Problematik der gegenwärtigen und künftigen Altersarmut in Deutschland

Konzepte zur Vermeidung von Altersarmut


Studienarbeit, 2013

45 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Abbildungsverzeichnis

3. Abkürzungsverzeichnis

4. Einleitung

5. Definitionen
5.1 Altersarmut
5.2 Drei-Säulen-System
5.2.1 Öffentlich-rechtliche Pflichtsysteme
5.2.2 Aktiv Versicherte
5.2.3 Passiv Versicherte
5.2.4 Betriebliche Altersvorsorge
5.2.5 Private Altersvorsorge
5.3 Berechnung der Rente

6. Altersarmut in Deutschland
6.1.1. Gegenwärtige Altersarmut in Deutschland
6.1.2. Demografischer Wandel
6.1.3. Zukünftige Altersarmut in Deutschland

7. Konzepte zur Vermeidung von Altersarmut
7.1 Zuschussrente
7.2 Solidar-Rente
7.3 Garantierente
7.4 Konzept des SoVD
7.5 Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre
7.6 30-30 Modell
7.7 US-amerikanische Rentenmodell

8. Fazit
8.1 Kritik an den Konzepten
8.2 Schlussfolgerung

9. Literaturverzeichnis

2. Abbildungsverzeichnis

1 Quelle: http://www.versicherung-vergleiche.de/private_altersvorsorge/riester-ruerup.htm

2 Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EUSILC), www.destatis.de

3. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Einleitung

Das Thema Altersarmut wurde in Deutschland nie so brisant diskutiert wie gegenwärtig. Bis zum Jahre 1957 war eine Rente, die den Lebensstandard im Ruhestand sichern sollte, in Deutschland noch unbekannt. Der Weg zum umlagefinanzierten Rentensystem, dessen Einführung durch die Adenauer Regierung verwirklicht wurde, war ein langer.

1889 wurde zum allerersten Mal eine Alters- und Invaliditätsversicherung eingeführt, in der alle Arbeitnehmer ab 16 Jahren mit einem festgelegten Mindestverdienst eingegliedert wurden. Jedoch erhielten damals zum größten Teil nur Invaliden Leistungen aus der früheren Rentenversicherung. Zuschüsse für ältere Personen wurden erst ab Vollendung des 70. Lebensjahres bezahlt. Berücksichtigt man die damalige Alterserwartung, hat nur ein ganz kleiner Prozentsatz der Bevölkerung jemals eine Art Rente bezogen. Jedoch ist herauszuheben, dass auch in der Vergangenheit immer wieder neue Reformen erschaffen wurden, um auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren.

Im Laufe der Jahre, besonders in den zwei Nachkriegsperioden, vergrößerte sich die Anzahl der Leistungsempfänger der damals hauptsächlich für invalide Personen geschaffenen Versicherung. Nach dem ersten Weltkrieg waren es zumeist die vielen Verletzten und Witwen, die Anspruch auf die Rentenzuschüsse hatten. Nach 1945 kamen für Westdeutschland hingegen noch viele Flüchtlinge hinzu, die in das Rentensystem mit einbezogen werden mussten. Jedoch wurden nur Zuschüsse zum Lebensunterhalt gezahlt und keine vollwertigen Renten.

Dies änderte sich 1957 mit der neuen Rentenreform. Mit Einführung des sogenannten Generationenvertrages finanzierte die junge arbeitende Gesellschaft die Renten zur Lebensunterhaltssicherung der Personen ab 65 Jahren. Die Rente berechnete sich nun aus den individuell bezahlten Beiträgen. Ferner wurden die Renten an die aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst. Jedoch gab es noch viele vom Krieg zurückgeworfene Bürger und einen noch finanziell leidenden Staat und demzufolge noch kleine Renten.

Mit Beginn der 60er Jahre wuchs die Wirtschaft der BRD stetig an und die arbeitende Mittelschicht erlangte erstmals zu einem beträchtlichen Privatvermögen. Die Anzahl der in Deutschland gut verdienenden Personen stieg und der Wohlstand sowie noch überschaubare Steuern und Abgaben sorgten für ein sorgenfreies Leben - auch im Hinblick auf kommende Zeiten im Ruhestand.

