Zeichen und Kommunikation


Seminararbeit, 2000

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Semiotik
1.) Einleitung
2.) Der Begriff des Zeichens
3.) Drei Typen von Zeichen
4.) Zeichen und Kommunikation

III.) Das sprachliche Zeichen

IV.) Dieter Wunderlich: Wie analysiert man Gespräche? Beispiel Wegauskünfte.
1.) Einleitung
2.) Vorbereitende Betrachtungen
3.) Die Entwicklung einer vorläufigen Hypothese über das Interaktionsmuster
4.) Prüfung der Hypothese: Mögliche Reduktionen
5.) Prüfung und Differenzierung der Hypothese: Mögliche Expansionen

V. Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

I.) Einleitung

Thema des Seminars war die „Semiotik räumlicher Orientierungsfelder.“ Die vorliegende Arbeit soll daher zunächst einen Einblick in die Semiotik verschaffen. Es wird zuerst eine kurze Einleitung gegeben, in welcher der Begriff der Semiotik näher definiert wird. In den folgenden Ausführungen wird der Zeichenbegriff in den Mittelpunkt gestellt. Es soll geklärt werden, was Zeichen sind und wie sie als Zeichen funktionieren können. Es folgen Ausführungen über die Verbindung von Zeichen und Kommunikation, die eine Überleitung zum Abschnitt sprachliche Zeichen darstellen, in welchem deren charakteristische Merkmale herausgearbeitet werden. In diesem Teil der Arbeit sollen die wichtigsten Gesichtspunkte verdeutlicht werden, die der Beschreibung von Zeichensystemen und damit auch der Sprache zugrunde liegen.

Nach den Ausführungen über das sprachliche Zeichen soll nun eine Darstellung am praktischen Beispiel erfolgen. Innerhalb des Seminars habe ich ein Referat über einen Aufsatz von Dieter Wunderlich gehalten. Der Titel seiner Arbeit heißt „Wie analysiert man Gespräche? Beispiel Wegauskunft“ und erschien 1978 in den Linguistischen Berichten Nr. 58.[1] Er untersucht darin eine ganz bestimmte Gesprächsart – die der Wegauskunft.

Zunächst wird eine kurze Einführung in die allgemeine Gesprächsanalyse gegeben. Dem folgt ein Ausblick auf die vorbereitenden Betrachtungen von Wunderlich. Im weiteren entwickelt er eine vorläufige Hypothese, die es zu erläutern und zu überprüfen gilt. Wunderlich verdeutlicht seine Ausführungen an 17 Beispielen, die hier leider nicht alle dargestellt und erklärt werden können; es erfolgt jedoch eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse.

II.) Semiotik

1.) Einleitung

„Semiotik bezeichnet die allgemeine Wissenschaft von den Zeichen. Sie macht Aussagen darüber, was Zeichen zu Zeichen macht, sie beschreibt die unterschiedlichen Zeichenarten und Zeichensysteme und sie beschäftigt sich mit dem Gebrauch, den Zeichenbenutzer (Menschen und Tiere) von den ihnen zur Verfügung stehenden semiotischen Ausdrucksmöglichkeiten machen.“[2]

Ihren Ausgangspunkt nimmt die traditionelle Zeichenlehre von einigen grundlegenden Eigenschaften des menschlichen Zeichenverhaltens, vor allem des Sprachgebrauchs. Produkte des Denkens können bedingt durch Zeichen (Wörter) nach außen gebracht und mitgeteilt werden. (Strittig ist die These, inwieweit sie eine Rolle in der Art spielen, wie Menschen die Gegebenheiten ihrer Umwelt gedanklich erfassen und verarbeiten.)

