Psychische Belastung am Arbeitsplatz


Seminararbeit, 2012

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung psychischer Belastungen
2.1 Soziale Aspekte
2.2 Funktionale Aspekte

3 Erscheinungsformen und Ausprägungen psychischer Belastungen Überschrift
3.1Umgebungsbedingte Belastungen(Sick-Building-Syndrom)
3.2Emotionale Belastungen(Burnout, Stress)
3.3Psychosoziale Belastungen(Mobbing)

4 Folgen psychischer Belastungen
4.1 Folgen für Betroffene
4.2 Ökonomische Folgen

5 Bestimmung und Beurteilung psychischer Belastungen

6 Prävention und Abhilfe

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ein Schlagwort, mit dem die heutige Gesellschaft beschreiben könnte ist mit Sicherheit „ständiger Wan- del“. Neue Technologien und sich kontinuierlich verändernde wirtschaftliche und soziale Umstände bestimmten nicht nur unser Alltagsleben, Unternehmen und Politik, sondern auch in hohem Maß unsere Arbeitsplätze.1

So waren bis vor einigen Jahren psychische Belastungen, also Vorgänge, die mit dem Denken, Erinnern, Wahrnehmen und Empfinden zu tun haben, am Arbeitsplatz weder richtig bekannt noch wurden sie, wenn vorhanden, wahrgenommen, wohingegen körperliche Belastungen wie Berufskrankheiten oder beispielsweise Rückenprobleme verursacht durch schweres und falsches Heben während der Arbeit an der Tagesordnung waren.

Heutzutage hat sich dieses Bild stark geändert. Schlagzeilen wie „ Erschöpfte Organisation, ausgebrann- te Beschäftigte“2oder „Volk der Erschöpften“3sind keine Neuheiten mehr, weder in Fachzeitschriften noch Nachrichtenmagazinen. Auch Zahlen und Statistiken sprechen dafür, dass die Bedeutung von psy- chischen Belastungen am Arbeitsplatz immer mehr zunehmen, so erklärte die Weltgesundheitsorganisa- tion beruflichen Stress zu „einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts".4Außerdem sind seelische Erkrankungen heutzutage „der häufigste Grund, weshalb Arbeitnehmer vorzeitig in Ruhestand gehen“.5 Während jedoch für die Verhinderung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten schon Erfahrung gesammelt wurde und viele Vorschriften und Regelungen vorhanden sind, ist diese Sachkenntnis bei psychischen Belastungen wie Stress, Burnout oder dem Sick-Building-Syndrom, noch wenig entwickelt. So ist die Korrelation von Arbeitsbedingung, vor allem psychischen Belastungen und deren Folgen auf die Psyche der Arbeiter, noch wenig erforscht.6

Trotzdem beeinflussen psychische Belastungen nicht nur die Arbeiter selbst, sondern auch die Unternehmen müssen mit immer weiter wachsenden Kosten rechnen. So stiegen die durch das BurnoutSyndrom verursachten Krankheitstage laut BKK Gesundheitsreport von 2004 bis 2010 von durchschnittlich 4,6 auf über 63 Tage, also um mehr als das 13-fache.7

Diese Zahlen lassen aufhorchen und betonen die Wichtigkeit, psychische Belastungen am Arbeitsplatz näher zu analysieren. Dazu muss man zunächst wissen, um was es sich dabei genau handelt und wie diese Belastungen entstehen. Nachfolgend sollten die unterschiedlichen Arten und Ausprägungen untersucht werden. So kann man psychische Belastungen bestimmen und abschließend auch präventive und interventionelle Gegenmaßnahmen treffen. Dieser Struktur soll auch diese Seminararbeit folgen. Aus Gründen der Einfachheit wird sich der Inhalt dieser Seminararbeit nur auf psychische Belastungen beschränken, die nicht von der grundsätzlichen Art der Arbeit abhängig sind. So werden voraussehbare Belastungen wie mögliche Gewalt am Arbeitsplatz von Polizisten oder Sicherheitspersonal oder seelische Strapazen bei Ärzten oder Pflegepersonal hier außer Acht gelassen.

