In Woody Allens Filmen, mit wenigen Ausnahmen, nimmt die Stadt, neben den in ihren komplizierten Beziehungen verflochtenen Männern und Frauen, eine tragende Rolle ein. Die Großstadt als Ort von Beziehungen ist Schauplatz des Geschehens, nur hier können sich die Geschichten ereignen, die Woody Allen uns vorführt. Daß es sich dabei um eine besondere Stadt, New York - und meistens Manhattan - handelt, ist dabei nicht außer acht zu lassen.
Zudem zeigt uns Allen immer ein bestimmtes Milieu, das der New Yorker Intellektuellen und Künstler. Sie leben mit, in und von der Stadt. Sie ist ihr "natürlicher" Lebensraum. Sie, die mit einer Vielzahl von Komplexen behaftet zu sein scheinen, rennen wild gestikulierend über ihre seelischen Probleme und Defizite redend durch die Stadt. Damit schafft Allen fast schon ein eigenes Genre.
Wie dieses urbane Element in Allens Filmen zum tragen kommt, soll im Folgenden betrachtet werden. Daran anschließend soll diskutiert werden, ob Woody Allens Erzählweise einem Typus des "Urbanen Erzählens" zugeordnet werden kann.
Bei den behandelten Filmen wurde auf die deutschsprachigen Synchronfassungen und Drehbücher zurückgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle der Stadt in Woody Allens Filmen
3. Die Menschen und die Stadt
3.1. Die Verklärung der Stadt
3.2. Die Stadt als personales Gegenüber und Identifikationsfigur
4. Der Stadt-Land-Gegensatz in Woody Allens Filmen
4.1. Die Stadt als natürlicher Lebensraum des Stadtneurotikers
4.2. Das Land als feindliche Welt
5. Andere Städte sind keine Städte - New York ist die Stadt
6. Ist Woody Allen ein urbaner Erzähler?
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des urbanen Raums, insbesondere von New York City, in den Filmen von Woody Allen. Es wird analysiert, wie die Stadt als gestaltendes Element für Charaktere, Milieus und Erzählweisen fungiert und inwiefern der Regisseur ein spezifisch "urbanes Erzählen" etabliert hat.
- Die Funktion der Stadt New York als konstitutives Element im filmischen Werk Woody Allens.
- Die Charakterisierung des "Stadtneurotikers" und dessen Abhängigkeit von der urbanen Umgebung.
- Der Stadt-Land-Gegensatz als Spiegel für Identität und Weltbild der Protagonisten.
- Die filmische Stilisierung New Yorks als persönlicher, idealisierter Lebensraum.
- Die Analyse der erzählerischen Struktur und urbanen Wahrnehmung in Allens Filmen.
Auszug aus dem Buch
Die Verklärung der Stadt
Woody Allens Charaktere suchen aber vielleicht gerade aufgrund der bedrückenden Realität Zuflucht in einem verklärten Bild ihrer Stadt. Diese Eigenschaft ist vor allem in der Figur zu finden, die aus dem gleichen jüdischen Hintergrund stammt, wie Allen selbst, und die er immer wieder in seinen Filmen verkörpert. Für diese fleischgewordene "urbane Neurose", dem Stadtneurotiker, dem mit dem deutschen Filmtitel für "Annie Hall" ein zutreffendes Etikett verliehen wurde, ist New York "wirklich eine tolle Stadt. Ganz egal, was die Leute sagen. Sie ist einfach ein ... ein echter Hammer, wissen Sie. Sie ist ...". Diese Stadt ist für ihn so bedeutungsvoll, daß ihm sogar die Worte fehlen.
In "Manhattan"(1979) macht Allen als Isaac Davis eine Reihe solcher Bemerkungen. Herausragend ist die Eingangsszene, in der Davis immer wieder neue Umschreibungen für die Hauptfigur seines Romans und dessen Stadt sucht. Das mündet in einer perfekten Idealisierung New Yorks. Die Hauptfigur dieses Romans ist natürlich der Protagonist des Films selbst, und Allen charakterisiert ihn durch diesen originellen Anfang schon fast vollständig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung der Stadt New York in Woody Allens Filmen.
