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Die ADI-Zuflüsse betrugen im vergangenen Jahr (2002) insgesamt 53 Milliarden USDollar.
Abgesehen von Japan war das über die Hälfte jenes Anteils, der auf ganz
Asien entfiel (vgl. Kremb/Wagner, 2003, S. 79). Dieses große Volumen ausländischer
Direktinvestitionen, das bisher nach China floss, charakterisiert gleichzeitig die
wirtschaftliche Übergangsphase des Landes.
Dabei sind die ADI für die VR China nicht nur wegen ihres Kapitalbeitrags wichtig,
sondern auch als eine Quelle des Wissenstransfers (vgl. Altenburg, 2001, S.10).
Obwohl ADI nur eine von mehreren Möglichkeiten des Technologietransfers durch
Unternehmen darstellen (andere Möglichkeiten sind der Export technologiebasierter
Produkte oder die Lizenzvergabe an Vertreter im Ausland), kommt diesen vor allem
für Entwicklungsländer nach wie vor die größte Bedeutung zu. Dies ist in erster Linie
darauf zurückzuführen, dass eine Investition nicht alleine aus der Technologie,
sondern auch aus damit verbundenen weichen Faktoren, wie Managementerfahrung
und unternehmerischen Fähigkeiten besteht.
Eine positive Korrelation zwischen außenwirtschaftlicher Öffnung und dem
Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft wurde bereits in mehreren empirischen
Untersuchungen für Ostasien insgesamt, aber inzwischen auch für China belegt
(Bosse/Schüller, 1998, S.1320). Der technologische Wandel und die regionale
Wirtschaftsentwicklung der VR China sind also eng mit dem Zufluss von
Ausländischen Direktinvestitionen verbunden und sollen daher auch Gegenstand der
vorliegenden Arbeit sein:
Zunächst wird die allgemeine Bedeutung der ADI für China herausgestellt. Weiterhin
soll geklärt werden, welche Merkmale und Entwicklungen die ADI in China aufweisen. Dabei sollen auch die regionalen und sektoralen Schwerpunkte ausländischer
Investitionstätigkeit aufgezeigt werden.
Im zweiten Teil der Arbeit soll auf die Frage eingegangen werden, welche
Determinanten den Technologietransfer bestimmen, welchen Beitrag die ADI als
Technologieimpulsgeber ausüben und welche spezifischen Probleme beim ADIgebundenen
Technologietransfer nach China auftreten. Im letzten Teil der Arbeit steht
dann die technologische Leistungsfähigkeit und der technologische Wandel der VR
China im Mittelpunkt der Betrachtung. Letzterer soll exemplarisch anhand zweier
Branchen genauer verdeutlicht werden. Abschließend steht eine Schlussbetrachtung
der gegenwärtigen Situation in der VR China.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bedeutung und Merkmale Ausländischer Direktinvestitionen für die VR China
2.1 Entwicklung und Struktur der ADI in der VR China
2.2 Herkunftsländer und räumliche Verteilung der ADI
2.3 Sektorale Verteilung der ADI
3 Technologietransfer durch ADI
3.1 Voraussetzungen des Technologietransfers
3.2 Probleme im ADI-gebundenen Technologietransfer nach China
4 Forschungs- und Technologiepolitik der VR China
5 Technologische Leistungsfähigkeit und technologischer Wandel in der VR China
5.1 Elektroindustrie
5.2 Automobilindustrie
6 Schlussbetrachtung und Ausblick
7 Quellenverzeichnis
7.1 Literaturverzeichnis
7.2 Online Ressourcen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen ausländischen Direktinvestitionen (ADI) und dem technologischen Wandel in der Volksrepublik China im Kontext der wirtschaftlichen Transformationsphase. Das primäre Ziel ist es, den Beitrag von ADI als Technologietreiber zu analysieren, die Voraussetzungen für einen effektiven Technologietransfer zu beleuchten und die dabei auftretenden Hindernisse sowie die technologische Leistungsfähigkeit des Landes kritisch zu bewerten.
- Bedeutung und Charakteristika ausländischer Direktinvestitionen in der VR China.
- Determinanten und Voraussetzungen für erfolgreichen Technologietransfer durch ADI.
- Analyse spezifischer Problemstellungen beim Transfer von Technologien nach China.
- Entwicklung der nationalen Forschungs- und Technologiepolitik.
- Exemplarische Untersuchung des technologischen Wandels in der Elektro- und Automobilindustrie.
Auszug aus dem Buch
3.2 Probleme im ADI-gebundenen Technologietransfer nach China
Aufbauend auf den in den vorangegangenen Kapiteln genannten Determinanten und Voraussetzungen des Technologietransfers sollen nun die spezifischen Probleme des ADI-gebundenen Technologietransfers nach China erläutert werden. Die Ergebnisse basieren dabei größtenteils auf einer von Young und Lan im Jahr 1996 durchgeführten Fallstudie aus der Stadt Dalian im Nordosten Chinas.