2 Entstehung psychischer Belastungen

Laut DIN EN ISO 10075-1 sind psychische Belastungen „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“. So beeinflussen psychi- schen Belastungen jede Tätigkeit und sind normaler und notwendiger Bestandteil der Arbeit, der sich nicht zwingend negativ auf den Mitarbeiter ausübt. Beispiele hierfür sind soziale Einflüsse, Tätigkeitsan- forderungen, Umgebungseinflüsse oder Dauer und Intensität der Arbeit.8Die aus psychischen Belas- tungen resultierende „zeitlich unmittelbare, individuelle Reaktion“9wird psychische Beanspruchung genannt. Und diese ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die individuelle Reaktion hängt dabei von den persönlichen Ressourcen und Voraussetzungen wie Qualifikation, Gesundheit und Motivation, ab.10Dementsprechend kann eine Belastung sowohl zu positiven als auch negativen Folgen führen. Im positiven Fall können psychische Belastungen die Gesundheit und die Leistung fördern und das Fach- wissen erweitern. Im negativen Fall führen diese zur Beeinträchtigung der Gesundheit, die sich zum Beispiel in Stressreaktionen, Ermüdung, mangelnder Arbeitszufriedenheit oder Burnout äußern.11

Die Entstehungsbedingungen von psychischer Belastung am Arbeitsplatz lassen sich „in der Gestaltung, der Organisation und dem Management sowie im wirtschaftlichen und sozialen Kontext der Arbeit“12finden. An der Spitze der Faktoren, die laut den Führungskräften den größten Einfluss auf psychosoziale Belastungen haben, befinden sich laut EU-OSHA „Zeitdruck“ mit 52 % und „Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten, Schülern usw.“ mit 50 %.13

Wenn man als Überbegriff die Arbeitsorganisation, also das „geplante Zusammenwirken von Menschen und ggf. Technik zur Erreichung eines Zieles“14definiert und hierzu noch in soziale und funktionale Aspekte, die sich auf die Mitarbeiter auswirken, gliedert, erhält man einen deutlicheren Einblick in die Entstehung psychischer Belastungen.

2.1 Soziale Aspekte

Unter sozialen Aspekten versteht man den Umgang, den Kollegen und Vorgesetzte miteinander pflegen. Hierbei sind natürlich das Arbeitsklima, also die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und der soziale Rückhalt, den diese bieten wichtig. Wenn keine oder zu wenig Kommunikation stattfindet, fühlt sich der betroffene Mitarbeiter in der Regel ausgeschlossen und isoliert. Durch falsche, überflüssige oder zu viel Information kann ein Angestellter verunsichert oder überfordert sein oder sogar zu falschen Handlungen mit negativen Folgen gebracht werden. Auch das Bedürfnis nach gesellschaftlichem Rück- halt, zum Beispiel durch die Bildung von sozialen Gruppen, muss erfüllt sein. Denn diese bieten Unter- stützung in beruflichen und privaten Themen und können helfen, schwierige oder neue Situationen zu bewältigen. Ohne diese Gruppen können Anfeindungen und Mobbing leichter entstehen.

Neben den Kollegen spielen auch Vorgesetzte eine wichtige Rolle für den Mitarbeiter. Eine Führungs- person sollte auf der einen Seite durch klar formulierte Ziele und die Bereitstellung der dafür „notwendi- gen Sach- Finanz- und Personalmittel“15seine Führungsaufgabe wahrnehmen, aber auf der anderen Seite auch ein Ansprechpartner und Berater für die Fragen und Probleme seiner Mitarbeiter sein, der beispielsweise in einem Mitarbeitergespräche dabei hilft, Lösungen für Schwierigkeiten zu finden. Wenn sich ein Vorgesetzter falsch verhält kann das „desorientieren, demotivieren, einengen, unzufrieden machen und stressen.“16Deshalb sollte eine Führungskraft in der Lage sein, eine Balance in seinem Führungsverhalten zu finden, um die einzelnen Mitarbeiter genauso unterstützen zu können wie das Unternehmen, für das sie arbeitet.

