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Produktion und Perzeption polymorphematischer Wortstrukturen von monolingualen und bilingualen Aphasikern

Título: Produktion und Perzeption polymorphematischer Wortstrukturen von monolingualen und bilingualen Aphasikern

Tesis (Bachelor) , 2012 , 54 Páginas , Calificación: 2,3

Autor:in: Johanna Kaiser (Autor)

Romanística - Otras
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„Sprache ist ein ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“ (Edward, Sabir 1991)
Doch was geschieht, wenn dieses System durch Krankheit, einen Unfall o.ä., gestört wird? Läsionen der linken Gehirnhemisphäre in der das sog. Sprachzentrum lokalisiert ist, wirken sich negativ auf die Sprachperzeption bzw. – produktion aus und können jegliche Bereiche des Sprachverständnisses als auch der sprachlichen Verbalisierung beeinträchtigen.
In der vorliegende Ausführung soll der Frage nachgegangen werden, ob der Aspekt der Monolingualität bzw. der Bilingualität des aphasischen Sprechers die Produktion bzw. Perzeption von polymorphematischen Wortstrukturen beeinflusst bzw. inwiefern sich die Leistungen hinsichtlich der Kompositaverarbeitung beim mono- und beim bilingualen aphasischen Sprecher unterscheiden.
Die vorliegende Ausführung setzt sich aus aufeinander aufbauenden sechs Teilen zusammen. Nach der Einleitung in die Thematik wird in Punkt zwei zunächst auf die anatomische Lokalisation des Sprachzentrums eingegangen und es werden die verschiedenen Sprach- und Sprechstörung im Hinblick auf deren Symptomatik kontrastiv dargestellt, um daran anknüpfend im Speziellen auf die Broca- und die Wernicke-Aphasie einzugehen.
Punkt drei beinhaltet die Beschreibung des Wortbildungsmusters „Komposition“ und die kontrastive Darstellung der Eigenschaften französischer und deutscher Komposita. Außerdem werden die verschiedenen Kompositionstypen, im Hinblick auf deren Form, innere Struktur und semantischen Gehalt, untersucht.
Nachdem in Punkt zwei und Punkt drei ein allgemeiner Überblick zu der Aphasie und der Komposition gegeben wurde, soll Punkt vier als Grundlage für die in Punkt fünf beschriebenen Studien zur Kompositaperzeption– und produktion beim aphasischen Sprecher gesehen werden. Nachdem in Punkt vier auf verschiedene Sprachverarbeitungsmodelle eingegangen wird und Modellvorstellungen speziell zur Kompositatverarbeitung erläutert werden, beinhaltet der darauffolgende Punkt fünf die Darstellung vierer Studien. Innerhalb dieser Studien wird sich mit der Wortverarbeitung polymorphematischer Wortstrukturen befasst. Da das Französische und das Italienische hinsichtlich der Komposita sehr ähnlich organisiert sind, soll die italienische Sprache innerhalb des Gliederungspunktes fünf als Platzhalter für romanische Sprachen fungieren.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprache

