Coaching von Führungskräften: Sind positive Effekte für die Gesundheit verlässlich nachweisbar?


Seminararbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Coaching?
2.1 Definition Coaching
2.2 Wie funktioniert Coaching?
2.3 Abgrenzung von Coaching zu Consulting und Psychotherapie

3. Gesundheits- und Stressmanagementcoaching bei Fuhrungskraften
3.1 Definition Gesundheit
3.2 Notwendigkeit von Gesundheitsmabnahmen bei Fuhrungskraften
3.3 Wirksamkeit von Gesundheitscoaching bei Fuhrungskraften

4. Implikationen fur Forschung und Praxis

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung

"Man kann einen Menschen nichts lehren. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden." Dieser Sinnspruch des bekannten Mathematikers und Philosophen Galileo Galilei findet sich heutzutage oft als Maxime auf den Internetseiten vieler Coaching-Angebote, denn er beschreibt zutreffend die Zielstellung solcher Programme. Doch schon zu Lebzeiten von Galileo Galilei nahmen Konige und Wurdentrager den Beistand von Beratern in Anspruch, um klug ihr Reich zu verwalten oder um wichtige Entscheidungen zu reflektieren. Im 21. Jahrhundert sind es Top-Manager und ambitionierte Fuhrungskrafte, die auf einen Coach setzen, um eigene Fahigkeiten und Talente zu entwickeln. So ergab eine Onlinebefragung von 140 Unternehmen durch das Harvard Business Review und die Harvard Medical School, dass im Jahr 2009 48 % der untersuchten Unternehmen einen Coach zur Verbesserung der Fuhrungsfahigkeit und Performanz ihrer Top-Manager und Executives einsetzten (Coutu & Kauffman, 2009). Allerdings erinnern die horrenden Kosten solcher Trainings eher an feudalistische Zustande, wie sie wohl Galilei erlebt haben durfte. Es stellt sich folglich die Frage, ob die Ergebnisse von Coachings diese Investitionen rechtfertigen bzw. worin uberhaupt konkrete Resultate bestehen.

In dieser Seminararbeit soll zunachst geklart werden, was unter Coaching global zu verstehen ist, wie es funktioniert und durch welche Charakteristika es sich von anderen Beratungskonzepten unterscheidet. Der Schwerpunkt dieser Auseinandersetzung liegt dabei auf der Diskussion der Wirksamkeit von Gesundheitscoachings bei Fuhrungskraften. Dabei werden zunachst die Dimensionen von Gesundheit erlautert, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt wurden, um auf dieser Grundlage die moglichen Effekte von Coachings zu bewerten. Die gesellschaftliche Relevanz jeglicher gesundheitlicher Prevention und -Kompetenzvermittlung im beruflichen Umfeld ist aufgrund der zunehmenden Krankenstande durch arbeitsbedingte Belastungen wie Burn-Out und damit verbundene unternehmerische Produktionsausfalle unbedingt gegeben. AbschlieBend sollen Schwachpunkte dieser Coaching-Programme eruiert und Vorschlage zur Verbesserung des wissenschaftlichen und praktischen Wertes von Coachings reflektiert werden.

Der Umfang dieser Seminararbeit macht es unmoglich alle mit Gesundheitscoachings im Zusammenhang stehenden Themenfelder, wie beispielsweise eine detaillierte Schilderung der sehr vielfaltigen Methoden und Praktiken naher zu behandeln. Dazu kann im Literaturverzeichnis weiterfuhrende Lekture, auf die sich diese Seminararbeit bezieht, eingesehen werden.

2. Was ist Coaching?

2.1 Definition Coaching

In Landern wie Deutschland oder den USA, in denen Coaching-Angebote zunehmende Popularitat geniefien und in fast alien Lebensbereichen Anwendung finden, haben selbst viele Laien eine Vorstellung, was unter Coaching zu verstehen ist. Doch nicht uberall hat sich Coaching schon so etabliert und es bedarf einer formalen Definition dieses Konzepts. Nicht zuletzt da mittlerweile bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Coaching-Ansatze existieren und es so durchaus zu begrifflichen Ungenauigkeiten und Verwechselungen kommen kann.

