ausgehend, liegt es daher nicht fern, dass man den normativen sozialen Triumph, wenn man ihn erlangt hat , auch weitreichend kundgeben möchte.

Soziale Netzwerke, samt ihrer hinreichenden Möglichkeiten zur öffentlichen Selbstpräsentation, bieten dabei das perfekte Verbreitungsinstrument und Informationsmittel. Was früher der Gesellschaft aus technologischen Gründen normalerweise vorbehalten wurde, kann heutzutage innerhalb weniger Minuten in den Online-Portalen der breiten Maße - häufig auch als Bestätigung - vorgeführt werden. Dabei nimmt die Zahl der Mitglieder der privaten Netzwerke wie MySpace und Facebook (oder das deutsche StudiVZ) von Jahr zu Jahr stätig zu.[8] Das polnische Pendant zum Studi-VZ ist Nasza Klasa und erfreut sich in Polen ebenfalls einer großen Beliebtheit (Wojciechowska : 2009).[9] All diese Portale (auch soziale Netzwerke oder engl. social communities genannt) haben zum Ziel, über das Internet Gemeinschaften aufzubauen, zu pflegen, und somit weltweit die menschliche Interaktion und Kommuniation zu befördern (Balsam 2009:89).

Das wichtigste für einen Mitglied eines sozialen Netzwerkes wie Nasza Klasa ist das persönliche Nutzerprofil, welches Auskunft über die Person gibt - Alter, Geschlecht, Beruf, familiären Status, Interessen etc. Dabei ist das Prolfilbild, welches zudem die Eingabemaske aller Community-User schmückt (und welches auch bei einem eingeschänkten Profil für alle anderen Mitgliedern zugänglich ist) von größter Bedeutung. Das Profilbild fungiert nämlich gewissermaßen als eine persönliche „visuelle Visitenkarte“, die man beim Betreten der Seite als erstes wahrnimmt (Balsam 2009: 90). Bei der Wahl des Bildes spielen viele Faktoren eine Rolle: welche Pose nehme ich ein; wie sehe ich aus; und was möchte ich von mir den Menschen zeigen? Das zur Veröffentlichung gedachte Foto, wird durch den User meistens erst nach einem genauen und selbkritschen Auswahlverfahren aussortiert. Natürlich wird häufig in erster Linie das gezeigt, was einem wichtig erscheint und einen persönlich stolz macht. Dies ist jedoch geschlechter- / alters- und kulturspezifisch. So schreibt John Collier in seinem Klassiker zur visuellen Antropologie von 1968 beispielsweise als Rat an alle Ethnologen, die sich im Feld der Fotografie bedienen: „The rule of thumb might be: photograph first what the natives are most pride of!“ (Collier 1968: 7). Dabei stehen bei der Abbildung und zur Schaustellung der eigenen Fotografien die gesellschaftlichen Werte und Erwartungen an vorderster Stelle (Balsam 2009: 69). Diesbezüglich sagt die Autorin Rebekka Balsam einige, für die Arbeit, fundamentale Worte:

Im Streben nach einer idealen Sebstdarstellung in einer gegebenen Gemeinschaft wird nicht allein das Streben nach einem idealen Bild, sondern vor allem auch der Wunsch erkennbar, in der Selbstpräsentation die gemeinsam geschätzten Werte einer Gesellschaft zu verkörpern und sich dadurch in dieser zu legitimieren. […] Damit ist die Inszenierung keinesfalls individuell verkörperter Ausdruck einer inneren Gefühlswelt, sondern folgt einem gesellschaftlichem Muster, das in der Sozialisation erlernt wurde (Balsam 2009: 69).

Dabei spricht sie auch von der „Idealisierung“ und „Regulation“ des geschaffenen (Profil-) Bildes, welches in bestimmten Kontexten glaubwürdig angebracht werden soll, und damit ein zielgerichtetes Abbild seiner selbst (samt der Gesten, Posen, Gegenstände) erfordert (Balsam 2009: 64). Dieser zugeschpitzten Form der persönlichen Selbstinszenierung durch das Medium der Fotographie widmet sich in seinem Artikel „Mediale Selbstthematisierungen und Inszenierungen von Privatheit“ Günter Burkhart. In seinem Text beschreibt der Autor, wie sich die heutige Gesellschaft zur einer allgemeinen Bekenntniskultur entwickelt hat und wie die visuelle Selbpräsentierung in der Mediengesellschaft zunehemend an Bedeutung gewinnt, und dadurch das stets Private öffentlich macht. Ebenfalls Burkhart macht auf den gewissen Verlust der Authentizität in der Fotografie aufmerksam und sagt: „Die neuen Medien bieten offenbar ein Forum für die öffentliche Präsentation von Privatheit“ (Burkhart 2009: 22). Allerdings ist dabei eine Verlagerung von authentischer Selbstdarstellung hin zu einer visuell geprägten Inszenierung festzustellen (Burkhart 2009: 24). Was der Autor in dem Text zu erklären versucht ist, dass, wie in dem Fall der befragten Frauen, das Private durch das Abbilden der eigenen Familiie allen (auch den Unbekannten) zugänglich gemacht wird, und sich innerhalb der InternetGesellschaft (durch die technischen Möglichkeiten die einem geboten werden) zusätzlich ein gewisser Drang zur gestellten, künstlichen, häufig auch angeberischen Selbstdarstellung herauskristalisiert hat.

