Anfang August 1562 verwüstet ein Unwetter weite Teile Südwestdeutschlands. Kurz darauf brennen in der kleinen Grafschaft Wiesensteig die ersten Scheiterhaufen - ein schreckliches Szenario, das sich in den folgenden Jahrzehnten in anderen Regionen mehrfach wiederholen sollte. Denn ein häufiger Grund für die Verfolgung von Hexen war die Anschuldigung, Wetterzauber betrieben zu haben. Tatsächlich fallen die Hochphasen der Hexenverfolgung mit einer Klimaverschlechterung zusammen, die als „Kleine Eiszeit“ bekannt geworden ist. Anhand ausgewählter Beispiele geht die vorliegende Arbeit der Frage nach, ob und inwiefern dieser Zusammenhang im südwestdeutschen Raum nachweisbar ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I: Die „Kleine Eiszeit“ – Ursachen und Folgen
1. Die „Kleine Eiszeit“ – Versuch einer Definition
2. Die Ursachen der „Kleinen Eiszeit“
3. Vorherrschende Luftdruckkonstellationen während der „Kleinen Eiszeit“ und heute – ein Vergleich
4. Die Witterung während des Höhepunkts der europäischen Hexenverfolgung
5. Die ökonomischen Folgen der „Kleinen Eiszeit“ für die Landwirtschaft
6. Die Hungerkrise der frühen 1570er Jahre und der allmähliche Mentalitätswandel
Teil II: Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland vor dem Hintergrund der „Kleinen Eiszeit“
7. Zeitgenössische Erklärungsansätze für Witterung und Wetter
8. Die Hexenverfolgungen in Wiesensteig und der Reichsstadt Esslingen
9. Widerspruch aus Stuttgart: Die Ansichten der beiden Theologen Matthäus Alber und Wilhelm Bidembach
10. Hexenprozesse im Herzogtum Württemberg und die Meinungen weiterer führender Theologen
11. Hexenverfolgungen in der Reichsstadt Rottweil
12. Hexenverfolgungen in der hohenbergischen Stadt Rottenburg
13. Die beiden Verfolgungswellen in der Fürstpropstei Ellwangen
14. Die Hexenprozesse in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd
Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland im Kontext der „Kleinen Eiszeit“? – ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die These, ob ein direkter Zusammenhang zwischen den klimatischen Verschlechterungen der „Kleinen Eiszeit“ und den Konjunkturen der Hexenverfolgung im südwestdeutschen Raum zwischen 1560 und 1630 besteht. Dabei wird analysiert, inwieweit Witterungsanomalien und die daraus resultierenden Versorgungskrisen als Auslöser für soziale Spannungen und die Suche nach Sündenböcken in Form von Hexenprozessen dienten.
- Klimageschichtliche Einordnung der „Kleinen Eiszeit“ und ihre meteorologischen Ursachen.
- Analyse der ökonomischen Auswirkungen der Klimaverschlechterung auf die Landwirtschaft.
- Kulturgeschichtliche Untersuchung des Mentalitätswandels und der zeitgenössischen Deutung von Wetterphänomenen.
- Regionalstudien in ausgewählten Herrschaftsgebieten zur Überprüfung der These anhand von Fallbeispielen.
- Vergleich der staatlichen und kirchlichen Reaktionen auf Hexereianklagen in unterschiedlichen Territorien.
Auszug aus dem Buch
Die Witterung während des Höhepunkts der europäischen Hexenverfolgung
Nachdem wir nun die wichtigsten Luftdruckkonstellationen, die die Witterung Mitteleuropas maßgeblich steuern, kennengelernt haben, ist ein Blick auf deren konkreten Verlauf mit all seinen Besonderheiten angebracht, um zu sehen, vor welchem witterungsklimatischen Hintergrund die Hochphase der europäischen Hexenverfolgung stattfand.
