Zusammenfassung
Wenn generischen Definitionen zu Folge Morphosyntax die Wiedergabe syntaktischer Funktionen durch morphologische Mittel als Disziplin beschreibt, bzw. als Phänomen einfach ist, so stellt sich nicht erst seit heute die Frage, was eigentlich angesichts eines beständig zu beobachtenden Formenschwunds aus den entsprechenden syntaktischen Funktionen wird. Verschwinden sie gleich mit oder sind sie, wenn auch nur noch implizit, weiterhin vorhanden, wie z.B rein semantisch inspirierte Kasustheorien (Fillmore u.a.) suggerieren möchten? Welche alternativen Vermittlungsmöglichkeiten zwischen einer rein referentiell-semantischen Ebene und ihrer morphologischen (Nicht) -Repräsentation bieten sich gegebenenfalls an? Dieser Frage soll in dem Vortrag an Hand von Beispielen aus dem Deutschen, Spanischen und Englischen auf den Grund gegangen werden und ein Ausweg aus einem offenkundig beständig evolutionierenden Beschreibungsdilemma aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkungen
I.1 Anknüpfung an frühere Überlegungen zum Thema
I.2 Aufgabenstellung: Resituierung morphologischer Details in Bezug auf ihren Kommunikationsbeitrag
II. Begriffsklärung: Morphosyntax vs. Nomosyntax
III. Faktencheck
III.1 Niveau 4: Identifikation/Wiedererkennungswert
III.2 Niveau 3: Unterstützungsfunktion
III.3 Niveau 2: Notwendigkeit im Teil-Ganzes-Sinn
III.4 Polyfunktionalität
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den Funktionalitätsstatus morphologischer Markierungen in Sprachen wie dem Deutschen, Spanischen und Englischen. Das primäre Ziel ist es, das Verhältnis zwischen Morphosyntax und der vom Autor eingeführten „Nomosyntax“ zu klären und zu hinterfragen, ob morphologische Details tatsächlich essentiell für das Verständnis eines Satzes sind oder eher eine unterstützende bzw. dekorative Funktion einnehmen.
- Die kritische Evaluierung des Funktionalismus in der Morphologie.
- Die Einführung und theoretische Abgrenzung des Konzepts der „Nomosyntax“.
- Die Analyse morphologischer Markierungen anhand einer vierstufigen Funktionalitätshierarchie.
- Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Morphologie und Kommunikationsnotwendigkeit.
- Implikationen für die Sprachdidaktik und die Dynamik der Sprachentwicklung.
Auszug aus dem Buch
II. Begriffsklärung: Morphosyntax vs. Nomosyntax
Im Zuge unserer Recherchen sind wir auf einen kaum bekannten, aber nichtsdestoweniger interessanten Begriff gestoßen, der möglicherweise einen struktierten Weg aus der ansonsten nur mehr oder weniger von Glaubensüberzeugungen getragenen Debatte über den Status der Morphologie innerhalb des Kommunikationssystems Sprache eröffnet. Die Rede ist von dem Konzept der Nomosyntax. Wenn wir sagen: kaum bekannt, ist das fast noch vorsichtig formuliert. Der einzige ontologische Nachweis des Begriffs besteht in der knappen Dudenerklärung „Syntax des Inhalts eines Satzes“, der Große Wahrig registriert ihn nicht, im Spanischen ist er etwa gänzlich unbekannt, bei einfacher Internetrecherche spielt er offensichtlich keine Rolle in irgendeiner medienbekannten Veröffentlichung. Was könnte es damit also auf sich haben?
Wir hätten hingegen einen anderen Vorschlag zur Erhellung und zum vorteilhaften Gebrauch dieses Phantomkonzepts zu machen: Wie nun, wenn die Generierung von Bedeutung in der Satzkomposition sich zur morphosyntaktischen Feinstruktur apriorisch verhielte? Unter diesem Blickwinkel stellten sich morphologische Details in einem ganz anderen Licht dar als unter der disziplinären Selbstwahrnehmung der Morphosyntax. Während letzterer quasi naturwüchsig ein atomar-additiver Sprachbau und damit ein unverrückbarer Glaube an die Morphologie im Sinne einer unverzichtbaren Teil-für-das-Ganze-Funktion unterliegt, würde der nomosyntaktische Ansatz von einem unterstellten Sinnganzen ausgehend die Einzelkomponenten der Rede und ihren Beitrag dazu würdigen, was womöglich zu einer ganz anderen Evaluierung derselben führen könnte. In diesem Sinne wäre Nomosyntax gleich Synonym einer anderen, relativ rekursoffenen Sprachauffassung und nicht nur simples Pendant zur Morphosyntax auf der Zeichenebene.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkungen: Einführung in die Fragestellung nach der Funktionalität morphologischer Bausteine in historischen Sprachen und Etablierung eines Klassifizierungsschemas für Sprachfakten.
II. Begriffsklärung: Morphosyntax vs. Nomosyntax: Theoretische Abgrenzung der Morphosyntax gegenüber dem Konzept der Nomosyntax als Ansatz einer inhaltsorientierten Sprachauffassung.
III. Faktencheck: Empirische Überprüfung der Funktionalitätshierarchie von morphologischen Markierungen anhand verschiedener Niveaus wie Identifikation, Unterstützung und Bedeutungskonstitution.
IV. Fazit: Zusammenfassende Auswertung der Analyse mit Implikationen für die Sprachtheorie, Typologie, Kontrastivlinguistik und Sprachdidaktik.
Schlüsselwörter
Morphosyntax, Nomosyntax, Funktionalität, Kasusmarkierung, Morphologie, Sprachbau, Kommunikation, Syntax, Bedeutung, Sprachdidaktik, Sprachentwicklung, Konfigurationalität, Valenztheorie, Sprachvergleich, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, welchen funktionalen Stellenwert morphologische Markierungen in Sprachen wie Deutsch haben und ob diese als absolut notwendige Elemente oder eher als sekundäre Unterstützung innerhalb eines Sprachsystems zu betrachten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Auseinandersetzung mit Morphosyntax, die Einführung der Nomosyntax, die diachrone Sprachveränderung sowie die Rolle der Grammatik im Spracherwerb und der Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass der Sprachbau „top-down“ vom Sinnganzen zur detaillierten Form erfolgt und morphologische Details oft nur eine sekundäre unterstützende Funktion besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine faktengestützte Analyse und kontrastive Betrachtungsweise, bei der morphologische Phänomene in eine entwickelte Funktionalitätshierarchie eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen „Faktencheck“, der morphologische Markierungen auf vier Niveaus (Identifikation, Unterstützungsfunktion, Notwendigkeit im Teil-Ganzes-Sinn und Polyfunktionalität) detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Morphosyntax, Nomosyntax, Funktionalität, Kasus, Sprachdidaktik und Kommunikationsnotwendigkeit.
Was ist mit der „Nomosyntax“ gemeint?
Der Autor schlägt vor, Nomosyntax als eine inhaltsorientierte Sprachauffassung zu verstehen, bei der man vom Sinnganzen ausgeht, anstatt nur die morphosyntaktische Feinstruktur als atomaren Sprachbaustein zu betrachten.
Warum hinterfragt der Autor die Bedeutung von Kasusmarkierungen?
Aufgrund von Phänomenen wie Kasusschwund und der oft polyfunktionalen Natur von Morphemen bezweifelt der Autor, dass Kasusmarkierungen in modernen Sprachen eine unverzichtbare semantische Funktion haben.
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- Doktor Kurt Rüdinger (Author), 2013, Morphosyntax und Nomosyntax: Wirklich zwei Seiten einer Medaille?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233061