Negatives Lehrerverhalten und Lehrergewalt in der Schule.

Eine Interviewstudie.


Masterarbeit, 2013

75 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung: Entwicklung der Forschungsfrage

2 Bisheriger Forschungsstand
2.1 Definition der Begriffe „Lehrergewalt“ und „negatives Lehrer- verhalten“
2.2 Ausgewählte Studien zum Thema

3 Vorgehensweise zur Erhebung der Daten
3.1 Gewinnung der Interviewpartner
3.2 Vorbereitung der Interviews
3.3 Durchführung der Interviews
3.4 Transkription der Interviews
3.5 Auswertung der Interviews
3.6 Auswertung der Online-Fragebögen

4 Auswertung der Daten
4.1 Quantitative und qualitative Daten des Fragebogens
4.2 Qualitative Daten der Interviews
4.2.1 Gewaltbegriff
4.2.2 Erlebte Formen
4.2.3 Häufigkeit
4.2.4 Entwicklung der Situation
4.2.5 Rolle der Klasse
4.2.6 Rolle des Lehrers/der Lehrerin
4.2.6.1 Beschreibung der Lehrperson allgemein
4.2.6.2 Verhalten der Lehrperson im Konflikt
4.2.7 eigene Rolle
4.2.7.1 Gefühle, Empfindungen und Erwartungen
4.2.7.2 Konfliktbewältigung und Hilfeverhalten

5 Methodenkritik

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

Eigenständigkeitserklärung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Soziodemografie. Geschlecht

Tabelle 2: Soziodemografie. Geburtsjahre

Tabelle 3: Soziodemografie. Ausbildungsdauer

Tabelle 4: Situationen

Tabelle 5: Lehrer

Tabelle 6: Erfahrungen

Tabelle A1: Kategoriensystem Texteingaben Fragebogen, alphabetisch sortiert

Tabelle A2: Beispielcodierungen für Texteingaben Fragebogen

Tabelle A3: Kategoriensystem für Interviews, alphabetisch sortiert

Tabelle A4: Beispielcodierungen für Interviews

1 Einleitung: Entwicklung der Forschungsfrage

Schon seit vielen Jahren hat sich die Gewaltforschung in der Soziologie, aber auch in der Erziehungswissenschaft etabliert. Beide Bereiche arbeiten dabei oft Hand in Hand. Allerdings ist die Gewaltforschung, wie sie seit Jahren und auch aktuell betrieben wird, weitestgehend auf Gewalthandlungen konzentriert, die vom Schüler[1] ausgehen. So wird die Gewalt von Schülern untereinander am häufigsten erforscht, auch Gewalt von Schülern gegenüber Lehrern findet zunehmend Beachtung. Was aber bisher kaum erforscht ist, ist die Gewalt in der Schule, die von den Lehrern ausgeht[2].

Ab und zu findet man Meldungen, in denen es heißt, ein Lehrer oder eine Lehrerin habe einen Schüler ernsthaft beleidigt ober habe ihn unter besonderer „Beobachtung“. Das nachfolgende Szenario liefert einen Eindruck zum Geschehen in den Klassenzimmern:

Es war im November vergangenen Jahres, in der Klasse des Viertklässlers ging es laut her, wie das eben oft der Fall ist, wenn die Klassenleiterin fehlt. Die Vertretungslehrerin versuchte, sich Gehör zu verschaffen, die Kinder alberten weiter – und plötzlich dieser Ausraster. „Die Lehrerin, so hat es uns unser Sohn erzählt, trat von hinten an eine Gruppe sitzender Kinder heran und knallte deren Köpfe auf die Pulte“, sagt Marks Vater Michael K.*.[3]

Man mag dies für einen Einzelfall halten – schließlich ist die Prügelstrafe oder anderweitige Anwendung körperlicher Gewalt in der Schule seit den 1970er Jahren verboten – doch im Rahmen dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass Gewalt jeglicher Art durch Lehrer und Lehrerinnen kein Einzelfall ist[4]. Außerdem soll das Spektrum der Art der Gewaltanwendung, das von psychischer bis zu physischer Gewalt reichen kann, dargestellt, Aussagen zur erlebten Intensität getroffen und spezielle Auswirkungen des Erlebten deutlich gemacht werden. Somit lässt sich die folgende Forschungsfrage aufstellen:

Welche Erfahrungen haben Studenten insbesondere während ihrer Schulzeit mit negativem Lehrerverhalten und/oder Lehrergewalt gemacht?

Dabei sollen außerdem der Einfluss der Lehrperson, der Einfluss der Klasse und das eigene Verhalten in die Analyse einbezogen werden. Die maßgeblichen Daten wurden über problemzentrierte Interviews mit 10 freiwilligen Teilnehmern erhoben. Die genaue Vorgehensweise wird in Kapitel 3 beschrieben.

Um vorher einen Überblick über die Lage der Gewaltforschung im Themengebiet „Lehrergewalt“ zu erhalten, werden im Kapitel 2, nachdem eine Definition des Begriffs „Lehrergewalt“ erfolgt ist, einige Studien mit samt ihren Ergebnissen zum Thema vorgestellt. Der Kern der Arbeit ist jedoch die detaillierte Auswertung der Interviews nach den Gesichtspunkten Form, Häufigkeit, Zustandekommen und Entwicklung der Situation, Rolle der Klasse, des Lehrers, die eigene Rolle sowie der Beschreibung des Lehrertyps.

Da die empirische Sozialforschung zwar viele Möglichkeiten zur Beschreitung verschiedener Forschungsgebiete bereithält, aber auch viele Fehlerquellen birgt, muss im Anschluss an die Analyse eine kritische Betrachtung des methodischen Vorgehens anhand der einschlägigen Gütekriterien erfolgen.