Im Jahr 1990 führten hohe Arbeitslosenzahlen und die Eingliederung von circa 4 Millionen neuen Rentnern aus der damaligen DDR zu ersten starken Belastungen für das Rentensystem. Diese Veränderungen zogen höhere Anstrengungen für die Versicherten nach sich und fordern gegenwärtig neue Reformen. Den heutigen Rentnern geht es im Vergleich zu früheren Zeiten dank ihrer langen Erwerbszeiten zum größten Teil sehr gut. Es ist allerdings bereits heute ein Teil der Gesellschaft von Altersarmut betroffen. Betrachtet man die Prognosen der Experten, so werden sich die zukünftigen Renten ohne neue Reformen und Maßnahmen deutlich verschlechtern. In meiner Arbeit wird in den folgenden Kapiteln das gegenwärtige Rentensystem sowie das aktuelle und zukünftige Risiko der Altersarmut ausführlich erläutert und Konzepte zur Bekämpfung dieses Problems dargestellt. Dabei werde ich am Ende meiner Arbeit meine Kritik an den Konzepten ausführlich darlegen und mein eigens entwickeltes Konzept zur Bekämpfung von Altersarmut vorstellen.

5. Definitionen

5.1 Altersarmut

Eine einheitlich genaue Definition von Altersarmut gibt es nicht. Sie wird subjektiv von jedem Einzelnen anhand von selbstgewählten Aspekten verschieden interpretiert. Ferner wird die Wahrnehmung durch unterschiedliche Interessen und Werte beeinflusst.

In Deutschland wird mittlerweile die herkömmliche europäische Vergleichsberechnung von Armut verwendet. Als „Risikoschwelle“ wird nach dieser Methode der Bereich bezeichnet, bei dem das Nettoäquivalenzeinkommen eines Haushaltes 60 Prozent des Medians unterschreitet. Im Jahr 2008 lag die Armutsrisikoschwelle bei 929 .1

Bei der Ermittlung der empirischen Zahlen verwendet die Bundesregierung vier Datensätze als Grundlage. Zum einen bei der Europäischen Union zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), auf deren Grundlage die EU-Mitgliedsstaaten übereinstimmende Armutsaspekte auswerten. Des Weiteren bedient sich das statistische Bundesamt bei der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), deren Vorteil aus den detaillierten Informationen über Einkommen, Ausgaben und Vermögen besteht. Die größte Stichprobe mit Einkommensangaben, der Mikrozensus, wird zudem auch verwendet. Als letztes wird das Sozio- ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) aufgeführt. Dort werden seit 1984 immer wieder dieselben Haushalte nach ihren Einkommen befragt, welches die Voraussetzung für kontinuierliche Zeitreihenvergleiche schafft.

Im Jahr 2009 lag das Einkommen von 2.384.000 (13,6 Prozent) Personen ab 65 Jahren unter der Armutsrisikoschwelle.2

Ferner kann auch die Grundsicherung als offiziell anerkannter Grenzwert zur Altersarmut gesehen werden. Sie beinhaltet eine durch Steuern finanzierte Sozialleistung, die alle Personen ab dem Renteneintritt oder Personen, die erwerbsunfähig sind, absichert. In Deutschland garantiert der Staat jedem Bürger ein monatliches Einkommen von mindestens 374 . Zuzüglich werden die Kosten für eine Wohnung sowie bei Privatversicherten die Basis- Krankenversicherung im Wert von bis zu 593 vom Sozialamt getragen.3 Im Jahr 2009 lagen die Ausgaben der Bundesregierung für die Grundsicherung bei 3.916.500.000 Euro, was ungefähr dem Dreifachen (1.366.600.000 Euro) entspricht als noch im Jahr 2003.4

5.2 Drei-Säulen-System

Die gegenwärtige Alterssicherung in Deutschland beruht sich auf dem sogenannten Drei-Säulen-System. Hierbei wird unterteilt in die gesetzlichen Renten und Pensionen des Staates (erste Säule), sowie in die betriebliche (zweite Säule) und in die private Altersvorsorge (dritte Säule).