In einer systematischen Analyse akademischer und nichtakademischer Fachliteratur haben Robert Hamlin, Andrea Ellinger und weitere Forscher uber 40 Definitionen des Begriffs Coaching zusammengetragen und ausgewertet. Laut den Autoren versteht man unter Coaching eine partnerschaftliche Beratungs- und Trainingsmethode, die dazu dient bestehende Fahigkeiten, Kompetenzen und Leistungen zu verbessern und weiter zu entwickeln und somit personliche Wachstumspotentiale zu fordern und die eigene Lebensqualitat zu erhohen (Beattie, Ellinger & Hamlin, 2008). Ahnlich definiert es auch der weltweit grofite Coachingverband, die International Coach Federation (ICF), der Coaching auf seiner Website auch als "partnerschaftlichen", "gedanklich anregenden" und die eigenen "personlichen und beruflichen Potentiale" freisetzenden Beratungsprozess beschreibt (ICF, 2013). Im Unternehmenskontext ist Coaching demnach als Mafinahme der Personalentwicklung einzuordnen.

2.2 Wie funktioniert Coaching?

Da Coaching, wie bereits erwahnt, heutzutage in vielen Situationen fur die unterschiedlichsten Anwendungen zum Einsatz kommt, existieren auch eine Fulle verschiedener Ansatze und Methoden. Dennoch lassen sich einige grundlegende Merkmale einer Coaching-Mafinahme bestimmen. Ein Coach soll seinem Klienten durch Feedback, Trainings und Beratung helfen sich selbst zu organisieren. Nach diesem Prinzip der Selbststeuerung sollen im Gesprach die individuellen Ziele und Potentiale des Klienten ermittelt werden, sowie Strategien zur eigenstandigen Planung, Umsetzung und Ergebniskontrolle kommuniziert werden (Hullmann, 2012). Es darf keine Abhangigkeit des Klienten von den Ratschlagen und Hinweisen des Coachs entstehen, stattdessen sollen vielmehr Selbstregulationsfahigkeiten zur selbststandigen Losung von Problemen aufgebaut werden (Rauen & Schaller, 1999). Umstritten ist, inwieweit eine systematische

Problemanalyse zu Beginn des Coachings erforderlich ist. Denn in vielen Fallen wird ohne eine genaue Bestandsaufnahme sofort mit der Erarbeitung von Losungen begonnen, um eine Problemfixierung auf Seiten des Klienten zu vermeiden (Greif, 2011).

Die Beziehung zum Coach sollte von Vertrauen, Empathie und Wertschatzung getragen sein, um ein offenes und konstruktives Gesprach uber Ziele, Wunsche und Defizite des Klienten zu ermoglichen. Oftmals werden vom Coach auch Imaginationsverfahren aus der Kurzeittherapie und der Positiven Psychologie eingesetzt, durch die der Klient lernen soll sich selbst und seine Probleme aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Dadurch kann die gedankliche Flexibilitat beim Coachee angeregt und die aktive Problembewaltigung gefordert werden.

2.3 Abgrenzung von Coaching zu Consulting und Psychotherapie

Die traditionellen klinischen beziehungsweise betriebswirtschaftlichen Beratungsmethoden Psychotherapie respektive Consulting weisen zum Teil methodische und inhaltliche Uberschneidungen mit Coaching auf, durfen aber nicht synonym verwendet werden, sondern es bedarf einer begrifflichen Differenzierung.

In einem reinen Consulting-Verhaltnis werden die externen Berater bezahlt, um klare unternehmerische Handlungsanweisungen, zum Beispiel zur Sanierung einer Firma, zu erarbeiten und zu realisieren. Weiterhin richtet sich der Beratungsschwerpunkt auf die Leistung der gesamten Organisation. Coaching implementiert zwar durchaus Merkmale des klassischen Consulting, wie beispielsweise die Berucksichtigung organisationaler Interessen und die Einbeziehung des Managements in den Zielgestaltungsprozess, ist aber starker auf die Forderung von Einzelpersonen, zum Beispiel von Fuhrungskraften ausgerichtet (Coutu & Kauffman, 2009). Diese werden dabei nicht anhand einer rezeptartigen Handlungsanweisung durch den Coach, sondern durch eine Aktivierung und Freisetzung selbstregulatorischer Kompetenzen schrittweise zur eigenstandigen Problembewaltigung angeleitet (Greif, 2011).

