Mit der immer wiederkehrenden Kritik am heutigen Kapitalismus und dessen Begleiterscheinungen in der globalisierten Welt erscheint es durchaus lohnenswert, sich einmal mit seinen Ursprüngen bzw. seinem Vorläufermodell – dem Merkantilismus – zu befassen. Da das kapitalistische Wirtschaftsmodell großenteils im europäischen Raum und im kulturell europäisch verwurzelten Nordamerika seinen Anfang hatte, ist auch für seinen Vorgänger auf das im 18. Jahrhundert überwiegend absolutistische Europa, in diesem Falle Preußen, zu schauen. Aus diesem Grunde soll diese Proseminararbeit neben einer kurzen Erläuterung der Bedeutung des Wortes „Merkantilismus“ am Anfang besonders auf eine typisch merkantilistische Spielart der Warenherstellung eingehen, die so genannte Manufaktur – ihres Zeichens Vorläuferin der Fabrik. Dieses Phänomen genauer betrachtet erläutert sehr anschaulich die Funktionsweise des merkantilen Wirtschaftens, speziell im Hinblick darauf, dass es sich bei diesem System ja um ein sehr stark staatlich beeinflusstes handelte. Es lässt sozusagen bei ausführlichem Befassen mit demselben, beispielsweise auch mit Militärfragen, genügend tiefe Einblicke in die preußische Staatsraison zu, sodass – in die richtigen Zusammenhänge gebracht – man in Anbetracht des begrenzten Rahmens einer Proseminararbeit andere Gliederungspunkte weglassen kann, welche sich ihrerseits der Staatswirtschaft zuwenden würden. Hierzu habe ich mich unter anderem Werken wie „Der Merkantilismus“ von Georg Eckert, „Die Entwicklung der Wirtschaft im Zeitalter des Merkantilismus 1620-1800“ von Rainer Gömmel und „Der Merkantilismusbegriff und die Rolle des absolutistischen Staates im vorindustriellen Preussen“ von Jutta Hosfeld-Guber bedient. Hinsichtlich der Quellen habe ich beispielsweise die „Publicationen aus den königlich preussischen Staatsarchiven“ oder aus den „Acta Borussica“ Quellen zusammengetragen und bearbeitet von Hugo Rachel herangezogen. Der Merkantilismus wird zwar im allgemeinen als selbstständiger Wirtschaftsstil der Epoche des Absolutismus in Europa angesehen, jedoch sehen ihn Wissenschaftler heute eher als loses Gerüst teilweise übereinstimmender, teilweise divergierender Vorgehensweisen und Auffassungen der damaligen Herrscher und Wirtschaftsgelehrten. So weiß man heute, dass es nie eine Art von jedem befolgten Regelkatalog gab und jeder Regierende zumeist eine von seinen Vorgängern und Nachfolgern abweichende Interpretation vollführte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die preußische Staatswirtschaft anhand der Manufaktur
2.1. Der Begriff „Merkantilismus“
2.2. Der Begriff „Manufaktur“
2.3. Arbeitskräftebeschaffung
2.4. Militärausgaben
2.5. Subventionen, Monopole und Schutzmechanismen
2.6. Das merkantilistische Wesen der preußischen Manufakturpolitik
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Ausgestaltung der merkantilistischen Staatswirtschaft im Preußen des 18. Jahrhunderts. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Manufakturwesens als zentralem Instrument staatlicher Wirtschaftslenkung sowie dem Vergleich der wirtschaftspolitischen Ansätze unter den Regierungen von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II.
- Grundlagen des Merkantilismus und der Manufaktur im historischen Kontext
- Methoden der staatlichen Arbeitskräftebeschaffung und Bevölkerungsansiedlung
- Zusammenhang zwischen Militärausgaben und manufaktureller Produktion
- Staatliche Lenkungsmaßnahmen: Subventionen, Monopole und protektionistische Bestimmungen
- Vergleich der merkantilistischen Wirtschaftspolitik der preußischen Könige
Auszug aus dem Buch
2.2. Der Begriff „Manufaktur“
Die „Manufaktur“ (von lateinisch manus – Hand und facere – machen) war gemeinhin ein handwerklich arbeitender gewerblicher Großbetrieb von zehn oder mehr Arbeitskräften, welcher erst während des absolutistischen Zeitalters aufkam und erstmals in der Lage war, Güter in größerer Stückzahl für den Massenbedarf beispielsweise beim Militär herzustellen. Auf der anderen Seite gab es aber auch – besonders am Hofe – Bedarf an hochwertigen Luxusgegenständen, welche auch in Manufakturen hergestellt wurden.
Da der merkantile Regierende wie bereits erwähnt die Produktivität seines Staates durch Wirtschaftslenkung erhöhen wollte, war die Manufaktur, die entweder direkt dem Staatswesen zugehörig war oder im Besitz eines einzelnen Unternehmers war, ein geeignetes Werkzeug, um die die ökonomische Entwicklung teilweise durch Maßnahmen wie den so genannten blauen Montag, einen entweder arbeitsfreien oder zumindest weniger arbeitsintensiven Tag, stark verlangsamenden Zunftbestimmungen zu umgehen.