Die Semiotik ist auch ein Thema der Philosophie und gehört ganz in die Nähe von Erkenntnistheorie und Logik. Es wurde bereits von Anfang an erkannt, daß sprachliche Aussagen komplex sind. Im einfachsten Falle ist eine Aussage „eine Verbindung von Namen und Begriffen durch die Kopula ist.“[3] So kann z.B. über die Aussage Sokrates ist ein Mensch geurteilt werden, entweder ist sie wahr oder falsch, trifft zu oder nicht. Das gleiche kann jedoch von den Elementen solcher Aussagen nicht gesagt werden. Es handelt sich dabei um Namen und Begriffe, von denen man nicht weiß, wie sie sich ihrerseits auf das beziehen, was sie bezeichnen. Die Frage, was es ist, das ihren Zeichencharakter ausmacht, bezeichnet eines der Grundprobleme der Semiotik und wurde im Laufe der Geschichte immer wieder und unter den verschiedensten Gesichtspunkten diskutiert.

Entscheidende Beiträge zur Etablierung einer unabhängigen Wissenschaft von den Zeichen leisteten die amerikanischen Philosophen Ch.S. Peirce (1839-1914) und Ch.W. Morris (1901-1979) sowie der Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857-1913). Peirce löst mit seinem Werk die Zeichenlehre aus ihrer engen Bindung an die philosophische Tradition. Er hat deutlich die Charakteristika verschiedener Zeichenarten herausgearbeitet und stellt ebenso nicht länger allein ihren Bezeichnungs-Charakter in den Vordergrund, d.h. den Sachverhalt, daß Zeichen benutzt werden können, um auf etwas zu verweisen. Auch macht er auf ihre Funktion im Zeichenverkehr, also in der Kommunikation aufmerksam und bezieht damit einen Aspekt an Zeichen und Zeichensystemen systematisch in die Betrachtung ein.

Das Interesse von de Saussure richtet sich allein auf die sprachlichen Zeichen. Es sind jedoch zwei Aspekte in seinem Zeichenbegriff angelegt, die für die Semiotik insgesamt wichtig und für die Sprachwissenschaft grundlegend geworden sind. Zum einen definiert er das sprachliche Zeichen auf eine Weise, die eine klare Abgrenzung des Zeichengebrauchs vom Zeichen selbst ermöglicht. Er macht zum anderen deutlich, daß Zeichen nicht nur in ihrem Verhältnis zum Bezeichneten, zur Realität, betrachtet werden dürfen, sondern daß Zeichen immer in Beziehung zu anderen Zeichen stehen.

Die Beiträge von Peirce und de Saussure legten die Basis für die Entwicklung der modernen Semiotik als einer eigenständigen Disziplin. Die Tatsache, daß Kommunikation in diesem Jahrhundert immer sichtbarer und immer deutlicher nicht nur gesellschaftliche Phänomene begleitet, sondern überhaupt erst schafft, ist wohl ein wichtiger Grund dafür, daß sich die Semiotik in dieser Weise etablieren konnte.

2.) Der Begriff des Zeichens

Zunächst stellt sich die Frage, was Zeichen eigentlich sind. Zeichen sind etwa Wörter, Verkehrsschilder, der Pfiff eines Schiedsrichters, die hohe Temperatur einer kranken Person und vieles mehr. Wir sind umgeben von Zeichen und umgeben uns mit ihnen. „Zeichen bestimmen [somit] unser Leben.“[4] Doch gibt es etwas, was all diesen Zeichen gemeinsam ist? Eine Gemeinsamkeit scheint darin zu bestehen, daß diese Zeichen offenbar alle in einer speziellen Beziehung zu etwas anderem stehen, daß sie etwas repräsentieren oder anzeigen können. Das Studienbuch Linguistik verweist darauf, daß in der Scholastik „diese Charakteristik in einer letztlich auf Aristoteles zurückgehenden Definition als Stellvertreter-Funktion beschrieben [wird].“ Demnach ist nur dann von einem Zeichen zu sprechen, „wenn etwas für etwas anderes steht.“[5] Die obige Definition gibt also keine Einschränkung materieller Art. Es kann demnach grundsätzlich alles sinnlich Wahrnehmbare als Zeichen fungieren, vorausgesetzt es steht stellvertretend für etwas anderes.

