Diese Arbeit stellt eine kritische Auseinandersetzung mit Darwins Memtheorie dar und beleuchtet in mittels einer komparativen Analyse die Rezeption der Memtheorie bei Pye und Bloch und somit exemplarisch in der Religionswissenschaft sowie Anthropologie.
Hintergrund ist die Problematik einer einheitlichen Kulturdefinition. Abhängig vom jeweiligen Fach, wie beispielsweise Kulturwissenschaft, Anthropologie oder Sozialwissenschaft, sind verschiedene Schwerpunkte und Verständnisse des Themas vorzufinden. Die Memtheorie ist dabei ein Ansatz zur Definition und Erklärung von Kultur. Diese ist aus evolutionsbiologischem, d.h. naturwissenschaftlichem Hintergrund entstanden. Um andere Sichtweisen mit einzubeziehen, wird auf die Rezeption innerhalb der Religionswissenschaft sowie der Anthropologie eingegangen. Dazu wird zunächst die Originaltheorie von Dawkins vorgestellt, dann deren Aufnahme bei Michael Pye und Maurice Bloch, um schlussendlich die beiden letztgenannten miteinander zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. R. Dawkins- Meme, die neuen Replikatoren
3. M. Pye- Memes and Models in the Study of Religions
4. M. Bloch- a well-disposed social anthropologist’s problems with memes
5. Vergleich
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der von Richard Dawkins entwickelten Memtheorie innerhalb der Religionswissenschaft und Anthropologie. Das Ziel ist es, durch einen Vergleich der Ansätze von Michael Pye und Maurice Bloch aufzuzeigen, wie unterschiedliche Fachdisziplinen das Konzept der Meme als Erklärungsmodell für Kultur und Religion aufgreifen, kritisieren und modifizieren.
- Grundlagen der Memtheorie von Richard Dawkins
- Anwendung des Mem-Konzepts in der Religionswissenschaft durch Michael Pye
- Anthropologische Kritik an der Memtheorie durch Maurice Bloch
- Vergleich der interdisziplinären Herangehensweisen
- Diskussion über die Existenz von Memen als kulturelle Einheiten
Auszug aus dem Buch
M. Bloch- a well-disposed social anthropologist’s problems with memes
Bloch beginnt seinen Aufsatz mit den positiven Aspekten der Memtheorie. Meme seien gut für Studenten, die generelles über die Menschheit lernen wollen, d.h. sie stellen ein klares, vorstellungsbildendes Konzept für Anfänger dar, die verstehen müssen, warum sich Kultur von genetisch bestimmten Verhaltensarten unterscheidet. Wenn man über Meme spricht, laufe man nicht Gefahr die Kultur als etwas Mysteriöses, Transzendentes und Immaterielles zu sehen. Andere Disziplinen wie Philosophie oder Sozialwissenschaft akzeptierten nicht, dass menschliches Wissen ein natürliches Phänomen ist, das sei jedoch der richtige epistemologische Standpunkt für Anthropologen. Aus diesem Grund sei das Kapitel über Mene in Dawkins the selfish gen eine „excellent, generel, well-written introduction“ zum Thema Kultur.
Die Diskussion über Meme präsentiere die Themen in einer Art, die den Leser realisieren lasse, dass sich Biologen und Sozialwissenschaftler mit verschiedenen Teilen eines einheitlichen Phänomens befassen. Daher müssen die verschiedenen Wissenschaftler auch kongruierende Theorien haben. In der Geschichte gab es zwar bereits viele Kooperationsversuche, doch sind diese meist aufgrund von beidseitigen Missverständnissen des jeweils anderen Faches missglückt. Die Memtheorie verdiene ein besseres Schicksal. Dazu müsse man zuerst zur Kenntnis nehmen, wie wenig Erfolg das Memkonzept bei Sozialwissenschaftlern hat. Die große Mehrheit der soziokulturellen Anthropologen würde nicht einmal das Wort bemerken oder reagieren ablehnend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Memtheorie als kulturwissenschaftlichen Ansatz ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die Rezeption durch Pye und Bloch zu vergleichen.
2. R. Dawkins- Meme, die neuen Replikatoren: Dieses Kapitel erläutert die von Richard Dawkins begründete Memtheorie, welche kulturelle Phänomene analog zur genetischen Replikation durch Imitation und Selektion erklärt.
3. M. Pye- Memes and Models in the Study of Religions: Michael Pye wendet das Mem-Konzept auf religionswissenschaftliche Fragestellungen an, um kulturelle Modellbildungen und Terminologieprobleme bei der Erforschung von Religionen zu analysieren.
4. M. Bloch- a well-disposed social anthropologist’s problems with memes: Maurice Bloch setzt sich aus anthropologischer Sicht kritisch mit der Memtheorie auseinander und hinterfragt insbesondere die Annahme, Kultur bestehe aus diskreten, isolierbaren Einheiten.
5. Vergleich: Dieser Abschnitt stellt die unterschiedlichen Herangehensweisen von Pye und Bloch gegenüber, wobei die praktische Anwendung der Theorie gegen eine grundlegende theoretische Skepsis abgewogen wird.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Bedeutung des durch die Memtheorie angestoßenen interdisziplinären Dialogs trotz der methodischen Kontroversen.
Schlüsselwörter
Memtheorie, Richard Dawkins, Memetik, Kulturwissenschaft, Religionswissenschaft, Anthropologie, Michael Pye, Maurice Bloch, Replikatoren, Kulturelle Evolution, Imitation, Memkomplex, Interdisziplinarität, Sozialanthropologie, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die von Richard Dawkins entwickelte Memtheorie von zwei Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachbereiche – dem Religionswissenschaftler Michael Pye und dem Anthropologen Maurice Bloch – rezipiert und kritisch hinterfragt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Evolutionsbiologie, Kulturwissenschaft, Anthropologie und Religionswissenschaft und thematisiert die Übertragbarkeit naturwissenschaftlicher Erklärungsmodelle auf kulturelle Phänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der Ansätze von Pye und Bloch, um zu erörtern, ob und wie das Memkonzept als Werkzeug für die Geistes- und Sozialwissenschaften nutzbar gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine komparative Methode, indem sie die primären Aufsätze von Pye und Bloch analysiert und diese vor dem theoretischen Hintergrund der Originaltheorie von Dawkins kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Dawkins'schen Theorie, die spezifische Anwendung durch Pye auf die Religionswissenschaft sowie die tiefgreifende anthropologische Kritik und Einordnung durch Bloch.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Memetik, kulturelle Evolution, Replikatoren, Imitation sowie die methodische Spannung zwischen biologischer Analogie und anthropologischer Wirklichkeit.
Wie bewertet Michael Pye die Memtheorie?
Michael Pye sieht in der Memtheorie ein nützliches Hilfsmittel, um die Lücke zwischen dem alltagssprachlichen Religionsverständnis der Laien und den abstrakten wissenschaftlichen Modellen zu überbrücken.
Warum übt Maurice Bloch Kritik am Mem-Konzept?
Bloch kritisiert vor allem die Annahme, dass Kultur in isolierbare „Bits“ zerlegbar sei. Zudem zweifelt er an der Existenz der Meme als reale biologische Einheiten und warnt vor einer unnötigen Biologisierung der Kulturwissenschaft.
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- M.Phil Lydia Einenkel (Autor), 2009, Dawkins Memtheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232944