Die aktuell mit Abstand bedeutendste Säule ist die erste Säule, die im Wesentlichen der staatlichen Trägerschaft unterliegt und zu großen Teilen durch die aktuellen Einnahmen finanziert wird. Ungefähr 80 Prozent (71% alte Länder / 98% neue Länder)5 der Alterseinkommen heutiger Rentnergenerationen stammen aus der ersten Säule. Dies lässt darauf schließen, dass die zweite und dritte Säule, vorrangig privat organisiert, in der deutschen Bevölkerung aktuell keine gewichtete Rolle bei der Altersvorsorge spielen.6

5.2.1 Öffentlich-rechtliche Pflichtsysteme

Den höchsten Stellenwert bei den öffentlich finanzierten

Alterssicherungssystemen hat mit 52.222.842 aktiv und passiv Versicherten die gesetzliche Rentenversicherung (Stand 31.12.2010)7. Hierbei gibt es insgesamt 35.369.935 (Stand 31.12.2010)8 Beitragszahler, die sogenannten aktiv Versicherten, und insgesamt 20.534.459 Rentner und Rentnerinnen (Stand 01.07.2011).9

Der sogenannte „Generationenvertrag“ sieht jeher vor, dass die junge erwerbstätige Generation mit ihren Steuereinnahmen die heutigen Ausgaben der GRV deckt. Diese Abwicklung des Solidar-Vertrages zweier Generationen wird auch als Umlageverfahren bezeichnet. Die Höhe der Auszahlung aus der GRV gegenüber der Person, die aufgrund ihres Alters, wegen ihrer verminderten Erwerbsfähigkeit oder des verstorbenen Ehegatten Rente erhält, richtet sich nach deren gezahlten Beiträgen im Leben.

Die 1.757.113 deutschen Beamten unterliegen der Beamtenversorgung (Stand 30.06.2011).10 Hier gehören auch Richter und Berufssoldaten im unmittelbaren öffentlichen Dienst an. Ferner beziehen am 01. Januar 2011 rund 1.101.84111 pensionierte Beamte ihre Rente aus der BV.

Die BV ist im Gegensatz zur GRV eine Art Regel- und Zusatzsicherung und beinhaltet zudem keine Beitragsbemessungsgrenze. Des Weiteren erhalten die Versorgungsempfänger ihre Rente aus den laufenden Personalkosten des jeweiligen Dienstherrn.12 Die Zusatzversicherung im öffentlichen Dienst ist eine betriebliche Altersvorsorge, die sich als Ergänzung der Leistungen der GRV versteht und besteht zum größten Teil aus der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, der Arbeitsgemeinschaft kommunale und kirchliche Altersversorgung sowie der Renten-Zusatzversicherung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See.. Sie ist wiederum nur zugänglich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Finanziert wird die ZÖD hauptsächlich durch Umlagen der öffentlichen Arbeitgeber, sowie durch einen Arbeitnehmeranteil.

Der VBL gehören 1.829.109, der AKA 3.283.929 (Stand 31.12.2010)13 und der KBS 46.267 Pflichtversicherte an (Stand 31.12.2011).14 Dem gegenüber stehen aus den drei Versicherungen insgesamt 1.969.176 Leistungsempfänger (Stand 31.12.2011).15

Ferner gibt es zu den oben genannten Versicherungen noch die Alterssicherung der Landwirte, sowie die Künstlersozialversicherung, die aber insgesamt nur eine sehr geringe Gewichtung haben. Dies belegen die im Vergleich geringe Anzahl an Versicherten und Leistungsempfängern in der AdL und KSV.