Abschließend sollen die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst werden. Obwohl aufgrund der Auswahl und Größe der Stichprobe keine repräsentativen Aussagen getroffen werden können, lässt sich doch wenigstens zeigen, dass Gewalt durch Lehrer existent ist und nicht aus dem Fokus der Forschung verloren gehen darf, sondern vielmehr in das Forscherblickfeld aufgenommen werden muss.

2 Bisheriger Forschungsstand

Wie bereits erwähnt ist die Gewaltforschung in vielen Facetten in Soziologie und Erziehungswissenschaft seit spätestens den 1980er Jahren sehr ausgeprägt. In den einzelnen Jahrzehnten lassen sich gewisse Trends bezüglich thematischer Fokussierung und der Wahl spezieller Forschungsmethoden erkennen[5]. Doch bis heute gibt es kaum Untersuchungen zur Gewalt, die von Lehrern ausgeht. Um sich diesem Thema nähern zu können, soll zunächst eine Definition aufgestellt werden, um abzustecken, was mit den Begriffen „Negatives Lehrerverhalten“ und „Lehrergewalt“ zum einen in der Forschung, zum anderen auch in dieser Arbeit verstanden werden soll. Davon ausgehend werden im Anschluss eine Auswahl der wenigen Erkenntnisse zum Thema Lehrergewalt vorgestellt und deutlich gemacht, in welchem Verhältnis diese zur vorliegenden Arbeit stehen.

2.1 Definition der Begriffe „Lehrergewalt“ und „negatives Lehrerverhalten“

Die beiden Begriffe werden in dieser Arbeit häufig gebraucht und müssen daher differenziert dargestellt werden. Sie bezeichnen dabei jeweils unterschiedliche Phänomene im Schulkontext. Dem Begriff Lehrergewalt liegt eine engere Definition zugrunde. Er meint die Vorfälle, die in der einschlägigen Forschung als „Gewalt“ bezeichnet werden und umfasst folglich das gesamte Spektrum struktureller und personaler Gewalt mit der Unterteilung in physische und psychische. Mit diesen Formen wird die Schädigung von Menschen beabsichtigt und ist durchgehend negativ konnotiert[6]. Die Gewalt aber, die als Voraussetzung für Demokratie – auch in der Schule – zu sehen ist, soll nicht unter den Begriff der Lehrergewalt gefasst werden, da ihr Einsatz keine absichtliche Schädigung zur Folge hat. Für die sprachliche Unterscheidung kann die lateinische Sprache herangezogen werden: Die erstgenannte, „negative“ Gewalt wird mithin als violentia[7] bezeichnet, die zweitgenannte als potestas[8]. Im Verlauf der Arbeit wird zu beobachten sein, dass es Passagen, Ereignisse und Schilderungen gibt, an denen eine solche Trennung zunehmend schwierig wird.

Um dies ein Stück weit zu kompensieren, soll der Begriff „negatives Lehrerverhalten“ zum Einsatz kommen. Hierunter soll alles das verstanden werden, was sowohl als beabsichtigte Schädigung als auch unbeabsichtigte Schädigung in der Schule geschieht. In der Literatur wird die Verwendung dieses Begriffs als „diffus“ kritisiert[9], dennoch öffnet diese Perspektive weitere Räume zur Schilderung erlebter inakzeptabler oder negativer Verhaltensweisen, die unter dem Schlagwort „Gewalt“ möglichweise nicht zutage treten würden. Somit wird auch der Forderung von Schubarth und Winter (2012) entsprochen, dass die Wahrnehmung der „Opfer“ als Kriterium angemessener sei[10]. So wird nicht nur die personelle Ebene, sondern auch die institutionelle Ebene einbezogen.

Schließlich haben die Vorgaben der Institution Schule nicht auf alle Schüler dieselbe Wirkung. Um mit Melzer et al. (2011) zu sprechen, handelt es sich um den „Missbrauch politischer Macht“[11]. Auf den Schulkontext angepasst muss man nicht ausschließlich von politischer Macht sprechen, vielmehr umfasst diese Macht die gesamte institutionelle Ebene der Schule mitsamt ihren Funktionen, d.h. Qualifikations-, Selektions-, Legitimations- und Sozialisationsfunktion[12]. Der Begriff „negatives Lehrerverhalten“ schließt also den Begriff der Lehrergewalt in sich ein. Diese Differenzierung erschien nötig und wichtig, da „echte“ Gewalttätigkeit durch den Lehrer oftmals als legitim wahrgenommen und nicht als Gewalt als solche erkannt wird. Dies zeigt auch die Einschätzung einer Teilnehmerin am Interview:

„Wir haben es [den Klaps auf den Po] vielleicht jetzt nicht so ernst genommen, obwohl es uns natürlich schon gestört hat. Aber so die Dimension, dass das also eigentlich nicht geht, das Verhalten, das haben wir da noch nicht so eingeschätzt (…).“ (A83, Z. 230-233)

Mit der Vergabe von Zensuren wird der Selektionsfunktion der Schule Rechnung getragen. Da die Notenvergabe anhand bestimmter Gütekriterien stattfinden soll, deren 100%ige Umsetzung in der Praxis aber mehr als schwierig ist[13], kommt es ggf. zu fehlerhaften Willkürbehauptungen bzw. werden unter dem Deckmantel „nicht praktikabel“ willkürlich verteilte Noten vertuscht. In die Analyse fließt folglich die subjektive Wahrnehmung des Benotungsvorgangs mit ein. So kann u.U. eine Note, die sich im Rahmen der Vorgaben bewegt, als ungerecht empfunden werden.

