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Nachbarschaftshilfe durch "the odd man"?

Motive australischer Interventionen vor und nach dem 11. September 2001

Title: Nachbarschaftshilfe durch "the odd man"?

Seminar Paper , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Philipp Seelinger (Author)

Politics - Region: Other States
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Die Außenpolitik Australiens wird seit jeher stark davon beeinflusst, dass das Land als Mitglied der westlichen Wertegemeinschaft geographisch fernab der übrigen westlichen Industrieländer liegt.
Nach der Dekolonisation der pazifischen Nachbarstaaten beschränkte Australien seinen Einfluss in der Region auf umfangreiche Entwicklungshilfe für die unterentwickelten Nachbarstaaten. Militärisches Engagement oder gar Interventionen in den pazifischen Kleinstaaten standen kaum zur Debatte.
Auch nach dem Ende des Kalten Krieges änderte sich zunächst wenig an dieser Praxis, wenngleich sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die sicherheitspolitischen Doktrinen Forward Defence und Defence of Australia regelmäßig abwechselten.
Um die Jahrtausendwende jedoch intervenierte Australien zweimal in seiner Nachbarschaft: Im Jahr 1999 wurden die International Forces East Timor (INTERFET) als Reaktion auf blutige Auseinandersetzungen zwischen Unabhängigkeitsbefürwortern und –gegnern entsandt und 2003 sollte die Regional Assistance Mission in Solomon Islands (RAMSI) ähnliche Unruhen zwischen verschiedenen indigenen Gruppen beenden und dem Gesetz wieder Geltung verschaffen.
Auf den ersten Blick scheinen beide Interventionen sehr ähnlich: In beiden Fällen waren soziale Unruhen und bürgerkriegsähnliche Zustände der Anlass für die Intervention, beide Male war es die liberal-konservative Regierung, die den Einsatz beschloss, jeweils stand die Bevölkerungsmehrheit hinter dem militärischen Engagement und je gelang es schnell die Gewalttaten zu beenden.
Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch wesentliche Unterschiede. Für INTERFET gab es eine Sicherheitsrats-Resolution, die den Einsatz mandatierte, RAMSI ist aufgrund der fehlenden UN-Mandatierung völkerrechtlich zumindest umstritten. Osttimor war zum Zeitpunkt der Intervention kein völkerrechtlich anerkannter, souveräner Staat.
Zudem fanden zwischen den beiden Interventionen mit den Anschlägen auf das WTC und Diskotheken auf Bali zwei Ereignisse statt, die den sicherheitspolitischen Diskurs sowie das strategische Denken nachdrücklich veränderten und die Aufmerksamkeit auf sogenannte failing states lenkten, die Terroristen als Unterschlupf dienen, von denen sie mungestört operieren können.
Ob sich das veränderte sicherheitspolitische Umfeld auf die Begründung der RAMSI-Mission niederschlägt, soll die vorliegende Arbeit durch die Analyse der Argumente für die beiden Interventionen ergründen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Aufbau der Arbeit

1.2. Literaturbericht

2. Wann greifen Demokratien zu den Waffen?

3. Australiens Interventionen in der Nachbarschaft

3.1. Konflikthintergrund

3.1.1. INTERFET: Australien interveniert in Osttimor

3.1.2. Nine-eleven und Bali-Bombing

3.1.3. RAMSI: Australien greift auf den Salomonen ein

3.2. Australiens Motive für die Interventionen

3.2.1. INTERFET

3.2.2. RAMSI

4. Fazit

5. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Motive und Begründungen australischer Interventionen in der unmittelbaren Nachbarschaft, konkret die Missionen in Osttimor (INTERFET) und auf den Salomonen (RAMSI). Dabei soll analysiert werden, inwiefern sich die sicherheitspolitischen Diskurse und Legitimationsstrategien der Regierung unter John Howard vor und nach den terroristischen Anschlägen des 11. Septembers 2001 verändert haben.

  • Vergleich der Interventionen in Osttimor und auf den Salomonen
  • Einfluss der Anschläge vom 11. September 2001 auf das australische Sicherheitsdenken
  • Analyse der Transformation von failed states als humanitäres vs. sicherheitspolitisches Problem
  • Rolle von humanitären Motiven im Gegensatz zu nationalen Sicherheitsinteressen
  • Neubewertung der Theorie des Demokratischen Friedens

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Nine-eleven und Bali-Bombing

Zwischen den in dieser Arbeit untersuchten Operationen 1999 in Osttimor und 2003 in Solomon Islands lagen, wie bereits erwähnt, zwei Ereignisse, die so nachhaltigen Einfluss auf globale Sicherheitsdiskurse und –strategien hatten, dass es sich lohnt, sie an dieser Stelle knapp ins Gedächtnis zu rufen.

Der 11. September 2001, der die verheerendsten terroristischen Anschläge der Geschichte sah, bei denen über 3000 Menschen im World Trade Center in New York, im Pentagon in Washington und in den von al-Qaida entführten Flugzeugen ums Leben kamen, war der folgenreichste Tag in der internationalen Politik seit dem Ende des Ost-West-Konflikts. Die anglo-amerikanisch dominierten Diskurse zu internationaler Sicherheit verlagerten sich von zwischen- und innerstaatlichen Konflikten auf die Ebene nicht-staatlicher Akteure (Kabutaulaka 2005: 287f). Schwache Staaten und solche mit fundamentalistischen Regimen, die die Operationen von Terroristen auf ihrem Territorium nicht unterbinden können, dulden oder gar unterstützen, rückten in den Fokus der Sicherheitsstrategie insbesondere der USA, denen in erster Linie die Angriffe von 9/11 galten, und führten zu der in der National Security Strategy 2002 festgehaltenen Präventivschlagdoktrin der Bush-Administration.