2.1 Die Lokalisation des Sprachzentrums

2.2 Beeinträchtigung der Sprachproduktion und der Sprachrezeption

2.2.1 Erworbene Sprach- und Sprechstörungen

2.2.2 Aphasie

2.2.2.1 Ursachen für Aphasien

2.2.3 Die Broca- und die Wernicke-Aphasie

2.2.3.1 Die Broca-Aphasie

2.2.3.1.1 Der Agrammatismus als Leitsymptom der Broca-Aphasie

2.2.3.2 Die Wernicke-Aphasie

2.2.3.2.1 Der Paragrammatismus als Leitsymptom der Wernicke Aphasie

2.3 Aphasie im bilingualen Individuum

3 Die Komposition als Wortbildungsmuster

3.1 Deutsche und französische Komposita im Vergleich

3.2 Typisierung der Komposita

3.2.1 Determinativkomposita (endozentrische Komposita)

3.2.1.1 Possessivkomposita als Untertyp der Determinativkomposita

3.2.2 Kopulativkomposita

3.3 Zusammenfassende Unterschiede der französischen und deutschen Komposita

4 Modelle der Sprachverarbeitung

4.1 Das Logogen-Modell nach Morton (1969)

4.2 Das Zwei-Stufen-Modell nach Levelt (1989)

4.3 Modellvorstellungen zur Kompositaverarbeitung

5 Die Produktion und Perzeption von Komposita beim mono- und beim bilingualen Aphasiker

5.1 Die Verarbeitung von Komposita beim monolingualen Aphasiker

5.1.1 Die Verarbeitung von Komposita beim deutschsprachigen Aphasiker

5.1.1.1 Die Verarbeitung von Nominalkomposita bei Aphasie (A. Lorenz, 2007)

5.1.1.2 The production of nominal compounds in Aphasia (G. Blanken, 2000)

5.1.2 Die Verarbeitung von Komposita beim bilingualen Aphasiker

5.1.2.1 The processing of compound word : A study in Aphasia” (M. Delazer/C. Semenza, 1998)

5.1.3 Zusammenfassung

5.2 Die Verarbeitung von Komposita beim bilingualen Aphasiker

5.2.1 The Bilingual Brain: Bilingual Aphasia (Fabbro, 2001)

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Aspekt der Monolingualität bzw. Bilingualität aphasischer Sprecher die Produktion und Perzeption polymorphematischer Wortstrukturen (Komposita) beeinflusst und ob sich Leistungen in der Kompositaverarbeitung bei diesen Patientengruppen unterscheiden.

  • Grundlagen der Aphasie und anatomische Lokalisation von Sprachstörungen
  • Struktur und Typisierung der Komposition im Deutschen und Französischen
  • Sprachverarbeitungsmodelle (Morton, Levelt) zur Analyse des Wortabrufs
  • Empirische Untersuchung der Produktion und Perzeption von Komposita
  • Vergleich der Auswirkungen von semantischer Transparenz und Frequenz

Auszug aus dem Buch

2.2.3.1 Die Broca-Aphasie

Die Läsion bei einer Broca-Aphasie betrifft im Wesentlichen das Broca- Sprachzentrum. Dieses befindet sich im Stirnlappen des Gehirns in der Area 44 nach Brodmann. Da die auftretenden Symptome im Wesentlichen den Bereich der Sprachbildung betreffen (das Sprachverständnis stellt sich meist als ungestört dar), also ein Sprachverlust bzgl. der aktiven Sprachproduktion vorliegt, wird die Broca-Aphasie auch als motorische Aphasie bezeichnet.

Grundsätzlich zeigen sich beim Broca-Aphasiker große Sprachanstrengungen hinsichtlich der Spontansprachreaktion. Diese, aus der schlechten Leistung resultierende Verzweiflung des Betroffenen, lässt sich an dessen Gestik und Mimik erkennen.

Neben der Tatsache, dass das spontane Sprechen durch viele Pausen unterbrochen wird und im Ganzen verlangsamt ist, stellt sich auch die Artikulation als mühevoll und undeutlich dar. Insbesondere die fehlerhafte Veränderung der Vokalqualität als auch die unscharfe Artikulation von Konsonanten und Konsonantenfolgen kennzeichnen das Störungsbild des Broca-Aphasikers.

Des Weiteren zeigen sich neben phonematischen Paraphrasien (die Fehlertypen sind Lautersetzung und –auslassung) auch Beeinträchtigungen der Satzintonation sowie häufige Störungen der Prosodie mit Abweichungen in Wort- und Satzakzent.

Eine semantisch falsche Wortwahl und falsche Wortkombinationen (lexikalische Störung) treten nur in seltenen Fällen auf. Der Gesamtwortschatz ist eher beschränkt und es werden in erster Linie hochfrequentierte Wörter verwendet. Dieser Sachverhalt, zusammen mit dem Agrammatismus, der im Folgenden beschrieben wird, tragen zu der Ausdrucksarmut der Sprache von Broca-Aphasikern bei (vgl. Huber 1983: 10).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Stellt die Fragestellung und den strukturellen Aufbau der Arbeit dar, die den Einfluss von Aphasie auf die Kompositaverarbeitung thematisiert.

