Zeitarbeit hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung in der Gesellschaft gewonnen. Im Zuge der Hartz-Gesetze und der damit einhergehenden Deregulierung der Arbeitnehmerüberlassung ist der Zeitarbeitsbranche ein regelrechter Boom widerfahren und die Anzahl der Zeitarbeitnehmer hat sich seit 2004 innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt. Seit jeher wird Zeitarbeit in den Medien stark diskutiert. Während Leiharbeit auf der Arbeitgeberseite ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument darstellt, um Beschäftigungsschwankungen im Unternehmen auszugleichen, steht diese in ständiger Kritik bei den Gewerkschaften. Niedriges Lohnniveau im Vergleich zu dem betriebseigenen Personal, soziales Abseits sowie geringe Übernahmechancen sind einige zu nennende Faktoren, die kritisch beurteilt werden. Nichtsdestotrotz wird auf der anderen Seite argumentiert, dass Zeitarbeit einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht und somit zur Beendigung der Arbeitslosigkeit führt. In dieser Arbeit wird aufgezeigt, inwiefern Zeitarbeit tatsächlich als Sprungbrett in das Erwerbsleben angesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise
2. Zeitarbeit in Deutschland
2.1 Normalarbeitsverhältnis
2.2 Zeitarbeit als eine Form der atypischen Beschäftigung
2.3 Funktionsweise der Zeitarbeit
2.4 Quantitative Entwicklung in Deutschland
3. Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.1 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) von 1972
3.2 Novellierungen des AÜG und schrittweise Deregulierung
3.3 Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
4. Struktur des Zeitarbeitsmarktes
4.1 Verleihbetriebe
4.2 Entleihbetriebe
4.3 Tätigkeitsbereiche der Zeitarbeitnehmer
4.4 Geschlechtsstruktur
4.5 Altersstruktur
4.6 Bildungsniveau
5. Zeitarbeit als Sprungbrett in das Erwerbsleben
5.1 Arbeitsmarktsituation der Zeitarbeitnehmer
5.1.1 Entlassungsrisiko
5.1.2 Dauer von Zeitarbeitsverhältnissen
5.1.3 Arbeitsmarktsituation nach der Zeitarbeit
5.2 Übernahmequoten durch Entleihbetriebe
5.3 Qualifizierungsmöglichkeiten
5.4 Arbeitsbedingungen
5.5 Fallbeispiel Dienstleistungen am Flughafen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Zeitarbeit als Instrument für den Einstieg in das Erwerbsleben (Sprungbrett-Funktion) fungiert, wobei der Fokus gezielt auf die Dienstleistungsbranche gelegt wird.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Entwicklung der Zeitarbeit in Deutschland.
- Untersuchung der strukturellen Merkmale des Zeitarbeitsmarktes.
- Evaluation der Arbeitsmarktsituation und der Übernahmechancen von Leiharbeitnehmern.
- Bewertung der Qualifizierungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen innerhalb der Branche.
- Empirische Fallstudie zur Situation von Leiharbeitnehmern in der Dienstleistungsbranche am Beispiel eines internationalen Flughafens.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
„Zeitarbeit eröffnet den Arbeitnehmern die Chance zur Qualifizierung durch Beschäftigung.“
Zeitarbeit hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung in der Gesellschaft gewonnen. Im Zuge der Hartz-Gesetze und der damit einhergehenden Deregulierung der Arbeitnehmerüberlassung ist der Zeitarbeitsbranche ein regelrechter Boom widerfahren und die Anzahl der Zeitarbeitnehmer hat sich seit 2004 innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt. Während sich im Jahr 2004 ca. 350.000 Arbeitnehmer in Deutschland in einem Leiharbeitsverhältnis befanden, waren es bereits 2006 mehr als 700.000, was einem Anteil der Zeitarbeit an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2,7 % entspricht. Der Aufwärtstrend hielt weiter an, denn im Juni 2011 waren 910.000 Menschen in einem Leiharbeitsverhältnis angestellt. Ein Rückgang der Leiharbeit in Deutschland ist auch in Zukunft nicht abzusehen. Im Gegenteil: Immer mehr Unternehmen setzen auf Zeitarbeit. So kündigte die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa an, am neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International zukünftig Flugbegleiter über Zeitarbeitsfirmen einzustellen, was in der Luftfahrtbranche bisher einzigartig ist.