Insgesamt gesehen war die „Kleine Eiszeit“ eine global spürbare Abkühlungsphase. Weltweit verringerte sich die Durchschnittstemperatur um 1°C bis 2°C. Die Gletscher rückten vor und in den Gebirgen wanderte die Baumgrenze talwärts. Zwischen 1550 und 1700 lagen die Durchschnittstemperaturen zwischen 1,2°C und 1,4°C tiefer als während des Mittelalterlichen Klimaoptimums.
Die Zunahme strenger Winter ab 1564 markierte die beginnende Klimaverschlechterung. Im Schnitt waren die Winter der „Kleinen Eiszeit“ um 0,4°C kälter als in der Zeit von 1901 bis 1960. Diese Grundtendenz wurde allerdings bis etwa 1650 immer wieder von Phasen überlagert, in denen die Winter genauso mild waren wie in der Vergleichsperiode. Andererseits gab es namentlich zwischen 1565 und 1595 eine Häufung von Wintern, die um 1,3°C frostiger waren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema Klimawandel, Definition von Grundbegriffen der Klimatologie und Hinführung zur Fragestellung der Arbeit.
Teil I: Die „Kleine Eiszeit“ – Ursachen und Folgen: Analyse der Definition der „Kleinen Eiszeit“, ihrer physikalischen Ursachen und ihrer ökonomischen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion.
Teil II: Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland vor dem Hintergrund der „Kleinen Eiszeit“: Untersuchung der zeitgenössischen Wetterdeutung und detaillierte Darstellung von Hexenprozessen in verschiedenen südwestdeutschen Regionen.
Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland im Kontext der „Kleinen Eiszeit“? – ein Fazit: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Beantwortung der Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Klimaverschlechterung und Hexenverfolgung.
Schlüsselwörter
Kleine Eiszeit, Hexenverfolgung, Südwestdeutschland, Klimageschichte, Witterungsanomalien, Landwirtschaft, Agrarkrise, Mentalitätsgeschichte, Wetterzauber, Sündenbock, Soziale Spannungen, Teufelsglaube, Frühe Neuzeit, Klimatologie, Hungerkrisen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Klimaverschlechterung in der Frühen Neuzeit, der sogenannten „Kleinen Eiszeit“, und der Intensivierung der Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Klimatologie, Agrar- und Wirtschaftsgeschichte, Mentalitätsgeschichte sowie die rechtliche und religiöse Praxis in Hexenprozessen des 16. und 17. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die These zu überprüfen, ob Klimaverschlechterungen und die daraus resultierenden Versorgungskrisen direkt für die Wellen der Hexenverfolgung in Südwestdeutschland verantwortlich gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kulturgeschichtliche und historisch-klimatologische Analyse, die historische Quellen (Chroniken, Flugschriften, Predigten) mit modernen Erkenntnissen der Klimageschichte verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt zunächst die klimatischen Ursachen und Folgen der „Kleinen Eiszeit“ und analysiert anschließend anhand zahlreicher Regionalbeispiele die spezifischen Auslöser für Hexenprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Kleine Eiszeit, Hexenverfolgung, Südwestdeutschland, Agrarkrisen, Mentalitätswandel und Schadenzauber.
Wie wurde die Auswahl der untersuchten Regionen getroffen?
Die Auswahl erfolgte basierend auf der grundlegenden Arbeit von Erik Midelfort sowie der Verfügbarkeit von historischen Quellen in den jeweiligen Territorien.
Welche Rolle spielten Theologen bei der Hexenverfolgung?
Die Theologen fungierten als Multiplikatoren; während einige (wie in Stuttgart) die Vorstellung vom Wetterzauber der Hexen ablehnten und auf Gottes Allmacht verwiesen, befeuerten andere durch ihre Predigten die Angst der Bevölkerung.
- Citar trabajo
- Hannes Weik (Autor), 2010, Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland im Kontext der "Kleinen Eiszeit" (1560-1630), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233077