Der Technologietransfer wird insbesondere von den Motiven ausländischer Investoren und deren lokaler Partner bestimmt: Die Abbildung 6 verdeutlicht in diesem Zusammenhang, dass rund ein Drittel der chinesischen Unternehmen (34%) bei einer Kooperation mit einem ausländischen Investor lediglich das Ziel verfolgen, staatliche Förderung zu erhalten, nicht aber Zugang zu technischem Wissen oder Know-how zu erlangen. Für weitere 25% der chinesischen Partnerunternehmen stellt der Zugang zu Kapital, das durch die ausländischen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird, den Hauptgrund einer Kooperation dar. Weniger als die Hälfte der Unternehmen beabsichtigt, technologisches Know-how im Sinne von unternehmerischen Fähigkeiten zu erwerben.
Auf der anderen Seite liegt die Hauptmotivation der meisten ausländischen Investoren in den niedrigen Produktionskosten. Fast die Hälfte aller Unternehmen (49%) sieht den Vorteil niedriger Lohnkosten und die damit verbundene Möglichkeit vor allem arbeitsintensive Produkte herzustellen, als Hauptgrund für ein Engagement in der VR China an. Ein weiteres Motiv vieler MNU für ein Engagement in der VR China liegt in der Chance, durch die Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen einen einfachen und direkten Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die wirtschaftliche Öffnung Chinas seit 1979 und die zentrale Rolle ausländischer Direktinvestitionen als Motor für wirtschaftliche Entwicklung und Technologietransfer.
2 Bedeutung und Merkmale Ausländischer Direktinvestitionen für die VR China: Analyse der Reformpolitik, der Investitionsphasen und der regionalen sowie sektoralen Verteilung des ausländischen Kapitals in China.
3 Technologietransfer durch ADI: Untersuchung des Konzepts des Technologietransfers sowie der grundlegenden Determinanten, die über den Erfolg von Wissensdiffusion durch multinationale Unternehmen entscheiden.
4 Forschungs- und Technologiepolitik der VR China: Überblick über die staatliche Steuerung der Wissenschafts- und Forschungslandschaft und die Bemühungen zur Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen.
5 Technologische Leistungsfähigkeit und technologischer Wandel in der VR China: Bewertung der technologischen Basis Chinas anhand der Branchen Elektro- und Automobilindustrie unter Berücksichtigung von Defiziten und Fortschritten.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Fazit über die Rolle der ADI als Technologieimpulsgeber sowie Bewertung der anhaltenden Abhängigkeit von ausländischem Know-how und der Notwendigkeit eines verbesserten Technologieschutzes.
Schlüsselwörter
Ausländische Direktinvestitionen, ADI, Technologietransfer, VR China, Systemtransformation, Technologischer Wandel, Forschungs- und Technologiepolitik, Joint Venture, Innovationsfähigkeit, Elektroindustrie, Automobilindustrie, Spillovereffekte, Know-how-Transfer, Wissensdiffusion, Wirtschaftliche Öffnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit ausländische Direktinvestitionen (ADI) als Katalysatoren für den technologischen Wandel und die wirtschaftliche Transformation in der Volksrepublik China fungieren.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Bedeutung von ADI, die Mechanismen und Voraussetzungen des Technologietransfers, die chinesische Technologiepolitik sowie die technologische Entwicklung in spezifischen Industriebranchen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag ausländische Unternehmen als Technologieimpulsgeber leisten und welche spezifischen Probleme einen effektiven Technologietransfer in das chinesische Wirtschaftssystem behindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine auf Sekundärquellen basierende wirtschaftsgeographische Untersuchung, die empirische Daten und Fallstudien (wie die von Young/Lan) auswertet, um die theoretischen Zusammenhänge zu belegen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Investitionsstrukturen, die Darstellung der Bedingungen für Technologietransfer, die Auswertung der staatlichen Technologiepolitik sowie eine vertiefende Betrachtung der Elektro- und Automobilindustrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ausländische Direktinvestitionen (ADI), Technologietransfer, Systemtransformation, Technologischer Wandel sowie Innovationspolitik.
Welche Rolle spielen die Sonderwirtschaftszonen für den Technologietransfer?
Sie dienten der Regierung als "marktwirtschaftliche Experimentierfelder", um ADI durch steuerliche und infrastrukturelle Anreize zu bündeln und so gezielt ausländisches Kapital und Know-how in ausgewählte Küstenregionen zu lenken.
Warum ist der Technologietransfer oft weniger effektiv als erhofft?
Oftmals fehlen den lokalen Partnerunternehmen die technologischen Fähigkeiten zur Absorption, während ausländische Investoren primär kurzfristige Ziele wie Gewinnmaximierung oder den Zugang zu günstigen Arbeitskräften verfolgen, statt State-of-the-art Technologien zu teilen.
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- Moritz Hoppe (Author), 2003, Technologischer Wandel und Direktinvestitionen in der VR China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23287