Die Abgrenzung von Coaching zur Psychotherapie ist nicht unproblematisch, da beide Konzepte die Beratung im Umgang mit bedrohlichen, angstigenden und gesundheitsschadlichen Lebenssituationen beinhalten konnen. Die Psychotherapie ist dabei naturlich die ursprungliche Domane, wenn es um die Diagnose und Bearbeitung psychischer Disfunktionalitaten geht. Nichtdestotrotz zeigen auch die Klienten eines Coaching zum Teil klinische Symptome, die auf eine ernsthafte psychische Storung hinweisen und somit fur das Coaching relevant werden, zum Beispiel Depressionen als Folge von mangelnder beruflicher Selbstverwirklichung (Brode, 2011). Der Coach wie auch der Therapeut werden vom Klienten dafur bezahlt die problemrelevanten Fragen zu stellen und auch in einem Business­Coaching von Fuhrungskraften konnen im Gesprach private Fragen thematisiert werden (Coutu & Kauffman, 2009). Allerdings versucht der Coach seinen Klienten auf ein losungsorientiertes Verhalten in der Zukunft zu sensibilisieren, wahrend in der klassischen Therapie auch die Aufarbeitung belastender Erlebnisse in der Vergangenheit des Patienten eine Rolle spielt. Typischerweise ist ein Coaching auch nicht der geeignete Rahmen fur schwere klinische Probleme eines Klienten. Stattdessen wird im Coaching davon ausgegangen, dass der Klient grundsatzlich gesund ist und fahig sich mit Unterstutzung selbst zu helfen (Greif, 2011).

Zusammenfassend lasst sich konstatieren, dass Coaching ein eigenstandiges Konzept neben Consulting und Psychotherapie darstellt. Zweifelsohne bestehen Schnittmengen zu den anderen Beratungsformen, aber es ist eben weder auf einer klar rational-okonomischen Ebene angesiedelt, noch handelt es sich um ein rein therapeutisches Verfahren.

3. Gesundheits- und Stressmanagementcoaching bei Fuhrungskraften

3.1 Definition Gesundheit

Um die Wirksamkeit von Coaching-Programmen auf die Gesundheit der beratenen Fuhrungskrafte nachzuweisen beziehungsweise widerlegen zu konnen, bedarf es zunachst einer inhaltlichen Definition, was denn genau unter Gesundheit im weiteren Sinne zu verstehen ist, um dann zu prufen, ob diese genannten Kriterien durch einen erfolgreichen Coach nachweisbar beeinflusst werden konnen.

1946 definierte die Weltgesundheitsorganisation Gesundheit als Zustand eines "vollkommenen korperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens" und nicht nur als "die Abwesenheit von Krankheiten und Gebrechen" (WHO, 2006, S. 1). 1986 erganzte man den Gesundheitsbegriff noch um Aspekte der Selbstbestimmung des Einzelnen. Seither gelten aus Sicht der WHO folgende weitere Grundbedingungen fur Gesundheit:

» ein stabiles Selbstwertgefuhl

» ein positives Verhaltnis zum eigenen Korper

» Freundschaft und soziale Beziehungen

» eine intakte Umwelt

» eine sinnvolle Arbeit und gesunde Arbeitsbedingungen

» Gesundheitswissen und der Zugang zu Gesundheitsversorgung

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Coaching von Führungskräften: Sind positive Effekte für die Gesundheit verlässlich nachweisbar?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Psychologie)
Veranstaltung
Personalpsychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V232814
ISBN (eBook)
9783656498261
ISBN (Buch)
9783656499787
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
coaching, führungskräften, sind, effekte, gesundheit
Arbeit zitieren
Philipp Lubensky (Autor), 2013, Coaching von Führungskräften: Sind positive Effekte für die Gesundheit verlässlich nachweisbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232814

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