Dass nicht nur die Notenvergabe, sondern auch andere Handlungen als negatives Verhalten bzw. Gewalt wahrgenommen werden, zeigen die nun folgenden Studien zum Forschungsbereich „Lehrergewalt“.

2.2 Ausgewählte Studien zum Thema

Obwohl die Forschung zum Thema „Lehrergewalt“ und „negatives Lehrerverhalten“ schwierig ist, ist sie dennoch nicht unmöglich. Dies zeigen Publikationen, die in den vergangenen Jahren erschienen sind. Eine gute Zusammenstellung der relevanten Arbeiten und ihren Ergebnissen zum Thema bieten Schmitz et al. (2006). Sie zeigen, dass das Thema der Lehrergewalt keinen Einzug in die klassischen Lehrbücher zur Gewaltforschung gehalten hat, aber es einige Forscher bzw. Forschungsgruppen gibt, die sich damit beschäftigen und ihre Forschungsfragen in breit angelegte Schulforschungsuntersuchungen wie TIMSS[14] einbauen können[15]. In dieser Arbeit sollen exemplarisch Untersuchungsergebnisse vorgestellt werden, die in engem Zusammenhang mit den Ergebnissen der Fragebögen und Interviews stehen und vordergründig für die Erstellung und Auswertung derselben herangezogen wurden.

Krumm (2003); Krumm & Eckstein (2003) und Krumm & Weiß (2000 & 2001)

In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse der drei Autoren deshalb zusammengefasst, da es sich um lediglich zwei verwandte Studien handelt, deren Ergebnisse in kleineren Aufsätzen mit jeweiliger Schwerpunktlegung präsentiert worden sind. In diesen Aufsätzen wird auch auf die Erhebung im Rahmen der österreichischen TIMSS-Studie mit 10 000 Probanden aus den Klassen 7 bis 12/13 verwiesen. Es wurde herausgefunden, dass 17% der Befragten in den letzten 4 Wochen von Lehrern „gekränkt, geärgert und/oder ungerecht behandelt“ worden sind. ⅔ der Befragten gaben an, dass sie die Angriffe durch den Lehrer mindestens genauso belastend einstuften wie jene durch Mitschüler[16]. Da diese Untersuchung zahlreicher Kritik wegen des Mangels an qualitativen Elementen ausgesetzt war, wurde eine zweite Untersuchung veranlasst, die quantitative und qualitative Forschung miteinander verband[17].

So wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz ca. 3000 Studenten zu verletzenden Lehrerverhaltensweisen befragt. Es interessierten die Formen, das Ausmaß, die Häufigkeit und die Folgen. Es gab eine geschlossene Ja/Nein-Frage mit 16 Antwort-Items und eine offene Frage, in der eine detaillierte Fallschilderung verlangt wurde. 77% der Befragten schilderten einen Fall, wobei die Fälle nach verschiedenen Kategorien klassifiziert werden konnten[18]. Bei der Befragung verwendeten Krumm und Weiß das Konzept des „Machtmissbrauchs“, mit der Begründung, dass dies von Schülern bzw. Studenten bevorzugt würde, wenn es um inakzeptables Lehrerverhalten ginge[19]. Mitunter impliziert „Gewalt“ ein engeres Verständnis, sodass etwaige, für die Befragung bedeutsame inakzeptable Vorfälle nicht als solche erkannt und geschildert werden.

Weiterhin wurden 650 Eltern und 670 Lehrer aus Österreich befragt[20]. Die Ergebnisse der Elternbefragung werden ausführlich in Krumm und Eckstein (2003) dargelegt. Auf die Lehrerbefragung wird an späterer Stelle Bezug genommen.

Weitaus interessanter sind die Einschätzungen der Schüler: Die Erlebnisse reichen von der Erfahrung negativer Zuschreibungen, über Bloßstellen, unfaires Verhalten, Beschimpfen, Lächerlich machen, Missachten, das Verletzen von Rechten, die Unterstellung von Fehlhandlungen, Informationsweitergabe, Isolierung, das Verteilen unangemessener Arbeitsaufträge bis hin zu Drohungen und Körperverletzung[21]. Alle Befragten konnten Fälle schildern, in denen Lehrer Mitschüler ungerecht behandelten, selbst wenn sie selbst keine Erfahrungen mit ungerechter Behandlung gemacht hatten[22].

Die erlebten Kränkungen fanden oft wiederholt statt[23] und wurden von den Opfern als schwer belastend empfunden[24]. Besonders häufig wurden ungerechte Benotung und die Zuschreibung von Dummheit oder Unfähigkeit genannt. Daher widmeten Krumm und Weiß diesen Aspekten jeweils einen eigenen Artikel[25]. Aufgrund des einprägsamen negativen Verhaltens ließen sich entsprechend weitreichende Auswirkungen erkennen. Sie kennzeichnen sich durch „Zorn und Wut auf den Lehrer, Widerwillen gegen sein Fach oder die Schule, Angst, Demotivation, Niedergeschlagenheit, Minderung des Selbstvertrauens, Entmutigung und manchmal Flucht aus der Klasse oder Schule“[26], Erlebnisse, die sie zum Teil heute noch beschäftigen[27] sowie körperliche Beschwerden[28].