Dennoch muß man nicht lange suchen, um festzustellen, daß es Zeichen gibt, die nicht auf einen konkreten Gegenstand verweisen, aber trotzdem etwas bezeichnen. So bezieht sich beispielsweise das rote Licht der Verkehrsampel nicht auf einen Gegenstand, zeigt aber dem Autofahrer, daß er halten muß. Es kann also grundsätzlich „alles durch ein Zeichen bezeichnet werden, auch Vorstellungen, Handlungen, Erinnerungen, Abstrakta, alles, was überhaupt Gegenstand unserer Wahrnehmung oder unserer Vorstellung werden kann.“[6] Doch welches sind nun die Bedingungen, unter denen etwas sinnlich Wahrnehmbares tatsächlich als Zeichen fungiert? Und sind diese Bedingungen für alle Zeichen die gleichen?

3.) Drei Typen von Zeichen

Peirce hat eine Einteilung von Zeichen vorgenommen, die hilfreich sein kann, die oben gestellten Fragen zu beantworten. Er nennt drei Typen von Zeichen, die sich in der Art ihres Bezugs auf den durch sie bezeichneten Gegenstand unterscheiden: Ikon, Index, Symbol. Ein Zeichen ist ein Index (oder Symptom), wenn es in einem Folge-Verhältnis zum Bezeichneten oder Gemeinten steht. Das heißt, das indexikalische Zeichen läßt Rückschlüsse auf etwas anderes zu. So wären beispielsweise rote Flecken ein Zeichen für Masern, Rauch für Feuer, Lachen für Freude, etc. Man spricht von einem Zeichen als Ikon (griech.: Bild), wenn seine Beziehung zum Gegenstand auf Ähnlichkeiten beruht. Ein Ikon steht zu seinem Objekt nicht in einer hinweisenden Beziehung, sondern in einer analogen. Bei symbolischen Zeichen hingegen beruht deren Beziehung zum Gegenstand weder auf einem Folgeverhältnis, noch auf Ähnlichkeit. Symbole sind bei Peirce „alle Zeichen, die ihr Objekt aufgrund einer Konvention bezeichnen.“ Die Beziehung zu seinem Objekt „ist nicht naturnotwendig, sondern beruht auf einer Gewohnheit, einer Regel, einer Konvention.“[7] In seinem Verständnis des Begriffs sind die Laut- und Schriftzeichen der menschlichen Sprachen fast ausschließlich Symbole. Diese knappe Beschreibung der drei Zeichentypen ist jedoch noch nicht ausreichend um zu klären, welche grundsätzlichen Bedingungen gegeben sein müssen, damit etwas sinnlich Wahrnehmbares zum Zeichen wird. Daher werden die Zeichentypen im Folgenden noch näher untersucht. Zum indexikalischen Zeichen wird etwas sinnlich Wahrnehmbares, „wenn wir es als Folgeglied in einem Wenn-Dann-Verhältnis auffassen und aus dem Vorliegen der Folge auf das (nicht unmittelbar ersichtliche) Vorliegen des Grundes schließen.“[8] Dieser Schluß setzt Erfahrungswissen von der Welt voraus, welches ziemlich stabil und einigermaßen zeitüberdauernd ist. Es bildet den Hintergrund für das Erkennen des Einzelfalls, denn ohne Wissen um die regelmäßigen Zusammenhänge können wir einen Einzelfall nicht als Anzeichen für etwas anderes, mit ihm Verbundenes wahrnehmen.

[...]


[1] Wunderlich, Dieter: Wie analysiert man Gespräche? Beispiel Wegauskunft. In: Linguistische Berichte 58. 12/1978. S.41-76.

[2] Linke, Angelika; Nußbaumer, Markus; Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. 2. Auflage. Tübingen 1994.

[3] Ebd. S. 14

[4] Keller, Rudi: Zeichentheorie. Tübingen 1995.

[5] Studienbuch, S.17

[6] ebd. S.19

[7] Bentele, Günter; Bystrina, Ivan: Semiotik. Stuttgart 1978.

[8] Studienbuch Linguistik, S.20

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zeichen und Kommunikation
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Abteilung Linguistik)
Veranstaltung
Semiotik räumlicher Orientierungsfelder
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V23295
ISBN (eBook)
9783638264419
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
9929
Schlagworte
Zeichen, Kommunikation, Semiotik, Orientierungsfelder
Arbeit zitieren
Melanie Koßmann (Autor), 2000, Zeichen und Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23295

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