Der abgesicherte Personenkreis in der AdL begrenzt sich auf 252.416 und die Empfänger von Alterssicherungsleistungen aus der AdL auf 569.287 (Stand 30.6.2011).16 Hauptsächlich wird die AdL aus Bundesmitteln(77% der Gesamteinnahmen) und den Beiträgen der Versicherten finanziert (Stand 31.12.2011).17

Zum anderen werden in der KSV 175.103 Personen versichert. (Stand 31.12..2011).18 Versicherte der KSV beziehen ihre Leistung direkt von dem Rentenversicherungsträger bzw. von ihrer Krankenkasse. Die Zahl der Leistungsempfänger ist in der Zahl der entsprechenden GRV beinhaltet. Daher ist keine genaue Angabe über die Zahl der Empfänger von Alterssicherungsleistungen möglich. Die Leistungen werden mit Hilfe von Beiträgen, der Künstlersozialabgabe und einem Bundeszuschuss abgegolten.19

5.2.2 Aktiv Versicherte

Zu der Gruppe der aktiv Versicherten gehören zum einen die Pflichtversicherten. Hierbei werden die Personen mit eingegliedert, die zumindest einen Pflichtbeitrag im Berichtsjahr geleistet haben. Eingerechnet werden auch Beitragszahler, die zu Jahresende Rente beziehen oder bereits verstorben sind.

Überdies werden freiwillig Versicherte in diese Gruppierung eingeordnet. Zu diesem Personenkreis werden Bürger gezählt, die einen freiwilligen Beitrag in die GRV zahlen Geringfügig Beschäftige und Anrechnungszeitversicherte werden des Weiteren auch in der Statistik unter den aktiv Versicherten aufgeführt. Beschäftigungen, bei denen das monatliche Arbeitsentgelt 450 Euro regelmäßig nicht übersteigt und der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin nicht mehr als 50 Arbeitstage bzw. zwei Monate in einem Kalenderjahr arbeitet, liegt eine geringfügige Beschäftigung vor. Darüber hinaus zieht die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See die Pauschalabgaben ein.

Zu den Anrechnungszeitversicherten gehören alle Personen, die für einen bestimmten Zeitraum nicht auf dem Arbeitsmarkt tätig waren, wie zum Beispiel Arbeitslose, Arbeitsunfähige, Schwangere oder Studenten.20

5.2.3 Passiv Versicherte

Zu den passiv Versicherten gehören zum einen die sogenannten Übergangsfälle (16,6 Prozent aller passiv Versicherten) oder die latent Versicherten (83,4 Prozent) (Stand 2007).21

Versicherte, die im jeweiligen Kalenderjahr aktiv versichert waren, jedoch deren Versicherung vor dem Stichtag geendet hat, werden zu den Übergangsfällen eingegliedert. Ausgenommen werden allerdings bereits Verstorbene und Bezieher einer Versichertenrente!

Latent Versicherte hingegen sind Versicherte, die nicht im Berichtsjahr oder am Stichtag aktiv versichert sind, sehr wohl aber einen Beitrag oder eine Anrechnungszeit in der Vergangenheit aufweisen können.22

5.2.4 Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge ist im Gegensatz zur umlagefinanzierten GRV eine kapitalgedeckte betriebliche Alterssicherung und kann als freiwillige Sozialleistung des Arbeitgebers verstanden werden. Ursprünglich wurde die bAV eingeführt, um einen Arbeitgeber bei potentiellen Arbeitnehmern lukrativer wirken zu lassen. Heutzutage kann diese Art der Altersvorsorge nicht nur allein vom Arbeitgeber (Stand 31.12.2011: 27 %) geleistet werden, sondern auch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinschaftlich (Stand 31.12.2011: 44 %) oder vom Arbeitnehmer alleine (Stand 31.12.2011: 28 %). Ende des Jahres 2011 sind ungefähr 17 Millionen Beschäftigte in der 2. Säule abgesichert, was wiederum rund 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entspricht.23

Bei der bAV haben der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Wahl zwischen fünf verschiedenen Durchführungswegen, wobei die Entscheidung auf eine unternehmensinterne oder -externe Vorsorge fällt.