Im Fragenkomplex für die Lehrer wurde ermittelt, ob sie selbst oder ihre Kinder Erfahrungen mit kränkendem Lehrerverhalten gemacht hätten. Über die Hälfte der Befragten bejahten diese Fragen[29]. Weiterhin gaben jeweils über 80% der Lehrer an, dass sie selbst oder ihre Kollegen sich gegenüber Schülern kränkend verhalten haben[30]. Diese Ergebnisse zeigen, dass in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Dabei wünschen sich die Befragten an erster Stelle, dass ihnen intensiver geholfen wird, „mit schwierigen, unangenehmen, störenden Schülern erfolgreich pädagogisch umgehen zu können“[31]. Spezielle Maßnahmen werden noch nicht vorgeschlagen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Krumm und Weiß Befunde aufgestellt haben, die nach der Einschätzung der Autoren zwar nicht repräsentativ für die Schülerschaft in den untersuchten Ländern sind, jedoch keine Überschätzung bzw. Überbewertung der Situation vorliege: Schließlich war die Bildungskarriere der Befragten erfolgreich, sodass angenommen werden kann, dass die „Befunde die wahren Werte eher unter- als überschätzen“[32].

Schmitz et al. (2006)

Die Autoren führten jeweils 2 umfassende Hauptuntersuchungen zu positivem und negativem Lehrerverhalten durch. In der ersten Hauptuntersuchung zum negativen Lehrerverhalten wurden 300 ehemalige Schüler verschiedener Schulformen gebeten, sich eine Situation aus ihrer Erfahrung vorzustellen und anhand dieser Vorstellung einen Rating-Fragebogen zu beantworten. Die Fragebogen-Items ließen sich in 5 Gruppen einteilen: mangelhafte didaktisch-methodische Kompetenz[33], Mangel an Unterstützung[34], Mangel an Anerkennung[35], Mangel an positiven Gefühlen/Humor[36] und aggressives Lehrerverhalten[37],[38]. Die Einteilung der Kategorien zeigt, dass die von Krumm und Weiß (2001b) erarbeiteten Items im Wesentlichen beibehalten und durch weitere Items ausdifferenziert wurden.

Insgesamt waren ehemalige Schülerinnen meist kritischer als die männlichen Schüler. Realschüler zeigten in vielen Items die höchsten bzw. hohe Werte, d.h. sie haben das vom Item beschriebene Verhalten besonders häufig erlebt. Alle untersuchten Items hatten ihren Mittelwert zwischen 2,00 und 3,44, wobei „2“ mit „oft“, „3“ mit „manchmal“ und „4“ mit „selten“ übersetzt werden muss[39].

In der zweiten Hauptuntersuchung wurden 412 Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schularten und 100 Lehramtsstudenten beauftragt, Episoden mit eigenen Erfahrungen zu vervollständigen. Anschließend wurden die Schüleraussagen in ein Rating gebracht (keine negativen Erfahrungen; langweiliger, „schlechter“ Unterricht; Auslösung negativer Gefühle; verbale Aggressionen und/oder ungerechte/nicht nachvollziehbare/ungleiche Benotung bzw. Beurteilungen; schwere verbale Aggressionen und/oder leichte körperliche Aggressionen sowie schwere körperliche Aggressionen[40]. Zu allen Punkten gab es Formulierungen, wobei erst ab Ratingstufe 3 (Auslösung negativer Gefühle) zunehmend konkrete Verhaltensweisen beschrieben werden und so die Validität der Aussagen steigt[41]. Als schlimmstes Erlebnis haben die meisten Schüler leichte Aggressionen (Ratingstufe 4) durch Lehrpersonen entweder gegenüber sich selbst oder gegenüber Mitschülern wahrgenommen. Die meisten Studenten haben als schlimmste Form von Gewalt bzw. negativem Verhalten schwere Aggressionen (Ratingstufe 5) wahrgenommen. Die Autoren nehmen an, dass die Probanden zuerst von den schlimmsten Erlebnissen berichteten. So lässt sich erklären, warum nur ein verschwindend geringer Prozentsatz von „schlechtem Unterricht“ berichtet[42].

Abschließend stellen die Autoren fest, dass negatives Verhalten, Aggressionen und Gewalt keine Einzelfälle in der Schule sind und in jeder Schulform vorkommen. Trotz der berücksichtigten Wahrnehmungs- und Urteilsverzerrung der Schüler wurde festgestellt, dass besonders in Fällen starker körperlicher und verbaler Aggressionen personalrechtlicher Handlungsbedarf besteht, da die genannten Wahrnehmungsverzerrungen eher in den unteren Ratingstufen auftreten. Die Formen der Aggression belegen die oberen Stufen 4 bis 6[43].

Weiterhin mutmaßen die Autoren über mögliche Erklärungsansätze und Bedingungen zur Entstehung von Aggressionen in der Schule und bedienen sich dabei der gängigen Erklärungsmodelle der Gewaltforschung, wie z.B. der Frustrations-Aggressions-Theorie. Als mögliche Auslöser für negatives Lehrerverhalten werden systemische Gegebenheiten, wie Klassengröße, Heterogenität der Klasse, das Kollegium, das Umfeld der Schüler außerhalb der Schule, die mangelnde Ausstattung der Schule u.v.m., genannt[44]. Außerdem haben situative Bedingungen wie Schülerverhalten, Unterrichtsstörungen, Einstellung der Schüler zum Lernen oder Konflikte der Schüler untereinander sowie personale Einstellungen der Lehrer wie Aggressionsbereitschaft, emotionale Labilität, Kontrollideologie, Hilflosigkeit oder Feindseligkeit[45] Einfluss auf das Zustandekommen negativ wahrgenommener Situationen. Diese Determinanten haben Anteil an der Entstehung negativen Lehrerverhaltens und aus ihnen heraus entwickeln sich die Erklärungsansätze der Autoren. Insgesamt geht man davon aus, dass die Aggressionen der Lehrer in den häufigsten Fällen auf die negative Einstellung der Lehrer gegenüber den Schülern zurückzuführen sei[46].