Australien schwenkte sehr früh auf den Kurs der US-Regierung ein und beteiligte sich militärisch an den Operationen in Afghanistan und im Irak. Allerdings stellt die enge Zusammenarbeit mit den USA im sicherheitspolitischen Bereich eine Konstante australischer Außenpolitik dar. Was indes noch stärker dazu beigetragen haben dürfte, dass die Bereitschaft Australiens zu direkten Interventionen nach dem 11. September 2001 gestiegen ist (McDougall 2007: 868), waren die Anschläge auf der indonesischen Insel Bali im Oktober 2002. Bei diesen Selbstmordanschlägen auf zwei Diskotheken in Touristenorten, für die eine regionale fundamental-islamistische Gruppe mit Verbindungen zu al-Qaida namens Jemaah Islamiah verantwortlich zeichnete, starben 202 Menschen, darunter 88 australische Staatsbürger (Kabutaulaka 2005: 291). Damit rückte der islamistische Terrorismus und folglich die von schwachen Staaten ausgehende Gefahr in unmittelbare Nähe des australischen Kontinents. Nicht nur erhöhten die Ereignisse von Bali Australiens Sorge über die Sicherheit in der Region (Yabaki 2005: 36). Im Zuge des War on Terror boten sie neben einem über humanitäre Einsätze hinausgehenden Grund auch eine weitere Möglichkeit zur Rechtfertigung militärischer Interventionen in der Nachbarschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die australische Außenpolitik ein und skizziert das Forschungsinteresse an den Interventionen INTERFET und RAMSI vor dem Hintergrund veränderter globaler Sicherheitsbedingungen.

2. Wann greifen Demokratien zu den Waffen?: Dieses Kapitel diskutiert die Theorie des Demokratischen Friedens und untersucht die Bedingungen, unter denen liberale Demokratien militärische Gewalt außerhalb der Selbstverteidigung legitimieren.

3. Australiens Interventionen in der Nachbarschaft: Hier werden die historischen Konflikte in Osttimor und auf den Salomonen analysiert sowie die Verschiebung der Begründungsmuster der australischen Regierung von humanitären hin zu sicherheitspolitischen Aspekten aufgezeigt.

4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Einsätzen zusammen und betont den maßgeblichen Einfluss des Post-9/11-Sicherheitsdiskurses auf das Handeln Australiens.

5. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Australien, Intervention, Osttimor, Salomonen, INTERFET, RAMSI, Demokratischer Frieden, failed states, Sicherheitspolitik, Humanitäre Intervention, 11. September 2001, John Howard, Außenpolitik, Terrorismusbekämpfung, Regionalpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Motive und die politische Rechtfertigung der australischen Regierung unter Premierminister John Howard für militärische Interventionen in Osttimor (1999) und auf den Salomonen (2003).

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Außenpolitik Australiens im asiatisch-pazifischen Raum, der Umgang mit failed states sowie die Auswirkungen des internationalen Sicherheitsdiskurses nach dem 11. September 2001.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es herauszufinden, ob und wie sich die Argumentationsmuster der australischen Regierung zwischen der INTERFET-Mission vor 9/11 und der RAMSI-Mission nach 9/11 verändert haben.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse von Primärquellen, insbesondere Regierungsdokumenten und Interviews der Entscheidungsträger, unter Einbeziehung relevanter Theorien wie des Demokratischen Friedens.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Neubetrachtung demokratischer Kriegführung, die detaillierte Darstellung der Konflikthintergründe in Osttimor und auf den Salomonen sowie eine vergleichende Analyse der Begründungen durch die politische Führung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Australische Außenpolitik, INTERFET, RAMSI, failed states, Sicherheitsdiskurs, humanitäre Intervention und die Howard-Doktrin.

Inwiefern beeinflussten die Anschläge auf Bali die australische Haltung?

Die Bali-Anschläge 2002 machten den islamistischen Terrorismus zu einer unmittelbaren Bedrohung für Australien, was die Bereitschaft zu proaktiven Interventionen in der Nachbarschaft, insbesondere bei schwachen Staaten, deutlich erhöhte.

Warum war der RAMSI-Einsatz völkerrechtlich umstritten?

Im Gegensatz zu INTERFET fehlte für RAMSI eine explizite UN-Sicherheitsratsresolution; die Legitimation stützte sich primär auf ein Hilfegesuch der Salomonen und die Unterstützung durch das Pacific Islands Forum.

War die Intervention in Osttimor ein strategisches Versagen?

Obwohl operativ erfolgreich, widersprach das Ergebnis – ein unabhängiges Osttimor und deutlich verschlechterte Beziehungen zu Indonesien – den ursprünglichen langjährigen Interessen der australischen Regierung, was die Arbeit als strategisches Versagen einstuft.

Gingen bei der RAMSI-Mission humanitäre oder sicherheitspolitische Interessen vor?

Während humanitäre Hilfe offiziell angeführt wurde, zeigt die Arbeit, dass nach 9/11 der Aspekt der nationalen Sicherheit und die Vermeidung von terroristischen Rückzugsgebieten in der Argumentation der Howard-Regierung klar in den Vordergrund rückte.

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Details

Title
Nachbarschaftshilfe durch "the odd man"?
Subtitle
Motive australischer Interventionen vor und nach dem 11. September 2001
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,3
Author
Philipp Seelinger (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V232602
ISBN (eBook)
9783656489993
ISBN (Book)
9783656490203
Language
German
Tags
nachbarschaftshilfe motive interventionen september
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Seelinger (Author), 2009, Nachbarschaftshilfe durch "the odd man"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232602
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