Auch der Kontakt mit Kunden erfordert soziale Kompetenz, die in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft essentiell ist. Die Mitarbeiter müssen wissen, wie sie sowohl mit ihren eigenen Emotionen als auch dem eventuell schwierigen Verhalten von Auftraggebern, Gästen, potentiellen Käufern, Patienten oder Schülern umgehen.17

2.2 Funktionale Aspekte

Zu den funktionalen Aspekten der Arbeitsorganisation, die zu psychischen Belastungen führen können gehören organisatorische und Regulationsbedingungen.

Aus falscher Organisation von Arbeitsplätzen, Arbeitszeit oder Lernbedingungen können leicht Proble- me entstehen. So kann ein personeller Arbeitskräftemangel dazu führen, dass die vorhandenen Mitarbei- ter mehr Aufgaben als möglich bewältigen müssen, was zu Lasten der Qualität der Arbeit oder der Ar- beitszufriedenheit des Mitarbeiters passiert. Mitarbeiter fühlen sich durch den entstehenden Zeitdruck schnell überfordert. Auch zu hohe Ansprüche an die bestehenden Mitarbeiter, die durch eine minderwer- tige Personalauswahl oder einen Fachkräftemangel entstehen, führen meist zu einer qualitativen Über- forderung. Ebenso kann auch eine dauerhafte Unterforderung der fachlichen Leistung Unzufriedenheit mit sich bringen.18

Durch die richtigen Regulationsbedingungen sollen Störungen, Hindernisse und permanente Regulierungsüberforderungen verhindert werden. So kosten ständig wiederkehrende Arbeitsunterbrechungen und -erschwerungen Zeit, die eigentlich in die richtige Arbeit investiert werden sollte. Regulationsüberforderungen überschreiten die Leistungsgrenzen des Mitarbeiters und haben sowohl physische als auch psychische Auswirkungen. Hierzu gehören neben chronischem Zeitdruck und Monotonie auch Umgebungseinflüsse, wie Hitze, Lärm oder schlechte Lichtverhältnisse.19

Außerdem sollte eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit, also eine Work-Life-Balance gegeben sein, damit keiner der beiden Bereiche zu kurz kommt. Unregelmäßige Arbeitszeiten oder Schicht- und Nachtdienst erschweren dies erheblich. Auch zu wenig oder zu kurze Pausen mindern die nötige Erho- lungsmöglichkeit.20

Im Folgenden soll nun die Ursache-Wirkung-Beziehung von falscher Organisation und psychischer Belastung nochmal an einem Beispiel verdeutlicht werden.

Ein Kundenbetreuer hat an einem Tag zwei Termine außer Haus. Nach dem ersten Termin fährt er ungefähr 50 km weit zu seinem zweiten Termin, der für 15:00 Uhr angesetzt wurde. Bedingt durch die Verkehrssituation gerät er in Zeitverzug. Um seine Verzögerung so gering wie möglich zu halten versucht der Kundenbetreuer den Zeitverlust durch waghalsiges Fahren auszugleichen. Dabei wird er in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem er verletzt wird und aufgrund dessen ca. 4 Wochen ausfällt. In dieser Zeit kann er gar keine Termine wahrnehmen oder Aufträge entgegennehmen.21

An diesem Beispiel wird deutlich, dass in der Planung des Arbeitsablaufes keine Störungen berücksichtigt wurden, wodurch Zeitdruck und Hektik entstehen. Man sieht auch, dass das zu noch größeren Verzögerungen und sogar Ausfällen führen kann.