Die Einteilung der Auswirkungen kann auch auf o.g. Formulierungen von Krumm und Weiß (2001b) angewendet werden. Auf negatives Lehrerverhalten reagierten die Schüler ihrerseits selbst negativ. Dies äußerte sich erstens in mangelnder Motivation, am Unterricht aktiv teilzunehmen, zweitens im Aufkommen negativer Gefühle, drittens in aktivem Störverhalten und viertens in Verkrampfung bzw. Verschlossenheit. Weiterhin konnten aggressive Verhaltensweisen festgestellt werden[47]. Etwaige „Spätfolgen“ des erlebten negativen Verhaltens sind die Ablehnung bzw. das Meiden des Faches, das der Lehrer unterrichtete, die Entscheidung gegen einen Beruf im entsprechenden Fachgebiet, Demotivierung und damit einhergehend die Verschlechterung der Leistungen in der Schule, psychosomatische Störungen, wie Kopfschmerzen sowie Angstreaktionen[48].

Zum Abschluss empfehlen die Autoren Maßnahmen, die die Gewalt durch Lehrer eindämmen sollen. Entsprechend der Annahme, dass negatives Lehrerverhalten aus der negativen Einstellung der Lehrer gegenüber den Schülern resultiert, müssen Veränderungen in der Einstellung und im Verhalten durch Interventions- und Präventionsmaßnahmen erfolgen[49].

Baier et al. (2009)

In dieser Befragung von 50 708 Schülern und Schülerinnen (davon 44 610 auswertbare Fragebögen) der Klassenstufe 9 aller Schulformen in ganz Deutschland[50] wurde herausgefunden, dass ca. 25% aller Schüler mindestens einmal von einer Lehrkraft „lächerlich gemacht“ oder „gemein behandelt“ worden sind. Die Zahl der Schüler, die einem körperlichen Angriff ausgesetzt waren, ist deutlich geringer und liegt bei 2,5% im Zeitraum eines Schulhalbjahres[51]. Außerdem seien geschlechts- und gebietsspezifische Unterschiede festzustellen: Jungen seien dabei häufiger Opfer von Lehrergewalt als Mädchen[52], in den neuen Bundesländern mobben[53] Lehrer weniger als in den alten Bundesländern und in Großstädten sei Mobbing durch Lehrer weiter verbreitet als in ländlichen Regionen[54]. Schulformspezifische Unterschiede seien hingegen zu vernachlässigen[55]. Problematisch ist, dass die Untersuchung keine Erklärungsansätze für die erhobenen Daten von negativem Lehrerverhalten bietet. Es werden lediglich Erklärungen für die Fälle von Mobbing durch Schüler gegeben[56]. Dennoch sind die Ergebnisse dieser Studie nicht gering zu schätzen, da zum ersten Mal eine für die Schüler- und Schulstruktur in der BRD repräsentative Untersuchung im Feld der Lehrergewalt angestellt worden ist.

Ebenso interessant sind die Erhebungen im Rahmen der Bachelor-Arbeit von Stifft und Zelz (2011), die herausfinden wollten, welche Prozesse zur Tabuisierung der Lehrergewalt im Landkreis Steinfurt führen[57]. Durch die Tabuisierung wird die Forschung erschwert, was wenigstens teilweise erklären kann, warum bisher kaum Literatur zu negativem Lehrerverhalten oder Lehrergewalt existiert bzw. nur schwer zu finden ist.

Mit dieser hier vorliegenden Arbeit soll ein Beitrag geliefert werden, die Forschungsdichte ein wenig zu erhöhen und klare Aussagen vornehmlich zu Erscheinungsformen erlebter Lehrergewalt zu treffen. Dabei sollen ggf. die in den Studien zusammengestellten Beschreibungen und Befunde zu Formen, Häufigkeit, Intensität und Auswirkungen bekräftigt oder widerlegt werden.

3 Vorgehensweise zur Gewinnung der Daten

In diesem Kapitel soll das methodische Vorgehen beschrieben und begründet werden. Dabei wird der gesamte Prozess von der Gewinnung der Probanden bis hin zur Auswertung der Daten beschrieben. Eine kritische Betrachtung der Methoden erfolgt in detaillierter Art und Weise in Kapitel 5; dies schließt allerdings nicht aus, dass auch in diesem Kapitel kritische Grundüberlegungen angestellt werden.

3.1 Gewinnung der Interviewpartner

Die Interviewpartner wurden über einen Vor-Fragebogen[58], der im Internet zugänglich war, gewonnen. Der Link zum Fragebogen wurde einerseits über mein Facebook-Profil, andererseits über eine Rund-E-Mail der Technischen Universität Dresden an alle Studierenden öffentlich gemacht. Die erste Veröffentlichung auf Facebook erfolgte am 15. April 2013, die E-Mail der TU Dresden wurde am 17. April verschickt. Dieses Vorgehen erfolgte im Rahmen der Stichprobenziehung nach der Bottom-Up-Methode. Die Empfänger der E-Mail glichen sich im Merkmal des Bildungserfolges.