2 Sprache: Vermittelt Grundlagen zur Anatomie der Sprachzentren, zu Aphasieformen sowie zu den besonderen klinischen Aspekten der Aphasie im bilingualen Individuum.

3 Die Komposition als Wortbildungsmuster: Analysiert theoretische Definitionen, die Typisierung (Determinativ-, Possessiv-, Kopulativkomposita) und sprachliche Unterschiede zwischen dem Deutschen und Französischen.

4 Modelle der Sprachverarbeitung: Erläutert kognitive Modelle wie das Logogen-Modell und das Zwei-Stufen-Modell zur Veranschaulichung von Sprachrezeption und -produktion.

5 Die Produktion und Perzeption von Komposita beim mono- und beim bilingualen Aphasiker: Untersucht anhand konkreter Fallstudien die Fehlerprofile und Verarbeitungsstrategien von Aphasikern bei nominalen Komposita.

6 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen, die für einen morphem-basierten Abruf polymorphematischer Strukturen beim Aphasiker sprechen, und reflektiert den derzeitigen Forschungsstand.

Schlüsselwörter

Aphasie, Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie, Komposition, Komposita, Wortbildung, Sprachverarbeitung, Mentales Lexikon, Agrammatismus, Paragrammatismus, Semantische Transparenz, Nominalkomposita, Morphem, Bilingualität, Sprachproduktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Zusammenspiel von Aphasie und sprachlicher Identität (Monolingualität vs. Bilingualität) im Hinblick auf die Verarbeitung komplexer Wortstrukturen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Neben der Definition und Klassifikation von Aphasie-Syndromen stehen die linguistische Analyse der Komposition sowie kognitive Modelle der Sprachverarbeitung im Vordergrund.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Es soll geklärt werden, ob sich die Produktion und Perzeption von Komposita zwischen monolingualen und bilingualen aphasischen Sprechern unterscheidet und ob diese Wörter als Ganzes oder dekomponiert gespeichert sind.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Fallstudien zur nominalen Kompositaverarbeitung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Sprachstörungen und Wortbildungsregeln sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion von vier Studien zu diesem Themenbereich.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Aphasie, Komposita, morphem-basierter Abruf, semantische Transparenz und psycholinguistische Verarbeitungsmodelle.

Was unterscheidet die Broca- von der Wernicke-Aphasie hinsichtlich ihrer Symptomatik?

Die Broca-Aphasie zeichnet sich primär durch Agrammatismus und stockende, mühsame Sprachproduktion bei relativ erhaltenem Verständnis aus, während die Wernicke-Aphasie durch flüssige, aber paragrammatische Produktion und Wortverständnisprobleme gekennzeichnet ist.

Welche Rolle spielt die semantische Transparenz bei der Verarbeitung von Komposita?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die semantische Transparenz einen erheblichen Einfluss hat, wobei transparente Komposita häufiger zu morphem-basierten Fehlern führen, was für eine Dekomposition im mentalen Lexikon spricht.

Was besagt die Hypothese zum morphem-basierten Abruf?

Sie postuliert, dass das Gehirn komplexe Komposita nicht als Ganzworteinträge abruft, sondern in ihre Einzelbestandteile (Morpheme) zerlegt und diese separat verarbeitet.

Final del extracto de 54 páginas  - subir

Detalles

Título
Produktion und Perzeption polymorphematischer Wortstrukturen von monolingualen und bilingualen Aphasikern
Universidad
University of Wuppertal
Calificación
2,3
Autor
Johanna Kaiser (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
54
No. de catálogo
V232644
ISBN (Ebook)
9783656495550
ISBN (Libro)
9783656495673
Idioma
Alemán
Etiqueta
produktion perzeption wortstrukturen aphasikern
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Johanna Kaiser (Autor), 2012, Produktion und Perzeption polymorphematischer Wortstrukturen von monolingualen und bilingualen Aphasikern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232644
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Extracto de  54  Páginas
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