Diese mehr oder weinger (durch gesellschaftliche Normen) erzwungene öffentliche Zurschaustellung junger polnischer Frauen, konstutuiert damit die Kernfrage dieser Arbeit. Im folgenden wird nun besprochen, welche Methodik angewendet wurde, um die medialen Praktiken wie auch die damit verbundenen Beweggründe der befragten Informantinen herauszufinden.

4 Methodik

4.1 Herangehensweise

Die Forschung basiert auf strukturierten Interviews d.h. mit festgelegten Fragen und offenen Antwortmöglichkeiten, die es dadurch erlaubt tiefgehender auf die erforschte Materie einzugehen (Mann, Steward 2000: 75). Dabei handelt es um eine Online-Befragung, die schriftlich, sei es per E-Mail oder anhand des Portals Nasza Klasa gemacht wurde. Auch wenn es sich bei der Fragenbogenerstellung um strukturierte Fragen handelt, und die Ergebnisse zum Teil auch quantitativ ausgewertet werden müssen, ist die Methode jedoch hauptsächlich qualitativ, da es sich um ein vorrangig exploratives Vorhaben handelt.

[...]


[1] Zum Vergleich: die Akzeptanz der Ehe in Deutschland liegt zum Vergleich bei 53% (Temme 2009: 3)

[2] Gemäß den Zenzusdaten von 1970 erfolgte nach der Eheschliessung in 90% die Geburt eines Kindes (Janas 2004:148).Zur heutigen Geburtsrate

[3] Das genaue Alter wurde dabei in der Studie nicht genannt.

[4] Zum Vergleich: alle osteuropäischen Länder befürworteten diese Aussage mit einem Prozentsatz von 60%73%; die westeuropäischen Länder zw. 28%-51%; USA 33% Kanada 17%, Australien 35% (Temme 2009:3).

[5] Der gleiche Beitrag ist in Titkows polnischer Monographie „Tożsamość polskich kobiet. Ciągłość, zmiana, kontexty“ von 2007 zu finden, welches auf die Aktualität der Thematik hinweist.

[6] 53% der jungen Generation ist der Meinung, dass Kinder das wahre Glück im Leben sind und somit das eigene Leben lebenswürdiger machen. Die Älteren hingegen, befürworten dies mit 88,8% (Zareba 2009: 29). Auf die Frage, ob Kinder zu haben eine gesellschaftliche Pflicht seien, haben die älteren Respondenten dies mit 53,1% und die jüngeren mit 14,7% bestätigt (Zareba 2009: 27). Einer Studie von 2001 liegt die Bereitschaft, die eigenen Kinder hinsichtlich der Familienplanung so zu erziehen wie man selbst erzogen worden ist bei 68% (Bernadette 2008: 108).

[7] Die Überzeugung der Regierung von dieser Ordnung manifestiert sich in dem strikten Abtreibungsgesetz, der die Abtreibung nur in Ausnahmefällen bewilligt (Titkow 2007: 70).

[8] 29% aller Internetnutzer in Deutschland besitzen bei einem privaten sozialen Netzwerk ein eigenes Profil (Balsam 2009: 81Davon haben in Deutschland in der Gruppe der 14-19-Jährigen 74% ein eigenes Profil und die Gruppen 20-29-Jährigen, die unserer Zielgruppe entspicht , 61% (Balsam 2009: 81-82).

[9] Übersetzt heißt der polnische Name des Portal „Nasza klasa“ auf deutsch „Unsere Klasse“ und diente anfangs dazu, sich mit ehemahligen Schulkameraden und Kommilitonen sozial zu vernetzten. Heute fungiert die Seite als allgemeines gesellschafts- und altersübergreifendes Kommunikationsmittel. Im Artikel der Autorin werden jedoch keine genauen Zahlen hinsichtlich der Nutzung des polnischen Portals gemacht. Da es sich in diesem Text zudem um eine Internetquelle handelt, sind in dem Artikel keine Seitenangaben zu finden.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Mediale Selbstdarstellung als Ausdrucksmittel zur Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen bezüglich der Familienplanung in Polen
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Methoden der Medienethnologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
35
Katalognummer
V232536
ISBN (eBook)
9783656485360
ISBN (Buch)
9783656486176
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Seminararbeit habe ich in Kongruenz mit den Korrekturen, Verweisen und Verbesserungsvorschlägen meines Professoren überarbeitet
Schlagworte
mediale, selbstdarstellung, ausdrucksmittel, erfüllung, erwartungen, familienplanung, polen
Arbeit zitieren
Zaneta Nowak (Autor), 2011, Mediale Selbstdarstellung als Ausdrucksmittel zur Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen bezüglich der Familienplanung in Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232536

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