3 Erscheinungsformen und Ausprägungen psychischer Belastungen Über- schrift

Im Folgenden wird anhand einiger Beispiele näher auf negative umgebungsbedingte, emotionale und psychosoziale Erscheinungsformen von psychischen Belastungen eingegangen. Umgebungsbedingten Belastungen werden allein von Umgebungseinflüssen verursacht. Sie entstehen also ohne dass bestimm- te Voraussetzungen bei dem Betroffen selbst oder in dessen sozialem Umfeld gegeben sein müssen. Zu den emotionalen Aspekten gehören alle Konflikte, „bei denen die Wechselwirkung mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen eine besondere Rolle spielt“22. Es handelt sich um die persönliche Reaktion auf Umgebungseinflüsse. Zuletzt werden Belastungen behandelt, die psychosozialer Natur sind. Sie entstehen in zwischenmenschlichen Beziehungen und im Umgang der Mitarbeiter und Vorgesetzten miteinander.23

3.1 Umgebungsbedingte Belastungen(Sick-Building-Syndrom)

Das Sick-Building-Syndrom wurde erstmals in den siebziger Jahren wahrgenommen und beschäftigt seitdem sowohl Betroffene und Arbeitgeber als auch Fachleute. Bei dem Sick-Building-Syndrom handelt es sich um eine Reihe diffuser Beschwerden ohne eindeutige medizinische Diagnose, die in modernen, neu gebauten oder renovierten Bürogebäuden auftreten. Eine objektive Ursache lässt sich meist nicht finden, wobei das Sick-Building-Syndrom auch nicht bei allen, sondern nur einem Teil der Mitarbeiter auftritt. Die Betroffenen berichten auch, dass diese Befindlichkeitsstörung meist nur im Gebäude auftritt und beim Verlassen verschwindet. Die häufigsten Symptome sind hierbei „Kopfschmerzen (50 %) und Augen- und Schleimhautirritationen (40 %)“24, jedoch sind auch „Beklemmungsgefühle in der Brust, Hautreizungen, […] Antriebslosigkeit und Müdigkeit“25typische Beschwerden. Krankheitsbedingte Fehlzeiten betragen hier jedoch selten mehr als seine Woche.26

[...]


1Vgl. hierzu: EU-OSHA (Unternehmensumfrage, 2010), S. 1.

2Personalführung (Organisationen, 2012)

3Der Spiegel (Volk der Erschöpften, 2011), S. 114.

4Vgl. hierzu: Der Spiegel (Volk der Erschöpften, 2011), S. 116.

5personalmagazin (Brennen, 2012), S. 12.

6Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 5.

7Vgl. hierzu: BKK Gesundheitsverband (BKK Gesundheitsreport, 2011), S 189.

8Vgl. hierzu: Poppelreuter & Mierke (Belastungen), S. 19.

9DIN EN ISO 10075-1.

10Vgl. hierzu: Poppelreuter & Mierke (Belastungen), S. 19.

11Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 13.

12EU-OSHA (Unternehmensumfrage, 2010), S. 7.

13Vgl. hierzu: EU-OSHA (Unternehmensumfrage, 2010), S. 7.

14Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 17.

15Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 17.

16Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 31.

17Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 21.

18Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 25.

19Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 22.

20Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 24.

21Nach: Poppelreuter & Mierke (Belastungen, 2005), S. 26 f.

22Poppelreuter & Mierke (Belastungen, 2005), S. 35.

23Vgl. hierzu: Poppelreuter & Mierke (Belastungen, 2005), S. 35.

24Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 133.

25Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 133.

26Vgl. hierzu: Bundesverband für Unfallkassen (Belastungen, 2005), S. 133 ff und Poppelreuter & Mierke (Belastungen, 2005), S. 35 ff.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Psychische Belastung am Arbeitsplatz
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V233063
ISBN (eBook)
9783656502593
ISBN (Buch)
9783656503637
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychische Belastung, Burnout;, Mobbing;, Personal;
Arbeit zitieren
Julia Steger (Autor), 2012, Psychische Belastung am Arbeitsplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233063

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