Alle, die den Link anklickten, füllten den genannten Fragebogen bezüglich erlebter Lehrergewalt bzw. erlebten negativen Verhaltens auf freiwilliger Basis aus. Allen Teilnehmern muss daher ein gewisses Grundinteresse am Thema unterstellt werden. Am Ende des Fragebogens wurde erhoben, ob die Teilnehmer bereit seien, an einem Interview teilzunehmen und ihre Erlebnisse ausführlich zu schildern. Bei dieser Frage wurde ein Filter eingebaut: wurde mit „ja“ geantwortet, konnten die Teilnehmer ihre E-Mail-Adresse eintragen, damit zu ihnen Kontakt aufgenommen werden konnte. Bei „nein“ kamen die Teilnehmer direkt auf die letzte Seite, die ein Werbefeld des Betreibers der Fragebogen-Seite war. So konnten bei Erhebungsschluss für die Kontaktdaten am 22. April 2013 198 potentielle Kandidaten verzeichnet werden. Von dieser Teilnehmerzahl mussten 4 Adressen wegen Doppeltnennung bzw. wegen mangelnder Verwendbarkeit[59] der Kontaktdaten entfernt werden.

Es wurden im Anschluss mittels der Windows-Excel-Funktion „=ZUFALLSBEREICH (1;20)“ diejenigen 20 Adressen ausgewählt, die die Zufallszahl 1 oder 2 bekommen hatten. Diese Personen bekamen am 22. April 2013 eine Einladung zum Interview und sollten in einer Rückantwort mögliche Termine im Mai 2013 vorschlagen. Die anderen 174 Personen bekamen am selben Tag ebenfalls eine E-Mail, mit dem Verweis, dass sie nicht zu den zufällig ausgewählten Interviewpartnern zählten, sich aber ggf. bereithalten sollten, falls andere Teilnehmer kurzfristig abspringen. Da 6 der 174 eine fehlerhafte Adresse angegeben hatten, die nicht sofort als solche identifiziert werden konnte, und die E-Mail nicht zugestellt werden konnte, bleibt folgende Quote:

- Einladung zum Interview: 20, davon 10 Reserve
- Restliche Teilnehmer, falls erste Reserve aufgebraucht wird: 168

Schließlich konnte ein Zeitraster[60] für 10 der 20 zum Interview eingeladenen Personen erstellt werden. Pro Befragung wurden je nach Raumkapazität 1,5 bis 2 Zeitstunden eingeplant, um den Teilnehmern genügend Zeit zu geben, alle Informationen und Erinnerungen unterzubringen und nicht zuletzt um ein wenig Raum für eventuelle Verspätungen zu haben. Dabei sollte eine effektive Interviewzeit von 30 bis 45 Minuten nur im Notfall überschritten werden.

3.2 Vorbereitung der Interviews

Noch bevor die Online-Befragung abgeschlossen war, musste ein Leitfaden zur Durchführung des Interviews erstellt werden. Bei diesen sollte es sich um leitfadengestützte, halbstandardisierte und problemzentrierte Interviews handeln. Der Leitfaden wurde im Wesentlichen auf der Grundlage der in Kapitel 2.2 thematisierten Studien formuliert. Somit wurde auf vorhandene Konzepte aus der Wissenschaft zurückgegriffen und die Fragen wurden so formuliert, dass die Probanden die Möglichkeit haben, frei zu antworten. Die Form des halbstandardisierten Interviews ermöglicht außerdem, genau auf die Befindlichkeiten der Probanden einzugehen und einen flüssigen Gesprächsverlauf, dessen Gesamtstrukturierung von den Antworten der Teilnehmer abhängt, herzustellen. Es handelt sich demnach durchgehend um offene Fragen, die speziell mit dem Thema „negatives Lehrerverhalten“ bzw. „Lehrergewalt“ zu tun haben.

Bevor das eigentliche Interview zu Thema durchgeführt werden kann, muss der Teilnehmer über die einschlägigen Datenschutzbestimmungen aufgeklärt werden. Dazu gehört auch, dass den Interviewteilnehmern eine Zahlen-Buchstaben-Kombination zugewiesen und eine Einwilligungserklärung zur Verwendung der Daten[61] gegeben wird. Die persönlichen Daten der Teilnehmer werden zu Beginn abgefragt, aber nicht in einer Audio-Datei aufgezeichnet.

Für die Durchführung der Interviews muss ein geeigneter Raum gefunden werden. I.d.R. fühlen sich Teilnehmer von Interviews an einem selbst bestimmten Ort, z.B. in der eigenen Wohnung, wohler[62]. Daher können und sollen die Probanden ggf. in der Antwort-E-Mail auch einen Raumvorschlag unterbreiten.

3.3 Durchführung der Interviews

Die Interviews wurden schließlich in einem der Gruppenarbeitsräume der sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) durchgeführt. Die Raum- bzw. Ortsvorschläge der Probanden waren meist deshalb ungeeignet, weil es sich um öffentliche Plätze mit viel Publikum handelte. So konnte nicht gewährleistet werden, dass sich die Interviewten wegen zu einflussreicher Nebengeräusche und Geschehnisse voll auf die Fragen und ihre Erinnerungen konzentrierten. Die Gruppenarbeitsräume bieten wegen der Reservierungsfunktion eine ungestörte Interviewatmosphäre und sind gleichzeitig gut zu erreichen.

Die Stühle der beteiligten Personen stehen im 90°-Winkel zueinander. Ebenso sind die Tische angeordnet. Diese Sitzordnung wirke laut Helfferich weniger bedrohlich und der Tisch vermeide „eine eher Unsicherheit auslösende, offene Sitzhaltung“[63]. Außerdem werden vor dem Interview Gläser und Wasser bereitgestellt, um die Interviewsituation möglichst angenehm zu gestalten.