Bei Direktzusagen erhält der Arbeitnehmer seine Altersrente direkt aus dem Betriebsvermögen des Arbeitgebers.24 Diese Art der bAV ist bei Arbeitnehmern sehr beliebt, da es steuerliche Vorteile aufweist. Die Pensionsrückstellungen sind i.d.R. als Betriebsausgaben abzugsfähig und müssen erst mit der ersten Auszahlung der Rente versteuert werden.25

Genauso wie die Direktzusagen, gehören Unterstützungskassen zur unternehmensinternen Vorsorge. Sie sind rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtungen, welche die bAV im Auftrag des Arbeitgebers leistet. Auf deren Leistungen werden allerdings keine Rechtsansprüche gewährt. Die Unterstützungskassen sind obendrein von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit. Die spätere Rentenleistung bleibt jedoch für den Arbeitgeber verpflichtend.26

Bei der unternehmensexternen Vorsorge der Direktversicherung, werden Kapitallebens- oder Leibrentenversicherungen für den Arbeitnehmer oder dessen Hinterbliebenen vom Arbeitgeber abgeschlossen. Direktversicherungen lohnen sich insbesondere für privat Versicherte, da sie während des Empfangs der Leistungen im Gegensatz zu den gesetzlich Versicherten keine Abgaben an die Krankenkasse abführen müssen.27

Pensionskassen können rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtungen, sowie eine nicht rechtsfähige Zusatzversorgungseinrichtung des öffentlichen Dienstes sein. Genauso wie die unternehmensintern organisierten Versorgungen, sind die Pensionskassen von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit.

Pensionskassen können zudem auch überbetrieblich organisiert sein, d.h. mehrere Unternehmen können als Träger der Pensionskasse fungieren.28

Der letzte Durchführungsweg sind die Pensionsfonds, die im Unterschied zu den zuvor genannten Pensionskassen und Direktversicherungen, höhere Anlagerisiken eingehen können. Sie sind vom Unternehmen getrennte Träger des Pensionsfonds und rechtsfähige Versorgungseinrichtungen, die eine kapitalgedeckte bAV für den Arbeitgeber durchführt.29

5.2.5 Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge stellt die 3. Säule der gegenwärtigen Alterssicherung dar und ist als freiwillige zusätzliche Altersvorsorge zu verstehen. Hierbei handelt es sich um Anlageprodukte, bei denen „vertraglich sichergestellt ist, dass aus dem angesparten Vermögen […] bis ans Lebensende eine dauerhafte Leistung gezahlt wird“.30 Das heißt, dass alle vor dem Renteneintritt eingezahlten Beiträge sowie die staatliche Förderung bei allen Riester- oder Rürup-Produkten garantiert sind.

Die vom Staat steuerlich geförderte, kapitalgedeckte Riester-Rente weist insgesamt vier verschiedene Anlageformen auf. Hierbei werden Versicherungs-, Bankspar- und Investmentfondsverträge, sowie Wohn-Riester/Eigenheimrente von verschiedenen Anbietern angeboten. Des Weiteren wurden bis Ende Juni 2012 insgesamt 15.559.000 Riester-Verträge zusätzlich zur bAV abgeschlossen.

Den aktuell größten Anteil an den steuerlich geförderten Riester-Renten haben gegenwärtig die Versicherungsverträge mit 10.916.000 Vertragsabschlüssen.