Seit jeher ist Zeitarbeit oft im Fokus der Medien und wird stark diskutiert. Während Leiharbeit auf der Arbeitgeberseite ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument darstellt, um Beschäftigungsschwankungen im Unternehmen auszugleichen, steht diese in ständiger Kritik bei den Gewerkschaften. Niedriges Lohnniveau im Vergleich zu dem betriebseigenen Personal, soziales Abseits sowie geringe Übernahmechancen sind einige zu nennende Faktoren, die kritisch beurteilt werden. Des Weiteren werden Befürchtungen laut, dass keine neuen Arbeitsplätze entstehen, sondern die Stammbelegschaft langfristig gesehen durch Leiharbeitskräfte ersetzt wird. Nichtsdestotrotz wird auf der anderen Seite argumentiert, dass Zeitarbeit einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht und somit zur Beendigung der Arbeitslosigkeit führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Zeitarbeit ein, erläutert die Problemstellung sowie das Ziel der Untersuchung und beschreibt die methodische Vorgehensweise.
2. Zeitarbeit in Deutschland: Hier wird ein Überblick über die Zeitarbeit gegeben, insbesondere die Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis vorgenommen und die quantitative Entwicklung dargestellt.
3. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt behandelt die rechtlichen Grundlagen, insbesondere das AÜG von 1972 und die nachfolgenden Deregulierungsschritte bis hin zum Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt.
4. Struktur des Zeitarbeitsmarktes: Das Kapitel analysiert die Anzahl der Verleih- und Entleihbetriebe sowie die Merkmale der Leiharbeitnehmer, wie Geschlecht, Alter und Bildungsniveau.
5. Zeitarbeit als Sprungbrett in das Erwerbsleben: Der Hauptteil untersucht kritisch die Arbeitsmarktsituation, Übernahmequoten, Qualifizierungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen anhand theoretischer Analysen sowie eines praktischen Fallbeispiels am Flughafen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlussfolgert, dass die Zeitarbeit in der Dienstleistungsbranche entgegen der Zielsetzung kaum als wirksames Sprungbrett in eine dauerhafte Beschäftigung fungiert.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Dienstleistungsbranche, AÜG, Normalarbeitsverhältnis, Übernahmequote, Arbeitsmarkt, Qualifizierung, Entlohnung, Prekäre Beschäftigung, Flexibilisierung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Brückeneffekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle der Zeitarbeit in Deutschland, insbesondere im Dienstleistungssektor, und untersucht, ob sie tatsächlich als Sprungbrett in das Berufsleben dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Struktur des Zeitarbeitsmarktes, die Arbeitsbedingungen, Qualifizierungschancen sowie die tatsächlichen Übernahmequoten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Leiharbeitnehmer durch Zeitarbeit tatsächlich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern und langfristig in eine reguläre Beschäftigung übernommen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, statistischen Daten (wie dem Mikrozensus und IAB-Studien) sowie einer teilnehmenden Beobachtung als praktisches Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Arbeitsmarktsituation, dem Klebeeffekt bei Übernahmen, der Weiterbildungssituation und einem Fallbeispiel zur Entlohnung und Arbeitssituation am Flughafen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zeitarbeit, Übernahmequote, prekäre Beschäftigung, AÜG und Dienstleistungsbranche charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Weiterbildungssituation von Zeitarbeitnehmern von der Stammbelegschaft?
Zeitarbeitnehmer haben deutlich geringeren Zugang zu formellen, hochwertigen Weiterbildungen und Schulungen als die Kernbelegschaft, da Unternehmen eher an kurzfristigen Einsätzen interessiert sind.
Was zeigt das Fallbeispiel am Flughafen über die Arbeitsbedingungen?
Das Beispiel zeigt, dass Leiharbeitnehmer trotz teils anspruchsvollerer Tätigkeiten niedrigere Löhne, schlechtere soziale Leistungen und eine unsicherere Planungsperspektive im Vergleich zu Stammpersonal haben.
Welches Fazit zieht der Autor hinsichtlich der "Sprungbrett-Funktion"?
Der Autor kommt zu einem eher negativen Schluss: Aufgrund mangelnder Übernahmeeffekte, geringer Weiterbildungschancen und hoher Unsicherheit ist Leiharbeit für die Mehrheit kein erfolgreiches Sprungbrett in eine reguläre Beschäftigung.
- Arbeit zitieren
- Julia Markus (Autor:in), 2012, Zeitarbeit in der Dienstleistungsbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232881