Weitere – arbeitshistorisch revolutionäre Neuerung – war die Tatsache, dass in einer Manufaktur der einzelne Arbeiter nicht mehr wie noch im kleinen Handwerksbetrieb mittelalterlicher Prägung bis zum Schluss alle Arbeitsschritte bei der Entstehung einer Ware selbst mitmachte, sondern wohnten während des Produktionsprozesses nur noch jeweils Teilprozessen bei. Diese Arbeitsteilung führte zu einer Spezialisierung der Arbeitskraft und infolge dessen zu einer schnelleren und besseren Fertigung, was sich wiederum produktivitätssteigernd auswirkte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz des Merkantilismus als Vorläufermodell des Kapitalismus und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie die herangezogene Quellenbasis.
2. Die preußische Staatswirtschaft anhand der Manufaktur: Dieses Kapitel bildet das Kernstück der Arbeit und analysiert die Instrumente der preußischen Wirtschaftslenkung, inklusive Arbeitskräftebeschaffung, Militärbezug und protektionistischer Maßnahmen.
2.1. Der Begriff „Merkantilismus“: Der Abschnitt definiert den Merkantilismus als Instrument der absolutistischen Machtpolitik und staatlichen Einflussnahme.
2.2. Der Begriff „Manufaktur“: Hier wird die Manufaktur als gewerblicher Großbetrieb und Vorläuferin der Fabrik sowie deren Rolle in der Arbeitsteilung beschrieben.
2.3. Arbeitskräftebeschaffung: Das Kapitel behandelt die Maßnahmen zur Bevölkerungspolitik und Ansiedlung von Fachkräften, um den Arbeitskräftebedarf in Wirtschaft und Militär zu decken.
2.4. Militärausgaben: Dieser Teil untersucht den Zusammenhang zwischen staatlichen Militärausgaben und der Stimulierung des Manufakturwesens durch Aufträge.
2.5. Subventionen, Monopole und Schutzmechanismen: Es werden die staatlichen Lenkungsinstrumente wie finanzielle Förderungen, Privilegien und Zölle in ihrer Wirkung auf die Wirtschaft diskutiert.
2.6. Das merkantilistische Wesen der preußischen Manufakturpolitik: Der Abschnitt reflektiert das Zusammenwirken von Gewerbeschutz und Akzisepolitik unter den verschiedenen preußischen Regenten.
3. Resümee: Das Resümee fasst die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ansätze von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. zusammen und bewertet deren Umsetzung.
Schlüsselwörter
Merkantilismus, Preußen, Manufaktur, Staatswirtschaft, Absolutismus, Friedrich Wilhelm I., Friedrich II., Wirtschaftslenkung, Handelsbilanz, Arbeitsteilung, Manufakturpolitik, Protektionismus, Militärwesen, Akzise, Gewerbeschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Proseminararbeit untersucht die Entwicklung und Ausgestaltung der preußischen Staatswirtschaft unter merkantilistischen Gesichtspunkten im 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Manufakturwesen, die staatliche Wirtschaftslenkung, die Arbeitskräftebeschaffung sowie die fiskalische Bedeutung des Militärs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise der merkantilen Wirtschaft in Preußen aufzuzeigen und die unterschiedlichen politischen Strategien der Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine analytische und vergleichende historische Untersuchung, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen von Merkantilismus und Manufaktur, die Rekrutierung von Arbeitskräften, die Rolle des Militärs als Konjunkturfaktor sowie staatliche Subventions- und Schutzmaßnahmen analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Merkantilismus, Manufaktur, Staatswirtschaft und protektionistische Handelsbilanzpolitik geprägt.
Welche Rolle spielten die Hugenotten bei der Ansiedlungspolitik?
Die Hugenotten waren entscheidend für die Ansiedlungspolitik, da sie spezialisiertes Wissen in der Luxusgüterherstellung mitbrachten, was der preußischen Handelsbilanz zugutekam.
Warum unterschieden sich die Ansätze von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II.?
Während Friedrich Wilhelm I. primär die Landwirtschaft förderte, legte Friedrich II. einen stärkeren Fokus auf merkantilistische Grundsätze wie den Schutz heimischer Manufakturen durch Monopole und Zölle.
Inwiefern beeinflussten Militärausgaben das Manufakturwesen?
Militärausgaben fungierten als Konjunkturprogramm, da die Armee als Großabnehmer für Textilien und Ausrüstung auftrat, was zur Spezialisierung und Produktivitätssteigerung in den Manufakturen beitrug.
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- Harry Körner (Author), 2007, Die merkantilistische Staatswirtschaft in Preußen. Ausgestaltung und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232768