Dies entspricht ungefähr 70 Prozent aller Riester-Verträge (Stand: 30.Juni 2012).31 Begründet ist dieser hohe Anteil damit, dass die Rentenversicherungen zu den sichersten aller Riester-Renten gehören, da die versicherungsanbietenden Unternehmen eine Rendite von 1,75 Prozent pro Jahr garantieren. Darüber hinaus bekommt der Versicherte eine Renditegarantie von 2,25 Prozent auf Eigenkapital und Zulagen. Dies hat zum Vorteil, dass die geförderte Person bereits vor dem Renteneintritt die eigene spätere Mindestrente errechnen kann. Der Nachteil an privaten Rentenversicherungen sind die sehr hohen Kosten des Vertragsabschlusses.32

Den zweitgrößten Anteil mit 19 Prozent an den kapitalgedeckten Riester-Renten haben die Investmentfondsverträge mit insgesamt 2.966.000 Abschlüssen (Stand: 30. Juni 2012).33 Dieser hohe Anteil ist mit den hohen Renditechancen aus den Fondssparplänen begründet. Bei keinem anderen Riester-Vertrag können höhere Zulagen erlangt werden. Ferner entstehen beim Einhalten des Vertrages keine Verluste und das eingezahlte Kapital sowie die staatlichen Zuschüsse für den Versicherten werden garantiert beim Pensionseintritt als Rente ausgezahlt.

Bei einem Riester Fondssparplan wird ein individueller Sparvertrag mit einer Investmentgesellschaft, Fondsgesellschaft oder der Hausbank abgeschlossen. Mit den eingezahlten Beiträgen sowie den Riester Zulagen werden Anteile an Investmentfonds gekauft und in einem vom Anbieter zur Verfügung gestellten Depot aufbewahrt. Als Nachteil zu bewerten sind die hohen Kosten für das Führen des Depots und die hohe Verlustmöglichkeit bei vorzeitiger Vertragskündigung oder beim Riester-Anbieter Wechsel.34

[...]


1 Quelle: http://www.versicherung-vergleiche.de/private_altersvorsorge/riester-ruerup.htm

2 Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU- SILC), www.destatis.de

1 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Altersarmut in Deutschland 2011, S. 4-7)

2 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Altersarmut in Deutschland 2011, S. 4-7)

3 Vgl. (http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Aktuelles-Stichwort/Topical-Terms- Archive/Altersarmut.html)

4 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Altersarmut in Deutschland 2011, S. 33)

5 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht, 2012 S. 12)

6 Vgl. (Ehrentraut, 2006, S.27-28)

7 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenversicherungsbericht 2012 S.9)

8 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenversicherungsbericht 2012 S.9)

9 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenversicherungsbericht 2012 S.11)

10 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 25)

11 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 25)

12 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 23-27)

13 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 30-31)

14 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 34)

15 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S.29-34)

16 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 36)

17 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 21; 38)

18 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 39)

19 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 21; 39)

20 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenversicherungsbericht 2012, S.8-9

21 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV-Bund): Jahresbericht 2007

22 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenversicherungsbericht 2012, S. 9

23 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 83-87)

24 Vgl. (http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Alter- Rente/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII64.pdf)

25 Vgl. (Ehrentraut, 2006, S. 33)

26 Vgl. (Ehrentraut, 2006, S. 82)

27 Vgl. (http://www.handelsblatt.com/finanzen/ratgeber/altersvorsorge/formen-der-betrieblichen- altersvorsorge-die-vorteile-einer-direktversicherung/4015866.html)

28 Vgl. (Ehrentraut, 2006, S. 83)

29 Vgl. (http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Alter- Rente/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII64.pdf)

30 BfA(2001), S.14

31 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 88-89)

32 Vgl. (http://www.privatealtersvorsorge.net/versicherung_riester.html)

33 Vgl. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Alterssicherungsbericht 2012 S. 88-89)

34 Vgl. (http://www.privatealtersvorsorge.net/riester_rente_fonds.html)

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Problematik der gegenwärtigen und künftigen Altersarmut in Deutschland
Untertitel
Konzepte zur Vermeidung von Altersarmut
Hochschule
Deutsche Außenhandels- und Verkehrsakademie DAV Bremen
Note
1,9
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V232572
ISBN (eBook)
9783656493945
ISBN (Buch)
9783656493129
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problematik, altersarmut, deutschland, konzepte, vermeidung
Arbeit zitieren
Nils Poppe (Autor), 2013, Problematik der gegenwärtigen und künftigen Altersarmut in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232572

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