2. Die Rolle der Stadt in Woody Allens Filmen: Untersuchung der engen, nicht neutralen Beziehung zwischen der Stadt New York und Allens filmischer Inszenierung.
3. Die Menschen und die Stadt: Analyse der typischen Stadtmenschen bei Allen, die ihr Ego durch ihre Umwelt und Kultur definieren.
3.1. Die Verklärung der Stadt: Erörterung der Flucht der Charaktere in ein idealisiertes, nostalgisches New York-Bild.
3.2. Die Stadt als personales Gegenüber und Identifikationsfigur: Betrachtung der Stadt als stabilisierendes, fast menschliches Gegenüber für die neurotischen Protagonisten.
4. Der Stadt-Land-Gegensatz in Woody Allens Filmen: Darstellung des ländlichen Raums als existenziell bedrohliche Gegenwelt zum urbanen Habitat.
4.1. Die Stadt als natürlicher Lebensraum des Stadtneurotikers: Bestätigung New Yorks als einzig möglichem Lebensraum für die Charaktere.
4.2. Das Land als feindliche Welt: Beschreibung des Unbehagens und der Lebensuntüchtigkeit der Protagonisten außerhalb der Metropole.
5. Andere Städte sind keine Städte - New York ist die Stadt: Exklusive Fixierung der Charaktere auf New York und Ablehnung anderer Orte wie Los Angeles.
6. Ist Woody Allen ein urbaner Erzähler?: Reflexion darüber, inwiefern Allens assoziative Erzählweise und die Struktur seiner Filme den Typus des "urbanen Erzählens" verkörpern.
7. Fazit: Zusammenfassung der zentralen Rolle der Stadt als Kunstschöpfung und Katalysator für Allens Geschichten.
Schlüsselwörter
Woody Allen, New York City, Manhattan, Stadtneurotiker, Urbanität, filmisches Erzählen, Stadt-Land-Gegensatz, kulturelle Identität, Intellektuelle, filmische Inszenierung, Moderne, Traumwelt, Idealisierung, filmischer Raum, Milieudarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche zentrale Rolle die Großstadt, speziell New York, in den Filmen von Woody Allen einnimmt und wie sie die dort dargestellten Lebensweisen und Erzählstrukturen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Darstellung New Yorks als Lebensraum, der Psychologie der dort agierenden "Stadtneurotiker" sowie dem Gegensatz zwischen der geliebten Stadt und dem als feindlich wahrgenommenen Land.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die filmische Stadt als nicht austauschbares, handelndes Element zu begreifen und zu diskutieren, ob Woody Allens Stil als eine Form des "urbanen Erzählens" klassifiziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftlich und soziologisch orientierte Analyse, bei der ausgewählte Filme Woody Allens unter Rückgriff auf Filmdrehbücher und Sekundärliteratur untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Stadt als personalisiertes Gegenüber, den Kontrast zum ländlichen Raum, die Ablehnung anderer Metropolen (wie L.A.) und die Untersuchung der filmischen Erzählweise als Ausdruck urbaner Struktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie New York, Stadtneurotiker, Urbanität, filmisches Erzählen und den Stadt-Land-Gegensatz charakterisiert.
Warum bevorzugt Woody Allen in seinen Filmen das Bild eines "Künstler-New Yorks"?
Laut der Arbeit reduziert Allen die Stadt auf eine für seine Figuren notwendige Kulisse, um intellektuelle und existenzielle Themen in einem idealisierten, subjektiv empfundenen Lebensraum verhandeln zu können.
Welche Rolle spielt die Musik in der Wahrnehmung der Stadt bei Woody Allen?
Die Musik, insbesondere die von George Gershwin, unterstützt die stilisierte, romantische und künstlerische Wahrnehmung von New York, die oft im Widerspruch zu einer realistischen, sozialen Darstellung steht.
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- Oliver Kanehl (Author), 1997, Das Element des Urbanen in Woody Allens Filmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23258