Das Interview wurde mit dem Diktiergerät IC Recorder ICD-SX712 von SONY in .mp3-Format aufgezeichnet. Bevor die Aufzeichnung begann, wurden die Probanden über den Umgang mit den gewonnenen Daten informiert. Es musste eine Einwilligungserklärung zur spezifischen Verwendung der Daten gegeben werden. Anschließend beantworteten die Probanden einige Fragen zu ihrer Person handschriftlich auf einem Papierbogen[64].

Die Fragen aus dem Leitfaden wurden alle abgearbeitet – soweit sie nicht von den Probanden von allein angesprochen wurden – ggf. umformuliert und der Zeitpunkt der Fragestellung an die entsprechende Interviewsituation angepasst[65]. Die Fragen aus dem Fragebogen wurden teilweise durch ad-hoc-Fragen zur Vertiefung eines aus der Sicht des Probanden besonders interessanten Gesichtspunkts erweitert. Die Befragungen allein dauerten schließlich meist zwischen 13 und 20 Minuten. Die Zeit für Vor- und Nachgespräch belief sich auf jeweils ca. 10 Minuten, sodass die Teilnehmer ungefähr 40 bis 45 Minuten Zeit für die gesamte Interviewsituation aufwenden mussten. Daher waren kurzfristige Terminänderungen in einem gewissen Rahmen möglich und wurden von zwei Teilnehmern in Anspruch genommen.

3.4 Transkription der Interviews

Die Interviews wurden alle als .mp3-Audiodatei aufgezeichnet und im Anschluss an das jeweilige Interview auf den PC übertragen. Zur Unterstützung der Transkription wurde die Software „f4“, Version 3.0.3 verwendet.

Beim Transkribieren wurde lediglich auf essentielle Grundregeln des Transkribierens wert gelegt, d.h. es wurden in Anlehnung an das von Dresing und Pehl (2012) beschriebene einfache Transkriptionssystem[66] die folgenden Transkriptionsregeln in die Arbeit aufgenommen:

- (…) Kennzeichnung langer Sprechpausen
- (unv., xx, yy?) Kennzeichnung, wenn Äußerungen unverständlich waren, ggf. Benennung des Grundes der Unverständlichkeit sowie die mutmaßliche Äußerung
- (lacht) Kennzeichnung auffälliger paraverbaler Handlungen
- […] Kennzeichnung eines Kommentars durch den Transkribierenden
- - Satz- oder Wortabbruch

Alle anderen sprachlichen Besonderheiten wie Dialekt, Füllwörter, verschluckte Silben wurden aus Gründen der Lesbarkeit geglättet. Verkürzte Wörter wurden i.d.R. als solche ohne Apostrophierung dargestellt.[67] Diese Unregelmäßigkeiten haben im Rahmen der Inhaltsanalyse keine Bedeutung, da es Ziel der Untersuchung ist, die nüchternen Fakten des Erlebten widerzuspiegeln. Daher zeigen die Transkripte den Wortlaut der Interviews in einer geglätteten, im Wesentlichen hochdeutsch formulierten Version. Gefühlsregungen der Probanden wurden nur aufgenommen, wenn sie eine deutliche Ausprägung hatten bzw. sehr häufig vorkamen.

3.5 Auswertung der Interviews

Zur Auswertung der Interviews wird die Methode der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010), insbesondere die zusammenfassende Inhaltsanalyse, verwendet. Bei der Auswertung soll die induktive Kategorienbildung vorherrschend sein; allerdings blieb es im Vorfeld nicht aus, sich im Rahmen der Formulierung des Leitfadens über eventuelle Kategorien Gedanken zu machen und diese später im Rahmen des Kreisprozesses der Forschung ggf. zu modifizieren. Es wurde also induktives und deduktives Vorgehen kombiniert. Abschließend konnte unter Berücksichtigung der Nennungen sowohl in den Interviews als auch in den Textfeldern des Online-Fragebogens das im Anhang befindliche Kategoriensystem in alphabetischer Reihenfolge aufgestellt werden.

Mit Hilfe dieses Kategoriensystems konnten die Interviews und Antworten in den Textfeldern des Fragebogens umfassend codiert und geordnet werden. Dies erfolgte mit der Software MaxQDA 11 (Release 11.0.2). Zurückgreifend auf diese Kategorisierung können im nachfolgenden Kapitel typische Äußerungen der Probanden ausgegeben werden. Sie repräsentieren die erlebten Verhaltensweisen und (Gewalt)-Erfahrungen.

3.6 Auswertung der Online-Fragebögen

Die Online-Fragebögen, die beantwortet worden sind, wurden mit Microsoft Office Excel 2013 ausgewertet. Dabei wurde untersucht, wie viele der Befragten selbst Erfahrungen mit negativem Lehrerverhalten gemacht haben, wie viele diesen Sachverhalt aus Erzählungen kennen oder beobachtet haben und wie viele sich an Lehrer oder Lehrerinnen erinnern können, die durch ihr unangemessenes Verhalten negativ auffielen. In einem zweiten Arbeitsschritt wurde jeweils ein Filter angewendet, um geschlechtsspezifische Aussagen treffen zu können.

Schließlich wurden wie oben kurz erwähnt die Texteingaben mit der Software MaxQDA 11 systematisiert. Die gewonnenen Strukturierungen wurden gleichermaßen zur Weiterentwicklung der Kategorien bei der Interviewauswertung herangezogen.

[...]


[1] Auf die parallele Verwendung der männlichen und weiblichen Form wird im Regelfall aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet. Dennoch wird bei der Nennung der männlichen Form die weibliche immer mitgedacht.

[2] Vgl. Krumm & Weiß (2001b): S. 23.

[3] Esser & Hollweg (2010).

[4] Als Beispiel der Anwendung psychischen Drucks kann Benjamin Leberts autobiografische Schilderung in „Crazy“ (2001), S. 123-126 gesehen werden.

[5] Vgl. Schubarth (2010): S. 54ff.

[6] Vgl. Melzer, Schubarth, Ehninger (2011): S. 51ff.

[7] Gewalttätigkeit, Ungestüm, Heftigkeit, Wildheit.

[8] (politische) Gewalt, Macht, Herrschaft; Kraft; Machthaber, Herrscher; Amtsgewalt, Stellung; Beamter, Amtsperson; Wirkung, Wirksamkeit; Möglichkeit, Erlaubnis, Vollmacht.

[9] Vgl. Schubarth & Winter (2012): S. 60.

[10] Vgl. ebd.: S. 60.

[11] Melzer et al. (2011): S. 53.

[12] Vgl. Fend (1980).

[13] Zur Schwierigkeit schulischer Leistungsmessung und -bewertung vgl. Ingenkamp (2005).

[14] Third International Mathematics and Science Study.

[15] Vgl. Schmitz et al. (2006): S. 31ff.

[16] Vgl. Krumm & Weiß (2001b): S. 24.

[17] Vgl. ebd.: S. 25.

[18] Vgl. ebd.: S. 25. Die geschlossene Frage mitsamt ihren Items findet sich a.a.O. auf S. 26.

[19] Vgl. Krumm (2000): S. 61, Fußnote 3.

[20] Vgl. Krumm (2003): S. 110.

[21] Vgl. ebd.: S. 111ff.

[22] Vgl. ebd.: S. 115.

[23] Vgl. Krumm & Weiß (2001b): S. 26.

[24] Vgl. ebd.: S. 27.

[25] Ungerechte Benotung: Krumm & Weiß (2000) und Zuschreibung von Dummheit: Krumm & Weiß (2001a).

[26] Ebd.: S. 28.

[27] Vgl. Krumm (2003): S. 116.

[28] Vgl. Krumm & Weiß (2001b): S. 28.

[29] Vgl. ebd.: S. 29.

[30] Vgl. ebd.: S. 30.

[31] Ebd.: S. 31.

[32] Krumm & Weiß (2000): S. 72, Fußnote 10.

[33] Item: Lehrer war unmotiviert.

[34] Item: Lehrer demütigte leistungsschwache Schüler.

[35] Item: Lehrer zeigte keine Anerkennung, wenn Schüler etwas wussten.

[36] Item: Lehrer war launisch.

[37] Item: Lehrer machte sich über Schüler lustig.

[38] Vgl. Schmitz et al. (2006): S. 43ff.

[39] Vgl. ebd.: S. 46ff.

[40] Vgl. ebd.: S. 55ff.

[41] Vgl. ebd.: S. 57.

[42] Vgl. ebd.: S. 60f.

[43] Vgl. ebd.: S. 63ff.

[44] Vgl. ebd.: S. 73.

[45] Vgl. ebd.: S. 75f.

[46] Vgl. ebd.: S. 135.

[47] Vgl. ebd.: S. 121ff.

[48] Vgl. ebd.: S. 125ff.

[49] Vgl. ebd.: S. 135ff. A.a.O. finden sich ausführliche Beschreibungen dieser Maßnahmen. Im Rahmen dieser Arbeit würde eine Aufnahme des Maßnahmenkatalogs zu weit führen.

[50] Vgl. Baier et al. (2009): S. 31.

[51] Vgl. ebd.: S. 57.

[52] Vgl. ebd.: S. 58.

[53] Unter „Mobbing“ verstehen die Autoren schädigendes Verhalten, das mindestens einmal monatlich vorkommt und ein Schüler mehrfach Opfer dieses Verhaltens wird.

[54] Vgl. Baier et al. (2009): S. 59.

[55] Vgl. ebd.: S. 60.

[56] Vgl. ebd.: S. 60.

[57] Vgl. Stifft & Zelz (2011): S. 4.

[58] Der vollständige Fragebogen ist im digitalen Anhang zu finden und war in der Zeit vom 12. April 2013 bis 30. April 2013 unter der URL: https://www.soscisurvey.de/lehrerverhaltenmatud abrufbar.

[59] Wunsch nach schriftlicher Befragung; keine bzw. unvollständige Adresse angegeben.

[60] Das Befragungszeitraster wird aus Gründen des Datenschutzes nicht veröffentlicht, da u.U. Rückschlüsse über den Probanden-Code und Datum auf die interviewte Person möglich wären. Außerdem trägt die Zeitplanung nichts zur Klärung des in der Arbeit behandelten Sachverhalts bei.

[61] Die verwendete Datenschutz- und Einwilligungserklärung zur Erhebung, Speicherung und Auswertung der Daten ist im digitalen Anhang zu finden.

[62] Vgl. Helfferich (2011): S. 177.

[63] Vgl. ebd.: S. 177.

[64] Soziodemografischer Fragebogen „SD_Interview“ ist im digitalen Anhang zu finden.

[65] Vgl. dazu die gewonnenen Transkripte im digitalen Anhang auf der beiliegenden DVD.

[66] Vgl. Dresing & Pehl (2012): S. 26-28.

[67] Beispiel: einmal à mal.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Negatives Lehrerverhalten und Lehrergewalt in der Schule.
Untertitel
Eine Interviewstudie.
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
75
Katalognummer
V233020
ISBN (eBook)
9783656488828
ISBN (Buch)
9783656491279
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrergewalt, Negatives Lehrerverhalten, Machtmissbrauch in der Schule
Arbeit zitieren
Juliane Schmid (Autor:in), 2013, Negatives Lehrerverhalten und Lehrergewalt in der Schule., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233020

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